In der vorliegenden Arbeit werde ich untersuchen, ob sich die klassische Modernisierungstheorie nach Lipset für die Erklärung von Demokratisierung eignet. Als Fallbeispiel dafür habe ich die Republik Korea gewählt. Für das zugrunde liegende Verständnis werde ich daher zunächst die klassische Modernisierungstheorie und deren Kriterien nach Lipset ausführlich aufzeigen und erläutern. Anschließend werde ich die Entwicklung der Republik Korea (im Folgenden: Südkorea) darlegen, um schließlich die Theorie auf das Land anwenden zu können. Im letzten Abschnitt greife ich die Fragestellung dieser Arbeit erneut auf und ziehe ein Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Annahme: Die Modernisierungstheorie nach Lipset
3. Entwicklung Südkoreas: vom autoritären Militärstaat zur Demokratie
3.1.Das Militär als Entwicklungsvorantreiber
3.2.Demokratisierung Südkoreas
4. Anwendung der Modernisierungstheorie auf Südkorea
4.1.Überprüfung des Kriteriums Wohlstand
4.2.Überprüfung des Kriteriums Bildung
4.3.Überprüfung des Kriteriums Industrialisierung
4.4.Überprüfung des Kriteriums Urbanisierung
5. Südkorea als Vorzeigeland der Modernisierungstheorie?
Fazit und Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit sich die klassische Modernisierungstheorie nach Seymour Martin Lipset zur Erklärung des Demokratisierungsprozesses in der Republik Korea eignet.
- Analyse der theoretischen Grundlagen der Modernisierungstheorie nach Lipset.
- Historische Aufarbeitung der politischen Entwicklung Südkoreas von der Kolonialzeit bis zur Demokratisierung.
- Empirische Überprüfung der vier Modernisierungskriterien: Wohlstand, Bildung, Industrialisierung und Urbanisierung.
- Bewertung der Korrelation zwischen sozioökonomischer Entwicklung und demokratischer Transformation.
Auszug aus dem Buch
3.1. Das Militär als Entwicklungsvorantreiber
Der Koreakrieg, der 1950 begann und seit 1953 offiziell immer noch (da es nie einen Friedensvertrag gab) mit einem Waffenstillstand andauert, hinterließ eine ideologisch gespaltene Gesellschaft und ein wirtschaftlich zerstörtes Land. Nachdem der 38. Breitengrad als offizielle Landesgrenze eingerichtet wurde, war die Halbinsel vollständig getrennt (Schneidewind 2013:42). Rhee, der damalig amtierende Staatspräsident, kümmerte sich wenig um die katastrophale Wirtschaftslage im Land, vielmehr versuchte er sein autoritäres Regime zunehmend ideologisch zu legitimieren (Croissant 2003: 226). Das Volk realisierte die Korruption und Manipulation der Wahlen und die Rücktrittsforderungen gegenüber Rhee wurden immer lauter. Der Wunsch nach einer liberalen Demokratie wurde stärker und die „Diskrepanz zwischen demokratischer Rhetorik und autoritärer Wirklichkeit“ (Croissant 2003: 226) immer größer. Es kam zu Massenprotesten und Demonstrationen, bei denen sich vor allem Studierende, Intellektuelle und die städtischen Mittelschicht beteiligten, bis sich schließlich Rhee zum Rücktritt bereit erklärte (Croissant 2003: 226, Schneidewind 2013: 43).
Es folgten rasch freie demokratische Wahlen und eine zweite, eher parlamentarische, Regierung im Jahr 1960 unter dem Präsidenten Yun Po Sun trat in Kraft. Diese zeigte jedoch ebenfalls wenig Wirkung im wirtschaftlichen System Südkoreas. Die Kriminalität stieg, Rebellen, Demonstrationen und Schwarzmarkthändler machten sich breit und das Land versank im Chaos (Schneidewind 2013: 44). Die Labilität des Landes machte sich das Militär zu Nutze und putschte nach nur 10 Monaten unter General Park Chun-hee die Regierung (Croissant 2003: 226). Es folgte eine dritte Republik, die das Ziel einer Modernisierung des Landes von Oben hatte. Unter der Scheindemokratie und der militärischen Wirklichkeit wurde Park aktiv und mobilisierte in seiner fast zwei Jahrzehnte langen Regierungszeit wieder das Land.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Forschungsfrage, ob die Modernisierungstheorie nach Lipset Südkoreas Weg zur Demokratie erklären kann.
