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Akteurstheoretische Erklärung von Streik - Illustriert an zwei Fallbeispielen

Title: Akteurstheoretische Erklärung von Streik - Illustriert an zwei Fallbeispielen

Bachelor Thesis , 2008 , 41 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Martina Jansen (Author)

Psychology - Social Psychology
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EINLEITUNG***
„Jahr für Jahr werden in Deutschland rund 5.000 Tarifverträge zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerk-schaften neu verhandelt und unterschrieben. Charakteristisch für die auf Dauer angelegte „antagonistische Kooperation“ der Tarifpartner in Deutschland ist, dass die weit überwiegende Mehrheit ihrer Verhandlungen vergleichsweise „lautlos“, arbeitskampffrei, hinter verschlossenen Türen, fern öffentlichen Interesses und bar jeglicher Massenmedialer Aufmerksamkeit abläuft.“
Was aber geschieht, wenn, wie gerade in den letzten Monaten verstärkt zu beobachten, Tarifverhandlungen nicht mehr „lautlos“ über die Bühne gehen und es eben doch, von heftigem Aufsehen in den Medien begleitet, zu Arbeitskämpfen kommt? Die Streikthematik scheint gerade in den letzten paar Jahren an Aktualität gewonnen zu haben, obwohl Deutschland im europäischen Vergleich nach wie vor als ein sehr streikarmes Land gilt, was nach Analyse vieler Forscher sowohl auf Flächentarife als auf die „sozialpartnerschaftliche Einbindung“ durch die Mitbestimmung zurückzuführen ist.
Streik wird generell als ökonomisches Phänomen betrachtet. Es hat sich allerdings als schwierig erwiesen, gute theoretische wirtschaftliche Erklärungen für dieses Phänomen zu finden, da immer wieder auf die Irrationalität dieses Macht- und Durchsetzungsinstrumentes der Gewerkschaft hingewiesen wird. Eine passende Beschreibung für das Problem der Streikanalyse hat Hicks 1963 mit seinem sog. „Hicks Paradox“, auf den sich die traditionelle ökonomische Streiktheorie zumeist beruft, bereits frühzeitig geliefert:„ If one has a theory which predicts when a strike will occur and what the outcome will be, the parties can agree to this outcome in advance, and so avoid the costs of a strike. If they do this, the theory ceases to hold.”[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 GLIEDERUNG NACH SOZIOLOGISCHEM ERKLÄRUNGSMODELL

2 STREIK: DEFINITION UND HINTERGRÜNDE

2.1 STREIK

2.2 GEWERKSCHAFTEN

3 SOZIOLOGISCHE HANDLUNGSTHEORIE: AKTEURSMODELLE

3.1 HOMO OECONOMICUS

3.2 HOMO SOCIOLOGICUS

3.3 EMOTIONAL MAN

3.4 IDENTITÄTSBEHAUPTER

3.5 FAZIT AKTEURSMODELLE

4 AKTEURSTHEORETISCHE ERKLÄRUNG VON STREIKVERLAUF

4.1 HANDLUNGSMOTIVE

4.2 SCHWELLENWERTMODELL

4.3 ANWENDUNG DES SCHWELLENWERTMODELLS

5 ILLUSTRIERENDE FALLBEISPIELE

5.1 GATE GOURMET - MENSCHENWÜRDIGERE ARBEITSBEDINGUNGEN & MEHR LOHN

5.2 OPEL - STANDORTVERTEIDIGUNG DEUTSCHLAND

5.3 FAZIT FALLBEISPIELE

6 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK

6.1 ZUSAMMENFASSUNG

6.2 AUSBLICK

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Erklärungslücke der klassischen Ökonomie hinsichtlich der Entstehung von Streiks durch die Anwendung eines soziologischen Erklärungsmodells zu schließen. Hierbei wird untersucht, wie individuelles Handeln durch ein Zusammenspiel ökonomischer und soziologischer Faktoren in ein kollektives Streikgeschehen mündet.

  • Analyse der Rahmenbedingungen für Streiks im deutschen Kontext.
  • Einführung handlungstheoretischer Akteursmodelle zur Erklärung individueller Entscheidungsprozesse.
  • Anwendung des Schwellenwertmodells zur Rekonstruktion kollektiver Mobilisierungsdynamiken.
  • Empirische Illustration durch Fallbeispiele wie den Streik bei Gate Gourmet und Opel.

Auszug aus dem Buch

3.1 HOMO OECONOMICUS

Der Homo Oeconomicus entstammt der sog. Rational Choice Theorie (RCT), die mittlerweile als Sammelbezeichnung verschiedener Ansätze einer Handlungstheorie der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften gilt. Die RCT hat sich als individualistisches Paradigma ab den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts in Konkurrenz zum normativen und interpretativen Paradigma (vgl. die folgenden Ausführungen zum Homo Sociologicus) entwickelt und sich (zumindest gemäß Schimank) als dominierendes Paradigma der soziologischen Theorie gegenüber Systemtheorie und Interaktionismus durchgesetzt. Dieses Paradigma umfasst unterschiedliche Theorietraditionen und wird u.a. von Raymond Boudon, James S. Coleman, Anthony Downs, Hartmut Esser, Siegwart Lindenberg, Mancur Olson und Karl-Dieter Opp vertreten, gleichzeitig aber auch u.a. von Alfred Schütz und Norman Denzin heftig kritisiert.

