Ertrags- und Rentabilitätsentwicklung österreichischer Tochterbanken in Mittel- und Osteuropa


Diplomarbeit, 2007

117 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

- Inhaltsverzeichnis –

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einführung

2. Literatur über Bankenrentabilität und –Effizienz in Mittel- und Osteuropa
2.1. Rentabilitäts- und Effizienzerhebung
2.2. Vergleich westeuropäischer mit mittel- und osteuropäischen Banken
2.3. Länder und Regionen in CEE
2.4. Eigentumsverhältnisse
2.5. Eintrittsstrategie
2.6. Markt- u. Wachstumsstrategie
2.7. Finanzausstattung und Liquidität
2.8. Marktanteil und Unternehmensgröße
2.9. Qualitative und operative Erfolgsfaktoren
2.10. Zinsmargen im Kredit- und Einlagengeschäft
2.11. Risiko
2.12. Konzentration und Wettbewerb
2.13. Führungsverhalten
2.14. Zusammenfassung

3. Die Charakteristik des Bankensektors in Mittel- und Osteuropa
3.1. Die Bankenreform in den Neunzigerjahren
3.2. Regionen
3.3. Größe des Bankensektors
3.4. Finanzintermediation
3.4.1. Privatkredite
3.4.2. Hypothekarkredite
3.5. Anteil ausländischer Kreditinstitute
3.6. Konzentrationsgrad

4. Marktüberblick
4.1. Zentraleuropa
4.1.1. Polen
4.1.2. Tschechien
4.1.3. Slowakei
4.1.4. Ungarn
4.1.5. Slowenien
4.2. Südosteuropa
4.2.1. Kroatien
4.2.2. Rumänien
4.2.3. Bulgarien
4.2.4. Bosnien und Herzegowina

5. Österreichische Banken in Mittel- u. Osteuropa
5.1. Marktanteile
5.2. Wachstum
5.3. Positionierung
5.4. Erste Bank
5.4.1. Allgemeines
5.4.2. Eintritts- u. Wachstumsstrategie
5.4.3. Bilanzsumme, Jahresüberschuss und Eigenkapitalrentabilität
5.5. Bank-Austria-Creditanstalt
5.5.1. Allgemeines
5.5.2. Eintritts- u. Wachstumsstrategie
5.5.3. Bilanzsumme, Jahresüberschuss und Eigenkapitalrentabilität
5.6. RZB
5.6.1. Allgemeines
5.6.2. Eintritts- u. Wachstumsstrategie
5.6.3. Bilanzsumme, Jahresüberschuss und Eigenkapitalrentabilität
5.7. Erfolgsfaktoren
5.7.1. Länder und Regionen
5.7.2. Marktanteil
5.7.3. Bilanzsumme
5.7.4. Finanzausstattung und Liquidität

6. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

- Abkürzungsverzeichnis-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Abbildungsverzeichnis -

Abb. 2.1: Effizienzerhebung mittels DEA und SFA
Abb. 2.2: Zinsmargen der TOP 3 Banken in Westeuropa und CEE 2001-2003
Abb. 2.3: Ertragszusammensetzung der TOP 3 Banken aus Westeuropa und CEE
Abb. 2.4: ROE v. Steuern (2004) von Akquisitionen u. Neugründungen von CEE Banken
Abb. 2.5: Eigenkapitalrentabilität und Marktstrategien von CEE Banken
Abb. 2.6: Wachstumsstrategien von Bankengruppen in CEE
Abb. 2.7: Eigenkapitalrentabilität und Liquidität von CEE Banken
Abb. 2.8: Eigenkapitalrentabilität und Bilanzsumme von CEE Banken
Abb. 2.9: Eigenkapitalrentabilität und Marktanteil von CEE Banken
Abb. 2.10: Erfolgsfaktoren von Banken in CEE aus der Sicht von 18 Top-Managern
Abb. 2.11: Kreditwachstum u. EK-Quote in CEE Ländern mit hohem Entwicklungsgrad
Abb. 2.12: Kreditwachstum u. EK-Quote in CEE Ländern mit niedrigem Entwicklungsgrad
Abb. 2.13: Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion des ROA beider Entwicklungsgrade

Abb. 3.1: Bilanzsumme CEE Bankenmärkte 2005
Abb. 3.2: Intermediationsgrad von CEE Ländern 2005
Abb. 3.3: Anteil der Privatkredite am BIP von CEE Ländern 2005
Abb. 3.4: Anteil der Hypothekarkredite am BIP in ausgewählten CEE Ländern 2005
Abb. 3.5: Anteil der Banken im ausländischen Mehrheitsbesitz in CEE 2005
Abb. 3.6: Marktanteil der Top-5 Banken in CEE 2005

Abb. 4.1 Marktaufteilung Polen 2005
Abb. 4.2: Marktaufteilung Tschechien 2005
Abb. 4.3: Marktaufteilung Slowakei 2005
Abb. 4.4: Marktaufteilung Ungarn 2005
Abb. 4.5: Marktaufteilung Slowenien 2005
Abb. 4.6: Marktaufteilung Kroatien 2005
Abb. 4.7: Marktaufteilung Rumänien 2005
Abb. 4.8: Marktaufteilung Bulgarien 2005
Abb. 4.9: Marktaufteilung Bosnien und Herzegowina 2005

Abb. 5.1: Marktanteile von Bankengruppen in CEE 2005
Abb. 5.2: Bilanzsummenentwicklung der Erste Bank, RZB u. BA-CA in CEE 2001-2005
Abb. 5.3: Positionierung RZB, BA-CA und Erste Bank in CEE 2005
Abb. 5.4: Besitzstruktur der Erste Bank 2005
Abb. 5.5: Marktanteile der UniCredit Gruppe Ende 2005
Abb. 5.6: Struktur des RZB-Konzerns
Abb. 5.7: Durchschnittlicher ROE v. St. ausländischer Tochterbanken nach Regionen
Abb. 5.8: Marktanteil und Eigenkapitalrentabilität österreichischer Tochterbanken in CEE
Abb. 5.9: Bilanzsumme und Eigenkapitalrentabilität ausländischer Tochterbanken in CEE
Abb. 5.10: Kredite/Einlagen Verhältnis und ROE österreichischer Tochterbanken in CEE.

- Tabellenverzeichnis -

Tab. 2.1: Durchschnittlicher ROE (vor Steuern) westeuropäischer Regionalbanken 2003
Tab. 2.2: Durchschnittlicher ROE (vor Steuern) von CEE Regionalbanken 2003
Tab. 2.3: Durchschnittliche ROE Verteilung von Regionalbanken in Westeuropa und CEE
Tab. 2.4: Top 3 Regionalbanken Westeuropas
Tab. 2.5: Top 3 Regionalbanken Mittel- u. Osteuropas
Tab. 2.6: Kosten- und Ertragseffizienz nach Ländern im Zeitverlauf
Tab. 2.7: Kosteneffizienz einzelner CEE Länder nach dem SFA und DFA 1993-2000
Tab. 2.8: Gewinneffizienz einzelner CEE Länder nach dem SFA und DFA 1993-2000
Tab. 2.9: Bank- und Finanzkennzahlen in Abhängigkeit der Eigentümerstruktur 1996-2000 27 Tab. 2.10: Gesamtkapitalrentabilität (ROA) inländischer und ausländischer Banken in CEE
Tab. 2.11: Kredit- und Einlagenzinssätze und Gesamtmargen von CEE Banken 2004
Tab. 2.12: Bereinigte Zinssätze von CEE und dem Euroraum
Tab. 2.13: Ergebnisse bisheriger Studien über Bankenrentabilität u. Effizienz in CEE

