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Seeungeheuer und der Umgang mit der Angst

Zu einem Beispiel der Vermittlung maritimen Volksglaubens

Title: Seeungeheuer und der Umgang mit der Angst

Scientific Essay , 2004 , 23 Pages

Autor:in: M.A. Carsten Sobik (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Anhand des Beispiels der so genannten Seeungeheuer wird versucht, die Entwicklung von maritimem Volksglauben und Naturwissenschaften sowie ihr Verhältnis zueinander zu thematisieren und zu erläutern, wobei der Betrachtungsschwerpunkt auf den Epochen der Aufklärung und der Romantik liegt. Im Vordergrund stehen die Darstellungsformen und Erklärungsmuster von beispielhaften Sichtungsberichten, deren Deutungsversuche und die literarischen Rezeptionen von Seeungeheuern – im Wesentlichen Meldungen von Seeschlangen und den so genannten Riesenkraken. Zur Diskussion werden exemplarisch sowohl zeitgenössische populäre Zeitschriften, Literatur und Enzyklopädien als auch moderne Sekundärliteratur herangezogen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Betrachtung von Seeungeheuern von der Antike bis in die Frühe Neuzeit

3. Die Betrachtung von Seeungeheuern in der Aufklärung

4. Die Betrachtung von Seeungeheuern in der Romantik

5. Die Seeschlange als Zeitungsente

6. Schlussfolgerungen

7. Quellen und Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Wahrnehmung von Seeungeheuern und das Verhältnis von maritime Volksglauben zur entstehenden modernen Naturwissenschaft, wobei der Fokus besonders auf den Epochen der Aufklärung und der Romantik liegt.

  • Wandel der Deutungsmuster von Seeungeheuern über verschiedene Epochen
  • Die Rolle der Aufklärung im Kampf gegen den Aberglauben durch naturwissenschaftliche Erklärungsansätze
  • Der Einfluss der romantischen Geistesströmung auf die Wahrnehmung des Irrationalen und Mysteriösen
  • Die Funktion der Presse als Medium für die Verbreitung und Medialisierung von Sichtungsberichten

Auszug aus dem Buch

3. Die Betrachtung von Seeungeheuern in der Aufklärung

Mit der Aufklärung kam auch das Interesse an der naturwissenschaftlichen, sachlichen Ergründung um die Existenz oder Nichtexistenz der Seeungeheuer. Der dänische Missionar und spätere Bischof von Grönland, Hans Egede, berichtete von einer Seeschlange vor Grönland während einer Seereise im Juni 1734:

„Der untere Teil des Leibes glich einer riesigen Schlange, und als das Tier wieder untertauchte, warf es sich rücklings ins Meer und hob dabei seinen Schwanz hoch empor, der sich eine ganze Schiffslänge vom dicksten Teil des Rumpfes entfernt zu befinden schien.“

Egede galt als nüchterner und sachlicher Beobachter und gehörte als Kirchenmann und Wissenschaftler zu den Gegnern abergläubischer Denkweisen. Dadurch wurde seine Beobachtung auch als einer der ersten zuverlässigen Augenzeugenberichte für Seeschlangensichtungen angesehen.

Auch in der „Naturgeschichte Norwegens“ von Erik Ludvigsen Pontoppidan, dem Bischof von Bergen, ist 1755 die Rede von einer vor Norwegen gesichteten Seeschlange. Pontoppidan, dessen Berichte und Zeugenaussagen heute zu den meistzitierten der kryptozoologischen und generell jeder Literatur zum Thema Seeungeheuer zählen, hatte jedoch weniger die Seeschlangen als vielmehr den Riesenkraken sehr umfassend beschrieben. Ein Großteil von Pontoppidans Erläuterungen wurde neben diversen zeitgenössischen Kommentaren zitiert in der „Oekonomischen Enzyklopädie“ von Johann Georg Krünitz im Band von 1791 unter dem Schlagwort „Kraken“ auf mehr als 35 Seiten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die tiefsitzende Angst der Menschen vor den Gefahren des Meeres und stellt die Bedeutung des maritimen Volksglaubens dar, wobei der Fokus auf Seeungeheuern als Sinnbild für diese Ängste liegt.

2. Die Betrachtung von Seeungeheuern von der Antike bis in die Frühe Neuzeit: Dieses Kapitel beschreibt, wie Seeungeheuer über Jahrhunderte hinweg als reale, göttlich strafende oder teuflische Wesen wahrgenommen wurden, die das Meer mit der Sünde verknüpften.

