Diese Hausarbeit wird versuchen aufzuzeigen, dass die typischen Ideale der durch Hopliten geführten Schlachten im peloponnesischen Krieg kaum zum Einsatz kamen und zunehmend durch pragmatische und strategische Überlegungen ersetzt wurden. Zusätzlich wird versucht, die Ideale in einen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Kontext zur Gesellschaft zu setzen, um eine Erklärung für diese Entwicklung zu finden.
Um dieses Ziel zu erreichen, wird in einem ersten Schritt der idealtypische Ablauf einer Hopliten-Schlacht in den gesellschaftlichen, archaischen Kontext gesetzt, um einen Ausgangspunkt zu haben. Anschließend wird ein genaueres Augenmerk auf die daraus erwachsenden Ideale in Bezug auf den einzelnen Hoplit gelegt und erste Differenzen zwischen Idealen und Umsetzung im peloponnesischen Krieg aufgedeckt. Abschließend wird exemplarisch gezeigt, dass die idealtypische Kriegsführung während des peloponnesischen Krieges nicht umgesetzt wurde und versucht, Gründe für diese Abweichungen zu finden.
Da griechische Poleis in Größe, Lage und Wohlstand sehr verschieden waren und es eine geringe Quellenbasis gibt, um die typische Kriegsart zu beweisen, sind Verallgemeinerungen für ganz Griechenland schwer zu fällen. Die beste Quellenlage bietet Athen, weshalb sich hierauf konzentriert werden wird. Dies ist Thukydides mit seiner umfassenden Beschreibung und Analyse des peloponnesischen Krieges geschuldet, welchen er selbst erlebte, weshalb sich hierauf als Quelle bezogen wird.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Das Ideal des Krieges als durch Hopliten entschiedene Schlacht
Die Ideale des Hopliten
Idealbrüche während des peloponnesischen Krieges
Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Diskrepanz zwischen dem historisch tradierten Ideal der griechischen Hoplitenschlacht und deren tatsächlicher Umsetzung während des peloponnesischen Krieges, unter besonderer Berücksichtigung der athenischen Kriegspraxis. Ziel ist es aufzuzeigen, wie traditionelle, durch Ehre und Konventionen geprägte Kriegsführungsmodelle zusehends durch pragmatische, strategische Erwägungen und wirtschaftliche Machtinteressen verdrängt wurden.
- Analyse des idealen Hopliten-Schlachtverlaufs im archaischen bzw. klassischen Kontext.
- Untersuchung des ideologischen Stellenwerts des Hopliten als "Amateurkrieger" und Symbol der Bürgertugend.
- Dekonstruktion der traditionellen Kriegsführung durch strategische Notwendigkeiten des peloponnesischen Krieges.
- Bewertung der Rolle von Täuschungsmanövern und asymmetrischer Kriegführung bei Athen.
- Kontextualisierung des Wertewandels in Abhängigkeit von den sozioökonomischen Bedingungen der Polis.
Auszug aus dem Buch
Die Ideale des Hopliten
Die Hervorhebung des Kampfes durch Hopliten spiegelt einige Werte der griechischen Gesellschaft wider. Er verband durch die Phalanx das aus den homerischen Epen bekannte individuelle Heldentum mit dem Gruppenzusammenhalt der Polis. Hopliten konnten in Athen für drei Vergehen vor Gericht gebracht werden. Im Rückschluss können aus diesen Vergehen einige Ideale der Hopliten abgeleitet werden.