Tab. 4.1: Volkswirtschaftliche Kennzahlen von Polen 2001-2006
Tab. 4.2: Entwicklung des polnischen Bankensektors 2001-2005
Tab. 4.3: Volkswirtschaftliche Kennzahlen von Tschechien 2001-2006
Tab. 4.4: Entwicklung des tschechischen Bankensektors 2001-2005
Tab. 4.5: Volkswirtschaftliche Kennzahlen der Slowakei 2001-2006
Tab. 4.6: Entwicklung des slowakischen Bankensektors 2001-2005
Tab. 4.7: Volkswirtschaftliche Kennzahlen von Ungarn 2001-2006
Tab. 4.8: Entwicklung des ungarischen Bankensektors 2001-2005
Tab. 4.9: Volkswirtschaftliche Kennzahlen von Slowenien 2001-2006
Tab. 4.10: Entwicklung des slowenischen Bankensektors 2001-2005
Tab. 4.11: Volkswirtschaftliche Kennzahlen von Kroatien 2001-2006
Tab. 4.12: Entwicklung des kroatischen Bankensektors 2001-2005
Tab. 4.13: Volkswirtschaftliche Kennzahlen von Rumänien 2001-2006
Tab. 4.14: Entwicklung des rumänischen Bankensektors 2001-2005
Tab. 4.15: Volkswirtschaftliche Kennzahlen von Bulgarien 2001-2006
Tab. 4.16 Entwicklung des bulgarischen Bankensektors 2001-2005
Tab. 4.17: Volkswirtschaftliche Kennzahlen von Bosnien und Herzegowina 2001-2006
Tab. 4.18: Entwicklung des Bankensektors von Bosnien und Herzegowina 2001-2005

Tab. 5.1: Marktpräsenz und Filialnetzwerk der RZB, BA-CA und Erste Bank in CEE 2005.
Tab. 5.2: Aufteilung von Bilanzsumme und JÜ der Erste Bank, RZB und BA-CA 2005
Tab. 5.3: Akquisitionen der Erste Bank in Mittel u. Osteuropa [Quelle: Erste Bank, 2006]
Tab. 5.4: Bilanzkennzahlen von CEE Tochterbanken der Erste Bank 2001-2005
Tab. 5.5: Akquisitionen und Gründungen von BA-CA Tochterbanken in CEE
Tab. 5.6: Entwicklung Bilanzkennzahlen ausländischer Tochterbanken der BA-CA in CEE
Tab. 5.7: Akquisitionen und Gründungen von RZB Tochterbanken in CEE
Tab. 5.8: Entwicklung Bilanzkennzahlen ausländischer Tochterbanken der RZB in CEE
Tab. 5.9: Bilanzkennzahlen österreichischer Tochterbanken in CEE 2005 (N=30)

1. Einführung

Der mittel- und osteuropäische Bankensektor war in den beiden letzten Jahrzehnten großen Änderungen unterworfen. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 wurde das Monobankensystem in ein zweistufiges Bankensystem mit einer Notenbank auf der einen Seite und Kommerzbanken auf der anderen Seite transformiert. Zum Zweck eines effizienten Bankensystems wurde der Bankensektor weitgehend liberalisiert und privatisiert. Die noch in Staatsbesitz befindlichen Kommerzbanken waren vor allem durch uneinbringliche Forderungen („faule Kredite“), welche noch aus dem Kommunismus stammten, vorbelastet. Generell litt der Bankensektor unter Kapitalmangel sowie unterqualifizierten Mitarbeitern, was einen geordneten Bankbetrieb unmöglich machte. Unter diesen Umständen kam es zu einer Reihe von Bankenkrisen, von denen fast alle mittel- und osteuropäischen Länder betroffen waren. Diese Bankenkrisen wurden durch Bankenreformen und Restrukturierungen in allen CEE1 Ländern erfolgreich bewältigt.

Aufgrund des Kapitalmangels und des fehlenden Know-how von inländischen Investoren wurde der Markt für ausländische Bankengruppen geöffnet, welche imstande waren den Transformationsprozess zu beschleunigen. Die enormen Investitionen von internationalen Bankengruppen führten dazu, dass der Bankenmarkt in nahezu allen CEE Ländern heute von ausländischen Eigentümern dominiert wird. Mittlerweile besitzen mehr als 75 internationale Bankengruppen zumindest eine Tochterfiliale in diesem aufstrebenden Markt, einige weisen Filialen in nahezu jedem mittel- und osteuropäischen Land auf. Österreich, Italien, Belgien und Frankreich sind jene Länder mit den größten Marktanteilen. Unter den österreichischen Bankengruppen investierten die Bank Austria – Creditanstalt, die Raiffeisen Zentralbank sowie die Erste Bank bereits frühzeitig in diesen Wachstumsmarkt, heute zählen sie zu den führenden Bankengruppen in ganz Ostmitteleuropa. Rund die Hälfte der Erträge jeder dieser Bankengruppen wird inzwischen in dieser Region erwirtschaftet. Diese Arbeit soll die Ertrags- und Rentabilitätsentwicklung der österreichischen Banken in Mittel- u. Osteuropa aufzeigen sowie deren Erfolgsfaktoren analysieren. Die zur Erstellung dieser Studie herangezogenen Daten stammen aus den Geschäftsberichten der Banken, wissenschaftlichen Forschungsarbeiten sowie eigenen Berechnungen.

Die Kenntnis über wichtige Einflussgrößen auf den Erfolg der Banken hat eine große Bedeutung für die Wahl der richtigen Strategie. Während nach der Öffnung des Marktes volkswirtschaftliche Faktoren für die ausländischen Investoren den größten Einfluss auf den Erfolg zu haben schienen, stehen heute strategische und betriebliche Fragestellungen im Mittelpunkt. Kennzahlen, welche die Effizienz und Rentabilität der Banken messen, dienen der Kontrolle strategischer Entscheidungen und dem Vergleich der Wettbewerbsfähigkeit. Im Kapitel „Literatur über Bankenrentabilität und –Effizienz in Mittel- und Osteuropa“ werden bisher erschienene Studien zur Bankenrentabilität und –Effizienz in Mittel- und Osteuropa dargestellt. Diese Studien beschäftigen sich mit den Erfolgsfaktoren von CEE Banken und den Implikationen auf deren Strategie. Die Ansätze, welche von den Autoren zur Rentabilitäts- bzw. Effizienzmessung herangezogen wurden unterscheiden sich dabei sowohl in Hinblick auf die Methode als auch die Verwendung und Definition der Variablen. Die analysierten Einflussgrößen auf den Erfolg der Banken sind die Eintrittsstrategie, die Eigentumsverhältnisse, die Markt- und Wachstumsstrategie, die Finanzausstattung und Liquidität, der Marktanteil, die Unternehmensgröße, das Risiko, die Marktkonzentration, der Wettbewerb, die Zinsmargen, qualitative und operative Erfolgsfaktoren sowie Unterschiede zwischen Ländern und Regionen.

Im Kapitel „Die Charakteristik des Bankensektors in Mittel- und Osteuropa“ werden die Besonderheiten des CEE Bankensektors aufgezeigt. Dieser zeichnet sich unter anderem durch seine geringe Größe hinsichtlich Bilanzsumme und Finanzintermediation aus. Die Finanzintermediation drückt die kumulierte Bankbilanzsumme eines Landes in Verhältnis zu dessen Bruttoinlandsprodukt aus und stellt eine wichtige Kennzahl zur Bewertung des Transformationsfortschritts dar. Die Bilanzsumme des gesamten CEE Marktes inklusive Russland ist nur wenig höher als jene Österreichs, die Finanzintermediation ist in der Eurozone im Durchschnitt dreimal so hoch wie in Ostmitteleuropa. Der Bankenmarkt in CEE ist ein sehr heterogener Markt, in den einzelnen Ländern bestehen oft große Unterschiede im Transformationsprozess, der Bilanzsumme, der Finanzintermediation, dem Anteil ausländischer Kreditinstitute oder dem Konzentrationsgrad. In Bezug auf diese Kennzahlen werden die einzelnen Länder miteinander verglichen, wobei jeweils die Daten des Jahres 2005 herangezogen wurden.

