Vergleich der Theoretiker Thomas Hobbes und John Locke im Hinblick auf den Naturzustand und den Gesellschaftsvertrag


Essay, 2017

9 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Naturzustand nach Hobbes

Hobbes Gesellschaftsvertrag

Naturzustand nach Locke

Lockes Gesellschaftsvertrag

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

In der Staatsphilosophie wird sich häufig die Frage gestellt nach welchen Grundsätzen man einen Staat führt, welche Organisationen es geben sollte/muss und was man alles braucht, um in einer Gesellschaft zusammenleben zu können.

Im Laufe der Jahre gab es viele Theorien, die sich mit dem Leben in einem Staat befassen. Diese sind teilweise unterschiedlich zueinander, da der Begriff des Staates verschieden aufgefasst werden kann. Dementsprechend haben die verschiedenen Theorien unterschiedliche Ausgangslagen und sind auch auf sich selbst bezogen gerechtfertigt.

Die zwei bekanntesten Theoretiker auf dem Gebiet sind Thomas Hobbes, mit seinem Werk Leviathan, und John Locke, mit seinen zwei Abhandlungen über die Regierung. Hobbes und Locke lebten beide im 17 Jahrhundert in England und wurden deshalb vom selben politischen und historischen Einflüssen geprägt.

In meiner folgenden Arbeit werde ich die unterschiedlichen Auffassungen von Hobbes und Locke darstellen und vergleichen. Ich werde mich dabei auf den Naturzustand und dem Gesellschafsvertrag fokussieren und das Menschenbild beider Theoretiker mit einbeziehen.

Naturzustand nach Hobbes

Der Naturzustand von Hobbes kann als Antwort auf die Frage gesehen werden warum man einen Staat braucht und warum dieser mit einem Vertrag geregelt werden sollte. Dafür stellt er das Leben ohne eine Regierung und ohne einen Gesellschaftsvertrag dar. Dieser Zustand wird als Naturzustand betitelt und ist ein vollkommen fiktiver Zustand. Im folgenden Abschnitt werde ich diesen Zustand näher erläutern.

Im Naturzustand gilt das natürliche Recht (jus naturale), welches besagt, dass jeder Mensch das Recht hat sein Leben mit allen Mitteln zu schützen. Das Gesetz der Natur (lex naturalis) verbietet den Selbstmord und die Auslöschung der Mittel, die für das erhalten des eigenen Lebens erforderlich sind. Sozusagen ist es dem Menschen verboten sich dem Tod hinzugeben. Er ist dazu verpflichtet sein eigenes Leben zu Schützen und erhalten.1

In diesem Zustand fehlt eine gesellschaftliche Ordnung, was als bellum omnium contra omnes (Krieg aller gegen alle) bezeichnet wird. Es herrscht zwar nicht immer ein Kriegszustand, jedoch ist jeder zu jedem Zeitpunkt in der Lage in den Krieg zu ziehen. Laut Hobbes sind Konkurrenz, Misstrauen und Ruhmsucht die Gründe für diesen Zustand.2 Es herrscht absoluter Gleichstand zwischen den Menschen, d.h. jeder könnte jeden besiegen oder besiegt werden. Dies gilt sowohl für die körperlichen als auch für die geistigen Fähigkeiten. Menschen können sich mit bestimmten Themen befassen und somit ihre Klugheit fördern bzw. neue Fähigkeiten erlernen. Je länger man sich mit etwas befasst, desto besser wird man darin.

Man hält fest, dass es keinen Maßstab für Recht oder Unrecht gibt, da es keine allgemeingültigen Gesetze und Regeln gibt. Solch eine Sammlung von Menschen ist geprägt durch Gewalt und Intrige, die genutzt werden, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. Somit kann es keinen Anspruch auf privaten Besitz geben, da es praktisch dem Stärksten gehört. Das heißt jeder muss befürchten, dass er/sie überfallen und ausgeraubt wird.3

In solch einer ordnungslosen Situation hat jeder zu befürchten, dass man es nicht überlebt und das Frieden scheinbar unerreichbar ist. Die einzige Chance, die die Bürger haben könnten, wäre es sich mit anderen Leuten zusammenzuschließen und gemeinsam zu kämpfen. In diesem Fall müssten sie jeweils auf ein Recht verzichten.

Hobbes Gesellschaftsvertrag

Nun kommt irgendwann der Punkt, an dem die Menschen erkennen, dass es ihnen mehr bringt, wenn sie ihre Rechte aufgeben und unter der Berücksichtigung der Naturgesetze in Frieden leben. Ein Leben ohne Krieg scheint dadurch in die Nähe zu rücken. Hobbes kommt zu dem Entschluss, dass eine höhere Gewalt nötig wäre, um die Einhaltung der Gesetze zu kontrollieren und im Falle der Verletzung zu bestrafen. Diese höhere Gewalt fundiert als dritte Person, die bei Verletzung einer Regel, einschreitet und die schuldige Partei bestraft. Wichtig ist hierbei, dass die Strafe von der höheren Gewalt festgelegt wird, denn sonst gäbe es keine Gerechtigkeit und keinen Unterschied zum Naturzustand. Somit ist die höhere Gewalt dazu da „jedem das Seine zu geben“.4 Durch die Errichtung einer Gewalt kommt es dazu, dass die Menschen einen Anspruch auf privaten Besitz haben und damit gäbe es einen Ausweg aus dem Naturzustand.

