Die Würde des Menschen ist unantastbar (Art. 1 Abs. 1 Grundgesetz). Doch so erstrebenswert das höchste Gut unserer Gesellschaft auch ist, es bietet doch in seiner facettenreichen Gestalt genügend Angriffsfläche. Gerade in der Lebensphase, in der zwischenmenschliche Beziehung verloren gehen, eigene physische Beschwerden die Abhängigkeit von fremder Hilfe erfordern und
die Gesellschaft die Alten scheinbar nicht mehr gebrauchen kann, wird der Wert des alten Menschen besonders in Frage gestellt. Und so ist es an der Zeit sich diesem Thema gerade vor dem Hintergrund eines demographischen Wandels zuzuwenden, um die Gegenwart und die eigene Zukunft zu hinterfragen und zu verändern. In einem ersten Schritt widme ich mich dem Alter als Lebensphase und versuche unter soziologischen, psychologischen und biologisch – medizinischen Aspekten ein paar Stichpunkte dieser Altersphase herauszuarbeiten. In einem zweiten Schritt stelle ich Chancen und Misserfolg eines würdevollen Alter(n)s gegenüber und versuche dies mit einleitenden Beispielen zu illustrieren. Als Abschluss stelle ich die Methode der Sozialen Netzwerkarbeit vor, die es meiner
Meinung nach besonders gut versteht, die vielschichtigen Probleme und Problemlagen der alten Menschen zu erkennen und zu beheben.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Das Alter als Lebensphase
2.1 Der soziologische Aspekt
2.2 Der biologisch – medizinische Aspekt
2.3 Der psychologische Aspekt
2.3.1 Altern als Bewältigung von Entwicklungsaufgaben (Havighurst)
2.4 Zwischenfazit
3 Würdevolles Altern – Erfolg und Misserfolg im Alltag
3.1 Begriffsbestimmung – Was ist Würde?
3.1.1 Autonomie – „sich selbst zu bestimmen“
3.1.2 Beziehung/ Teilhabe – „sich in der Umwelt auszuwirken“
3.1.3 die eigenen vier Wände – „sich zu gestalten“
3.1.4 gewaltfreies Altern - Freiheit und körperliche Unversehrtheit
3.2 Zwischenfazit
4 Sozialpädagogische Relevanz – methodischer Lösungsansatz
4.1 Methodenauswahl
5 Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der Würde im Alter unter Berücksichtigung soziologischer, biologischer und psychologischer Aspekte, um sozialpädagogische Interventionsmöglichkeiten zur Wahrung der Lebensqualität älterer Menschen abzuleiten.
- Multidimensionale Betrachtung des Alterungsprozesses
- Analyse von Alltagsfaktoren für ein würdevolles Leben
- Thematisierung von Gewalt und Schutz im Alter
- Bedeutung der sozialen Netzwerkarbeit als Methode der Sozialen Arbeit
- Stärkung der Selbstbestimmung und Lebensqualität
Auszug aus dem Buch
3.1.4 gewaltfreies Altern - Freiheit und körperliche Unversehrtheit
„Dreimal wurde die 79-jährige Albertine Nauer (Name geändert) von ihrer Schwiegertochter während einer Auseinandersetzung spitalreif geschlagen. Beim dritten Klinikaufenthalt weigerte sich die Witwe aus Angst vor weiteren Übergriffen, in ihre Wohnung auf dem Bauernhof ihres Sohnes zurückzukehren.“ (Lier 2007)
Um die Hintergründe von Gewalt gegen ältere pflegebedürftige Familienmitglieder zu verstehen, müssen wir uns dem „Gewalt“ - Begriff näher zuwenden. Das Problem hierbei, „(...) den Gewaltbegriff so weit einzuengen, dass wesentliche Misshandlungsformen keine Berücksichtigung finden, bzw. ihn so weit zu fassen, dass das Konkrete verschleiert wird“ (Hagen 2004, S. 148). In der Fachwelt beschreibt man daher zwei Formen, die Vernachlässigung (Unterlassen von Handlungen) und die Misshandlung (aktives Tun entgegen den Wünschen des Anderen). Dagegen von Gewalt abgegrenzt werden einmalige Handlungen, die keine gravierenden Negativfolgen für den Adressaten haben (vgl. Dieck 1993, S. 394). In der Praxis sind mittlerweile 7 Grundformen der Gewalt gegen alte Menschen in der Pflege bekannt: 1) Körperliche Gewaltanwendung 2) Verbale Gewaltanwendung 3) Missbräuchlicher Einsatz von Medikamenten 4) Missbräuchliche Anwendung freiheitsentziehender oder -einschränkender mechanischer Mittel 5) Durchführung von Maßnahmen, die unter pflegerischen und medizinischen Gesichtspunkten verzichtbar wären 6) Vorsätzlich der grob fahrlässig unsachgemäße Durchführung pflegerischer Maßnahmen 7) Unterlassen oder Verzögern pflegerischer Maßnahmen. Dabei wird das meist an solchen Verhaltensweisen deutlich, wie belehren, ignorieren, beschimpfen, lächerlich machen, entmündigen, Widerstand brechen, ausgrenzen, drohen (vgl. Rabe 2003, S. 107).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorwort: Der Autor führt in die Thematik der Würde im Alter ein und begründet die Notwendigkeit, sich aufgrund des demografischen Wandels intensiv mit den Lebenslagen älterer Menschen auseinanderzusetzen.