Im Kapitel „Marktüberblick“ erfolgt eine genaue Analyse der Entwicklung der Bankenmärkte ausgewählter Länder Zentral- und Südosteuropas der letzten Jahre. Volkswirtschaftliche Kennzahlen wie reales BIP2 Wachstum, Einkommen pro Kopf, Inflation oder Arbeitslosenrate sind wichtige Indikatoren für die Entwicklung des Bankensektors und werden jeweils im Zeitverlauf vom Jahr 2001 bis 2006 betrachtet. Die Veränderungen einzelner Sektoren der Bankenmärkte wie Privatkredite- und Einlagen, Unternehmenskredite und Hypothekarkredite, als auch wichtige Kennzahlen wie Finanzintermediation, Anzahl der Banken, Staatsanteil, Auslandsanteil, Eigenkapital- und Gesamtkapitalrentabilität werden vom Jahr 2001 bis 2005 aufgezeigt und erläutert. Neben der Darstellung und Auslegung der Aufteilung des Bankenmarktes unter den Marktteilnehmern wird in diesem Abschnitt auch auf die Stellung der österreichischen Banken eingegangen.

Das abschließende Kapitel „Österreichische Banken in Mittel- und Osteuropa“ beschäftigt sich mit der Stellung der drei österreichischen Banken Raiffeisen Zentralbank, Bank Austria - Creditanstalt und Erste Bank in CEE. Zu Beginn werden das außergewöhnliche Wachstum der drei österreichischen Banken der letzen Jahre sowie deren strategische Positionierung gegenübergestellt. Darauf folgend werden die unterschiedlichen Eintritts- und Wachstumsstrategien der BA-CA3, RZB4 und Erste Bank im Detail erläutert. Die Entwicklung von Bilanzsumme, Jahresüberschuss und Eigenkapitalrentabilität einzelner Tochterbanken wird vom Jahr 2001 bis 2005 dargestellt und interpretiert. Zuletzt wird die Eigenkapitalrentabilität der Einzelbanken in Ostmitteleuropa in Abhängigkeit der Einflussfaktoren: Region, Bilanzsumme, Marktanteil sowie Kredite/Einlagenverhältnis dargestellt. Die Ergebnisse bisheriger Studien über Bankenrentabilität in CEE können dabei durch eigene Berechnungen über österreichische Tochterbanken bestätigt werden. Es zeigt sich eine im Durchschnitt deutlich höhere Rentabilität der Banken in Südosteuropa und der GUS5 Region gegenüber Banken in Zentraleuropa. Ein stark positiver Zusammenhang zeigt sich zwischen Marktanteil und Eigenkapitalrentabilität. Banken mit einem Marktanteil von mehr als 10% weisen eine im Durchschnitt zweimal höhere Rentabilität auf wie Banken mit einem Marktanteil von bis zu 5%. Die Bilanzsumme kann ebenfalls als wichtiger Erfolgsfaktor bestätigt werden, auffallend ist insbesondere eine im Vergleich deutlich niedrigere Rentabilität von Banken mit einer Bilanzsumme von weniger als € 1 Milliarde. Weiters kann ein stark negativer Zusammenhang zwischen Kredite/Einlagenverhältnis und Rentabilität aufgezeigt werden. Dieses Ergebnis kann durch die Fähigkeit der Banken Finanzmittelüberschüsse am Markt gewinnbringend anzulegen erklärt werden.

2. Literatur über Bankenrentabilität und –Effizienz in Mittel- und Osteuropa

2.1. Rentabilitäts- und Effizienzerhebung

Studien, welche die Leistungsfähigkeit von Banken untersuchen, unterscheiden sich sowohl in Hinsicht auf die angewandte Methode als auch auf das angestrebte Forschungsziel. Einerseits gibt es Untersuchungen, welche ein bestimmtes Sample an Banken als ganzes analysieren und die dynamische Entwicklung der Leistungsfähigkeit erheben. Das Ziel dieser Studien ist es, die zeitliche Entwicklung verschiedener Variablen einer bestimmten Region zu untersuchen. Andere Modelle vergleichen die Leistungskennzahlen verschiedener Bankentypen oder auch individueller Banken wobei die Erhebung statisch oder dynamisch erfolgen kann. Neben diesen allgemeinen Modellen gibt es noch Modelle, welche die spezifischen Einflüsse exogener Variablen auf Leistungskennzahlen von Banken untersuchen. Diese Variablen können z.B. das Wirtschaftswachstum, das BIP pro Kopf oder die Eigentümerstruktur sein.6

Zur Leistungsbeurteilung der Banken werden im Wesentlichen zwei verschiedene Ansätze herangezogen, Rentabilitätskennzahlen wie Eigenkapitalrentabilität oder Gesamtkapitalrentabilität einerseits sowie verschiedene Formen der Effizienzerhebung andererseits. Rentabilitätskennzahlen bieten den Vorteil, dass sie einfach zu berechnen und die erforderlichen Daten in der Regel gut verfügbar sind. Aufgrund unterschiedlich rechtlicher Rahmenbedingungen in einzelnen Ländern sowie bilanzpolitischer Verzerrungen auf der Unternehmensseite bieten sie jedoch nur eine beschränkte Aussagekraft. Effizienzerhebungsmethoden wie die „Stochastic Frontier Analysis“ oder die „Data Envelopment Analysis“, welche sich im Bereich der Bankenforschung weitgehend durchgesetzt haben erlauben hingegen die Verwendung mehrerer Input- und Outputvariablen und somit eine umfassendere Möglichkeit der Leistungsbeurteilung. SFA und DEA sind jedoch sehr aufwendige Verfahren, die Bestimmung der Variablen ist schwierig und ein Vergleich einzelner Studien ist aufgrund unterschiedlicher Ansätze in der Regel nicht möglich.

Bei den einzelnen Studien werden aufgrund differenzierter Forschungsziele verschiedene Effizienzformen erhoben. Die Produktionseffizienz bzw. technische Effizienz ist die schwächste Form und beschreibt die Beziehung zwischen dem mengenmäßigen Input einer Bank (z.B. Personalstunden) und der produzierten Outputmenge (z.B. Kreditverträge). Eine Bank ist dann effizient, wenn sie bei gegebenem Input den maximalen Output erzielt. Die Kosteneffizienz setzt dagegen den wertmäßigen Input (z.B. Personalkosten) in Beziehung zum erreichten Output. Kosteneffizient ist eine Bank dann, wenn der Output mit minimalen Kosten erreicht wird. Produktionseffizienz ist eine notwendige aber nicht ausreichende Bedingung für Kosteneffizienz. Eine technisch effiziente Bank kann kostenineffizient sein, wenn es eine günstigere, technisch effiziente Inputkombination gibt, welche denselben Output bewirkt. Die Ertragseffizienz ist der stärkste Effizienzbegriff und beschreibt den Fall, in welchem eine Bank mit gegebenem Input den maximalen Gewinn erzielt. Kosteneffizienz ist eine notwendige, aber nicht ausreichende Bedingung für Ertragseffizienz. Eine Bank kann kosteneffizient, aber ertragsineffizient sein, wenn sie die falschen Outputgüter im Sinne der erzielbaren Gewinne produziert.7

