Diese Arbeit beschäftigt sich mit YouTube-Videos als Lehr- und Lernmedien im Unterricht und außerschulischen Kontext.
Durch das Internet und Verbreitungsplattformen wie YouTube sind seit Beginn des neuen Millenniums weitere Wege hinzugekommen, über die solche auf Erklärungen ausgerichteten Videos zu ihren Adressatinnen und Adressaten gelangen. Jedoch mit einem signifikanten Unterschied: auf den Smartphones und Computerbildschirmen der Schülerinnen und Schüler bestimmt nicht mehr die Lehrkraft, zu welchem Thema welcher Clip läuft, auch nicht wann und von wem, nicht wo und wie oft.
Kann dabei die von den Lernenden selbst getroffene Auswahl ebenso gut zur Vor- oder Nachbereitung von Unterricht verwendet werden, wie das von ihren Lehrerinnen und Lehrern gezielt ausgesuchte Material? Macht es vielleicht sogar für Lehrende Sinn, sich selbst an der Produktion von Videobeiträgen im Stil erfolgreicher Produzentinnen und Produzenten („YouTuber / YouTuberinnen“) auf der Plattform YouTube zu beteiligen? Was macht den Stil von Erklärvideos im Internet aus und häufig sehr erfolgreich?
Ein teilweise historischer Abriss über die bisherige Verwendung von Bewegtbild zu Illustrationszwecken und der Wissensvermittlung im Unterricht soll hier zu Beginn einen Überblick darüber geben, wie sich das Medium Film, beziehungsweise Video in der gezielten Ausrichtung auf Lernende im Kinder- und Jugendalter entwickelt hat.
Um in tiefere Schichten der Thematik vordringen zu können, wird daran anschließend das Phänomen YouTube einer konkreten Betrachtung von verschiedenen Blickwinkeln aus unterzogen. Die Klärung der Frage, wie ein kommerziell ausgerichtetes Videoportal gleichzeitig eine effektive und hilfreiche Lernplattform sein kann, ist Desiderat des genannten Abschnitts.
Auf eine Analyse der Vor- und Nachteile des Einsatzes von (YouTube-)Erklärvideos folgt ein Blick auf die derzeitige Bearbeitung des Themenfeldes durch verschiedene wissenschaftliche Disziplinen, wie etwa die Medienpädagogik oder auch die Kommunikationswissenschaft und Rezeptionsforschung. Schlussbildend wird reflektiert, ob Erklärvideos auf YouTube und ähnlichen Portalen als Ausgangspunkt für ein neues Bildungs- und Schulfernsehen, beziehungsweise dessen moderne Erweiterung dienen können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Bewegtbild im Unterricht
1.2 Vom Schulfilm zum Bildungsfernsehen
1.3 Neue Medien, Möglichkeiten und Gefahren
2 Das Phänomen YouTube
2.1 Kommerzielles Videoportal vs. Lernplattform
2.2 Erklärvideos: Wirkungsweise und Erfolg
2.3 Vor- und Nachteile des Videoeinsatzes inner- und außerhalb von Unterricht
3 YouTube im Focus wissenschaftlicher Betrachtung
4 Fazit: YouTube als Ausgangspunkt für ein neues Schul- und Bildungsfernsehen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von YouTube-Videos als modernes Lehr- und Lernmedium, wobei das Hauptziel darin besteht, den pädagogischen Nutzen sowie die Herausforderungen bei der Integration in schulische und außerschulische Lernprozesse kritisch zu beleuchten und eine Einordnung in die historische Entwicklung des Bildungsfernsehens vorzunehmen.
- Historische Entwicklung von Bewegtbildmedien im Bildungskontext
- Analyse von YouTube als hybride Plattform zwischen Unterhaltungs- und Bildungsmedium
- Erfolgsfaktoren und didaktische Wirkungsweise von Erklärvideos
- Vor- und Nachteile der Nutzung von Onlinemedien im Unterricht
- Wissenschaftliche Perspektiven auf digitale Wissensvermittlung
Auszug aus dem Buch
1.1 Bewegtbild im Unterricht
Der gezielte und regelmäßige Einsatz bewegter Bilder in Zusammenhang mit schulischen Lehr- und Lernprozessen hatte in Deutschland einen unrühmlichen Anfang. Die Nationalsozialisten erkannten die Kraft des Mediums Film und nutzten diese zur Indoktrination einer ganzen Generation von Schülerinnen und Schülern in einem gleichgeschalteten und von den Inhalten her zentral gesteuerten Unterricht (Niethammer, 2016, S. 30). Die Übertragungsmedien und zwingend notwendig die Inhalte vorgeführter Schulfilme haben sich seit dieser Zeit enorm gewandelt, ohne jedoch das Potential von Bewegtbild bei der Wissensvermittlung zu mindern.
Multimedial aufbereitete Informationen können für Schülerinnen und Schüler motivierender sein als herkömmlicher lehrerzentrierter Unterricht (Stelmes, Linckels, & Meinel, 2010, S. 23). Wer motiviert ist, erziele im Allgemeinen bessere Schulresultate – daher dient Video längst als sinnvolles, didaktisches Werkzeug zur Ergänzung vom klassischen Unterricht (Stelmes, Linckels, & Meinel, 2010, S. 22). Unterstützung für diese Argumentation liefert Arendes mit Blick auf diverse Studien: „Wie die Begleitforschung zeigt, sind Erklärvideos in ihrer medialen Form als ‚Einspielfilme‘ besonders gut dazu geeignet mittels ihrer audiovisuellen Elemente emotionale Anschlussfähigkeit herzustellen und somit geeignete Erfahrungsräume für Schülerinnen und Schüler zu schaffen, die für die Motivation und den Prozess der Aneignung von zentraler Bedeutung sein können.“ (Arendes, 2019, S. 46).
