Friedrich Nietzsche: "Fröhliche Wissenschaft" - Eine Interpretation


Hausarbeit, 2005
13 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Die „Fröhliche Wissenschaft“, zuerst als Fortsetzung der „Morgenröthe“ gedacht, später jedoch als eigenes Werk 1882 (1887 das 5. Buch) beendet, ist in einem durchgehend helleren Ton als die vorhergehenden Bücher Nietzsches geschrieben. Der Philosoph, der des öfteren an unterschiedlichsten körperlichen und geistigen Beschwerden und Krankheiten litt, konnte nach einem Aufenthalt über den Sommer in Sils-Maria in der Schweiz die Schmerzenswelt überwinden und sich in einem Anflug von höchstem geistigen und körperlichen Wohlbefinden der Arbeit an der „Fröhlichen Wissenschaft“ widmen. Ein Brief an Franz Overbeck soll das Vorstadium der Produktionserhöhung verdeutlichen:

„Der Schmerz besiegt Leben und Willen. O, was habe ich für Monate, was für einen Sommer gehabt. Ich habe so viele Martern des Körpers erfahren, wie ich am Himmel Wechsel sah. In jeder Wolke ist etwas von einem Blitz verborgen, das mich mit unvermuteter Gewalt treffen und mich unglücklichen gänzlich zugrunde richten kann. Fünfmal bereits habe ich als Arzt den Tod gerufen und hoffte, der gestrige Tag sei der letzte gewesen – ich hab es vergebnes gehofft. Wo auf Erden gibt es einen Himmel von immerwährender Heiterkeit, meinen Himmel? Leb wohl mein Freund“ (B 6,128; 18. September 1881, zitiert in Safranski 239f.)

Nietzsche erfährt in den Monaten darauf den bereits angesprochenen Veränderungswechsel in der physischen und psychischen Verfassungslage. Als er im Juli 1881 die „Morgenröthe“ in Sils-Maria beendete, hat er in der Folgezeit das erste große Inspirationserlebnis, dass ihm den Gedanken der ewigen Wiederkehr bringt, den er in der „Fröhlichen Wissenschaft“ ebneo zur Thematik macht, wie den Tod Gottes, das Problem des Nihilismus, die Rolle der Wahrheit und den Willen zur Wahrheit im menschlichen Leben. Des weiteren beschäftigte sich Nietzsche in diesem aphoristischen Werk mit der Frage nach der richtigen Einstellung in Bezug auf Leiden, Vollendung und Erreichen und kritisiert Wissenschaft und Philosophie.

Nietzsche benutzt in diesem Buch ausschließlich Aphorismen, durch die er eine innere Einheit herstellen kann. Somit verkündet Nietzsche, dass durch Aphorismen „die lange Logik einer ganz bestimmten philosophischen Sensibilität“ und nicht „ein Durcheinander von hundert beliebigen Parodoxien und Heterodoxien“ erreicht wird (Löwith 120, in Safranski 241).

Er unterteilt die „Fröhliche Wissenschaft“ in fünf Bücher, von denen das letzte erst 1887 für die Neuauflage geschrieben wurde und bei dem sich Nietzsche vermehrt mit dem „Willen zur Macht“ auseinandersetzt: „Jetzt ergötze und erhole ich mich an der kältesten Vernunft-Kritik, bei der man unwillkürlich blaue Finger bekommt (...) Ein Generalangriff aif den gesammten >Causalismus< der bisherigen Philosophie“ (Aufzeichnung vom 21. Januar 1887, Zitiert in Safranski 386). Die ersten vier Bücher der „Fröhlichen Wissenschaft“ werden wie gesagt schon 1882 in Genua geschrieben. Nietzsche beschreibt diese Lebenszeit in Italien folgend: „Wir hatten das schönste Wetter inzwischen, und alles in allem, ich habe nie Besseres erlebt. Jeden Nachmittag sitze ich am Meere. Durch die Abwesenheit der Wolken ist mein Kopf frei und ich bin voller guter Gedanken“ (Aufzeichnung vom 18. November 1881, zitiert in Safranski 382). Nietzsche ist also in einem Formhoch, welches die unterschiedlichen und weitreichenden Themen der „Fröhlichen Wissenschaft“ erklären kann, und noch im Januar 1882 schreibt er nach der Beendigung der ersten drei Bücher an Peter Gast: „Oh welche Zeit! Oh diese Wunder des schönen Januarius! (B 6, 161; zitiert in Safranski 240). In Erinnerung an diese gesundheits- und schaffensfördernde Zeit betitelte Nietzsche das vierte Buch der „Fröhlichen Wissenschaft“ mit „Sanctus Januarius“.