Die grundlegenden Methoden zur Effizienzerhebung sind DEA (Data Envelopment Analysis) und SFA (Stochastic Frontier Analysis). Der Vorteil der DEA ist die größere Flexibilität, die SFA hingegen bietet höhere Zuverlässigkeit bei Datenfehlern, Ausreißern und Unschärfe. Die DEA bietet weiters den Vorteil, dass mehrere Inputs und Outputs in die Berechnung miteinbezogen werden können, selbst wenn diese nicht miteinander vergleichbar sind. Die Inputs und Outputs werden mit Bedeutungsgewichten multipliziert, welche jedoch nicht vom Anwender vorgegeben werden müssen, sondern vom Modell selbst bestimmt werden. Beide Modelle verwenden eine Randfunktion, welche die höchste Effizienz darstellt. Die Randfunktion ergibt sich dabei nicht durch eine technische Produktionsfunktion, sondern durch die effizientesten Probanden des Samples. (siehe Abb. 2.1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1: Effizienzerhebung mittels DEA und SFA

[Quelle: Jeckle / Haas / Palmosi 2005, S. 8]

Die Kreise stellen Banken dar, welche effizient sind, die Sternchen sind Banken, welche ineffizient sind. Der Abstand zur Effizienzlinie misst das Ausmaß der Ineffizienz und damit das mögliche Verbesserungspotential. Ineffizienz darf jedoch nicht unbedingt als Fehler oder Versagen der Organisation oder des Managements interpretiert werden, exogene Variablen oder nicht berücksichtigte Kosten oder Outputs können die Ursache sein.8

2.2. Vergleich westeuropäischer mit mittel- und osteuropäischen Banken

Jeckle, Haas und Palmosi (2005) analysierten die Eigenkapitalrentabilität von Regionalbanken in Westeuropa und in Mittel- und Osteuropa. Um als Regionalbank klassifiziert zu werden wurden drei Kriterien herangezogen. Zum ersten mussten die Banken ihren Fokus auf regionale Kunden gerichtet haben, zum zweiten musste die Bilanzsumme größer als € 1 Mrd. sein und zum dritten mussten die Banken eine eigene ALM9 Kompetenz aufweisen. Für die Banken aus CEE wurden die Bilanzsummen mit der entsprechenden Kaufkraft des Landes herunterskaliert. Die Studie umfasste 184 Banken aus Westeuropa (Deutschland, Italien, Luxemburg, Österreich und Schweiz) und 107 Banken aus CEE (Bulgarien, Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Serbien Montenegro, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn).10

Das Ziel der Studie war es, die rentabelsten Banken sowohl in Westeuropa als auch in CEE zu ermitteln, um diese anschließend hinsichtlich ihrer Erfolgsfaktoren zu vergleichen. Um die jeweils besten Banken zu finden wurde in einem ersten Schritt der ROE des Jahres 2003 als Selektionskriterium festgelegt. Das jeweils beste Drittel wurde für beide Märkte ermittelt und für eine weitere Analyse berücksichtigt. Ausgehend von dieser Auswahl wurde der durchschnittliche ROE der letzten drei Jahre als zweites Selektionskriterium festgelegt. Auf diese Weise sollte eine entsprechende Kontinuität des Ergebnisses sichergestellt werden. Aus beiden Märkten wurden dann die jeweils besten drei Banken ausgewählt und einer genaueren Analyse unterzogen. Die Eigenkapitalrentabilitäten der untersuchten Banken wurden aus den jeweiligen Geschäftsberichten ermittelt, wobei die Autoren die Ergebnisse vor Steuern in Relation zum Eigenkapital zu Jahresende setzten.11

Westeuropa

In den untersuchten Ländern Westeuropas zeigte sich eine große Schwankungsbreite der Eigenkapitalrentabilitäten, welche die Autoren auf unterschiedliche Margen und Kosten im jeweiligen Land zurückführten. Tabelle 2.1 zeigt die durchschnittlichen Eigenkapitalrentabilitäten der untersuchten Banken nach Ländern. Den höchsten durchschnittlichen ROE erreichte Italien vor Luxemburg und Österreich, am schlechtesten schnitt Deutschland ab. Den hohen ROE der italienischen Banken führten Jeckle, Haas und Palmosi auf die hohen Kreditmargen und die durchschnittlich verrechneten Kontokosten (Italien: € 501,- p.a., Deutschland: € 102.- p.a.) zurück. Die niedrigen Werte Deutschlands begründeten die Autoren mit einem härteren Konkurrenzkampf und daraus resultierenden niedrigeren Zinsmargen und Provisionserlösen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2.1: Durchschnittlicher ROE (vor Steuern) westeuropäischer Regionalbanken 2003

[Quelle: Jeckle / Haas / Palmosi 2005, S. 25]

Mittel- u. Osteuropa

Auch in Mittel- u. Osteuropa zeigten sich große Schwankungsbreiten bei den ROEs, welche die Autoren jedoch nicht wie in Westeuropa auf unterschiedliche Margen und Kosten, sondern vielmehr auf den Zeitpunkt der Privatisierung und Liberalisierung zurückführten. Tabelle 2.2 zeigt die durchschnittlichen Eigenkapitalrentabilitäten der untersuchten Banken der CEE Länder. Die Bankenmärkte von Tschechien und Ungarn, welche bereits Anfang der 90er Jahr privatisiert wurden, wiesen die höchsten Eigenkapitalrentabilitäten auf. Polen schnitt am Schlechtesten ab, der Konsolidierungsprozess wurde dort erst Mitte der 90er Jahre begonnen. Den immer noch hohen Anteil notleidender Kredite sowie die konjunkturelle Schwäche der polnischen Gesamtwirtschaft sahen Jeckle, Haas und Palmosi als weitere Gründe für die schlechte Rentabilität des polnischen Bankensektors.12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2.2: Durchschnittlicher ROE (vor Steuern) von CEE Regionalbanken 2003

[Quelle: Jeckle / Haas / Palmosi 2005, S. 26]

Tabelle 2.3 zeigt die durchschnittliche ROE Verteilung der untersuchten Regionalbanken in Westeuropa sowie in CEE. Hier zeigt sich der Rentabilitätsunterschied zwischen den beiden Märkten besonders deutlich. Während in Westeuropa nahezu die Hälfte aller untersuchten Banken einen ROE vor Steuern von durchschnittlich 5-10% aufwiesen, und damit unter den Kapitalmarktanforderungen lagen, wiesen die Banken in CEE deutlich höhere Werte auf. Mehr als die Hälfte aller Banken hatte einen ROE von mehr als 15%.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2.3: Durchschnittliche ROE Verteilung von Regionalbanken in Westeuropa und CEE

[Quelle: Jeckle / Haas / Palmosi 2005, S. 27]

Als Ursache für die hohen Werte in CEE nannten Jeckle, Haas und Palmosi das überdurchschnittliche Einkommenswachstum der Bevölkerung und erwarteten aufgrund sinkender Zinsen und stabilen Inflationserwartungen weiteres Wachstumspotential für die nächsten Jahre. Die Intensivierung des Wettbewerbs würde jedoch negative Auswirkungen auf die Margen der Banken haben.13

Ausgehend von den ROE’s des Jahres 2003 sowie des ROE Durchschnitts von 2001 bis 2003 der insgesamt 291 Regionalbanken ermittelten die Autoren die jeweils drei besten Banken von Westeuropa und CEE. Zur Ermittlung der Top 3 Banken verwendeten die Autoren einen eigens entwickelten Beurteilungsansatz, welcher den erzielten ROE der Banken in Verhältnis zu einer von der Bankenstrategie, insbesondere dem Risiko, abhängigen Zielrentabilität setzte. Tabelle 2.4 und Tabelle 2.5 zeigen die drei Top Banken der beiden Märkte sowie einige wichtige Bilanzkennzahlen von 2001 bis 2003.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[Quelle: Jeckle / Haas / Palmosi 2005, S. 29]