Historisch orientieren sich die Theorien der rationalen Wahl an der klassischen Ökonomie Adam Smiths und berufen sich auf Max Webers Programm einer verstehenden Soziologie. Sie versuchen, komplexe soziale Handlungen mit Hilfe möglichst einfacher Modellannahmen zu fassen. Erklärungsmodelle der rationalen Wahl reichen vom klassischen Homo Oeconomicus, wie hier im Folgenden beschrieben, bis zum RREEMM (Restricted Resourceful Expecting Evaluating Maximising Man) von Lindenberg der modernen Soziologie. Der Homo Oeconomicus gilt aber in „reiner“ Form vorrangig als das Akteursmodell der Wirtschaftswissenschaft und wird dort als idealer ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten denkenden und handelnden Akteur charakterisiert. Über den Rationalitätsbegriff des so gekennzeichneten Individuums, der den Ausgangspunkt dieses Modells darstellt, gibt es, ebenso wie über die Gewichtung und Entstehung der Präferenzen bei Handlungswahlen, keine Einigkeit. Einigkeit besteht aber wiederum bei der Ansicht, die RCT als Bestandteil des strukturell- individualistischen Ansatzes zu verstehen, der postuliert, dass alle soziologischen Analysen im Sinne des nach Coleman benannten Methodologischen Individualismus letztlich auf individuelle Handlungen zurückführbar sind.

Zusammenfassung der Kapitel

1 GLIEDERUNG NACH SOZIOLOGISCHEM ERKLÄRUNGSMODELL: Das Kapitel erläutert den Aufbau der Arbeit auf Basis des soziologischen Modells von James S. Coleman (sog. Coleman'sche Badewanne) zur Analyse von Makro-Mikro-Makro-Zusammenhängen.

2 STREIK: DEFINITION UND HINTERGRÜNDE: Es erfolgt eine Definition des Streikbegriffs sowie eine Einordnung in den institutionellen Kontext des deutschen Gewerkschaftssystems als Rahmenbedingung.

3 SOZIOLOGISCHE HANDLUNGSTHEORIE: AKTEURSMODELLE: Vorstellung der vier relevanten Akteursmodelle (Homo Oeconomicus, Homo Sociologicus, Emotional Man, Identitätsbehaupter) zur Erklärung individueller Entscheidungsmotive.

4 AKTEURSTHEORETISCHE ERKLÄRUNG VON STREIKVERLAUF: Analyse der kollektiven Aggregation von individuellem Handeln unter Nutzung des Schwellenwertmodells von Mark Granovetter.

5 ILLUSTRIERENDE FALLBEISPIELE: Praktische Anwendung der Theorie anhand der Streikfälle bei Gate Gourmet und Opel zur Rekonstruktion und Validierung der Streikabläufe.

6 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse sowie eine Einschätzung der zukünftigen Entwicklung der Streikkultur unter Berücksichtigung verschiedener Handlungsmotive.

Schlüsselwörter

Streik, Handlungstheorie, Homo Oeconomicus, Homo Sociologicus, Schwellenwertmodell, Kollektive Mobilisierung, Arbeitskampf, Gewerkschaften, Soziologie, Akteursmodelle, Rational Choice, Identitätsbehauptung, Emotional Man, Sozialer Widerstand.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Entstehung von Streiks aus einer soziologischen Perspektive, indem sie ökonomische und soziale Handlungsmotive miteinander verknüpft.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Felder umfassen die Soziologie industrieller Beziehungen, Handlungstheorien, Modelle kollektiven Verhaltens sowie die Analyse von Streikprozessen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, die Erklärungslücke der Ökonomie bezüglich der Entstehung von Arbeitskämpfen durch die Einbeziehung soziologischer Akteursmodelle wie dem "Emotional Man" oder "Identitätsbehaupter" zu schließen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird das soziologische Erklärungsmodell nach James S. Coleman (Makro-Mikro-Makro) genutzt, kombiniert mit dem Schwellenwertmodell zur Erklärung kollektiver Mobilisierung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden theoretische Akteursmodelle erläutert, die Logik der Aggregation von Handlungen beschrieben und diese Theorien anhand der Fallbeispiele Gate Gourmet und Opel angewendet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wesentliche Begriffe sind Streik, Handlungstheorie, Schwellenwertmodell, kollektive Mobilisierung und soziale Akteursmodelle.

Inwiefern unterscheiden sich die beiden Fallbeispiele?

Während der Streik bei Gate Gourmet trotz langer Dauer erfolgreich war und eine Dynamik entwickelte, scheiterte der Opel-Streik aufgrund mangelnder gewerkschaftlicher Einbindung und fehlender Anschlussdynamik innerhalb der Belegschaft.

Welche Rolle spielt die Gewerkschaft laut der Analyse?

Die Gewerkschaft fungiert als korporativer Akteur, der individuelle Handlungen bündelt, aber auch Spannungen zwischen verschiedenen Mitgliedergruppen (Aktive vs. Passive/Skeptiker) aufweist.

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Details

Title
Akteurstheoretische Erklärung von Streik - Illustriert an zwei Fallbeispielen
College
Ruhr-University of Bochum  (Sozialpsychologie und Sozialanthropologie)
Grade
1,3
Author
Martina Jansen (Author)
Publication Year
2008
Pages
41
Catalog Number
V124061
ISBN (eBook)
9783640293766
ISBN (Book)
9783640293803
Language
German
Tags
Akteurstheoretische Erklärung Streik Illustriert Fallbeispielen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martina Jansen (Author), 2008, Akteurstheoretische Erklärung von Streik - Illustriert an zwei Fallbeispielen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124061
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