Die institutionelle Entwicklung der Schule und die Forderung nach einem inklusiven Bildungssystem, welches auf dem Recht von Menschen mit Behinderung auf Bildung ohne Diskriminierung und der Chancengleichheit beruht, ist ein zentraler Aspekt von Inklusion. Der grundlegende Anspruch, welche eine inklusive Unterrichtsgestaltung an den Unterricht stellt, ist es der Heterogenität der Schülerinnen und Schüler im Klassenraum gerecht zu werden. Damit sind auch die sozialen und kulturellen Hintergründe, Vorerfahrungen, Stärken, Schwierigkeiten und Interessen miteinbegriffen. Wenn man den inklusiven Unterricht als permanenten Schulentwicklungsauftrag versteht, welcher aktiv gegen Diskriminierung, Benachteiligung und Exklusion vorgehen soll, so stellt sich die folgende Frage: Warum sollte der inklusive Unterricht eine Aufgabe für Lehrer*innen aller Schulformen sein?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen der Inklusion
2.1 Historischer schulorganisatorischer Umgang mit Behinderung
2.2 Inklusionsbegriff
3. Die Rolle der Inklusiven Unterrichtsgestaltung
3.1 Heterogenität im Klassenzimmer
3.2 Inklusive Unterrichtsgestaltung
3.2.1 Möglichkeiten der Inklusiven Unterrichtsgestaltung
3.2.2 Problemfelder
3.3 Chancen und Notwendigkeit der inklusiven Unterrichtsgestaltung
4. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, mittels einer theoriegeleiteten Reflexion zu ergründen, warum inklusiver Unterricht als grundlegende Aufgabe für alle Lehrkräfte unabhängig von der jeweiligen Schulform zu verstehen ist. Dabei wird untersucht, wie Unterricht in heterogenen Lerngruppen erfolgreich gestaltet werden kann und welche strukturellen Herausforderungen dabei bestehen.
- Historische Entwicklung des Umgangs mit Behinderung im Bildungssystem
- Theoretische Fundierung des Inklusionsbegriffs gemäß der UN-Behindertenrechtskonvention
- Analyse der Heterogenität als mehrdimensionales Merkmal des Klassenzimmers
- Strategien zur inklusiven Unterrichtsgestaltung und Möglichkeiten multiprofessioneller Kooperation
- Reflexion über Chancen, Spannungsfelder und notwendige Rahmenbedingungen für Inklusion
Auszug aus dem Buch
3.1 Heterogenität im Klassenzimmer
Der Schulentwicklungsauftrag soll dem Inklusionsverständnis der UN-BRK nach aktiv und permanent gegen Diskriminierung, Benachteiligung und Exklusion vorgehen (Vgl. A.-K. Arndt, Werning 2015, S.54). Die inklusive Unterrichtsgestaltung stellt den grundlegenden Anspruch der wachsenden Heterogenität der Schüler*innen im Klassenzimmer gerecht zu werden (Vgl. Ebd.). Mit Heterogenität sind nicht nur Menschen mit Behinderung gemeint, sondern auch individuelle soziale und kulturelle Hintergründe, Vorerfahrungen, Stärken, Schwierigkeiten und Interessen einzelner Schüler*innen (Vgl. Ebd.). Vor dem Hintergrund, dass es sich bei Heterogenität im Klassenzimmer um einen mehrdimensionalen Begriff handelt, wird deutlich, dass eine aktive Auseinandersetzung mit inklusiver Unterrichtsgestaltung notwendig ist, um der von der UN-Konvention festgehaltenen Verpflichtung, allen Bürger*innen Bildung in einem auf allen Ebenen inklusiven Schulsystem möglich zu machen, gerecht zu werden (Vgl. Vick, Gronostaj 2017, S.9f.).
Die Heterogenität im Klassenzimmer bezieht sich also keineswegs lediglich auf Schüler*innen mit Behinderung, sondern setzt sich aus dem familiären Hintergrund, Behinderungen, chronischen Krankheiten, Intelligenz und Vorwissen von den einzelnen Schüler*innen zusammen (Vgl. Vick, Gronostaj 2017, S.3). Im weiteren Verlauf des Kapitels werden die verschiedenen Dimensionen der Heterogenität umrissen.