Bei den westeuropäischen Regionalbanken erreichte die Banque Générale du Luxembourg den ersten Platz. Als Universalbank ist sie für ihre luxemburgischen Kunden als Geschäftsbank tätig, ist aber auch als Investmentbank und internationaler Finanzdienstleister aktiv. Den Großteil der Erträge erwirtschaftete die Banque Générale im Jahr 2003 durch Einlagen und Handelsaktivitäten. Den zweiten Platz erreichte die italienische Credito Emiliano, welche sich hauptsächlich auf das Privatkundengeschäft spezialisiert hat und den Großteil ihrer Erträge mit dem Kreditgeschäft erwirtschaftet. Die Neue Aargauer Bank, welche eine Tochter der Credit Suisse Group ist, und ebenfalls auf das Privatkundengeschäft spezialisiert ist, erreichte den dritten Platz in der Wertung von Jeckle, Haas und Palmosi.14

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2.5: Top 3 Regionalbanken Mittel- u. Osteuropas

[Quelle: Jeckle / Haas / Palmosi 2005, S. 30]

Bei den mittel- und osteuropäischen Banken erreichte die größte ungarische Bank OTP den ersten Platz. Die OTP ist eine der wenigen großen Kreditinstitute in CEE, welche nicht von ausländischen Investoren kontrolliert wird. Den zweiten Platz erreichte die kroatische Hypo-Alpe-Adria Bank, welche großteils von österreichischen Institutionen kontrolliert wurde. Die größte Bank von Kroatien, Privredna banka Zagreb, welche den Großteil ihrer Einnahmen mit dem Kreditgeschäft erwirtschaftet, erreichte den dritten Platz.15

Im nächsten Schritt untersuchten Jeckle, Haas und Palmosi Unterschiede in der Entwicklung der durchschnittlichen Zinsmargen zwischen den drei Top Banken Westeuropas und CEE. (siehe Abb. 2.2) In Westeuropa waren die Zinsmargen im Beobachtungszeitraum aufgrund des harten Preiskampfes auf einem sehr niedrigen Niveau von rund 1,2%, wenngleich diese seit 2002 wieder leicht gestiegen waren. In Mittel- und Osteuropa zeigte sich ein deutlich höheres, durchschnittliches Zinsmargenniveau von rund 4%, welches aber aufgrund des zunehmenden Konkurrenzdrucks leicht gefallen war.16

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.2: Zinsmargen der TOP 3 Banken in Westeuropa und CEE 2001-2003

[Quelle: Jeckle / Haas / Palmosi 2005, S. 32]

Bei Betrachtung der Ertragszusammensetzung der Top drei Banken von Westeuropa und CEE zeigte sich, dass die Banken der beiden Märkte ihre Erträge aus unterschiedlichen Quellen erwirtschafteten. (siehe Abb. 2.3) Der Großteil der Erträge der westeuropäischen Banken stammte vor allem aus Handelsaktivitäten, gefolgt von Provisionserlösen aus dem Einlagengeschäft. CEE Banken hingegen erwirtschafteten mit dem Einlagengeschäft die meisten Erträge, gefolgt von Krediten. Handelsaktivitäten waren mit 13% nur eine sekundäre Einnahmequelle. Aufgrund steigender Konkurrenz und daraus resultierend sinkenden Erträgen im Einlagengeschäft rechneten Jeckle, Haas und Palmosi jedoch mit einer Steigerung der Erträge in diesem Segment.17

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.3: Ertragszusammensetzung der TOP 3 Banken aus Westeuropa und CEE

[Quelle: Jeckle / Haas / Palmosi 2005, S. 34]

Ingesamt zeigte sich eine höhere Eigenkapitalrentabilität der CEE Banken, welche vorwiegend durch höhere Zinsmargen, stärkeres Einkommenswachstum der Bevölkerung sowie eine unterschiedliche Gewichtung der Ertragsquellen gegenüber den westeuropäischen Banken erklärt werden konnte.18

2.3. Länder und Regionen in CEE

Rossi, Schwaiger und Winkler untersuchten die Kosten- und Ertragseffizienz anhand eines Ländervergleichs im Zeitverlauf zwischen 1995 und 2002. Das Sample enthielt Daten von 272 Banken aus Tschechien, Ungarn, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Lettland, Litauen und Estland.19 Die Autoren verwendeten für ihre Berechnung der Effizienzwerte die SFA (Stochastic Frontier Analysis) sowie den Modified Production Approach. Letzterer erlaubt die Berücksichtigung sowohl Input- als auch Outputcharakteristika einzelner Variablen. So wurde die Verzinsung des Eigenkapitals als Input, das Einlagenvolumen hingegen als Output gewertet. Als Inputfaktoren verwendeten die Autoren den Arbeits-, Kapital- und Einlagenpreis, als Outputfaktoren Kredite, Einlagen und andere Ertrag bringende Aktiva.20

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2.6: Kosten- und Ertragseffizienz nach Ländern im Zeitverlauf

[Quelle: Rossi / Schwaiger / Winkler 2004, S. 84]

Die aggregierten Kosten- und Effizienzschätzungen nach Land und Jahr zeigt Tabelle 2.6. Die Werte waren sowohl hinsichtlich der Kosten- als auch der Ertragseffizienz relativ niedrig, was darauf hindeutete, dass die Banken noch weit von der Effizienzgrenze, welche bei eins liegt, entfernt waren. Im Zeitverlauf zeigte sich jedoch bei fast allen Ländern eine Steigerung sowohl der Kosten- als auch der Ertragseffizienz. Die Ertragseffizienzen waren zum Teil beträchtlich niedriger, als die Kosteneffizienzen. Rossi, Schwaiger und Winkler führten diesen Umstand auf Expansionsbestrebungen zurück, welche erhebliche Ressourcen verbraucht, aber sich bis zu diesem Zeitpunkt nur teilweise rentiert hatten. Des Weiteren könnten die Banken in diesem rasch wachsenden Markt dazu geneigt sein eher ihren Marktanteil auszubauen, als ihre Preisgestaltungsmöglichkeiten zu maximieren.

Die durchschnittlichen Effizienzwerte nach Ländern ermöglichten Vergleiche zwischen der Leistungsfähigkeit einzelner Bankenmärkte. Die Werte variierten beträchtlich von Land zu Land, die Kosteneffizienzwerte reichten von 0,58 (Tschechien) bis zu 0,89 (Slowenien). In Slowenien war der Anteil ausländischer Banken relativ gering (2002: ~35%) und der Anteil der Staatsbanken relativ hoch (2002: ~20%), die überraschend hohe Kosteneffizienz führten die Autoren auf das geringe Kreditwachstum und der dadurch niedrigen Finanzierungskosten für das künftige Wachstum zurück. Die Kosteneffizienz alleine reicht jedoch nicht aus um die Ertragskraft zu beurteilen, eine hohe Ertragseffizienz kann eine Kostenineffizienz wieder ausgleichen. Diesen Fall stellte insbesondere Tschechien dar, welches zwar die niedrigste Kosteneffizienz, jedoch die höchste Ertragseffizienz aufwies. Offensichtlich verursachten die angebotenen Leistungen zwar hohe Kosten, führten jedoch auch zu höheren Erträgen.21

Yildirim und Philippatos (2004) untersuchten die Kosten- und Gewinneffizienz von Banken in 12 mittel- und osteuropäischen Ländern im Zeitraum von 1993-2000. Das Sample beinhaltete über 300 Banken aus Tschechien, Ungarn, Polen, Slowenien, Slowakei, Rumänien, Kroatien, Mazedonien, Estland, Lettland, Litauen und Russland. Die beiden Autoren wandten zur Erhebung der Effizienz sowohl die Stochastic Frontier Analysis (SFA) als auch den Distribution Free Approach (DFA) an. Letzterer ist wie die SFA ein parametrisches Verfahren zur Effizienzanalyse, versucht jedoch willkürliche Annahmen der SFA zu vermeiden und Ineffizienz von statistischem Rauschen zu trennen. Die Analyse wurde sowohl mit den Rohdaten als auch mit den um 1%, 5% und 10% gestutzten Daten, welche um Extremwerte korrigiert wurden, durchgeführt. Für die weitere Analyse verwendeten Yildirim und Philippatos aus Gründen der Vergleichbarkeit mit bisherigen Studien die um 5% gestutzten Daten.22 Als Outputvariablen wurden Kredite, Investitionen sowie Kundeneinlagen definiert, als Inputvariablen wurden Fremdkapital, Personal sowie physisches Kapital herangezogen.23