2. Theoretische Annahme: Die Modernisierungstheorie nach Lipset: Erläuterung der sozioökonomischen Funktionstheorie und der vier zentralen Kriterien für Demokratisierung.
3. Entwicklung Südkoreas: vom autoritären Militärstaat zur Demokratie: Historischer Abriss der wechselhaften Entwicklung von der Teilung bis zur Etablierung des demokratischen Systems.
3.1.Das Militär als Entwicklungsvorantreiber: Beleuchtung der Phase der Militärregierungen und des Strebens nach ökonomischer Modernisierung unter autoritären Vorzeichen.
3.2.Demokratisierung Südkoreas: Beschreibung der zivilgesellschaftlichen Mobilisierung und des friedlichen Machtwechsels Ende der 1980er Jahre.
4. Anwendung der Modernisierungstheorie auf Südkorea: Zusammenführung von Theorie und Praxis mittels grafischer Gegenüberstellung der Indikatoren.
4.1.Überprüfung des Kriteriums Wohlstand: Analyse des Einflusses des wachsenden BIP pro Kopf auf die demokratische Entwicklung.
4.2.Überprüfung des Kriteriums Bildung: Untersuchung des Zusammenhangs zwischen zunehmendem Bildungsniveau und demokratischen Normen.
4.3.Überprüfung des Kriteriums Industrialisierung: Evaluation der Bedeutung der massiven industriellen Entwicklung für die politische Transformation.
4.4.Überprüfung des Kriteriums Urbanisierung: Prüfung der Rolle der Verstädterung in Bezug auf die Entstehung demokratischer Strukturen.
5. Südkorea als Vorzeigeland der Modernisierungstheorie?: Fazit über die Validität der Theorie am Beispiel Südkoreas unter Berücksichtigung kritischer Aspekte.
Schlüsselwörter
Südkorea, Modernisierungstheorie, Seymour Martin Lipset, Demokratisierung, Wirtschaftsentwicklung, Sozioökonomie, Militärregierung, Wohlstand, Bildung, Industrialisierung, Urbanisierung, Systemtransformation, Republik Korea, Autokratie, Politische Stabilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob wirtschaftliche Entwicklung eine notwendige oder begünstigende Bedingung für den Erfolg demokratischer Prozesse ist, angewandt auf das Fallbeispiel Südkorea.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die zentralen Themen sind die Modernisierungstheorie nach Lipset, die historische politische Geschichte Südkoreas sowie die empirische Analyse sozioökonomischer Indikatoren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu prüfen, inwieweit Lipsets Hypothese, dass Wohlstand und wirtschaftliche Modernisierung die Wahrscheinlichkeit für eine stabile Demokratie erhöhen, durch die südkoreanische Entwicklung bestätigt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen deskriptiven und analytischen Ansatz, der die historische Entwicklung mit einer empirischen Überprüfung von vier spezifischen Kriterien (Wohlstand, Bildung, Industrialisierung, Urbanisierung) anhand von Weltbank-Daten kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Aufarbeitung der südkoreanischen Entwicklung sowie eine detaillierte, grafisch unterstützte Überprüfung der vier Modernisierungskriterien Lipsets.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit den Begriffen Modernisierungstheorie, Demokratisierung, Südkorea, Systemtransformation und sozioökonomische Entwicklung beschreiben.
Warum wird speziell Südkorea als Fallbeispiel gewählt?
Südkorea dient als Paradebeispiel, da das Land innerhalb weniger Jahrzehnte den Sprung von einem armen Agrarstaat zu einer globalen Industrienation und einer stabilen Demokratie vollzogen hat.
Wie bewertet der Autor Lipsets Theorie am Ende?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Lipsets Theorie am Fallbeispiel Südkorea sehr robust ist und die Korrelation zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Demokratisierung deutlich bestätigt wird, wenngleich die Theorie nicht universell erklärungsstark ist.
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- Anonym (Author), 2015, Führt wirtschaftliche Entwicklung zur gelungenen Demokratisierung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1240221