Der familiäre Hintergrund setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, wie dem sozioökonomischen Hintergrund, dem Migrationshintergrund und der Bildungssprache (Vgl. Vick, Gronostaj 2017, S.19ff.). Der sozioökonomische Hintergrund betrachtet die aktuelle Lebenssituation des Kindes – damit sind Aspekte wie das familiäre Umfeld, das Wertsystem in einer Familie und die Möglichkeiten des Kindes, welche eng mit den Ressourcen der Familie verbunden sind, gemeint (Vgl. Vick, Gronostaj 2017, S.19). Der familiäre Hintergrund kann in primäre und sekundäre Herkunftseffekte unterteilt werden (Vgl. Ebd.). Primäre Herkunftseffekte sind die Einflüsse der Familie, welche sich auf die Kompetenzentwicklung der Kinder auswirken (Vgl. Ebd.) – damit ist also das ökonomische, soziale und kulturelle Kapital einer jeden Familie gemeint (Bourdieu, 1983).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz des Themas im Lichte rechtlicher Rahmenbedingungen und definiert die Fragestellung zur Notwendigkeit der Inklusion als Aufgabe aller Lehrkräfte.
2. Theoretische Grundlagen der Inklusion: Hier erfolgt ein historischer Abriss über den Umgang mit Behinderung sowie eine theoretische Herleitung des Inklusionsbegriffs basierend auf der UN-Behindertenrechtskonvention.
3. Die Rolle der Inklusiven Unterrichtsgestaltung: Dieses Hauptkapitel analysiert das Konzept der Heterogenität im Klassenzimmer, diskutiert konkrete Gestaltungsmöglichkeiten sowie Herausforderungen und benennt die Chancen inklusiver Bildung.
4. Ausblick: Der abschließende Teil reflektiert die im Portfolio erarbeiteten Erkenntnisse und verknüpft sie mit den Inhalten des Seminars sowie persönlichen zukünftigen Fragestellungen der Autorin.
Schlüsselwörter
Inklusion, Heterogenität, Sonderpädagogik, UN-Behindertenrechtskonvention, Unterrichtsgestaltung, Schulentwicklung, Multiprofessionalität, Chancengleichheit, Diskriminierung, Bildungssystem, Diversität, Schulkultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Das Portfolio setzt sich mit dem Thema Inklusion und der inklusiven Unterrichtsgestaltung im Schulkontext auseinander, um die Notwendigkeit dieses Konzepts für alle Lehrkräfte zu begründen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die historischen Grundlagen, den Begriff der Inklusion, das Phänomen der Heterogenität im Klassenzimmer sowie praktische Konzepte und Problemfelder der Unterrichtsgestaltung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, warum die inklusive Unterrichtsgestaltung eine unabdingbare Aufgabe für Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoriegeleitete Reflexion, die auf fachwissenschaftlicher Literatur und den Inhalten des besuchten Seminars basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Dimensionen von Heterogenität, beleuchtet Voraussetzungen und Methoden inklusiver Unterrichtsgestaltung und diskutiert auftretende Spannungsfelder sowie Problembereiche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Inklusion, Heterogenität, Schulentwicklung und Multiprofessionalität definiert.
Warum spielt das "professionelle Selbstverständnis der Lehrkräfte" eine so große Rolle?
Die Arbeit identifiziert dieses Selbstverständnis als einen zentralen Faktor, der sowohl die Bereitschaft zur multiprofessionellen Kooperation beeinflusst als auch als Hürde für eine inklusive Öffnung der Schule fungieren kann.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Inklusion und Integration?
Die Arbeit verdeutlicht, dass bei der Integration ausgegrenzte Gruppen wieder eingegliedert werden, während Inklusion als universelles Prinzip voraussetzt, dass Ausgrenzung gar nicht erst stattfindet.
- Quote paper
- Anna Lisa Ratke (Author), Theoretische Grundlagen der Inklusion. Die Rolle der Inklusiven Unterrichtsgestaltung. Leistung, Differenzierung, Beratung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1242704