Deilia, Feigheit, war eines dieser Vergehen. Mut und Tapferkeit im Krieg zu zeigen, wurden als äußerst wichtige Eigenschaften eines Mannes und eines Griechen gesehen. Der Kampf als Hoplit entwickelte sich zur einzigen anständigen und ehrbringenden Form zu kämpfen, da nur im Nahkampf Mut und Tapferkeit gezeigt werden konnten. Auch hier ist erneut die Wettkampfmentalität zu erkennen, den Feind nur durch größere Tapferkeit in einer offenen Schlacht mit Verzicht auf Strategie zu besiegen. Tapferkeit und Mut wurden darüber hinaus neben genereller körperlicher Fitness als einzige Fähigkeiten charakterisiert, die ein Hoplit haben musste. In der Polis organisiertes spezifisches Kampf-, Formations-, oder Waffentraining gab es in Athen erst ab der Mitte des 4. Jahrhundert v. Chr. Es handelte sich also um Amateurkrieger. Dieses Ideal des tapferen, ehrlichen Amateursoldaten zeigt sich auch in der so genannten Totenrede des athenischen Strategen Perikles.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung diskutiert das von Herodot überlieferte Bild der griechischen Kriegsführung und führt in die Problematik ein, dass die traditionellen Hopliten-Ideale im peloponnesischen Krieg zunehmend an Bedeutung verloren.
Das Ideal des Krieges als durch Hopliten entschiedene Schlacht: Dieses Kapitel erläutert den soziopolitischen Kontext der archaischen Kriegsführung, in dem Grenzkonflikte als ritualisierte, faire Wettkämpfe zwischen Hopliten verstanden wurden.
Die Ideale des Hopliten: Hier wird der Hoplit als Träger bürgerlicher Tugenden wie Mut und Standfestigkeit beschrieben, wobei die Vermeidung von Feigheit und die Treue zur Phalanx-Formation im Zentrum stehen.
Idealbrüche während des peloponnesischen Krieges: Das Kapitel analysiert, wie strategische Notwendigkeiten, unkonventionelle Kriegführung und die Einbeziehung neuer Truppengattungen die traditionellen Vorstellungen von ehrenhaftem Kampf untergruben.
Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Hopliten-Ideale zwar präsent blieben, in der athenischen Kriegspraxis des peloponnesischen Krieges jedoch durch einen pragmatischen, strategisch motivierten Ansatz zur Machtausdehnung ersetzt wurden.
Schlüsselwörter
Hopliten, Phalanx, Peloponnesischer Krieg, Athen, Kriegstaktik, Ideal, Ehre, Perikles, Strategie, Feldherrnkunst, Demosthenes, Peltasten, antike Kriegsführung, Polis, Schlachtordnung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem antiken Ideal der ehrenhaften Hoplitenschlacht und der Realität der kriegerischen Auseinandersetzungen während des peloponnesischen Krieges.
Welche zentralen Themenbereiche werden behandelt?
Im Fokus stehen die militärische Organisation der Polis, die ideologischen Vorstellungen athenischer Bürgerkrieger und der Übergang von ritualisierter Grenzführung zu totalem, strategisch kalkuliertem Krieg.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass die traditionellen Ehrenkodizes durch die sozioökonomischen Erfordernisse und die strategischen Ambitionen des peloponnesischen Krieges nachhaltig deformiert wurden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, die sich primär auf die zeitgenössischen Berichte des Historikers Thukydides stützt und durch moderne Forschungsliteratur zur antiken Militärgeschichte ergänzt wird.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des archaischen Ideals, die Analyse der Hopliten-Tugenden und die exemplarische Untersuchung von Idealbrüchen in Schlachten wie Sphakteria und Delium.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Analyse?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie "Hopliten-Ideale", "Strategischer Wandel", "Athenische Vormacht" und "Kriegsethos" geprägt.
Warum spielt das Schicksal der Peltasten in der Analyse eine Rolle?
Die Peltasten dienen als Beleg dafür, dass athenische Generäle wie Demosthenes zunehmend auf leichtere, vielseitigere Truppen setzten, um die starre und begrenzte Taktik der Hopliten bei Bedarf auszuhebeln.
Wie bewertet die Arbeit die "Totenrede des Perikles"?
Die Arbeit nutzt die Totenrede als wichtiges Zeugnis dafür, dass das Ideal des tapferen, unvoreingenommenen Bürgersoldaten auch dann noch als propagandistisches Narrativ genutzt wurde, wenn die militärische Realität längst pragmatischen Strategien gewichen war.
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- Gereon Arntz (Author), 2017, Das Ideal der griechischen Kriegsführung durch Hopliten. Idealbrüche während des peloponnesischen Krieges, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1241107