2 Das Alter als Lebensphase: Dieses Kapitel betrachtet das Altern aus soziologischer, biologisch-medizinischer und psychologischer Sicht, um ein grundlegendes Verständnis für die heterogenen Altersstrukturen zu schaffen.
3 Würdevolles Altern – Erfolg und Misserfolg im Alltag: Anhand verschiedener Teilaspekte wie Autonomie, soziale Teilhabe, Wohnumfeld und Gewaltfreiheit wird aufgezeigt, welche Faktoren ein würdevolles Altern im Alltag prägen oder gefährden.
4 Sozialpädagogische Relevanz – methodischer Lösungsansatz: Es wird die soziale Netzwerkarbeit als zentrale Methode der Sozialen Arbeit vorgestellt, um individuelle Lebensqualität zu sichern und professionell zu intervenieren.
5 Schlusswort: Das Fazit fasst zusammen, dass das Alter eine eigenständige Lebensphase darstellt, deren Würde durch professionelle Netzwerkarbeit und die Aktivierung sozialer Ressourcen gestärkt werden muss.
Schlüsselwörter
Würde im Alter, Altern, Soziale Arbeit, Netzwerkarbeit, Autonomie, soziale Teilhabe, Gewalt im Alter, Pflegebedürftigkeit, Lebensqualität, demografischer Wandel, Sozialpädagogik, Interventionsansatz, Selbstbestimmung, Lebensphase, Unterstützungssysteme
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit dem Konzept der Würde im Alter und untersucht, wie sozialpädagogische Ansätze dazu beitragen können, die Lebensqualität und Selbstbestimmung älterer Menschen zu sichern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die soziologische und psychologische Einordnung des Alterns, die Bedeutung von Autonomie, soziale Netzwerke, das Wohnumfeld sowie die Problematik von Gewalt und Vernachlässigung in der Pflege.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Gefahren für eine würdevolle Lebensgestaltung im Alter aufzuzeigen und Methoden der Sozialen Arbeit, insbesondere die soziale Netzwerkarbeit, als Lösungsansatz zur Stärkung der Würde zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse basiert, um das Thema Würde in den Kontext aktueller sozialpädagogischer Konzepte zu stellen.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert die multidimensionalen Herausforderungen des Alterns und leitet aus den gewonnenen Erkenntnissen Interventionsmöglichkeiten ab, die besonders den Erhalt der Selbstbestimmung fördern.
Welche Schlüsselbegriffe sind charakteristisch?
Typische Begriffe sind Würde im Alter, soziale Netzwerke, Autonomie, Lebensqualität und sozialpädagogische Intervention.
Welche Rolle spielt die soziale Netzwerkarbeit?
Die soziale Netzwerkarbeit dient als zentrale Methode, um informelle und formelle Unterstützung zu koordinieren, die den individuellen Bedürfnissen älterer Menschen gerecht wird und soziale Teilhabe ermöglicht.
Wie wird das Problem von Gewalt gegen Alte thematisiert?
Der Autor unterscheidet verschiedene Formen von Gewalt, wie körperliche oder verbale Misshandlung sowie Vernachlässigung, und betont die Notwendigkeit, das Thema zu enttabuisieren und Unterstützungssysteme zu stärken.
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- Etienne Clauß (Author), 2009, Würde im Alter - grundlegende Aspekte und sozialpädagogisches Wirken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124195