Hobbes kommt zu der Lösung, dass die Menschen einen Gesellschaftsvertrag schließen. Auf diese Weise würde sich jeder verpflichten die Regeln einzuhalten, denn sonst wäre es ungerecht. Das Hauptgesetz wurde aus einer Maxime entnommen, nämlich man soll anderen nichts tun, was man nicht selbst in Erfahrung bringen möchte.5 Beim Abschluss des Vertrags muss jedes Mitglied seine gesamte Macht auf einen Menschen oder eine Versammlung von Menschen übertragen und sich ihm unterwerfen. Hobbes bezeichnet diesen als Leviathan. Allerdings schließt nicht jeder einen Vertrag mit einer Person, sondern es handelt sich um einen Vertrag von jedem mit jedem. Auf diese Weise entsteht eine höhere Macht, die ein System führt, welches garantieren kann, dass die Naturgesetze eingehalten und ein Leben in Frieden geführt werden kann.6 Die Bürger, die den Vertrag schließen, sind dem Souverän solange verpflichtet, solange er Schutz für sie bieten kann. Wenn dies nicht mehr der Fall ist, ist der Bürger frei darin sich einen anderen Herrscher zu unterwerfen oder sein Recht auf Selbsterhaltung, welches er die ganze Zeit behält, zu nutzen.7

Naturzustand nach Locke

Der Naturzustand bei Locke zeichnet sich dadurch aus, dass es, ähnlich wie bei Locke, keine Rechtsordnung gibt. Das natürliche Gesetz besagt hier auch, dass alle Menschen gleichwertig sind und dass sich niemand jemandem unterwerfen muss. Somit haben alle Menschen denselben Stand in ihren Fähigkeiten und ihrem Geist. Laut Locke sind die Menschen dazu verpflichtet das eigene Leben und das Leben anderer zu schützen und zu erhalten, sofern diese keine Bedrohung für einen selbst darstellt. Somit darf man hier anderen Menschen ohne Begründung (z.B. außer bei Notwehr) keinen Schaden hinzufügen.8

Sollte es zu einem Verstoß kommen, zum Beispiel zu einem Überfall, so wird die Bestrafung des Schuldigen von jedem festgelegt. Das heißt jeder Mensch hat das Rech über die Bestrafung zu bestimmen. Dies soll zur Folge haben, dass die Strafe hart genug ist, um gerecht zu sein und zugleich eine abschreckende Wirkung erzielt. Allerdings gibt es hierbei zwei Probleme. Das erste Problem ist die mögliche Parteilichkeit, sollte es zur Bestrafung von Freunden oder Verwandten kommen. Die Menschen neigen dazu ihre Bekannten milder zu bestrafen als sie es mit fremden Leuten tun würden. Das zweite Problem ist die potenzielle Gewalttätigkeit bei Bestrafungen von Schuldigen als Akt der Rache. Es kann dazu kommen, dass jemand bestraft werden soll, der eine Straftat gegen einen selbst oder einen Freund bzw. Verwandten verübt hat. Die richtende Person kann ihr Recht dazu benutzen, um Rache auszuüben und damit wäre die Bestrafung zu schwerwiegend und somit ungerecht.9

In dem Naturzustand von Locke ist jeder Mensch gleich und freu und zudem hat er das Recht sowohl sich selbst als auch seinen Besitz mit allen Mitteln zu verteidigen. Somit ist der Kampf zur Verteidigung erlaubt und jeder darf seinen Besitz beliebig verwalten. Dadurch bleibt der Naturzustand ausgewogen. In der Situation, in der zur Zeit der Straftat kein Richter vorhanden ist, kann das Naturgesetz beliebig angepasst werden, so dass der Verteidigende, wenn nötig, Gewalt anwenden darf, auch wenn dies zum Tod des Angreifers führt.10

Sollte es im Naturzustand von Locke zu einer Vermehrung der Verstoße kommen, so tritt der Kriegszustand ein, der hier klar vom Naturzustand separiert ist.11 Überall, wo der unrechtmäßige Gebrauch von Gewalt ist, herrscht der Kriegszustand.

[...]


1 Hobbes, Thomas: Der Staat als Instrument eines aufgeklärten Egoismus, in: Hoerster, Norbert (Hg.): Klassische Texte der Staatsphilosophie, München 1967, S. 109-133, S. 114 im Folgenden zitiert als: Hobbes: Staat als Instrument des Egoismus.

2 Hobbes: Staat als Instrument des Egoismus S.111

3 Hobbes: Staat als Instrument des Egoismus S. 113

4 Hobbes: Staat als Instrument des Egoismus S.116

5 Hobbes: Staat als Instrument des Egoismus S.117

6 Hobbes: Staat als Instrument des Egoismus S.125

7 Hobbes: Staat als Instrument des Egoismus S.130

8 Locke, John: Der Staat als Zusammenschluß zur Sicherung natürlicher Grundrechte, in: Hoerster, Norbert (Hg.): Klassische Texte der Staatsphilosophie, München 1967, S.133-152, S. 134, im Folgenden zitiert als: Lo>

9 Lo>

10 Lo>

11 Locke: Staat als Sicherung der Grundrechte S. 137

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Vergleich der Theoretiker Thomas Hobbes und John Locke im Hinblick auf den Naturzustand und den Gesellschaftsvertrag
Note
2,0
Jahr
2017
Seiten
9
Katalognummer
V1243096
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vergleich, theoretiker, thomas, hobbes, john, locke, hinblick, naturzustand, gesellschaftsvertrag
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Vergleich der Theoretiker Thomas Hobbes und John Locke im Hinblick auf den Naturzustand und den Gesellschaftsvertrag, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1243096

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Vergleich der Theoretiker Thomas Hobbes und John Locke im Hinblick auf den Naturzustand und den Gesellschaftsvertrag



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden