Für die meisten Studierenden dürfte es Routine sein, sich mit wissenschaftlichen Texten zu beschäftigen. Viele haben bereits selbst mehrere wissenschaftliche Texte verfasst. Dennoch fällt es den meisten von ihnen schwer, genau zu beschreiben, was einen solchen Text eigentlich ausmacht, welche Kriterien erfüllt werden müssen und was zu vermeiden ist. Sie wissen nicht, dass wissenschaftliches Schreiben eine traditionelle Form der Textproduktion ist, die reglementiert und zahlreichen Konventionen unterworfen ist. Bedauerlicherweise werden auch nur sehr selten an den Universitäten Lehrveranstaltungen über die Produktion wissenschaftlicher Texte oder deren Eigenschaften angeboten. Als Konsequenz daraus versuchen viele Studierende beim Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit den Stil anderer zu imitieren, wobei ihre eigenen Fähigkeiten oft vollkommen auf der Strecke bleiben.
Diese Gründe haben mich dazu motiviert, mein in dem Hauptseminar „Stilkritische Übungen: Journalistische und Wissenschaftliche Texte im Vergleich“ bereits erworbenes Wissen über wissenschaftliche Texte zu erweitern und mich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen. Das Ergebnis meiner Arbeit sind nachfolgende Seiten, in denen versucht wird, genau zu erklären, was eigentlich unter wissenschaftlichen Texten zu verstehen ist und welchen Regeln sie unterworfen sind. Dabei wird die Geschichte der Wissenschaftssprache entsprechend berücksichtigt. Darüber hinaus werden verschiedene wissenschaftliche Textsorten vorgestellt und zahlreiche Kriterien genannt, nach denen sie genau klassifiziert werden können. Einem ausführlichen theoretischen Teil folgt ein zweiter Abschnitt, in dem konkrete Textbeispiele analysiert werden.
Ziel dieser Arbeit ist es aber nicht nur, Wissen über wissenschaftliche Texte und Textsorten zu vermitteln, sondern auch, dem Leser vor Augen zu führen, wie vielfältig die Sprache der Wissenschaft eigentlich sein kann – und das trotz der zahlreichen Konventionen, denen sie unterworfen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Ziel der Arbeit
2. Wissenschaftliche Texte
3. Wissenschaftliche Textsorten
3.1 Die fachinterne Wissenschaftskommunikation
3.1.1 Wissenschaftliche Publikationen
3.1.2 Artikel in fachwissenschaftlichen Lexika und Enzyklopädien
3.1.3 Essays
3.1.4 Rezensionen
3.1.5 Seminararbeiten
3.1.6 Weitere fachinterne wissenschaftliche Textsorten
3.2 Die fachexterne Wissenschaftsvermittlung
3.2.1 Wissenschaftsjournalismus
3.2.2 Sachbuch
3.3 Beispiele für unterschiedliche wissenschaftliche Textsorten
3.3.1 Die Publikation
3.3.2 Artikel in einem Wörterbuch
3.3.3 Essay
3.3.4 Populärwissenschaftlicher Zeitschriftenartikel
3.3.5 Sachbuch
4. Stil in wissenschaftlichen Texten
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, Studierenden und Interessierten ein tieferes Verständnis für die Beschaffenheit wissenschaftlicher Texte sowie deren vielfältige Textsorten zu vermitteln. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, welche Kriterien und Regeln das wissenschaftliche Schreiben definieren und wie sich der Stil zwischen Fachkommunikation und populärwissenschaftlicher Vermittlung unterscheidet.
- Definition und Charakteristika wissenschaftlicher Sprache und Stilistik.
- Differenzierung zwischen fachinterner Wissenschaftskommunikation und fachexterner Vermittlung.
- Klassifizierung wissenschaftlicher Textsorten von der Publikation bis zum Essay.
- Analyse des Einsatzes von Metaphern und Stilmitteln in verschiedenen wissenschaftlichen Kontexten.
- Praktische Untersuchung von Textbeispielen zur Veranschaulichung theoretischer Konzepte.
Auszug aus dem Buch
3.1.3 Essays
Bei dem englischen Wort „Essay“ handelt es sich um ein aus der französischen Sprache übernommenes Lehnwort (franz. essai), das wiederum im mittellateinischen „exagium“ wurzelt und so viel wie „Probe“, „Versuch“ bedeutet. Gero von Wilpert liefert in seinem „Sachwörterbuch der Literatur“ eine relativ ausführliche Beschreibung dieser Textsorte. Nach ihm versteht man unter einem Essay eine kürzere Abhandlung über einen wissenschaftlichen Gegenstand oder über eine aktuelle Frage des geistigen, kulturellen oder sozialen Lebens.
