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Die Funktion Keies in der Artusgesellschaft

Title: Die Funktion Keies in der Artusgesellschaft

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 29 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: David Bies (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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In der vorliegenden Hausarbeit zur Funktion Keies in der Artusgesellschaft werde ich nach einer Einführung der Figur und ihres Truchsessen-Amtes am Hof zunächst auf ihre Funktionen in der »klassischen« Artusgesellschaft eingehen. Meine Untersuchung wird sich dabei auf Textstellen aus Hartmanns Iwein sowie Wolframs Parzival stützen. Danach werde ich, bevor ich ein kurzes Fazit ziehe, anhand von Strickers Daniel von dem Blühenden Tal der Frage nachgehen, inwieweit die Keie-Figur im spät-höfischen Artusroman, wie von Jürgen Haupt postuliert, ihre gesellschaftlichen Funktionen sowie ihre Funktion auf narrativer Ebene vollständig eingebüßt hat.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Keie, Truchsess am Artushof

3. Keies Funktionen in der »klassischen« Artusgesellschaft

3.1 Keie als Sündenbock (in Hartmanns Iwein)

3.2 Keie als gewalttätiger Verteidiger der Ordnung des Artushofes (in Wolframs Parzival)

4. Der »nachklassische« Keie: ein funktionsloser Epigone der eigentlichen Keie-Figur? (in Strickers Daniel von dem Blühenden Tal)

5. Keies Bedeutung für den Artushof, ein kurzes Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Funktion der Figur Keie im höfischen Artusroman. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche gesellschaftliche und narrative Bedeutung Keie trotz seines provokanten und oft als negativ wahrgenommenen Verhaltens am Artushof zukommt und inwiefern sich diese Funktion über verschiedene Werke hinweg wandelt.

  • Analyse der Truchsessen-Rolle im mittelalterlichen Artusroman
  • Untersuchung des Sündenbockmechanismus als Mittel der Gewaltprävention
  • Gegenüberstellung von höfischer Etikette und Keies aggressivem Verhalten
  • Vergleichende Betrachtung von Hartmanns Iwein, Wolframs Parzival und Strickers Daniel von dem Blühenden Tal

Auszug aus dem Buch

3.1 Keie als Sündenbock (in Hartmanns Iwein)

Folgt man Werner Röcke und seinem Aufsatz Provokation und Ritual. Das Spiel mit der Gewalt und die soziale Funktion des Seneschall Keie im arthurischen Roman, so übernimmt Keie, der am Ende seiner aggressiven Tiraden häufig von den anderen ausgelacht wird, für kurze Zeit immer wieder die Rolle eines Sündenbocks, der »Rivalität und Gewaltbereitschaft auf sich zieht, dann aber ins Komische verschiebt und auf diese Weise abschwächt«16. Desweiteren sieht Röcke in der »Stereotypie von Keies Fehltritten, seines Spotts und seiner verletzenden Aggressivität, aber auch [in der] Verschiebung der drohenden Gewalt zum Gelächter [...] eine Konfliktsituation [inszeniert], wie sie für Gesellschaften ohne Staat typisch sind. Dabei wird in der rituellen Wiederholung der Fehltritte, vor allem aber des Gelächters über sie die Abwendung der drohenden Gewalt und die Reduktion der Gefährdung der Gesellschaft je neu vollzogen.«17

So interpretiert Röcke Keies heftige Kritik an Iwein, der von Ehrgeiz getrieben das Brunnenabenteuer, von dem Kalogrenant berichtet hat, wiederholen will, als »offensichtlich wohl kalkulierte und keineswegs zufällige Unverschämtheit«18. Keie diagnostiziert ein Konfliktpotential, das sich daraus ergibt, dass sowohl Iwein als auch Artus für sich in Anspruch nehmen, das Brunnenabenteuer auf sich zu nehmen. Durch den provozierten spielerischen, (bewusst) überzogenen Disput zwischen Keie und Iwein, gelingt es dem Truchsess, die durch die zwischen Iwein und Artus drohende Rivalität zu befürchtende Gewalt auf sich zu lenken. Da sich Iweins »Gewaltpotential«19 nun nicht mehr auf König Artus als seinen unmittelbaren Rivalen, sondern auf den spottenden Keie richtet, und es zudem bei einer aggressiven verbalen Auseinandersetzung bleibt, »bedroht [die entstandene Rivalität] nicht mehr den Bestand der arthurischen Gesellschaft und Machtverteilung, sondern lediglich den guten Ruf Keies, den man [als Sündenbock] verlachen und verspotten kann«20.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Figur des Keie ein und erläutert die methodische Herangehensweise an die Untersuchung seiner Funktionen in verschiedenen mittelalterlichen Artusromanen.

