Wertewandel der Jugend. Die Bedeutung von Werteorientierung heute im Vergleich zu den 1970er Jahren


Hausarbeit, 2022

16 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Zielgerichtete Fragestellung

2. Grundorientierungen des Wertewandels
2.1 Utopischer Optimismus nach Ronald Inglehart
2.2 Moralisierender Pessimismus nach Elisabeth Noelle-Neumann
2.3 Kritischer Realismus nach Helmut Klages

3. Auswertung der Ergebnisse
3.1 Problemanalyse

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mittlerweile kennen sogar junge Erwachsene den Gedanken, dass die Jugend von heute anders ist als sie selbst waren. Respektloser, oberflächlicher und mit weniger Prinzipien. Werte und deren Veränderungen sind ein eigenständiges, wissenschaftliches Gebiet. Es gibt auch Untersuchungen, die feststellen, wie sich die Werte in unserer Gesellschaft entwickeln. Um den Begriff „Werte“ genauer zu verstehen, definiert die Wissenschaft den Begriff durch Vorstellungen, die auf lange Sicht erstrebenswert sind. Außerdem müssen Werte stabil sein, sodass sich Menschen im Notfall für die Werte und gegen eigene Vorteile entscheiden würden (LetsDenk, 2014). Bereits zu Anfang der 70er Jahre wurde der Wertewandel im soziokulturellen europäischen Bereich mit dem allgemeinen Wandel als Werteorientierung in der Gesellschaft in Verbindung gebracht. Jedoch ist die bedeutendste Problemlage nicht seine Existenz, sondern vielmehr die aktuelle Herangehensweise, die darauffolgende Aufnahme, sowie die Interpretation und Umsetzung in das Verhalten der Jugendlichen (Farças, 2021, S. 92). Junge Menschen erleben in dem Alter von 11 bis 15 Jahren die wichtigsten prägenden Ereignisse, in denen Einflüsse von außerhalb zum ersten Mal am intensivsten wahrgenommen werden können (Mangelsdorf, 2014, S. 13). Die Wertewandelforschung zielt auf Ergebnisse ab, die nicht nur für den allgemeinen und gemeinsamen Lebensbereich eine Herausforderung darstellen, sondern auch für die Kirche und Theologie, sowie die Moraltheologie (Farças, 2021, S. 91). Im weiteren Verlauf werde ich auf 3 unterschiedliche Grundorientierungen mit verschiedenen Ansätzen, die in den letzten drei Jahrzehnten durch wissenschaftliche Vertreter:innen präsent waren und somit in der Gesellschaft einen großen Einfluss hatten, eingehen. Anschließend möchte ich die erarbeiteten Grundorientierungen durch weitere aktuelle, wissenschaftliche Daten ergänzen und im Vergleich zu damaligen Werten der Jugendlichen gegenüberstellen, sowie auswerten.

1.1 Zielgerichtete Fragestellung

Der erläuterte Sachverhalt orientiert sich an der folgenden Fragestellung, die in der bevorstehenden Arbeit untersucht werden soll: Inwieweit haben sich die Grundwerte der heutigen Jugend, im Vergleich zu den 1970er Jahren verändert? Das Ziel ist es, die Interpretierung von grundlegenden und wissenschaftlichen Daten in die darauffolgende objektive Auswertung zu integrieren.

2. Grundorientierungen des Wertewandels

2.1 Utopischer Optimismus nach Ronald Inglehart

Der US-amerikanische Politikwissenschaftler Ronald Inglehart vertritt eine optimistische Sichtweise auf den Wertewandel (Farças, 2021, S. 92). Aus seiner Sicht habe eine bestimmte Werteorientierung für das Individuum, die von vorneherein präsent ist, eine gleichbleibende Orientierung und eine unveränderliche Wirkung. Er begründet seine Theorie durch eine Postmaterialismustheorie, die den

Wertewandel des materialistischen Wertes durch postmaterialistische Werte ablöst. Zu beobachten sei dies in den westlichen Industrieländern. Besonders positiv wirke es sich seiner Meinung nach auf kulturelle und politische Entwicklungen aus, denn nach Maslows Bedürfnispyramide können somit in erster Linie die physiologischen und physischen Sicherheiten (i.d.S. materialistische Wertstrukturen) entwickelt werden. Hierbei wird zum Ausdruck gebracht, dass die Menschen nach den Bedürfnissen streben, die noch nicht befriedigt sind oder wo die Ressourcen knapp sind. Somit steige die Wertschätzung der noch nicht erworbenen Bedürfnisse. Die Grundhaltungen gegenüber Werten einer Person werden sehr stark geprägt von jenen Bedingungen, in denen sie sich in der "Bildungsphase" befinden, also in den ersten zwanzig Lebensjahren, welche auch auf die Jugendlichkeit zurückzuführen ist und somit geradezu einen wichtigen Teil der Werteorientierung für die jungen Menschen darstellen, denn diese Grundwerte unterliegen keinen kurzfristigen Veränderungen, sondern sind dauerhafte Werte, an denen gesellschaftliche und politische Entscheidungen gemessen werden (S. 93-94). Nach Ronald Inglehart konzentriert sich die neue Generation zunehmend auf postmaterialistische Ziele, denn Chancengleichheit, Demokratisierung und ökologische Verantwortung scheinen wichtiger zu sein als materielle Ziele, wie Profit, Wirtschaftswachstum und autoritäre Anerkennung zu erzielen. Zurückzuführen ist dies auf die Nachkriegszeit, in der bereits ein materieller Mangel vorhanden war, aus der nun die alte materialistische Generation durch eine neue postmaterialistische Generation abgelöst wird, da die heutige Gesellschaft moderner ausgerichtet ist (S. 94).

