Wie verwenden Schüler*Innen vage Referenzmittel, wie gestalten sie Referenzialisierung und unterscheidet diese sich je nach Schulform? Diese Frage untersuche ich anhand Inhaltsangaben von Schüler*Innen über den Primärtext „Die Geschichte vom jungen Krebs“. Meine Hypothese ist, dass die Verwendung in einem Zusammenhang mit der Schulform steht: Je niedriger die Schulform, desto eher wird auf sehr vage Referenzmittel zurückgegriffen. Anhaltspunkte für die Plausibilität der Hypothese gibt es beispielsweise in Studien zur gesellschaftlichen Schicht und zur Verwendung vager Ausdrücke. Dass die Schulform und soziale Herkunft der Schüler*Innen in einem Zusammenhang stehen, führen beispielsweise Berkemeyer und Meißner aus. Dies liegt unter anderem an primären und sekundären Herkunftseffekten und einer Bildungspolitik, die sich nicht hinreichend um Durchlässigkeit im Schulsystem bemüht. So gibt es Untersuchungen, die Evidenz für einen Zusammenhang zwischen vager Sprache und sozialer Schicht liefern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vage Referenzmittel
2.1 Kontext: Die Rolle von Referenz in Texten
2.2 Anamnestischer Gebrauch von Demonstrativa
2.3 Indirekte Anaphorik
2.4 Deiktische Ausdrücke
3. Methode
4. Analyse der Schüler*Innentexte
4.1 Primärtextanalyse: Gianni Rodari – die Geschichte vom jungen Krebs
4.2 Gymnasium
4.3 Realschule
4.4 Hauptschule
4.5 Vergleich
5. Diskussion
5.1 Methodische Diskussion
5.2 Theoriediskussion
6. Schlussfolgerungen für den Deutschunterricht
7. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Verwendung vager Referenzmittel in Inhaltsangaben von Schüler*innen verschiedener Schulformen zu Gianni Rodaris Kurzgeschichte „Die Geschichte vom jungen Krebs“. Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen der Schulform und der Präzision sprachlicher Bezugnahmen auf Ereignisse und Propositionen zu analysieren, um potenzielle Fehlermuster und den Einfluss des Originaltextes auf die Schreibqualität zu identifizieren.
- Analyse vager Referenzmittel (z.B. Pronomina wie „es“)
- Einfluss der Schulform auf sprachliche Präzision
- Vergleich zwischen Gymnasium, Realschule und Hauptschule
- Rolle der Textkohärenz und des Textweltmodells beim Schreiben
- Didaktische Perspektiven für den Deutschunterricht
Auszug aus dem Buch
4.1 Primärtextanalyse: Gianni Rodari – Die Geschichte vom jungen Krebs
In der fiktionalen Kurzgeschichte, die folglich auf fiktive Dinge, Personen und Ereignisse referiert, geht es um den Konflikt zwischen Selbstverwirklichung/dem Folgen eigener Überzeugungen und sozialer Erwünschtheit/ Eingebundenheit. Der Konflikt wird anhand der Idee eines jungen Krebses, sich anders als seine Artgenossen fortzubewegen, dargestellt. Der Krebs verfügt über „eigenständige[s] Denken“ sowie die „feste Überzeugung“ richtig zu handeln und „[kompromisslose Ideen]“ (Hofmannová 2010: 90).
Die Geschichte ist sehr kurz und die erzählte Zeit wird stark gerafft. Der Text ist an vielen Stellen umgangssprachlich gehalten. Die Sprache wird teilweise naiv wirkend verwendet, was die Perspektivierung des jungen Krebses unterstützt. Anschaulich macht den Text auch, dass zirka die Hälfte des Textes aus wörtlicher Rede besteht, wobei der Anteil von Redewendungen, Phrasen (im literaturwissenschaftlichen Sinne) und Gemeinplätzen hoch ist. Dieses wiederum unterstützt einerseits die kindliche Sicht des jungen Krebses auf die Welt, andererseits verdeutlicht der Gebrauch der erwachsenen Tiere abgedroschener, unkonkreter Formulierungen, dass sie keine sachgemäßen Argumente für ihre Vorbehalte und ihr ausgrenzendes Verhalten benennen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Alltagsbeobachtung vager Referenzmittel ein und stellt die Hypothese auf, dass die Schulform einen Einfluss auf die Präzision wörtlicher Formulierungen hat.