2. Keie, Truchsess am Artushof: Hier wird Keies Stellung als Truchsess und seine ambivalente Rolle zwischen höfischem Beamten und isoliertem Provokateur näher beleuchtet.

3. Keies Funktionen in der »klassischen« Artusgesellschaft: Dieses Kapitel analysiert Keies Wirken als Sündenbock bei Hartmann von Aue und als gewalttätiger Ordnungsverteidiger bei Wolfram von Eschenbach.

4. Der »nachklassische« Keie: ein funktionsloser Epigone der eigentlichen Keie-Figur? (in Strickers Daniel von dem Blühenden Tal): Die Analyse fokussiert sich auf die veränderte Darstellung Keies in einem parodistischen Kontext und prüft die These seiner angeblichen Funktionslosigkeit.

5. Keies Bedeutung für den Artushof, ein kurzes Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse über Keies Unentbehrlichkeit für den Zusammenhalt der Artusgesellschaft zusammen.

Schlüsselwörter

Keie, Truchsess, Artusroman, Iwein, Parzival, Daniel von dem Blühenden Tal, Sündenbockmechanismus, höfische Gesellschaft, Gewaltprävention, Mittelalterliche Literatur, Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbach, Der Stricker, Rittertum, Rollenfunktion

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Funktion der literarischen Figur des Keie im mittelalterlichen Artusroman und untersucht, warum er trotz seines provokanten Verhaltens ein fester Bestandteil der Artusgesellschaft bleibt.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die soziale Funktion des Truchsessen-Amtes, die Mechanismen von Gewalt und Sündenbockritualen sowie der Wandel der Keie-Figur vom klassischen zum spät-höfischen Roman.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Keies Rolle weit über den reinen Unterhaltungswert hinausgeht und er als „Blitzableiter“ für gesellschaftliche Krisen innerhalb der Artuswelt fungiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Analyse von Textstellen aus Iwein, Parzival und Daniel von dem Blühenden Tal sowie auf die Auseinandersetzung mit fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur.

Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der „klassischen“ Texte, in denen Keie als Sündenbock oder Verteidiger der Ordnung agiert, und die Untersuchung des „nachklassischen“ Werkes des Strickers, um die dortige Entwicklung der Figur zu prüfen.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Schlüsselbegriffe sind Keie, Sündenbockmechanismus, Artusgesellschaft, höfische Literatur und Gewaltreduktion.

Wie unterscheidet sich Keies Rolle bei Hartmann von Aue von der bei Wolfram von Eschenbach?

Bei Hartmann von Aue fungiert Keie durch seinen Spott als Mittel zur Gewaltreduktion, während er bei Wolfram von Eschenbach eher als kompromissloser Machtpolitiker erscheint, bei dem Gewalt nicht mehr ins Komische verschoben wird.

Warum wird die Darstellung des Keie bei Stricker oft als parodistisch eingeordnet?

Die Forschung wertet den Daniel von dem Blühenden Tal aufgrund seiner Abweichungen von ritterlichen Idealen als parodistisches Werk, in dem auch die traditionelle Keie-Figur in einem neuen Kontext erscheint.

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Details

Title
Die Funktion Keies in der Artusgesellschaft
College
Free University of Berlin  (Institut für deutsche und niederländische Philologie)
Course
Hauptseminar: Opfer und Martyrium in der mittelalterlichen Literatur
Grade
1,3
Author
David Bies (Author)
Publication Year
2006
Pages
29
Catalog Number
V124319
ISBN (eBook)
9783640296675
ISBN (Book)
9783640302192
Language
German
Tags
Keie Artus Artusgesellschaft Artusroman Sündenbock Mittelalter Truchsess Truchseß Ritter Artusepik Artushof Tafelrunde
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
David Bies (Author), 2006, Die Funktion Keies in der Artusgesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124319
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