Tabelle 2.7 zeigt die Kosteneffizienzen der einzelnen CEE Länder nach der SFA und DFA Methode. Die durchschnittliche Effizienz aller untersuchten Länder lag bei der SFA Methode und den um 5% gestutzten Werten bei 77%. Das Ergebnis kann so interpretiert werden, dass durchschnittlich rund ein Viertel der Bankressourcen im Zuge der Bereitstellung von Dienstleistungen verschwendet wurden. Nach der SFA Methode lag Polen mit einer Effizienz von mehr als 85% an erster Stelle, gefolgt von Slowenien und Kroatien. Am schlechtesten schnitten Russland sowie die drei baltischen Staaten Lettland, Litauen und Estland ab.24

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2.7: Kosteneffizienz einzelner CEE Länder nach dem SFA und DFA 1993-2000

[Quelle: Yildirim / Philippatos 2001, S. 40, 41]

Das Ergebnis der durchschnittlichen Gesamteffizienz nach der DFA Methode und den ebenfalls um 5% der Extremwerte gestutzten Daten war mit rund 72% etwas geringer als bei der SFA Methode. Polen war auch nach der DFA Methode das effizienteste der untersuchten Länder und erreichte eine Effizienz von über 82%, den schlechtesten Wert erreichte Litauen mit rund 63%. Die hohen Effizienzwerte in Polen führten die Verfasser der Studie auf den gut entwickelten Bankenmarkt und die starke ausländische Beteiligung zurück. Die Gründe für die hohe Ineffizienz des baltischen Bankenmarktes könnten in der hohen Konzentration und des damit verbundenen niedrigen Konkurrenzniveaus liegen. In Estland kontrollierten im Jahr 2000 die drei größten Banken rund 95% der gesamten Bilanzsumme.

Tabelle 2.8 zeigt die Gewinneffizienzen nach der SFA und DFA Methode, wieder jeweils mit den um 5% der Extremwerte gestutzten Daten. Im Vergleich zur Kosteneffizienz war die Gewinneffizienz nach beiden Methoden bei weitem niedriger. Nach der SFA Methode lag die durchschnittliche Effizienz bei knapp 66%, nach der DFA Methode nur bei rund 50%. Das Ergebnis kann so interpretiert werden, dass bezogen auf die SFA Werte rund ein Drittel der Bankgewinne durch Ineffizienzen verschwendet wurden, bezogen auf die DFA Werte sogar fast die Hälfte. Überraschenderweise erreichte Lettland nach der SFA Methode den höchsten Effizienzwert mit rund 70%, nach der DFA Methode lag Ungarn mit 61,5% an erster Stelle. Den schlechtesten Wert erreichte Rumänien mit 55% nach der SFA Methode sowie überraschenderweise Tschechien mit rund 43% nach der DFA Methode.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2.8: Gewinneffizienz einzelner CEE Länder nach dem SFA und DFA 1993-2000

[Quelle: Yildirim / Philippatos 2001, S. 41, 42]

Die Resultate von Yildirim und Philippatos zeigten, dass die untersuchten Banken in Zukunft gezwungen sein würden ihre Effizienzen zu erhöhen, um dem wachsenden Druck, welcher durch die Integration der europäischen Märkte sowie der anhaltenden, globalen Liberalisierung der Finanzmärkte entstand, standzuhalten. Die Konkurrenz im mittel- und osteuropäischen Bankenmarkt wurde durch große europäische Bankinstitute, welche in den wachsenden Markt drängten, immer größer. Da in diesem Markt nur die effizientesten Banken überleben könnten, würden die ineffizienten Banken entweder akquiriert oder aus dem Markt gedrängt werden. Eine verbesserte Effizienz der Banken würde auch den Kunden zugute kommen, da sich eine Reduktion der Kosten in niedrigen Zinssätzen und besserem Service widerspiegelt.25

2.4. Eigentumsverhältnisse

Die allgemeine Auffassung weshalb ausländisch kontrollierte Banken effizienter wirtschaften als inländische Banken kann auf zwei Erklärungsversuche gestützt werden. Erstens besteht ein starker Zusammenhang zwischen ausländischem und privatem Bankeigentum in Transformationsländern, wodurch eine stärkere Kontrolle durch die Aktionäre sowie ein besseres Anreizsystem für die Geschäftsführung ermöglicht wird. Zweitens kann davon ausgegangen werden, dass ausländische Aktionäre mit ihrem Know-how zu mehr Effizienz beitragen. Als Gegenargument kann jedoch eingebracht werden, dass ausländische Banken einen Effizienznachteil haben, da die Geschäfte oft aus räumlicher und kultureller Distanz gelenkt und kontrolliert werden müssen.26

Weill (2003) untersuchte die Effizienz von ausländischen Banken im Vergleich zu inländischen Banken in Tschechien und Polen. Die beiden Länder zählten zu den am weitesten entwickelten Bankenmärkten in CEE, Trends und Entwicklungen könnten in naher Zukunft auch in den weniger entwickelten Ländern Mittel- u. Osteuropas in ähnlicher Weise auftreten.27

Um ein möglichst aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten, bezog Weill auch unabhängige Variablen, welche nicht durch das Management beeinflusst werden können, mit ein. Er unterstellte, dass Rentabilitätsunterschiede zwischen ausländischen und inländischen Banken auch durch Größe oder Struktur der Bank entstehen können. Diese Variablen sind zwar langfristig ebenfalls veränderbar, erfordern aber eine längere Zeitspanne und sind oft mit hohen Umstellungskosten verbunden. Die von Weill untersuchten Länder Tschechien und Polen, aus denen jeweils die Daten von 1997 herangezogen wurden, hatten zu diesem Zeitpunkt noch kaum Möglichkeiten große Veränderungen in den jeweiligen Banken umzusetzen, weshalb für Weill die Einbeziehung dieser Variablen unbedingt notwendig erschien. Um die relative Kosteneffizienz der inländischen und ausländischen Banken ermitteln zu können, und obige Bedingung mit einzubeziehen, verwendete der Autor einen zweistufigen Ansatz. Im ersten Schritt wurde die Kosteneffizienz mittels dem Stochastic Frontier Approach berechnet, in einem zweiten Schritt wurden die errechneten Effizienzwerte mittels einer Tobit Regression28 weiterverarbeitet, um die Rentabilitätslücke zwischen den beiden Bankentypen zu erklären.29

Weill definierte Kundeneinlagen, Personalkosten, physisches Kapital sowie Fremdkapital als Inputvariablen sowie Kredite und Anlageinvestitionen als Outputvariablen. Der Autor bezog in seine Kostenfunktion auch den Eigenkapitalanteil der Banken mit ein, um die Risikoneigung des Managements zu erheben und damit eine risikoneutrale Effizienzmessung zu ermöglichen.30 Als ausländische Banken wurden alle Banken definiert, welche mehrheitlich von ausländischen Investoren kontrolliert wurden oder einen ausländischen Mehrheitsaktionär hatten und die restlichen Anteile sich in Streubesitz befanden.