Kennzeichnend für ihn ist die künstlerisch wie bildungsmäßig anspruchsvolle, geistreiche und ästhetische Form sowie die vom Autor bewusst geäußerte Subjektivität, die dem Text als geistiges Zeugnis des Verfassers einen bleibenden Wert gibt. Auf die systematische und erschöpfende Analyse des Themas wird verzichtet. Stattdessen wird die Materie von verschiedenen Seiten fast willkürlich, sprunghaft-assoziativ betrachtet. Durch seine subjektive Formulierung steht er in scharfem Kontrast zu der streng objektiven wissenschaftlichen Abhandlung, durch das geistige Niveau und Streben nach zeitlosen Einsichten unterscheidet er sich vom breiteren und oberflächlicheren journalistischen Feuilleton.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ziel der Arbeit: Das Kapitel erläutert die Motivation der Untersuchung, bestehende Unsicherheiten bei Studierenden hinsichtlich der Produktion wissenschaftlicher Texte zu beheben und ein tieferes Verständnis für deren Konventionen zu fördern.
2. Wissenschaftliche Texte: Hier wird der wissenschaftliche Text als sprachliche Einheit definiert, die sich durch spezifische stilistische, syntaktische und terminologische Merkmale von der Standard- oder Literatursprache abgrenzt.
3. Wissenschaftliche Textsorten: Dieser zentrale Teil klassifiziert Texte nach ihrer pragmatischen Einbindung und unterscheidet dabei grundlegend zwischen fachinterner Kommunikation und fachexterner Wissenschaftsvermittlung.
4. Stil in wissenschaftlichen Texten: Dieses Kapitel thematisiert die Rolle des individuellen Autorenstils innerhalb der wissenschaftlichen Normvorgaben und erläutert, wie grammatische Regeln punktuell variiert werden können.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass die spezifische "Formelsprache" der Wissenschaft sachlich begründet ist und dass Kommunikationsbarrieren zwischen Fachwelt und Öffentlichkeit durch gezielte Vermittlungsformen überbrückt werden können.
Schlüsselwörter
Wissenschaftssprache, Textsorten, Fachkommunikation, Wissenschaftsjournalismus, Stilistik, Nominalstil, Publikationsgebot, Rezeptionsgebot, Sachbuch, Essay, Fachtermini, Wissenschaftsvermittlung, wissenschaftlicher Apparat, Kohärenz, Wissenschaftliche Arbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und Kategorisierung wissenschaftlicher Texte und beleuchtet die sprachlichen Konventionen, die den akademischen Schreibstil prägen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Fokus stehen die Abgrenzung von Fachsprache zu Standardsprache, die Unterscheidung verschiedener wissenschaftlicher Textsorten sowie der Transfer von Wissen in populärwissenschaftliche Formate.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, den Lesern ein Verständnis für die Vielfalt wissenschaftlicher Sprache zu vermitteln und die "Stilistik der Sachlichkeit" transparent zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt sprachwissenschaftliche Grundlagen und eine vergleichende Analyse konkreter Textbeispiele aus verschiedenen medizinischen und naturwissenschaftlichen Quellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der Wissenschaftssprache sowie eine praxisorientierte Analyse verschiedener Textsorten, von Fachpublikationen bis hin zu Sachbüchern für Kinder.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Wissenschaftssprache, Textsorten, Fachkommunikation, Wissenschaftsjournalismus und Stilistik.
Was unterscheidet den wissenschaftlichen Essay von einer typischen Abhandlung?
Der Essay zeichnet sich durch eine subjektive, assoziative und ästhetisch anspruchsvolle Form aus, die im bewussten Gegensatz zur streng objektiven und systematischen wissenschaftlichen Abhandlung steht.
Wie gehen Wissenschaftsjournalisten mit dem sogenannten "Metapherntabu" um?
Wissenschaftsjournalisten umgehen das in der Fachwelt übliche Metapherntabu bewusst, um komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge für Laien durch Analogien verständlich und anschaulich zu machen.
Warum wird in wissenschaftlichen Texten der Nominalstil bevorzugt?
Der Nominalstil wird genutzt, um Aussagen objektiver und unabhängiger vom konkreten Handeln einer Person zu formulieren, was die Deutlichkeit wissenschaftlicher Definitionen erhöht.
Welche Rolle spielt die "Scientific Community" bei der Wahl der Textsorte?
Die "Scientific Community" bestimmt durch ihr fachliches Vorwissen und ihre Erwartungshaltung an Präzision und Belegbarkeit die Wahl der Textsorte, beispielsweise in Form von Fachartikeln mit strengem wissenschaftlichem Apparat.
- Quote paper
- Heidi Nissl (Author), 2006, Wissenschaftliche Texte und Textsorten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124119