Korporatismus in der BRD - Von der Konzertierten Aktion zum Bündnis für Arbeit


Referat (Ausarbeitung), 2002
11 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1. Zentrale Fragestellung

2. Geschichte des Korporatismus

3. Korporatismus

4. Korporatismus versus Pluralismus

5. Spezifische Theorien zur Korporatismusdebatte
5.1. Schmitter (siehe ebenso 4. Korporatismus versus Pluralismus)
5.2. Lehmbruch
5.3. Neokorporatistische Austauschlogik

6. Beispiele zum Korporatismus
6.1. Konzertierte Aktion
6.2. Das Bündnis für Arbeit
6.2.1. Ziele der Akteure des Bündnisses für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit
6.2.2. Organisationsstruktur des Bündnisses für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit
6.2.3. Kritik am Bündnis für Arbeit

7. Diskussion

Quellenverzeichnis

1. Zentrale Fragestellung

Ist Korporatismus ist im Vergleich zu Pluralismus die politisch effektivere Organisationsform?

2. Geschichte des Korporatismus

- Der Korporatismus sieht sein Ideal, ein harmonisches Zusammenwirken aller organisierten gesellschaftlichen Kräfte, im mittelalterlichen Ständestaat verwirklicht.
- Der Faschismus diskreditierte den Begriff nachhaltig.
- In den 70er Jahren findet der Begriff als Neokorporatismus, der „die Formierung und Inkorporierung gesellschaftlicher Großgruppen und Interessenträger mit staatlicher Politik in liberal-demokratischen und kapitalistischen Industriestaaten” (von Alemann) bezeichnet, erneut Verwendung. Praktisches Beispiel für diesen neuen Korporatismus ist die „Konzertierte Aktion”.

3. Korporatismus

- Korporatismus bezeichnet die unterschiedlichen Formen der Beteiligung gesellschaftlicher Interessengruppen an politischen Entscheidungsprozessen – sowohl bei der Formulierung politischer Ziele und den Entscheidungen darüber als auch bei der Erfüllung staatlicher Aufgaben und Leistungen (z.B. „Konzertierte Aktion“).
- Die Arrangements werden zwischen Staat, Gewerkschaften und Unternehmerverbänden geschlossen.

Der Verbändebegriff in der Pluralismustheorie akzentuiert die Autonomie der Gruppen und ihren Einfluss auf Regierungsentscheidungen. Pluralistische „pressure groups“ sind souveräne, nur an die speziellen Interessen ihrer freiwilligen Mitglieder gebundene Handlungseinheiten.

In der Realität sieht es meist so aus, dass Interessenverbände in weitläufige Beratungs- und Entscheidungsnetzwerke eingebunden sind, die oft von Regierungen geschaffen wurden oder von ihrer Unterstützung abhängen. D.h., dass erfolgreiche staatliche Einflussnahmen nicht mehr über „Hierarchie“ stattfinden. Die alleinige Teilhabe des Zentralstaates oder der Landesregierungen entwickelt sich hin zu einer Beteiligung kommunaler und regionaler Institutionen etc.

Pluralismus ist nämlich nichts anderes als eine implizite, wechselseitige Anpassung der Kontrahenten, also „negative Koordination“. Korporatismus dagegen setzt direkte Verhandlungen, also aktive Konsensmobilisierung, zwischen den Kontrahenten voraus. Dabei geht es nicht nur um wechselseitige Rücksichtnahme, sondern um die Verwirklichung übergeordneter Ziele, für die sich ein allgemeines, gleichwohl unterschiedlich ausgeprägtes Interesse der Beteiligten reklamieren lässt. Damit verbunden ist die Förderung kooperativer Orientierungen und gemeinschaftliches Handeln, die das pluralistische Kräftemessen gerade nicht voraussetzt.

4. Korporatismus versus Pluralismus

Schmitters (1974: 97) Idealtypus in der Übersicht (Czada 1994: S. 45)

5. Spezifische Theorien zur Korporatismusdebatte

5.1. Schmitter (siehe ebenso 4. Korporatismus versus Pluralismus)

betont die strukturellen Elemente und charakterisiert Korporatismus:

1) Beteiligung einer begrenzten Anzahl von Verbänden an politischen Entscheidungen
2) interne hierarchische Strukturierung der Verbände
3) Zwangsmitgliedschaft
4) funktionale Differenzierung der Verbände
5) nicht kompetitives Verhalten gegenüber anderen Verbänden
6) staatliche Anerkennung
7) Ausstattung mit einem Repräsentationsmonopol im Austausch für die Kontrolle der verbandlichen Führungsauslese und Interessenartikulation (vgl. Nohlen 2001: S. 266)

Kritik des Konzeptes

Zwar betonen Schmitter und Crawson den gleichgerichteten Zusammenhang der Merkmale des korporatistischen Idealtyps: kleine Zahl, hierarchischer Aufbau, nichtkompetitive Beziehungen, funktionale Differenzierung der Verbände etc. Tatsächlich aber sind dies voneinander unabhängige Dimensionen der Interessenvermittlungsstruktur, die nicht unbedingt kovariieren.