Durch das Inspirationserlebnis des vorhergehenden Sommers, in dem Nietzsche den Gedanken der ewigen Wiederkunft entwickelte. Schon als Schüler wusste Nietzsche von der Ansicht der indischen Mythen, der Vorsokratiker, der Phythagoräern, die über die Idee „der in sich kreisenden, ihren begrenzten Inhalt immer wieder durchspielenden Zeit“ (Safranksi 229), auf die Symbolik und Thematik dieses Phänomens hinwies. Schon 1862 in seinem Aufsatz „Fatum und Geschichte“ verweist Nietzsche auf diesen Gedanken der ewigen Wiederkehr, der in fortwährend in seinem Leben beschäftigte: „Hat dies ewige Werden nie ein Ende? (...) Von Stunde zu Stunde rückt der Zeiger weiter, um nach Zwölfen seinen Gang von Neuem anzufangen; eine neue Weltperiode bricht an“ (zitiert in Safranski 229).

Die Lehre von der ewigen Wiederkehr oder der Wiederkehr des Gleichen ist auch im Dionysosmythos enthalten, bei dem der Gott stets stirbt um darauf neu geboren zu werden. Da Nietzsche seine Gedankenwelt mit Dionysos beginnt, „so kann man sagen, dass er die Wiederkunftslehre nicht später gefunden, sondern allenfalls wiedergefunden hat, nachdem sie ihm vielleicht zeitweilig ferngerückt war“ (Safranski 231).

Wie Safranski beschreibt betreibt Nietzsche „geradezu lustvoll (...) die Austreibung des Geistes aus dem Felde des Seins“ (Safranksi 233). Schließlich stellt Nietzsche folgende Formel auf: „Meine Aufgabe: die Entmenschung der Natur und dann die Vernatürlichung des Menschen, nachdem er den reinen Begriff >Natur< gewonnen hat (9, 525, zitiert in Safranski 233). Diesen Satz schrieb Nietzsche nach dem Inspirationsgedanken ((...) dass der Mensch sich das Dasein der Natur und seiner selbst mit falschen Maaßen zurechtlegt, dass er also das Wirkliche nicht erkennen kann. Alles was in uns vorgeht, ist an sich etwas Anderes, was wir nicht wissen“, zitiert in Safranski 231) und er zeigt, dass der Wiederkunftsgedanke dieses „Experimentieren mit einer versteinerten Metaphysik nicht nur nicht durchkreuzt und durchbrochen hat, sondern offenbar ganz in diesen Zusammenhang gehört“ (Safranski 234).

Nietzsche ist von der vorgeblich rechnerischen, mengentheoretischen und physikalischen Evidenz dieser Lehre überwältigt. Sein Grundstein des Gedankens ist, dass die Kraftmenge des Universums als Materie oder Energie beschränkt ist, also Endlichkeit unterworfen ist, die Zeit hingegen ist unendlich. In dieser unendlichen Zeit sind deshalb „alle möglichen Materie- und Energiekonstellationen, also alle möglichen Ereignisse des Lebendigen und des Leblosen, schon einmal geschehen, und sie werden sich unendlich wiederholen“ (Safranski 234). Somit ist der einzig zusammenhängende Passus Nietzsches über die ewige Wiederkehr zu verstehen und seine Theorie versteinert, jedoch begreiflich:

[...]

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Details

Titel
Friedrich Nietzsche: "Fröhliche Wissenschaft" - Eine Interpretation
Hochschule
West Virginia University
Veranstaltung
GER 494C - Nietzsche-Seminar
Note
1,5
Autor
Jahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V124056
ISBN (eBook)
9783640296507
ISBN (Buch)
9783640302086
Dateigröße
383 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Friedrich, Nietzsche, Fröhliche, Wissenschaft, Eine, Interpretation, Nietzsche-Seminar
Arbeit zitieren
Achim Zeidler (Autor), 2005, Friedrich Nietzsche: "Fröhliche Wissenschaft" - Eine Interpretation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124056

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