Die Gewerbesteuer ist die primäre Einnahmequelle des kommunalen Haushalts. Folglich ist der Gewerbesteuerhebesatz die Stellschraube für das Aufkommen der Gewerbesteuer. Die Kommunen können autonom in definierten Bandbreiten, über das Setzen des Hebesatzes, Standortpolitik betreiben. Viele Kommunen besitzen jedoch aufgrund ihres Schuldenstandes keine freie Wahlmöglichkeit in Bezug auf den Gewerbesteuerhebesatz. Daraus resultiert, dass auf Basis des Haushaltssicherungsgesetztes ein Hebesatz, der den benachbarten Kommunen angepasst ist, vom Bund bestimmt werden kann.
Neben dem Gewerbesteuerhebesatz haben die Kommunen weiterhin die Möglichkeit, alternative Standortfaktoren zu entwickeln. Dies hängt jedoch unmittelbar von dem Gewerbesteueraufkommen ab, da diese Einnahmen es der Kommune ermöglichen die Standortattraktivität, insbesondere der weichen Standortfaktoren, zu fördern.
Sowohl für Existenzgründer als auch für bestehende Unternehmen ist die Standortwahl bzw. die Optimierung des Standortes von Bedeutung. Im Rahmen dieser Arbeit geht es um die Gewichtung von Standortfaktoren auf nationaler Ebene. Eine detaillierte Betrachtung der Gewerbesteuer im Gefüge der Standortfaktoren ist die Aufgabe. Neben den Veränderungen aufgrund der Unternehmenssteuerreform 2008 wird der grundsätzliche Aufbau der Gewerbesteuer dargestellt. Anschließend wird die Standortwahl aus der Sicht des Unternehmers betrachtet. In diesem Zusammenhang stellen sich nun folgende Fragen:
Ist es nachweisbar, ob der Gewerbesteuerhebesatz bei der Wahl des Standortes entscheidend ist? Für wen und in welchem Maße ist der Gewerbesteuerhebesatz bei der Standortwahl, entscheidend? Hängt die Gewichtung des Gewerbesteuerhebesatzes von der Rechtsform und der Größe einer Unternehmung ab? Wie wirkt sich die Gewerbesteuer bei verschiedenen Ertragslagen einer Unternehmung aus?
Anhand von aktuellen Daten und Fallbeispielen werden anschließend die erwähnten Fragestellungen in einen Praxisbezug gesetzt. Abschließend folgt die Darstellung, in wie weit der Standortfaktor Gewerbesteuer für Unternehmer relevant ist und welche Faktoren die Gewerbesteuer überlagern.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK, ZIELSETZUNG UND AUFBAU DER ARBEIT
2. DAS DEUTSCHE GEWERBESTEUERSYSTEM NACH DER UNTERNEHMENSSTEUERREFORM 2008
2.1 ENTWICKLUNG
2.2 AUFBAU UND SACHLICHE STEUERPFLICHT
2.2.1 Arten von Gewerbebetrieben
2.2.2 Formen von Gewerbebetrieben
2.3 DIE UNTERNEHMENSSTEUERREFORM 2008
2.3.1 Änderungen Gewerbesteuer
2.3.2 Anmerkungen zur Gewerbesteuerreform
2.3.3 Stellung der Gewerbesteuer nach der Reform
2.4 DARSTELLUNG DER GEWERBESTEUER 2008
2.4.1 Rechtsform
2.4.2 Gewerbesteuer
2.4.2.1 Gewerbeertrag
2.4.2.2 Hinzurechnungen
2.4.2.3 Kürzungen
2.4.2.4 Verlustabzug
2.4.2.5 Freibetrag
2.4.2.6 Steuermesszahl
2.4.2.7 Hebesatz
3. STANDORTWAHL DES UNTERNEHMERS
3.1 STANDORTFAKTOREN
3.1.1 Harte Standortfaktoren
3.1.2 Weiche Standortfaktoren
3.2 STANDORTANALYSE
3.3 GEWERBESTEUER ALS STANDORTFAKTOR
3.3.1 Ausgewählte unternehmerische Standortfaktoren
3.3.2 Gewichtung der Gewerbesteuer im Kontext der Standortwahl des Unternehmers
3.3.2.1 Bestehende Unternehmungen
3.3.2.1 Existenzgründungen
3.3.3 Unternehmensabhängige Relevanz von Standortfaktoren
4. AUSGEWÄHLTE FALLBEISPIELE
4.1 GEWERBESTEUERBELASTUNG IM KOMMUNENVERGLEICH
4.2 KAPITAL- UND PERSONENGESELLSCHAFTEN
4.2.1 Ertragsschwache Unternehmen
4.2.2 Ertragsstarke Unternehmen
5. SCHLUSSWORT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Rolle der Gewerbesteuer als maßgeblichen Standortfaktor für Unternehmen nach der Reform von 2008. Ziel ist es, die Gewichtung dieses fiskalischen Faktors im komplexen Gefüge unternehmerischer Standortentscheidungen zu analysieren und aufzuzeigen, inwieweit die Steuerbelastung die Wahl des Betriebsstandorts beeinflusst.
