Die heutigen Unterrichtsformen können in zwei Hauptbereiche gegliedert werden, den Frontalen und Offenen Unterricht. Der Offene Unterricht hat sich erst am Anfang des 20. Jahrhundert entwickelt und findet nach anfänglichen Schwierigkeiten in den 1970er Jahren heute wieder neue Anerkennung. (WALLRABENSTEIN, 1991)
Seit Anfang der 1980er Jahren nahm man alte reformpädagogische Maßnahmen (Freinet- und Montessoripädagogik) auf. Zu Beginn des 20. Jahrhundert entwickelten Reformpädagogen neue Methoden, wie z.B. die Projekt- und die Freiarbeit, die damals noch nicht zu dem Begriff Offener Unterricht zählten. Es werden bis zum heutigen Tag von "Reformern" immer wieder Methoden weiterentwickelt und neue entworfen, wie das Rollen- und das Planspiel, Standbild-Bauen, die Arbeit in Zukunftswerkstätten usw. (JANK/MEYER, 2002)
Oft stellt stellt sich als Lehrer die Frage, welche Unterrichtsform man für deine Schüler auswählen sollte. Dann ist es von Vorteil, sich im Klaren zu sein, welche Merkmale die einzelnen Formen überhaupt beinhalten um dann zu überlegen, in welcher Art und Weise man sie im Unterricht mit Lernbehinderten einsetzen kann. Als Lehrer sollte man sich überlegen, in wieweit man „Offenen Unterricht und „übrigen Unterricht“ je nach Stellenwert gewichten und miteinander verbinden kann“ (REIß/EBERLE, 1995), wenn man den reinen Frontalunterricht vermeiden will und der reine Offene Unterricht nicht durchführbar ist. Eine Unterscheidung zwischen Offenem Unterricht und Frontalunterricht ist mit manchen Erschwernissen verbunden. Die Trennlinie zwischen den beiden Unterrichtsformen ist sehr verschwommen und nicht klar gezogen, was auch an der unklaren Begriffsbezeichnung Offener Unterricht liegt. Der Frontalunterricht soll in dieser Arbeit nur am Rande erwähnt werden. Im Gegensatz dazu möchte ich mein Hauptaugenmerk auf den Offenen Unterricht legen, Merkmale des Offenen Unterrichts herausarbeiten, den Forschungsstand zum Offenen Unterricht beleuchten und der Frage nach gehen, ob Offener Unterricht an einer Schule zur individuellen Lernförderung sinnvoll ist?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Offener Unterricht
2.1 Erkennungsmerkmale
2.2 Pädagogische Chancen und Ziele des Offenen Unterrichts
2.3 Rolle des Lehrers
2.4 Empirischer Forschungstand zum Offenen Unterricht in sonderpädagogischen Handlungsfeldern
3. Offener Unterricht und Lernbeeinträchtigung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Relevanz und Anwendbarkeit des Offenen Unterrichts im Kontext der Sonderpädagogik, insbesondere an Schulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Im Zentrum steht die kritische Analyse, ob und unter welchen strukturellen Bedingungen offene Unterrichtsformen lernbeeinträchtigten Schülern bei der individuellen Lernförderung und dem Erwerb von Schlüsselqualifikationen unterstützen können.
- Vergleich zwischen Frontalunterricht und Offenem Unterricht
- Definition und Erkennungsmerkmale offener Lernformen
- Bedeutung des Lehrers bei der Strukturierung und Lernbegleitung
- Herausforderungen und Chancen für Schüler mit Lernbeeinträchtigung
- Das Konzept des adaptiven Unterrichts als sinnvolle Ergänzung
Auszug aus dem Buch
2.1 Erkennungsmerkmale
Um von Offenem Unterricht sprechen zu können, braucht es auch Erkennungsmerkmale. WALLRABENSTEIN bezeichnet folgende Kriterien als sichere Indikatoren zur Erkennung des Offenen Unterrichts:
Das einfachste Indiz, wenn man eine Klasse betritt, ist "Kinder arbeiten engagiert an ihren Sachen"(WALLRABENSTEIN, 1991) Hier stellt sich die kritische Frage: Was ist mit engagiertem Arbeiten gemeint? Es kann jemand eine Klasse, die mit Frontalunterricht arbeitet, betreten und die Schülerinnen engagiert (konzentriert) am eigenen Arbeitsplatz arbeiten sehen, z.B. am gleichen und vorgegebenen Arbeitsblatt. Engagiertes Arbeiten in diesem Sinn wäre dann im Verständnis von Offenen Unterricht kein eindeutiges Indiz.
