[...] Auf den nachfolgenden Seiten soll erläutert werden, ob und inwieweit das von Kirsten
Boie verfasste Jugendbuch Erwachsene reden. Marco hat was getan dieser problemorientierten
Jugendliteratur zugeordnet werden kann. Dabei wird besonders auf die
Aktualität der in dem Werk dargestellten Problematik und auf die Authenzität des
Dargestellten eingegangen. Im Anschluss daran soll der mögliche Einsatz der Lektüre
im Unterricht diskutiert und mögliche Unterrichtsstunden ausgearbeitet werden. Ziel
dieser Arbeit ist es zu zeigen, dass innerhalb des Literaturunterrichts die Abkehr vom
traditionellen Kanon literarischer Texte und die Aufnahme von Gegenwartsliteratur in
den Unterricht eine Bereicherung sein kann – vor allem dann, wenn auch bei der gemeinsamen
Erarbeitung der Lektüre im Unterricht neue Wege eingeschlagen werden.
Struktur des Inhaltsverzeichnisses
0. Neue Probleme tauchen auf und erfordern neue Mittel
1. Sachanalyse
1.1 Inhaltsanalyse
1.2 Zentrale Themen
1.2.1 Unterschicht und Präkariat
1.2.2 Rechtsextremismus in unserer Gesellschaft
1.2.3 Fragen nach der Verantwortung
2. Didaktische Analyse
2.1 Leserbezogene Analyse
2.1.1 Lesealter
2.1.2 Formulieren von konkreten Lernzielen
2.2 Methodische Analyse
1. Unterrichtsstunde: Rechtsextremismus in Deutschland
2. und 3. Unterrichtstunde: Charakterisierung der Figuren
4. und 5. Unterrichtsstunde: Marcos Weg in die Katastrophe
6. Unterrichtsstunde: Marco
3. Abkehr vom traditionellen Literaturunterricht
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert das Jugendbuch „Erwachsene reden. Marco hat was getan“ von Kirsten Boie hinsichtlich seiner inhaltlichen Thematisierung gesellschaftlicher Probleme wie Rechtsextremismus und sozialer Benachteiligung sowie seiner didaktischen Einsetzbarkeit im Literaturunterricht.
- Analyse der inhaltlichen Authentizität und Aktualität des Romans
- Untersuchung der Rollen von Unterschicht, Präkariat und Rechtsextremismus
- Reflektion über gesellschaftliche Verantwortung im Jugendkontext
- Didaktische Konzepte für einen handlungs- und produktionsorientierten Unterricht
- Förderung der Diskussionsfähigkeit und Medienkompetenz bei Schülern
Auszug aus dem Buch
1.1 Inhaltsanalyse
Wie wird einer ein Mörder?
Wie wird so einer ein Mörder?
Er hat es vorher nicht gewusst, noch Stunden vorher hat er nichts davon gewusst.
Er hat es nicht geplant: Er hat darüber geredet.
Eigentlich jeden Tag hat er darüber geredet. Er hat es nicht geplant.5
Mit dieser Einleitung beginnt Kirsten Boie ihr Werk. Man erfährt, dass eine männliche Person etwas Schreckliches getan haben muss. Was, wann, wie und warum bleibt an dieser Stelle noch völlig offen. Von der traditionellen Art und Weise den Inhalt eines Buches zu erzählen weicht Kirsten Boie auch im Anschluss an diese einleitenden Sätze vollkommen ab, indem sie sowohl auf einen Erzähler als auch auf einen Protagonisten oder eine andere handelnde literarische Figur vollkommen verzichtet. Stattdessen lässt sie Freunde, Bekannte und Nachbarn des Mörders zu Wort kommen. Sie allein nehmen die Charakterisierung dieses Menschen vor, geben Urteile ab und vermitteln dem Leser Eindrücke darüber, wie es zu der Tat kommen konnte. Auf diese Weise spiegeln sie jedoch auch die Umgebung wieder, in der dieser junge Mann lebte – die Umgebung, in der er zu dem wurde, was er ist.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Neue Probleme tauchen auf und erfordern neue Mittel: Die Einleitung verortet das Werk im Kontext zeitdiagnostischer Jugendliteratur und definiert das Ziel, die Relevanz des Buches für den modernen Literaturunterricht aufzuzeigen.
1. Sachanalyse: Dieses Kapitel untersucht die inhaltliche Struktur des Romans sowie zentrale Themenkomplexe wie das Präkariat, Rechtsextremismus und die gesellschaftliche Verantwortung für Jugendgewalt.
2. Didaktische Analyse: Hier werden leserbezogene und methodische Überlegungen dargelegt, gefolgt von konkreten Entwürfen für Unterrichtsstunden zur Auseinandersetzung mit dem Werk.
3. Abkehr vom traditionellen Literaturunterricht: Das abschließende Kapitel plädiert für den Einsatz handlungs- und produktionsorientierter Lehrmethoden, um die Identifikation der Schüler mit der Literatur zu stärken.
Schlüsselwörter
Kirsten Boie, Erwachsene reden. Marco hat was getan, Jugendliteratur, Rechtsextremismus, Präkariat, Unterrichtsentwurf, Literaturunterricht, Sozialisierung, Identifikation, handlungsorientiert, Produktionsorientierung, Gewaltprävention, Gesellschaftsanalyse, Schulpädagogik, Medienkompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Kirsten Boies Jugendroman „Erwachsene reden. Marco hat was getan“ inhaltlich und entwickelt didaktische Konzepte für den Literaturunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Problematiken von Rechtsextremismus, die Lebenswelt des Präkariats, soziale Ausgrenzung sowie die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Mehrwert von Gegenwartsliteratur für den Unterricht aufzuzeigen und neue, handlungsorientierte Wege der gemeinsamen Erarbeitung von Lektüren zu skizzieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Sachanalyse der literarischen Vorlage sowie einer didaktischen Analyse nach gängigen Modellen des produktiven Umgangs mit Literatur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Analyse der zentralen Themen und einen methodischen Teil mit konkreten Unterrichtsentwürfen für die 9. Klasse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Jugendliteratur, Rechtsextremismus, Unterrichtsmethodik, Präkariat und produktionsorientierter Literaturunterricht.
Warum verzichtet Kirsten Boie auf einen klassischen Erzähler?
Durch die Darstellung mittels verschiedener Zeugenaussagen erreicht die Autorin eine Distanzierung, die den Leser zum eigenständigen Nachdenken über gesellschaftliche Verhältnisse anregen soll, statt Identifikation zu erzwingen.
Welche Rolle spielt die Familie des Protagonisten im Roman?
Ein besonderes Merkmal ist, dass die Familie Marco nicht zu Wort kommt, wodurch die Suche nach einer einfachen Schuldzuweisung im direkten Umfeld unterbunden und der Fokus auf gesellschaftliche Ursachen gelenkt wird.
- Quote paper
- Heidi Nissl (Author), 2007, Analyse des Buches von Kirsten Boie: „Erwachsene reden. Marco hat was getan“ - Gegenwartsliteratur im Unterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124114