- Analyse der Änderungen durch die Unternehmenssteuerreform 2008
- Systematik und Kalkulation der Gewerbesteuer
- Differenzierung zwischen harten und weichen Standortfaktoren
- Empirische Untersuchung der Gewerbesteuerrelevanz bei Gründungen und Standortwechseln
- Vergleichende Analyse der Steuerbelastung nach Rechtsform und Ertragslage
Auszug aus dem Buch
3.3.2.1 Bestehende Unternehmungen
Im Rahmen der Standortwahl fixiert der Unternehmer eine bestimmte Ressourcenallokation. Die gegebenen Bedingungen am Standort sind somit nicht veränderbar und die Unternehmung hat sich an diese anzupassen. Die Verkehrsanbindung, die Entfernung zu wesentlichen Absatzmärkten oder die Arbeitskosten sind mit der Standortwahl unmittelbar verbunden. Nach Derungs ist aufgrund von hohen Umzugskosten die Standortentscheidung des Unternehmers für einen gewissen Zeitraum irreversibel. Daraus folgt, dass zum Einen die Standortwahl eine tragende Säule der Unternehmensplanung ist und zum Anderen, dass die vorherrschenden Bedingungen stets im Blick zu halten sind. Im Fall einer negativen Entwicklung vorherrschender Standortfaktoren ist deren Inkaufnahme gegenüber den Kosten eines möglichen Umzugs abzuwägen. Da Unternehmer stets im Wettbewerb stehen, ist es notwendig die Unternehmung, auch in Standortfragen, zu optimieren.
Wie bereits erwähnt, sind die Verkehrsanbindung, die Nähe zu den Absatzmärkten oder die Arbeitskosten wesentlich mit dem Standort verknüpft. Eine weitere entscheidende Größe im Kontext der Standortwahl ist der Gewerbesteuerhebesatz. Wie eingangs bereits erläutert, haben die Kommunen mit dem Hebesatz ein Instrument, um aktiv Standortpolitik zu betreiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK, ZIELSETZUNG UND AUFBAU DER ARBEIT: Hinführung zur Bedeutung der Gewerbesteuer als kommunale Einnahmequelle und Darstellung der zentralen Forschungsfragen hinsichtlich der Standortwahl.
2. DAS DEUTSCHE GEWERBESTEUERSYSTEM NACH DER UNTERNEHMENSSTEUERREFORM 2008: Detaillierte Erläuterung der gesetzlichen Grundlagen und der systemischen Änderungen durch die Reform 2008 inklusive Kalkulationsschema.
3. STANDORTWAHL DES UNTERNEHMERS: Untersuchung der verschiedenen Standortfaktoren und der speziellen Gewichtung der Gewerbesteuer in diesem Entscheidungsprozess.
4. AUSGEWÄHLTE FALLBEISPIELE: Praktische Anwendung der gewonnenen Erkenntnisse anhand von Berechnungsbeispielen für unterschiedliche Unternehmenstypen und Kommunen.
5. SCHLUSSWORT: Zusammenfassendes Fazit über die Bedeutung der Gewerbesteuer im Standortwettbewerb und Ausblick auf künftige Forschungsbedarfe.
Schlüsselwörter
Gewerbesteuer, Standortfaktor, Unternehmenssteuerreform 2008, Gewerbesteuerhebesatz, Standortwahl, Kommunalfinanzen, Standortwettbewerb, Gewerbeertrag, Kapitalgesellschaft, Personengesellschaft, Standortanalyse, Investitionsentscheidung, Steuerbelastung, Existenzgründung, Betriebsstätte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform 2008 auf die Gewerbesteuer und deren Bedeutung als Standortfaktor für Unternehmen in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen das deutsche Gewerbesteuersystem, die Systematik der Standortwahl, die Unterscheidung zwischen harten und weichen Standortfaktoren sowie die steuerliche Belastung nach Rechtsform.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, in welchem Maße der Gewerbesteuerhebesatz bei der Standortentscheidung von Unternehmen ausschlaggebend ist und wie er in Relation zu anderen Faktoren gewichtet wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren nutzen eine Kombination aus theoretischer Fundierung, gesetzlicher Analyse sowie praktischer Fallbeispiele und Korrelationsanalysen von statistischen Daten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Steuersystems, die Kategorisierung von Standortfaktoren, die Analyse der Gewichtung der Gewerbesteuer und einen praktischen Vergleich von Fallbeispielen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Gewerbesteuer, Standortfaktor, Unternehmenssteuerreform 2008, Gewerbesteuerhebesatz und Standortwahl.
Welche Rolle spielt die Rechtsform für die Steuerbelastung?
Die Rechtsform beeinflusst maßgeblich, ob eine Personengesellschaft oder Kapitalgesellschaft vorliegt, was wiederum Auswirkungen auf Freibeträge und die Anrechenbarkeit auf die Einkommensteuer hat.
Was zeigt der Vergleich zwischen Frankfurt und Eschborn?
Dieses Fallbeispiel verdeutlicht die drastischen Unterschiede bei den Hebesätzen auf engem Raum und deren potenziellen Einfluss auf Standortverlagerungen von Großunternehmen.
- Quote paper
- Maik Dickhäuser (Author), Sebastian Hasenack (Author), 2009, Die Gewerbesteuer als Standortfaktor für Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124236