2. Vage Referenzmittel: Hier werden theoretische Grundlagen zu Referenz, Anaphorik und Deixis gelegt, um den Begriff der vagen Referenzmittel wissenschaftlich einzugrenzen.
3. Methode: Das Kapitel beschreibt das Vorgehen bei der qualitativen Auswertung von zwölf ausgewählten Schüler*innentexten aus dem Ludwigsburger Aufsatzkorpus.
4. Analyse der Schüler*Innentexte: Die empirische Untersuchung analysiert Textbeispiele nach Schulformen und vergleicht diese hinsichtlich ihrer Referenzialisierung.
5. Diskussion: Eine kritische Reflexion der Vorgehensweise sowie eine theoretische Einordnung, unter anderem unter Heranziehung von Quine und Garfinkel, finden hier statt.
6. Schlussfolgerungen für den Deutschunterricht: Dieses Kapitel diskutiert die fachdidaktischen Implikationen und fordert eine explizitere Thematisierung von Referenzmitteln und Textkohärenz im Unterricht.
7. Fazit und Ausblick: Eine Zusammenfassung der Ergebnisse schließt ab und zeigt Potenziale für weiterführende Forschung und professionalisierte Lehrerreflexion auf.
Schlüsselwörter
Vage Referenzmittel, Textlinguistik, Schülertexte, Schulform, Textkohärenz, Anaphorik, Deixis, Referenzialisierung, Deutschdidaktik, Ludwigsburger Aufsatzkorpus, Sprachgebrauch, Textverständnis, Ausdrucksqualität, Gianni Rodari, Inhaltsangabe.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, ob und wie Schüler*innen vage Referenzmittel in Inhaltsangaben verwenden und inwieweit dies mit ihrer jeweiligen Schulform korreliert.
Welche Aspekte der Sprache stehen dabei im Fokus?
Der Fokus liegt primär auf Pronomina wie „es“, Demonstrativa sowie indirekten Anaphern, die zu unklaren Textbezügen führen können.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, auf qualitativer Basis aufzuzeigen, wie Jugendliche Referenzobjekte in Texten verknüpfen und ob ein Zusammenhang zwischen Schulart und dem Grad der sprachlichen Vagheit besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit nutzt als Methode die qualitative Textanalyse von zwölf anonymisierten Schüler*innentexten, entnommen aus dem Ludwigsburger Aufsatzkorpus.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil analysiert zunächst den Primärtext von Gianni Rodari, um danach anhand gezielter Beispiele die Referenzmittel in den Texten von Gymnasiasten, Realschülern und Hauptschülern gegenüberzustellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Zentrale Begriffe sind vage Referenzmittel, Textkohärenz, referenzielle Ambiguität, Schülerschreibkompetenz und fachdidaktische Analyse.
Warum wurde gerade „Die Geschichte vom jungen Krebs“ als Primärtext gewählt?
Die Geschichte wurde aufgrund ihrer kurzen, gerafften Struktur und der hohen Dichte an umgangssprachlichen Formulierungen gewählt, welche die Schüler*innen zum freien Paraphrasieren oder aber zum direkten Kopieren motivieren kann.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor für den Bereich Deutschunterricht?
Es wird gefordert, dass Lehrer*innen über ein einfaches Markieren von „Ausdrucksschwäche“ hinausgehen und Schüler*innen explizit auf die Mechanismen der Textverknüpfung und Referenzbildung aufmerksam machen sollten.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, Vage Referenzmittel in Texten von Schüler*innen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1240158