Diese Bachelorarbeit soll zum Anlass genommen werden, eine Perspektive auf die politische Erziehung der Gesellschaft innerhalb der Corona-Pandemie zu nehmen und aufzuzeigen, inwieweit die verschiedenen Akteure ihren Teil dazu beigetragen haben. Inwieweit wurde die deutsche Gesellschaft innerhalb der Corona-Pandemie politisch erzogen? Zunächst erfolgt im theoretischen Teil eine Definition des Begriffs der politischen Erziehung. Dazu wird die Entstehung der politischen Erziehung beschrieben und es soll im weiteren Verlauf auf den synonymen Begriff der Demokratieerziehung, die Zielvorstellungen und die einzelnen Akteure eingegangen werden.
Aufgrund der in Deutschland teilweise vorliegenden synonymen Verwendung des Begriffs der politischen Bildung, wird hierzu eine weitere Definition vorgenommen, ehe die beiden Begriffe voneinander abgegrenzt werden. Aufgrund der bisherigen Dauer der Pandemie und den zahlreichen Maßnahmen der letzten knapp zwei Jahre, wird vorangehend an den Kernpunkt der Bachelorarbeit ein Rückblick auf den Verlauf der Corona-Pandemie, der beschlossenen Coronamaßnahmen und -beschränkungen, sowie den einzelnen Lockdowns im zeitlichen Ablauf eingegangen.
Zusätzlich wird noch Bezug auf die Kritiken und die Gegenbewegungen wie die „Querdenkerbewegung“ eingegangen. Im nächsten Schritt wird im Schwerpunkt Bezug auf die vorangegangene Fragestellung genommen, inwieweit die Gesellschaft in der Coronapandemie durch die unterschiedlichen Akteure Politik, Massenmedien und Gesellschaft, politisch erzogen worden ist. Im letzten Punkt des Hauptteils soll kurz und prägnant der Frage nach gegangen werden, ob es in unserer heutigen Zeit und Gesellschaft überhaupt möglich ist, Erwachsene zu „erziehen“. Im Fazit werden die wesentlichen Erkenntnisse zusammenfassend dargestellt, sowie die o.g. Fragestellung beantwortet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Politische Erziehung
2.1 Zur politischen Erziehung
2.1.1 Politische Erziehung als Demokratieerziehung
2.1.2 Zielvorstellungen
2.1.3 Akteure politischer Erziehung
2.2 Zur politischen Bildung
2.3 Abgrenzung politischer Erziehung zu politischer Bildung
3. Die Coronapandemie in Deutschland
3.1 Verlauf der Pandemie und die Maßnahmen der Bundes- und Länderregierungen
3.2 Kritik an den Maßnahmen und Gegenbewegungen
4. Politische Erziehung der Gesellschaft in der Corona-Pandemie
4.1 Durch die Politik
4.2 Durch die Massenmedien
4.3 Durch die Gesellschaft
4.4 Ist ein politisches „Erziehen“ von Erwachsenen möglich?
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, inwieweit die deutsche Gesellschaft während der Corona-Pandemie durch verschiedene Akteure politisch erzogen wurde. Im Fokus steht dabei die Frage, wie staatliche Vorgaben, mediale Berichterstattung und gesellschaftliche Dynamiken Prozesse der politischen Erziehung beeinflussten und ob Erwachsene unter diesen Bedingungen als adressierbar für pädagogische Erziehungsmaßnahmen gelten können.
- Theoretische Fundierung des Begriffs der politischen Erziehung im Gegensatz zur politischen Bildung.
- Analyse des zeitlichen Verlaufs der Corona-Pandemie und der staatlichen Erziehungsmaßnahmen.
- Untersuchung der Akteursrollen von Politik, Massenmedien und Gesellschaft bei der Orientierungszumutung.
- Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen der Erziehung von Erwachsenen in Krisenzeiten.
Auszug aus dem Buch
Die Rolle der Politik als Erzieher in der Pandemie
Ein wichtiges Momentum in der Corona-Pandemie war aus vielerlei Hinsicht die Rede der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel an die Bevölkerung am 18. März 2020. Diese „historische Rede,“ welche vom Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen als „Rede des Jahres“ ausgezeichnet wurde, diente nicht nur dazu, an die Solidarität der Menschen zu appellieren, sondern darüber hinaus, dass die Bevölkerung es als „IHRE Aufgabe“ begreifen muss sich an die Maßnahmen zu halten, um das Infektionsgeschehen einzudämmen bzw. zu stoppen.
