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Mehrsprachigkeit als Medium der Charakterformung und Standeskritik dargestellt an der Nutzung des Französischen in Schillers "Kabale und Liebe"

Titel: Mehrsprachigkeit als Medium der Charakterformung und Standeskritik dargestellt an der Nutzung des Französischen in Schillers "Kabale und Liebe"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2021 , 13 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Stefanie Gerrits (Autor:in)

Literaturwissenschaft - Allgemeines
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Hofmarshall von Kalb ist aufgrund seiner abwertenden, verlachten und nicht klassen- und zeitgemäßen Darstellung eine beachtenswerte Figur, die bisher jedoch nicht im Zusammenhang mit der Nutzung der französischen Sprache untersucht wurde. Die Notwendigkeit der nachfolgenden Ausarbeitung findet sich folglich in der Betrachtung der Fremdsprache als Medium in dem vorliegenden historischen Kontext. Mehrsprachigkeit dient vorwiegend als Zeichen von Integration, Multikulturalität und Internationalität und ist dementsprechend positiv besetzt. Doch in Kabale und Liebe wird sie übermäßig genutzt, um Kritik an der Ständeklausel und dem aristokratischen Stand zu üben. Dies ist einer der Gründe, weshalb der Hofmarshall eine auffallende Figur darstellt, und seine Charakterformung mithilfe des Mediums der Fremdsprache nach der eingehenden Betrachtung der bereits genannten Aspekte des historischen Kontextes untersucht wird; schlussendlich werden Herr und Frau Miller als Gegenbeispiel betrachtet, bevor zusammenfassend die Konklusion der Wirkung des Mediums gezogen wird.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist unter einem Medium zu verstehen?

3. Historischer Kontext

3.1. Männlichkeitsideal im 18. Jahrhundert

3.2. Der Adel im 18. Jahrhundert

3.3. Der Einfluss des Französischen

4. Das Französische in Friedrich Schillers Kabale und Liebe

4.1. Der Adel

4.1.1. Hofmarshall von Kalb

4.1.2. Lady Milford, Favoritin des Fürsten

4.2. Das Bürgertum: Miller und dessen Frau

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Funktion der französischen Sprache als Medium in Friedrich Schillers Drama Kabale und Liebe, um die Charakterisierung der Figuren sowie die Kritik an der aristokratischen Gesellschaftsschicht im 18. Jahrhundert zu hinterfragen.

  • Analyse der französischen Sprache als Mittel zur Adelskritik
  • Gegenüberstellung bürgerlicher und aristokratischer Männlichkeitsideale
  • Untersuchung der Sprachverwendung als Indikator für sozialen Status
  • Bedeutung der Regieanweisungen für die Rezeptionsästhetik
  • Kontrastierung von Fremdsprachengebrauch und deutscher Standardsprache

Auszug aus dem Buch

4.1.1. Hofmarshall von Kalb

Durch den Gebrauch französischer Bezeichnungen in der Regieanweisung, nutzt Schiller die narrative Instanz, um den Hofmarshall bereits vor seinem Auftreten zu bewerten. Für die Beschreibung des als adlig wahrgenommenen Äußeren wäre die Nutzung des Französischen nicht notwendig, dennoch passt sich der Erzähler dem aristokratischen Jargon und Redehabitus des Hofmarshalls an. Er imitiert ihn, um ihn auf satirische Weise bloßzustellen und zu verspotten. Seine Frisur „á la Hérison“ (I/6, S. 17), welches mit „frisiert wie ein Igel“ übersetzbar ist, verweist auf die Übertriebenheit, Extravaganz und Stümperhaftigkeit des Adels. Mit der Abwertung der Frisur wird die Figur beim ersten Auftritt während des Lesens lächerlich gemacht und ordnet die Figur dem übersteigerten Adel zu.

Insbesondere die Figur des Hofmarshalls von Kalb repräsentiert den aristokratischen Stand. Der nicht notwendige Luxus des Adels wird dargestellt „in einem reichen, aber geschmacklosen Hofkleid, mit Kammerherrnschlüsseln, zwei Uhren und einem Degen, Chapeaubas und frisiert á la Hérison“ (I/6, S. 17). Die Auflistung, kombiniert mit den französischen Phrasen, demaskiert die Vorliebe der Prachtentfaltung. Nichtsdestoweniger soll nicht nur das körperliche Äußere glanzvoll erscheinen: Fremdsprachige Ausdrucksweisen sollen eine euphemistische Wirkung entfalten, sie sollen Aussagen abschwächen bzw. aufwerten. Exemplarisch nutzt der Hofmarshall von Kalb „Merde d'Oye-Biber an“ (I/6, S. 18) und beschreibt damit einen Biberpelz von der „gelblich grünen Farbe des Gänsekots“ (Duden Online). Ein weiteres Beispiel zeigt sich in folgender Aussage: „wie sehr Sie sich in Disgrace setzen, Lady!“ (IV/9, S. 81). „Disgrace“ übersetzt sich in „Ungnade“. Die Verwendung des fremdsprachlichen Begriffes soll das negativ konnotierte Konzept der Ungnade abschwächen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Sprachverwendung als Medium zur Charakterisierung und Sozialkritik in Schillers Drama.