Nun soll an dieser Stelle der ausführlicheren Analyse des Für und Widers beim Einsatz von Videos im Unterricht (Abschnitt 2.3) nicht vorgegriffen werden, da als Diskussionsgrundlage zumindest ein kurzer Überblick zur historischen Weiterentwicklung der medialen Bildungsmöglichkeiten von Vorteil ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Transformation vom analogen Schulfilm zum modernen Videoeinsatz durch das Internet und formuliert die zentralen Fragestellungen der Arbeit.
1.1 Bewegtbild im Unterricht: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung des Medieneinsatzes in der Schule und verdeutlicht das Potenzial von Bewegtbildern zur Motivation der Lernenden.
1.2 Vom Schulfilm zum Bildungsfernsehen: Der Abschnitt beschreibt den Wandel der Verbreitungswege von Film und Fernsehen im Bildungskontext sowie die Entstehung pädagogischer Angebote für Kinder.
1.3 Neue Medien, Möglichkeiten und Gefahren: Hier wird der digitale Wandel durch das Internet und YouTube thematisiert, wobei vor allem die veränderten Nutzungsbedingungen und die Notwendigkeit von Medienkompetenz im Fokus stehen.
2 Das Phänomen YouTube: Das Kapitel analysiert die verschiedenen Funktionen der Plattform YouTube von der ökonomischen bis zur sozialen Ebene.
2.1 Kommerzielles Videoportal vs. Lernplattform: Hier werden die Diskrepanz zwischen kommerzieller Absicht und bildungspolitischer Nutzung sowie die Popularität verschiedener Inhaltskategorien dargelegt.
2.2 Erklärvideos: Wirkungsweise und Erfolg: Dieses Kapitel untersucht die Erfolgsfaktoren von Wissenskanälen und die authentische Vermittlungsweise durch YouTuber als moderne Lernbegleiter.
2.3 Vor- und Nachteile des Videoeinsatzes inner- und außerhalb von Unterricht: Der Text erörtert die Chancen für autonomes Lernen gegenüber den technischen Herausforderungen und didaktischen Hürden im Schulalltag.
3 YouTube im Focus wissenschaftlicher Betrachtung: Eine Übersicht über den aktuellen Forschungsstand zu YouTube als Gegenstand wissenschaftlicher Disziplinen.
4 Fazit: YouTube als Ausgangspunkt für ein neues Schul- und Bildungsfernsehen: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Reflexion über die Integration von YouTube in moderne Bildungsprozesse und zukünftige Perspektiven.
Schlüsselwörter
YouTube, Erklärvideos, Bildungsfernsehen, Medienpädagogik, Unterricht, Bewegtbild, Lernmedien, Digitalisierung, Kompetenzerwerb, Wissensvermittlung, Medienkompetenz, Schulfilm, Partizipation, autonomes Lernen, Online-Plattformen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von YouTube-Videos als Instrumente der Wissensvermittlung und ihren Auswirkungen auf moderne Lehr- und Lernprozesse innerhalb und außerhalb der Schule.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die historische Evolution des Bildungsfernsehens, die didaktische Analyse von Erklärvideos und die medienpädagogische Einordnung der Plattform YouTube.
Was ist das primäre Ziel oder die Kernfrage der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, zu eruieren, inwieweit YouTube als modernes „Bildungsfernsehen“ dienen kann und wie Lehrkräfte das Potenzial der Plattform sinnvoll und kritisch in den Unterricht integrieren können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine fundierte Literaturanalyse und eine kritische Auseinandersetzung mit fachwissenschaftlichen Studien zur Medienpädagogik und Kommunikationswissenschaft.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil werden das Phänomen YouTube als Plattform, die spezifische Wirkungsweise erfolgreicher Erklärvideos sowie die praktischen Chancen und Risiken für den Unterricht detailliert diskutiert.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist charakterisiert durch Begriffe wie Medienpädagogik, Digitalisierung von Bildung, Erklärvideos, informelles Lernen und Medienkompetenz.
Welche Rolle spielt die Person des YouTubers bei der Wissensvermittlung?
Der Autor arbeitet heraus, dass der YouTuber oft als „kumpelhafter Fachmann“ fungiert, der durch Inszenierung von Nähe und Authentizität eine stärkere emotionale Bindung und Glaubwürdigkeit bei den Lernenden erzielt als klassische Frontalunterrichtsformate.
Wie bewertet der Autor die ökonomischen Hintergründe von YouTube?
Der Autor betont, dass man sich stets des kommerziellen Hintergrunds (Monetarisierung durch Werbung) bewusst sein muss, da YouTube trotz seiner Bildungsfunktion primär eine kommerzielle Plattform bleibt, was bei der Unterrichtsplanung berücksichtigt werden sollte.
- Citation du texte
- Lars-Haucke Martens (Auteur), 2021, YouTube-Videos als Lehr- und Lernmedien im Unterricht und außerschulischen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1242821