Euergetismus - Mittel zum Zweck in der attalidischen Außenpolitik?

Schenkungen und Stiftungen als außenpolitische Strategie in der Zeit Attalos I.


Seminararbeit, 2008
16 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die ideologische Konzeption der attalidischen Außenpolitik
2.1 Die Attaliden: eine Mittelmacht
2.2 Die ideologische Verklärung der Außenpolitik

3. Der Euergetismus der Attaliden
3.1 Bedeutung des Euergetismus in der hellenistischen Zeit
3.3 Euergetismus der Attaliden: Kulturpolitik oder Außenpolitik?

4. Der Euergetismus der Attaliden als ideologischer Aspekt der Bündnispolitik
4.1 Der Brief des Attalos I. an die Athener
4.2 Die Rede Attalos I. vor der Vollversammlung des Boiotischen Bundes

5. Schlussfolgerung

6. Bibliographie
6.1 Quellen
6.2 Literatur

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Ideologisierung der attalidischen Außenpolitik zur Zeit Attalos I. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, ob die Attaliden den von ihnen praktizierten Euergetismus gegenüber griechischen Städten als Mittel zum Zweck in ihrer Außenpolitik betrachteten. Der Zusammenhang zwischen dem Euergetismus der Attaliden und ihrer Außenpolitik soll anhand einer kritischen Auseinandersetzung mit zwei Quellenausschnitten[1] untersucht werden.

Die ideologischen Konzepte in der attalidischen Außenpolitik fanden in früheren Forschungsarbeiten bereits Beachtung. Es wurde jedoch häufig nur eine Diskrepanz zwischen der Selbstdarstellung und der tatsächlich verfolgten Außenpolitik festgestellt. Ein Interesse der Attaliden an einer territorialen Expansion oder eines Machtzuwachses in Griechenland wurde verneint, der Einsatz in den Kriegen gegen die Makedonen als Selbstverteidigung gegen den Angreifer betrachtet. Die Attaliden sollen dabei keine eigenen machtpolitischen Ambitionen verfolgt haben. Bei den früheren Forschungsarbeiten handelt es sich zudem um Monographien über die Attaliden, die sich nur mit der Geschichte dieser Dynastie befassen.[2]

In seiner 2007 veröffentlichten Untersuchung zur Außenpolitik hellenistischer Mittelmächte, versucht Clemens Koehn einen Zusammenhang zwischen Ideologie und Außenpolitik herzustellen. Er wählt einen systematischen Ansatz; die ideologischen Grundlagen in der Politik der Mittelmächte sollen vergleichend dargestellt werden. Zu den von Koehn untersuchten Mittelmächten gehören auch die Attaliden.

Koehn betrachtet die ideologisierte Außenpolitik der Attaliden als einzige politische Möglichkeit für diese Mittelmacht sich gegenüber den Großmächten zu behaupten. Er unterstellt dabei den Mittelmächten und somit auch den Attaliden, eine ähnlich aggressive Machtpolitik mit dem Ziel territorialer Expansion, wie sie die Großmächte betrieben haben. Durch die Ideologisierung wurden diese Motive versteckt. Dies war notwendig, um Bündnispartner, auf welche man, aufgrund der schwächeren Position angewiesen war, zu gewinnen.

Die von den Attaliden propagierte Ideologie umfasste verschiedene Aspekte der Selbstpräsentation und Darstellung. Ein zentrales Motiv bildete die Funktionalisierung der Galatersiege. Gegenüber den Städten traten die Attaliden als Euergeten auf. Dieser Euergetismus war, so Koehn, Teil der ideologischen Propaganda.[3]

In einem ersten Teil der Arbeit wird die These von Clemens Koehn bezüglich der Außenpolitik der Attaliden erläutert. In einem zweiten Teil wird der attalidische Euergetismus vorgestellt. In einem dritten Teil der Arbeit werden zwei Quellenausschnitte aus den historiographischen Werken des Polybios und des Livius auf die Frage hin untersucht, ob es eine Funktionalisierung des attalidischen Euergetismus gab, und ob dieser als eine außenpolitische Strategie betrachtet werden kann.