2. Was ist unter einem Medium zu verstehen?: Theoretische Definition des Medienbegriffs als Kommunikationsmittel zur Beeinflussung von Aussagen.

3. Historischer Kontext: Einordnung von Kabale und Liebe in die Epoche des Sturm und Drang inklusive soziokultureller Hintergründe.

3.1. Männlichkeitsideal im 18. Jahrhundert: Untersuchung patriarchaler Strukturen, der Krise der Männlichkeit und des Wandels der väterlichen Autorität.

3.2. Der Adel im 18. Jahrhundert: Analyse der bürgerlichen Emanzipation sowie der zunehmenden Kritik an den Privilegien und der moralischen Verfassung des Adels.

3.3. Der Einfluss des Französischen: Darstellung der Verbreitung des Französischen als Prestigesprache in verschiedenen Bevölkerungsschichten.

4. Das Französische in Friedrich Schillers Kabale und Liebe: Fokus auf die hierarchische Anordnung der Figuren und die Bedeutung der Regieanweisungen als lesbares Medium.

4.1. Der Adel: Vertiefende Analyse der Rolle des Adels durch gezielte sprachliche Distanzierung und Entlarvung durch den Autor.

4.1.1. Hofmarshall von Kalb: Untersuchung der Figur als Repräsentant des lächerlich gemachten Adels und dessen exzessiver Verwendung des Französischen.

4.1.2. Lady Milford, Favoritin des Fürsten: Analyse der sozialen Verortung durch Raumbeschreibungen und den Einsatz französischer Lehnwörter.

4.2. Das Bürgertum: Miller und dessen Frau: Gegenüberstellung der Sprachstile innerhalb des Bürgertums und Aufwertung des Deutschen als authentische Ausdrucksform.

5. Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse bezüglich der Funktionalität der Sprache als Instrument der Gesellschaftsstrukturierung und -kritik.

Schlüsselwörter

Kabale und Liebe, Friedrich Schiller, Sturm und Drang, Männlichkeitsideal, Adel, Bürgertum, Fremdsprache, Französisch, Hofkultur, Medienbegriff, Ständekritik, Soziokulturelle Verhältnisse, Hofmarshall von Kalb, Sprachgebrauch, Literaturanalyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Funktion der französischen Sprache als Medium in Friedrich Schillers Drama "Kabale und Liebe", um die Charakterzeichnung und eine gezielte Kritik an der aristokratischen Gesellschaftsschicht herauszuarbeiten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder umfassen den historischen Kontext des 18. Jahrhunderts, männliche Idealvorstellungen, die bürgerliche Emanzipation sowie die symbolische Bedeutung von Sprache und Kleidung für den sozialen Status.

Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?

Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schiller durch den gezielten Gebrauch von Fremdsprachen bei adligen Figuren negative Assoziationen weckt und damit die Ständehierarchie des Stücks hinterfragt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse, die den Primärtext unter Einbeziehung von Fachliteratur zum historischen Kontext sowie kommunikationswissenschaftlicher Definitionen des Medienbegriffs untersucht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Verwendung des Französischen in den Regieanweisungen und der direkten Rede. Dabei werden insbesondere der Hofmarshall von Kalb und Lady Milford als adlige Gegenspieler sowie Familie Miller als Vertreter des Bürgertums gegenübergestellt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wesentliche Begriffe sind Kabale und Liebe, Männlichkeitsideal, Sprachmedium, Adel, Bürgertum, Kritik an Ständeklauseln und Frankophilie.

Warum wird gerade der Hofmarshall von Kalb als Fallbeispiel gewählt?

Er fungiert als Karikatur des Adels, wodurch seine exzessive Frankophilie und sein "effeminiertes" Verhalten als Abweichung vom bürgerlichen Männlichkeitsideal besonders deutlich kritisiert werden können.

Wie unterscheidet sich die Sprachverwendung bei Familie Miller vom Adel?

Während der Adel das Französische zur Prachtentfaltung und Verschleierung nutzt, besticht das Bürgertum durch heimatliche, oft hagere und direkte deutsche Sprache, die für Aufrichtigkeit und ein neues bürgerliches Selbstbewusstsein steht.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Mehrsprachigkeit als Medium der Charakterformung und Standeskritik dargestellt an der Nutzung des Französischen in Schillers "Kabale und Liebe"
Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Autor
Stefanie Gerrits (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
13
Katalognummer
V1242734
ISBN (PDF)
9783346667687
ISBN (Buch)
9783346667694
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kabale und Liebe Literatur als Medium Schiller Hofmarshall olfaktorisch
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Stefanie Gerrits (Autor:in), 2021, Mehrsprachigkeit als Medium der Charakterformung und Standeskritik dargestellt an der Nutzung des Französischen in Schillers "Kabale und Liebe", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1242734
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Leseprobe aus  13  Seiten
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