2.2 Moralisierender Pessimismus nach Elisabeth Noelle-Neumann

Elisabeth Noelle Neumann sieht im Gegensatz zu Ronald Inglehart einen klaren Nachteil in dem Wertewandel für die Gesellschaft, da sie einen Werteverfall wahrnimmt, der gerade bei den jungen Menschen zu beobachten sei und eine gewaltige Problematik darstellt, die den seelischen Zustand der Jugendlichen beeinflusst. Diese mangelnden Werte betreffen den Verlust von pflichtbewussten Aufgaben gegenüber dem Allgemeinwohl, sowie die Zwischenmenschlichkeit, die immer mehr zu eigennützigen Zwecken tendiert, was die Folgen einer permissiven - verwöhnenden Erziehung seien, bei der nur eine mittlere Selbstwirksamkeit erzielt werden könne. Bereits ab dem Jahr 1968 stellten mehrere Studien fest, dass mit der Klage gegen das Vorrücken von Selbstentfaltungswerten ein reduzierterer Wertewandel stattgefunden habe, der sich jedoch auch nicht mehr in eine andere Richtung entwickelt hatte (Farças, 2021, S. 96). Elisabeth Noelle-Neumann macht den philosophischen Ansatz von Theodor Adorno dafür verantwortlich, dass dieser zu einem erheblich verschlechterten Werteumschwung mitgewirkt habe. Die Idee hinter der philosophischen Fixierung von Adorno auf die Unterbrechung von verwurzelten Werteerwartungen der Eltern an ihre Kinder, beabsichtigt die Verhinderung einer Wiederkehr von nationalsozialistischen Umgangsformen. Aufgrund der Geschehnisse im Dritten Reich hielt Adorno es für sinnvoll den „autoritären Erziehungsstil“ deutscher Familien in den 1968er Jahren zu verändern und den neuen Erziehungsstil in der „Frankfurter Schule“ zu manifestieren, sowie durchzusetzen (S.97). Gesellschaftliche undfamiliäre Konflikte gab es schon immer, doch bestimmte Erkenntnisse von heute waren damals bei der jüngeren Generation nicht bekannt. Folgend stellt Neumann wahrliche Aspekte über die aussagekräftigsten Fakten der heutigen Jugend in den Fokus, die für den gescheiterten Ansatz von Adorno ausschlaggebend sind. Zum einen hat die Verbundenheit der Jugendlichen zur Gemeinschaft, Religion und Kirche ersichtlich abgenommen (S. 97).

2.2.1 Das geringe Engagement in der Religion

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Anmerkung der Redaktion: Abbildung wurde aus urheberrechtlichen Gründen entfernt.

Quelle: Ilg, Wolfgang, 2018.

Anhand der aktuellen Quelle Deutschlands, am Beispiel der evangelischen Zugehörigkeit, wird deutlich, dass vom Jahr 2011 bis 2016 keine beständige Zahl der Konfirmierten vorzufinden ist. Vielmehr wird innerhalb der 5 Jahre ein Rückgang der Konfirmierten festgestellt, der sich um 23% handelt. Begründet sieht Ilg den verträglichen Nachlass der Konfirmierten viel mehr in dem Rückgang der bereits fallenden Zahlen der 14-jährigen Evangelisten (Ilg, 2018, S. 42). Nach Ilg werde das demografische Problem der evangelischen Kirche nicht mehr weit entfernt sein, welches mit Risiken für die Kirche verbunden ist. Zu beobachten sei das Ganze in ländlichen Gegenden, bei denen eine Gruppengröße gemäß den Vorgaben nur durch übergreifende Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden zustande kommt. Viel zu selten werden zu diesem Zeitpunkt diese Anliegen bei den Kirchenleitungen diskutiert (2018, S. 43). Der Übergang von der Konfessionslosigkeit zur Kirchlichkeit gestaltet sich auch nur, indem kirchliches Handeln ausreichend hinterfragt wird und entsprechend für die Jugendlichen konzipiert wird. Diese Aufgabe richtet sich teilweise an die Arbeit mit Konfirmand:innen, die erst recht keine familiären Konfessionshintergründe beziehen, denn in ihrem jungen Alter wird das Thema Zugehörigkeit aus der Entwicklungspsychologischen Sicht immer wichtiger (Keuchen, 2021, S. 96). Anders, bei bereits religiösen Interessent:innen, fällt die Entscheidung zur religiösen Dazugehörigkeit durch ein Familienmitglied, das bereits konfirmiert worden ist, leichter, da es sich um direkte Ansprechpartner: innen handelt, die ihre Ansichten weitergeben und im Zuge dessen andere Menschen beeinflussen können (2021, S. 97). Es wurden laut einer Umfrage Daten vom Sinus Institut ausgewertet und auch die Ergebnisse aus Deutschland komplettiert. Nur 20 Prozent geben an, sie wären nicht glücklich, wenn sie nicht an Gott glauben würden. Das Vertrauen in religiöse Institutionen war unter allen befragten Institutionen am geringsten. 83 Prozent vertrauen ihnen wenig oder gar nicht (Weber, 2019).

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Details

Titel
Wertewandel der Jugend. Die Bedeutung von Werteorientierung heute im Vergleich zu den 1970er Jahren
Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
1,3
Jahr
2022
Seiten
16
Katalognummer
V1243091
ISBN (Buch)
9783346667861
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wertewandel, jugend, bedeutung, werteorientierung, vergleich, jahren
Arbeit zitieren
Anonym, 2022, Wertewandel der Jugend. Die Bedeutung von Werteorientierung heute im Vergleich zu den 1970er Jahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1243091

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