2. Die ideologische Konzeption der attalidischen Außenpolitik

2.1 Die Attaliden: eine Mittelmacht

In diesem ersten Teil der Arbeit werden die attalidische Außenpolitik und ihre ideologische Verklärung nach Clemens Koehn erläutert. In einem ersten Abschnitt soll auf die Situation der Attaliden in der hellenistischen Mächtekonstellation eingegangen werden. Danach soll in einem zweiten Abschnitt erklärt werden, was mit Ideologisierung gemeint ist.

Der Begriff Außenpolitik sollte hier nicht in seiner heutigen Konzeption und Bedeutung verstanden werden, er beschreibt im Hellenismus die Beziehungen zwischen den Monarchien und Städten, im Wesentlichen die Bündnis- und Kriegspolitik.[4]

Die Attaliden werden zu den Mittelmächten in der hellenistischen Zeit gezählt. Diese Mittelmächte grenzten sich, aufgrund ihrer politischen Bedeutung und ihres Einflusses, sowohl von den Großreichen der Diadochen, als auch von den vielen Städten und kleineren Staaten ab.[5]

Die Mittelmächte konkurrierten mit den Großmächten um Macht, Territorium und Einfluss in der griechischen Welt. Sie entstanden nach der Formierung der Großreiche durch die Diadochen und beanspruchten als Aufsteiger einen Platz, der von diesen bereits besetzt war. Sie waren jedoch einzeln zu schwach, um sich gegen die Großmächte durchsetzen zu können. Aus diesem Grund schlossen sie untereinander und mit griechischen Städten und Stadtstaaten Bündnisse, um gegen die Großmächte anzukämpfen und so ihre eigene Macht zu vergrößern und abzusichern.[6]

Nach Koehn waren die Mittelmächte durchaus an einer territorialen Expansion interessiert. Sie betrieben eine Realpolitik, die sich von den Machtkämpfen der Großreiche letztendlich nicht unterschied.[7]

Die Attaliden gehörten, wie oben erläutert zu diesen Mittelmächten, sie verfolgten demzufolge auch machtpolitische Ziele mit ihrer Außenpolitik.[8] Koehn betrachtet die attalidische Selbstdarstellung, in der sich die Monarchie als Bewahrer des Hellenismus präsentiert, als eine konstruierte Ideologie, mit welcher diese Dynastie versuchte ihre tatsächlichen Ziele in der Politik zu kaschieren.[9]

[...]


[1] Polybius: Historien. Polybius V, Buch 16, Kap. 26, Z. 5-6, hg. u. übers. v. W. R. Paton, Cambridge [MA], London 1999; T. Livius: Römische Geschichte, Buch XXXI-XXXIV, Kap. 2, Z. 2-3, lat./dt., hg. u. übers. v. H. J. Hillen, München 1987.

[2] Vgl. Allan, R. E. The Attalid Kingdom. A Constitutional History, Oxford 1983; McShane, R. B.: Foreign Policy of the Attalids of Pergamum, Urbana 1964, S. 92-147; Hansen, E. V.: The Attalids of Pergamum, Ithaca 1972.

[3] Vgl. Koehn, C.: Krieg -Diplomatie- Ideologie. Zur Außenpolitik hellenistischer Mittelstaaten, Stuttgart 2007.

[4] Koehn: Krieg- Diplomatie- Ideologie, S. 10.

[5] Ebd., S. 11.

[6] Ebd., S. 11, S. 171.

[7] Ebd.

[8] Ebd., S. 114.

[9] Koehn: Krieg- Diplomatie- Ideologie, S. 170.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Euergetismus - Mittel zum Zweck in der attalidischen Außenpolitik?
Untertitel
Schenkungen und Stiftungen als außenpolitische Strategie in der Zeit Attalos I.
Hochschule
Universität Bremen  (Institut für Geschichtswissenschaft)
Veranstaltung
Athen und die Attalidenkönige
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V124026
ISBN (eBook)
9783640290543
ISBN (Buch)
9783640290727
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Euergetismus, Mittel, Zweck, Außenpolitik, Athen, Attalidenkönige
Arbeit zitieren
Milena Brechenmacher (Autor), 2008, Euergetismus - Mittel zum Zweck in der attalidischen Außenpolitik? , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124026

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