Vermutlich meint der Autor, dass sich die Kinder aktiv und individuell mit ihren Arbeitsaufgaben an verschiedenen Arbeitsplätzen beschäftigen, d.h. einzeln oder in Gruppen, die einen laut, die anderen leise. Wenn engagiertes Arbeiten so aufgefasst wird, dann kann es sehr wohl als Indiz für Offenen Unterricht bezeichnet werden.
Weitere wesentliche charakteristische Indikatoren sind unten in der Tabelle1 zusammengefasst. Die Zusammensetzung der Merkmale ist natürlich in jeder Klasse unterschiedlich ausgeprägt und verweist auf ein Grundmodell Offenen Unterrichts. (WALLRABENSTEIN, 1991)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt den Offenen Unterricht als Reformpädagogik-basiertes Konzept dem traditionellen Frontalunterricht gegenüber und formuliert die Forschungsfrage zur Sinnhaftigkeit offener Lernformen bei der Lernförderung.
2. Offener Unterricht: Dieses Kapitel definiert den Begriff, identifiziert zentrale Erkennungsmerkmale anhand reformpädagogischer Prinzipien und beleuchtet die Rolle der Lehrkraft sowie den Forschungsstand.
3. Offener Unterricht und Lernbeeinträchtigung: Das Kapitel diskutiert die spezifischen Herausforderungen für lernbeeinträchtigte Schüler und stellt das Konzept des adaptiven Unterrichts als notwendige Strukturierungshilfe vor.
4. Fazit: Die Autorin resümiert, dass Offener Unterricht trotz Schwierigkeiten förderlich ist, wenn er durch hohe pädagogische Kompetenz und ein adaptives, strukturiertes Vorgehen ergänzt wird.
Schlüsselwörter
Offener Unterricht, Lernbeeinträchtigung, Sonderpädagogik, Frontalunterricht, Reformpädagogik, Adaptiver Unterricht, Lernförderung, Schlüsselqualifikationen, Lernatmosphäre, Unterrichtsmethodik, Strukturierung, Lehrerrolle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Eignung und den Bedingungen von Offenem Unterricht für Schüler an einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Offenem Unterricht, dessen Merkmale, die Rolle des Lehrers und die Anwendung dieser Unterrichtsform bei lernbeeinträchtigten Kindern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob Offener Unterricht eine sinnvolle Methode zur individuellen Förderung von lernschwachen Schülern darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer kritischen Auseinandersetzung mit dem aktuellen Forschungsstand zum Thema Offener Unterricht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Merkmale des Offenen Unterrichts, den Forschungsstand sowie die notwendigen Rahmenbedingungen für Schüler mit Lernbeeinträchtigungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Offener Unterricht, Lernbeeinträchtigung, Adaptiver Unterricht, Strukturierung und individuelle Lernförderung.
Warum ist eine rein offene Unterrichtsform für lernbeeinträchtigte Schüler oft schwierig?
Da diese Schüler oft einen hohen Grad an Selbstständigkeit benötigen, den sie aufgrund ihrer Lernbeeinträchtigung teilweise noch nicht voll entwickelt haben, kann ein vollkommen offener Rahmen ohne Anleitung überfordern.
Welchen Stellenwert nimmt der "adaptive Unterricht" in der Arbeit ein?
Der adaptive Unterricht wird als notwendige Synthese gesehen, die offene Arbeitsphasen mit lehrerzentrierter, strukturierter Anleitung verbindet, um den Lernerfolg sicherzustellen.
- Citation du texte
- Franziska Wilhelm (Auteur), 2007, Offener Unterricht in einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124283