3. Die Betrachtung von Seeungeheuern in der Aufklärung: Der Autor erläutert den Wandel der Wahrnehmung hin zu einer naturwissenschaftlichen Ergründung, wobei Persönlichkeiten wie Pontoppidan versuchten, die Existenz von Ungeheuern in Einklang mit der Natur und religiösen Weltbildern zu bringen.

4. Die Betrachtung von Seeungeheuern in der Romantik: Hier wird analysiert, wie die Romantik ein neues Interesse am Irrationalen und an der „Nachtseite“ der Natur weckte, was Sichtungsberichte zu einer Art Modeerscheinung werden ließ.

5. Die Seeschlange als Zeitungsente: Dieses Kapitel thematisiert den Prozess der Entzauberung und Glaubwürdigkeitsverlusts, in dem Berichte über Seeungeheuer zunehmend als reißerische „Zeitungsenten“ oder Betrugsversuche entlarvt wurden.

6. Schlussfolgerungen: Die Arbeit fasst zusammen, dass mit dem Ende der wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit der Sichtungen auch die kollektive Furcht vor den mythischen Ungeheuern der Weltmeere verschwand.

7. Quellen und Literatur: Ein Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Sekundärliteratur und historischen Quellen.

Schlüsselwörter

Seeungeheuer, Maritimer Volksglaube, Aufklärung, Romantik, Seeschlange, Riesenkraken, Naturwissenschaft, Naturwahrnehmung, Angst, Medien, Zeitungsente, Aberglaube, Kryptozoologie, Pontoppidan, Daedalus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, wie sich die menschliche Wahrnehmung von Seeungeheuern von der Antike bis zum 19. Jahrhundert verändert hat und wie diese Wesen als Sinnbilder für Ängste und gesellschaftliche Strömungen fungierten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen den Wandel des maritimen Volksglaubens, das Spannungsfeld zwischen Glaube und aufkommender Naturwissenschaft sowie die Rolle der Presse bei der Verbreitung von Berichten über Ungeheuer.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Entwicklung von maritimem Volksglauben im Verhältnis zu den Naturwissenschaften darzulegen, mit besonderem Augenmerk auf die Epochen der Aufklärung und Romantik.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor führt eine Literaturanalyse durch, bei der zeitgenössische populäre Zeitschriften, Enzyklopädien sowie moderne Sekundärliteratur herangezogen werden, um die historische Sichtungspraxis und Deutungsmuster zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Analyse der Wahrnehmung von Seeungeheuern, beginnend bei der Antike über die rationale Aufklärung bis hin zur emotional geprägten Romantik und der späteren Entlarvung als Medienspektakel.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Seeungeheuer, Volksglaube, Aufklärung, Romantik, Naturwahrnehmung und Medialisierung charakterisiert.

Welche Bedeutung hatte die „Oekonomische Enzyklopädie“ von Krünitz in diesem Kontext?

Sie diente als wichtiges Dokument der Aufklärung, in dem der Herausgeber Krünitz kritisch mit den Berichten des Bischofs Pontoppidan über den Kraken auseinandersetzte und so das Streben nach rationaler Wissensvermehrung dokumentierte.

Warum galten Berichte über Seeungeheuer Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend als unglaubwürdig?

Aufgrund reißerischer Berichterstattung in Massenmedien und offensichtlicher Betrugsfälle, wie bei dem gefälschten Skelett von „Dr.“ Alfred Koch, verloren derartige Geschichten ihre wissenschaftliche Seriosität und wurden als „Zeitungsenten“ eingestuft.

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Details

Title
Seeungeheuer und der Umgang mit der Angst
Subtitle
Zu einem Beispiel der Vermittlung maritimen Volksglaubens
College
Christian-Albrechts-University of Kiel  (Seminar für Europäische Ethnologie/Volkskunde)
Author
M.A. Carsten Sobik (Author)
Publication Year
2004
Pages
23
Catalog Number
V124111
ISBN (eBook)
9783640287086
ISBN (Book)
9783640287161
Language
German
Tags
Seeungeheuer Angst Volksglaube Aberglaube Maritimes
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Carsten Sobik (Author), 2004, Seeungeheuer und der Umgang mit der Angst, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124111
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