Mit den Worten „IHRE Aufgabe“ wurde der Bevölkerung eine Orientierung zugemutet und gleichzeitig der Mut aufgebürdet, auf medizinische Expertinnen und Experten zu vertrauen und ihr gesellschaftlichen Sozialleben im großen Rahmen einzuschränken. Die Kanzlerin fungierte in diesem Fall als Erzieherin und indem sie auf Einsicht der Bevölkerung appellierte, entstand ein Erziehungsversuch gegenüber der Bevölkerung, welches ein erziehendes, souveränes Subjekt darstellt, rational denken kann und im Resultat solidarisch handeln kann. Denn zu diesem Zeitpunkt verfügt die Gesellschaft über prinzipielle Handlungsfreiheit, ist befähigt zur Einsicht in den vorliegenden Sachverhalt des Infektionsgeschehens und ist, wie in einem Sozialstaat üblich, auferinander angewiesen.
Auswirkungen der Rede der Bundeskanzlerin konnten schon nach kurzer Zeit beobachtet werden, durch Schilder und Erklärungstafeln vor dem Betreten geschlossener Räume, welche auf das „Social Distancing“ und das Tragen einer Mund- und Nasenschutzmaske Aufmerksam machen sollten. Ab sofort ist man nicht nur vernünftig, kontrolliert und distanziert, wenn man sich an die Appelle der der Politikerinnen und Politiker, insbesondere der Bundeskanzlerin hält, sondern man gilt zusätzlich als verantwortungsvoll und zugewandt, wenn man sich auf die Gebote des Verzichts wie das Einhalten der AHA-Regeln und dem möglichst seltenen Verlassen der eigenen Wohnung hält.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt den Kontext der Corona-Pandemie als historischen Ausnahmezustand dar und begründet das Ziel, die dabei stattgefundenen Prozesse politischer Erziehung wissenschaftlich zu untersuchen.
2. Politische Erziehung: Dieses Kapitel definiert und theoretisiert den Begriff der politischen Erziehung, grenzt ihn von politischer Bildung ab und identifiziert zentrale Zielvorstellungen sowie Akteure.
3. Die Coronapandemie in Deutschland: Es erfolgt eine chronologische Aufarbeitung der staatlichen Maßnahmen und Lockdowns sowie ein Überblick über die Kritik der Protagonisten und Gegenbewegungen.
4. Politische Erziehung der Gesellschaft in der Corona-Pandemie: Das Hauptkapitel analysiert empirisch die verschiedenen Akteure (Politik, Medien, Gesellschaft) und deren Funktion als Erziehende bzw. Ko-Erziehende der Bevölkerung während der Pandemie.
5. Fazit: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und beantwortet die Forschungsfrage zur politischen Erziehbarkeit Erwachsener unter den Bedingungen der Pandemie.
Schlüsselwörter
Politische Erziehung, Demokratieerziehung, Corona-Pandemie, politische Bildung, Solidarität, Pandemie-Maßnahmen, Freiheitsrechte, politischer Erziehungsprozess, Querdenkerbewegung, gesellschaftliche Orientierungszumutung, Erwachsenenbildung, Krisenmanagement, Partizipation, mediale Erziehung, soziale Kontrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie die deutsche Gesellschaft während der Corona-Pandemie durch staatliche, mediale und gesellschaftliche Maßnahmen gezielt politisch "erzogen" wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Politik zu den Bürgern in Krisenzeiten, die Verschiebung von politischer Bildung hin zu politischer Erziehung sowie der Einfluss von Massenmedien auf soziale Normen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Fragestellung lautet: Inwieweit wurde die deutsche Gesellschaft innerhalb der Corona-Pandemie politisch erzogen?
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung politischer Erziehungsprozesse und einer diskursanalytischen Betrachtung medialer und politischer Kommunikation während der Pandemie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung des Pandemieverlaufs und eine detaillierte Analyse der Akteure (Politik, Massenmedien, Gesellschaft), die als Erziehende bzw. Ko-Erziehende fungierten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselbegriffen gehören Politische Erziehung, Demokratieerziehung, Orientierungszumutung, Kollaterale Erziehungseffekte und die kritische Distanz zur staatlichen Indoktrination in Krisenzeiten.
Wie wird das Rollenbild von Angela Merkel als Erzieherin interpretiert?
Der Autor interpretiert Merkels historische Rede vom 18. März 2020 als zentralen Ausgangspunkt eines Erziehungsversuchs, bei dem die Einhaltung der Maßnahmen als moralische Bürgerpflicht ("Ihre Aufgabe") gerahmt wurde.
Was ist das Ergebnis der Analyse hinsichtlich der Erziehbarkeit von Erwachsenen?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Erwachsene zwar nicht in einem schulischen Sinn "erzogen" werden sollten, durch strukturelle Sanktionen und gesellschaftlichen Druck in Krisenzeiten jedoch sehr wohl Lernprozesse und Anpassungsleistungen induziert werden können.
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- Anonym (Autor:in), 2021, Politische Erziehung der Gesellschaft im Zeichen der Corona-Pandemie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1240330