Weill kam in seiner Studie über 31 polnische Banken (19 inländische, 12 ausländische) und 16 tschechische Banken (8 inländische, 8 ausländische) zu dem Ergebnis, dass die ausländischen Banken effizienter wirtschafteten als die inländischen Banken. Aufgrund der Berücksichtigung der Variablen Bilanzsumme, Struktur und Risikoneigung der Banken führte Weill das Ergebnis auf das bessere Management der ausländischen Banken zurück. Das Management der ausländischen Banken hatte in der Regel mehr Erfahrung mit Bankensystemen in einer offenen Marktwirtschaft und wurde außerdem strenger von den Aktionären kontrolliert. Die Vorteile des Managements der inländischen Banken lagen insbesondere in einer besseren Markt- u. Kundenkenntnis, die Schwächen in Bezug auf die ausländische Konkurrenz konnten dadurch aber nicht kompensiert werden. Die ausländischen Banken waren daher aufgrund besserer Aktionärskontrolle und größerem Know-how rentabler als die inländischen Banken. Die Öffnung des CEE Bankenmarktes für ausländische Investoren hatte daher einen positiven Einfluss auf die Effizienz dieses Marktes und aufgrund der großen Bedeutung des Finanzsektors auch auf die gesamte Volkswirtschaft.31

Bonin, Hasan und Wachtel (2004) untersuchten die Rentabilität und Effizienz von Banken in elf ost- und mitteleuropäischen Ländern in Abhängigkeit des Eigentümers. Die Studie umfasste 225 Banken in Polen, Tschechien, Ungarn, Slowakei, Slowenien, Rumänien, Bulgarien, Kroatien, Estland, Lettland und Litauen zwischen 1996 und 2000. Die Banken wurden zu diesem Zweck in Banken mit kontrollierender Staatsbeteiligung, kontrollierender inländischer Beteiligung, kontrollierender ausländischer Beteiligung sowie in Banken mit einem ausländischen strategischen Investor eingeteilt. Als Banken mit einem ausländischen strategischen Investor wurden jene definiert, welche von einem einzigen ausländischen Aktionär kontrolliert wurden. Zu den mehrheitlich ausländisch kontrollierten Banken wurden Banken dann gezählt, wenn ausländische Investoren mehr als die Hälfte des Kapitals kontrollierten. Von den insgesamt 225 Banken, zählten 53,2% zu den Banken mit einem ausländischen strategischen Investor, 7,2% zu den ausländisch kontrollierten Banken, 29,7% zu den Inlandsbanken, und 9,9% zu den Staatsbanken.

Die Rentabilität wurde mittels der Kennzahl ROA gemessen, die Effizienz mittels Stochastic Frontier Analysis. Bei der SFA wurden die Kundeneinlagen, Kundenkredite, liquide Mittel sowie Investitionen als Outputvariablen definiert, als Inputvariablen wurden die Kapitalkosten herangezogen.

Um systematische Fehler, welche durch länder- oder zeitspezifische Einflüsse verursacht werden könnten einzuschränken, berücksichtigten die Autoren diese Variablen in ihrer Effizienzanalyse. Überdies wurden mögliche, separate Auswirkungen auf Rentabilität und Effizienz durch die Beteiligung internationaler, institutioneller Investoren in die Analyse miteinbezogen. Solch ein institutioneller Investor war beispielsweise die „European Bank for Reconstruction and Development“ in der frühen Phase der Transformation, mit dem Zweck den Verkauf der Anteile von privatisierten Banken an ausländische Investoren zu erleichtern.32

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2.9: Bank- und Finanzkennzahlen in Abhängigkeit der Eigentümerstruktur 1996-2000

[Quelle: Bonin / Hasan / Wachtel 2004, S. 41]

Die Bank- und Finanzkennzahlen in Abhängigkeit des Eigentümers zeigt Tabelle 2.9. Die durchschnittliche Bilanzsumme pro Bank lag bei rund $ 1 Million. Entgegen den Erwartungen war die Bilanzsumme der Staatsbanken rund doppelt so hoch, wie jene der Banken mit einem ausländischen strategischen Investor. Da zu letzteren jedoch Greenfield Banken gezählt wurden ist dieses Ergebnis nachvollziehbar. Die Tatsache, dass die Bilanzsumme der Staatsbanken nahezu gleich groß wie die Bilanzsumme der Banken mit einer mehrheitlich ausländischen Beteiligung war, könnte möglicherweise darauf zurückgeführt werden, dass diese erst kürzlich privatisiert wurden. Inlandsbanken waren im Durchschnitt beträchtlich kleiner als alle anderen Bankentypen.

Die Anteile der Kredite und Einlagen waren bei allen Bankentypen ungefähr gleich hoch, wenngleich Staatsbanken bei beiden Kennzahlen die niedrigsten Werte aufwiesen. Bezüglich des Eigenkapitalanteils hatten die Inlandsbanken im Durchschnitt den höchsten Wert, gefolgt von Auslandsbanken mit strategischem Investor. Staatsbanken und andere ausländisch kontrollierte Banken hatten einen ähnlich hohen Eigenkapitalanteil, der rund 3% unter dem Durchschnittswert der Inlandsbanken lag.

Bezüglich der Gesamtkapitalrentabilität wiesen die Banken mit einem ausländischen, strategischen Investor einen rund doppelt so hohen Wert auf wie alle anderen Bankentypen. Die durchschnittliche Eigenkapitalrentabilität war bei den Staatsbanken am höchsten, gefolgt von Auslandsbanken mit strategischem Investor. Bei den anderen Auslandsbanken wurde ein negativer ROE erhoben, was auf die schwache Wettbewerbsfähigkeit der kürzlich privatisierten Banken hindeutete.33

Bonin, Hasan und Wachtel konnten zwar keinen Zusammenhang zwischen den erhobenen Finanzkennzahlen ROE und ROA und dem Eigentümertyp feststellen, jedoch einen signifikanten, positiven Einfluss sowohl ausländischer als auch internationaler, institutioneller Beteiligung auf die Bankeneffizienz.

Die Effizienzanalyse zeigte, dass Banken mit einer mehrheitlich ausländischen Beteiligung, jedoch ohne strategischen Investor, sowohl kosten- als auch gewinneffizienter waren als inländisch kontrollierte Banken. Banken mit einem ausländischen strategischen Investor hingegen waren nur kosteneffizienter, jedoch nicht gewinneffizienter als Inlandsbanken. Das Ausmaß der Effizienzsteigerung durch eine ausländische Beteiligung betrug mindestens 6%. Banken, mit einem internationalen institutionellen Investor waren um zusätzliche 9% effizienter, was darauf zurückzuführen war, dass diese Institutionen rentable Banken auswählten. Eine Privatisierung der Banken war also keine hinreichende Bedingung für eine Effizienzsteigerung, ausländische Banken waren vor allem kosteneffizient aber weniger gewinneffizient. Überdies hatten ausländisch kontrollierte Banken, vor allem jene mit einem strategischen Investor, durchschnittlich höhere anteilige Einlagen und Kredite an der Bilanzsumme als inländische Banken, was bedeutet das erstere eine bessere Leistung anboten. Staatsbanken hatten durchschnittlich niedrigere, anteilige Einlagen und Kredite an der Bilanzsumme als mehrheitlich ausländisch kontrollierte Banken, was die Autoren darauf zurückführten, dass die effizienteren Banken zuerst privatisiert wurden.34

2.5. Eintrittsstrategie

Eine allgemeine Befürchtung beim Eintritt ausländischer Banken in Transformationsländer besteht darin, dass die ausländischen Mitbewerber sich im neuen Markt auf wenige Großkunden spezialisieren und die kleineren Unternehmen sowie den Einzelhandel den heimischen Banken überlassen. Die Präsenz der ausländischen Banken würde jedoch in diesem Fall zu einem erhöhten Risiko in den Kreditportfolios der inländischen Banken führen. Das erhöhte Risiko würde zu einer strengeren Kreditvergabe für kleinere Betriebe und somit zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums führen. Weill (2003) ging davon aus, dass die ausländischen Banken in zwei Wellen in den CEE Markt eingetreten waren. Die erste Welle wurde dabei durch Neugründungen von ausländischen Banken charakterisiert, welche sich vor allem aufgrund fehlender Filialnetzwerke sowie Informationsdefizite auf wenige große Unternehmen spezialisierten. In der zweiten Welle, welche Ende der neunziger entstand, akquirierten die ausländischen Investoren die zum Verkauf stehenden vormals staatlichen Institutionen und traten somit automatisch in den Einzelkunden und KMU35 Markt ein. Weill beobachtete in diesem Zusammenhang, dass die Unterschiede zwischen den Aktivitäten inländischer und ausländischer Banken mit der Zeit und der Durchdringung des Marktes durch ausländische Banken abnahmen und damit mittelfristig nicht relevant waren.36

Die Unternehmensberatung ZEB analysierte gemeinsam mit der Not-for-Profit Organisation EFMA die Rentabilitätsunterschiede zwischen Neugründungen (Greenfield Investments) und Akquisitionen im CEE Bankenmarkt. Greenfield Investments sind in der Regel weniger kapitalintensiv und gleichzeitig risikoärmer, müssen jedoch mit etablierten Banken konkurrieren, welche sich bereits einen hohen Marktanteil aufgebaut haben. Die hohe Konzentration am CEE Bankenmarkt verschärft die Konkurrenzsituation und verlangt eine genaue Positionierung und Strategie der Greenfield Banken. Neugründungen haben jedoch den großen Vorteil, dass effiziente Strukturen und moderne IT-Systeme von Beginn an errichtet werden können. Der größte Vorteil von Akquisitionen ist der bereits vorhandene Kundenstamm und Marktanteil, eine komplette Umstrukturierung und Modernisierung der Banken ist aber in der Regel unumgänglich und kostenintensiv. Aufgrund einer immer geringer werdenden Anzahl von zum Verkauf stehenden Banken, stieg die Nachfrage nach Akquisitionsmöglichkeiten von CEE Banken in den letzten Jahren stark an.37

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.4: ROE v. Steuern (2004) von Akquisitionen u. Neugründungen von CEE Banken

[Quelle: ZEB / Rolfes Schierenbeck Associates / EFMA 2006, S. 16]

ZEB und EFMA analysierten 120 Übernahmebanken sowie 100 Neugründungen in 15 CEE Ländern bezüglich ihrer Rentabilität. Das Ergebnis der Studie zeigte, dass beachtliche Unterschiede in der Rentabilität zwischen Greenfield Investments und Akquisitionen bestanden. (siehe Abb. 2.4)

Ein Vergleich der Eigenkapitalrentabilitäten zwischen Übernahmen und Neugründungen zeigte, dass die Neugründungen besonders in den ersten drei Jahren wesentlich rentabler waren als die übernommenen Banken. Der Rentabilitätsvorteil klang jedoch mit der Zeit aus, nach mehr als fünf Jahren waren beide Markteintrittsformen im Durchschnitt nahezu gleich rentabel. ZEB und EFMA schlossen aus diesem Ergebnis, dass Akquisitionen auf lange Sicht den Neugründungen überlegen sind, da sie bei gleicher Eigenkapitalrentabilität einen höheren Marktanteil aufweisen.38

Havrylchyk und Jurzyk (2005) untersuchten die Rentabilitätsunterschiede zwischen inländischen und ausländischen Banken in CEE und unterschieden bei letzteren zwischen Bankenübernahmen und Bankenneugründungen. Die beiden Autorinnen analysierten in ihrer Studie 256 Banken in Bulgarien, Tschechien, Ungarn, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Estland, Lettland und Litauen zwischen 1995 und 2003. Die Rentabilität wurde mittels der Kennziffer ROA gemessen, welche sich durch den Anteil des Gewinns nach Steuern gemessen an der Bilanzsumme definiert.39

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2.10: Gesamtkapitalrentabilität (ROA) inländischer und ausländischer Banken in CEE

[Quelle: Havrylchyk / Jurzyk 2005, S. 37]

[...]


1 Central and Eastern Europa (Zentral- und Osteuropa)

2 Bruttoinlandsprodukt

3 Bank Austria Creditanstalt

4 Raiffeisen Zentralbank

5 Gemeinschaft unabhängiger Staaten

6 vgl. Jeckle / Haas / Palmosi 2005, S. 6

7 vgl. Jeckle / Haas / Palmosi 2005, S. 6ff

8 vgl. Jeckle / Haas / Palmosi 2005, S. 8ff

9 ALM: Asset Liability Management, bezeichnet ein Unternehmenskonzept bei dem Entscheidungen bezüglich Unternehmensaktiva und –Passiva aufeinander abgestimmt werden. Dabei werden in einem kontinuierlichen Prozess Strategien zu den Aktiva und Passiva formuliert, umgesetzt, überwacht und revidiert, um bei vorgegebenen Risikotoleranzen und Beschränkungen die finanziellen Ziele zu erreichen.

10 vgl. Jeckle / Haas / Palmosi 2005, S. 14ff

11 vgl. Jeckle / Haas / Palmosi 2005, S. 23ff

12 vgl. Jeckle / Haas / Palmosi 2005, S. 25ff

13 vgl. Jeckle / Haas / Palmosi 2005, S. 27

14 vgl. Jeckle / Haas / Palmosi 2005, S. 36ff

15 vgl. Jeckle / Haas / Palmosi 2005, S. 37ff

16 vgl. Jeckle / Haas / Palmosi 2005, S. 32ff

17 vgl. Jeckle / Haas / Palmosi 2005, S. 35

18 vgl. Jeckle / Haas / Palmosi 2005, S. 39

19 vgl. Rossi / Schwaiger / Winkler 2004, S. 87

20 vgl. Rossi / Schwaiger / Winkler 2004, S. 88

21 vgl. Rossi / Schwaiger / Winkler 2004, S. 95

22 vgl. Yildirim / Philippatos 2004, S. 21ff

23 vgl. Yildirim / Philippatos 2004, S. 19

24 vgl. Yildirim / Philippatos 2004, S. 23

25 vgl. Yildirim / Philippatos 2004, S. 25

26 vgl. Weill 2003, S. 570

27 vgl. Weill 2003, S. 570

28 Von US-amerikanischen Ökonom und Nobelpreisträger James Tobin entwickeltes Verfahren der multivariaten Regressionsanalyse, das sich auf sog. trunkierte oder gestutzte Daten bezieht. Bsp.: Ökonomen messen den Nutzen von Gütern anhand der Beträge, die Konsumenten dafür ausgeben. Für alle Personen, die ein bestimmtes Gut nicht kaufen, liegt kein Messwert vor.

29 vgl. Weill 2003, S. 571

30 vgl. Weill 2003, S. 582

31 vgl. Weill 2003, S. 587ff

32 vgl. Bonin / Hasan / Wachtel 2004, S. 36ff

33 vgl. Bonin / Hasan / Wachtel 2004, S.44ff

34 vgl. Bonin / Hasan / Wachtel 2004, S. 50ff

35 Klein- und Mittelunternehmen

36 vgl. Weill 2003, S. 575

37 vgl. ZEB / Rolfes Schierenbeck Associates / EFMA 2006, S. 16

38 vgl. ZEB / Rolfes Schierenbeck Associates / EFMA 2006, S. 16ff

39 vgl. Havrylchyk / Jurzyk 2005, S. 13, 17

Ende der Leseprobe aus 117 Seiten

Details

Titel
Ertrags- und Rentabilitätsentwicklung österreichischer Tochterbanken in Mittel- und Osteuropa
Hochschule
Wirtschaftsuniversität Wien
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
117
Katalognummer
V124297
ISBN (eBook)
9783640293957
ISBN (Buch)
9783640294077
Dateigröße
2199 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ertrags-, Rentabilitätsentwicklung, Tochterbanken, Mittel-, Osteuropa
Arbeit zitieren
Mag. Philipp Ackerl (Autor), 2007, Ertrags- und Rentabilitätsentwicklung österreichischer Tochterbanken in Mittel- und Osteuropa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124297

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