Wie diese Zusammenhänge in der Wirklichkeit aussehen, hängt in erster Linie von den Regierungs- und Verwaltungssystemen ab, auf die sich Interessenpolitik richtet. Verbände werden sich zu Dachverbänden zusammenschließen, wenn sie dadurch ihren Zugang zur Politik verbessern können. Ihre Organisations- und Wettbewerbsbedingungen sind durch staatliche Organisation und Gegenverbände beeinflusst.

Lehmbruch weißt darauf hin, dass hierarchische Organisationsstrukturen neokorporatistische Arrangements in dem Maß gefährden, in dem sie die zu ihrer Stabilität notwendige innerverbandliche Legitimation schmälern. Das von Schmitter betonte Element der Zwangsmitgliedschaft würde dieses Problem auch dann nicht lösen, wenn korporatistische Strukturen sich durch materielle Vorteile rechtfertigen könnten: auch diese, etwa Arbeitsplatzsicherheit oder gewerkschaftliche Mitbestimmung auf Gewerkschaftsseite, müssen den Mitgliedern vermittelt werden. ... Hinzu kommt, dass die ... Beteiligung von Verbänden an der Ausführung korporatistisch ausgehandelter Politiken die Kooperation von Verbandsmitgliedern und Verbandapparaten zwingend erfordert. Eine hierarchische Organisationsstruktur ist insofern nicht nur Voraussetzung, sondern ebenso auch ein Handicap korporatistischer Verbändeeinbindung.

5.2. Lehmbruch

bezeichnet „Korporatismus als eine historisch-kontingente Antwort auf aktuelle Steuerungserfordernisse“, was die Möglichkeit des Wandels bzw. der Anpassung von Korporatismus nicht ausschließe, diese aber auf institutionell zugelassene Alternativen begrenze.

Sein Konzept ist im Gegensatz zu Schmitters als Modus der Politikabstimmung zu verstehen. Er setzt an der Aufgabenkomplexität des aktiven Staates an und erarbeitet folgende korporatistische Funktionsbedingungen:

1) Organisation von Produzenteninteressen in Dachverbänden
2) Vernetzung von Parteien- und Verbändesystem
3) institutionalisierte Verhandlungen zwischen Regierung und Verbänden
4) Gewährträgerfunktion der Regierung
5) Schlüsselstellung der Gewerkschaften in Konzertierungsnetzwerken (vgl. Nohlen 2001: S. 266)

5.3. Neokorporatistische Austauschlogik

- Einen theoretischen Zugang, der Strukturen, Prozesse und „outcomes“ neokorporatistischer Politikentwicklung verbindet, bietet m.E. bislang nur die neokorporatistische Tauschhypothese, die eine prozesstheoretische Ergänzung des organisationsstrukturellen Ansatzes darstellt.
- Verbände befinden sich stets im Spannungsfeld von Interessenvertretung und Verhandlungszwängen.

Zum einen sind sie einer Mitgliedschaftslogik ausgesetzt, die ihnen die Vereinheitlichung und Vertretung ihrer Mitgliederinteressen aufgibt. Zum zweiten unterstehen sie einer Einflusslogik, die den Austausch mit anderen Verbandsführungen und mit dem Staat steuert. Die Balance zwischen der Durchsetzung von Mitgliederinteressen und der Kompromissbildung in Verhandlungen lässt sich nur durch Austauschprozesse halten, in denen Verbandsführungen ständig als „Makler“ auftreten. Die Gefolgschaft der Mitglieder für kompromissförmige Verhandlungsergebnisse und die Merkmale der Konfliktsituation bzw. die Verhandlungsobjekte sind die kritischen Größen dieses Balanceakts. Je mehr Gegenstände getauscht werden können und je positivere Wohlfahrtseffekte damit verbunden sind, um so leichter wird die Rolle der Unterhändler.

Mit der Tauschhypothese und der Unterscheidung von Mitgliedschafts- und Einflusslogik werden den Verbandsführungen autonome Handlungsspielräume zugebilligt und zugleich deren Grenzen abgesteckt. Der Ansatz zeigt deutlich den prekären Balanceakt korporatistischer Interessenvermittlung im Vergleich zum „pressure politics“-Modell der Pluralismustheorie.

- Der Vergleich zwischen Pluralismus und Korporatismus anhand eines marktähnlichen Modells ergibt, dass sich nach a) der Wettbewerbstheorie der Interessenvermittlung das pluralistische Kräftegleichgewicht in einem Prozess hergestellt – nach b) der Monopoltheorie korporatistische Verhandlungssysteme in der Regel nur dann funktionieren, wenn die beteiligten Verbände für das von ihnen vertretene Interesse ein Repräsentationsmodell besitzen.

[...]

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Details

Titel
Korporatismus in der BRD - Von der Konzertierten Aktion zum Bündnis für Arbeit
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Proseminar: Staats- und Demokratietheorie
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
11
Katalognummer
V12432
ISBN (eBook)
9783638183192
ISBN (Buch)
9783638934244
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Korporatismus, Konzertierten, Aktion, Bündnis, Arbeit, Proseminar, Staats-, Demokratietheorie
Arbeit zitieren
Gero Birke (Autor), 2002, Korporatismus in der BRD - Von der Konzertierten Aktion zum Bündnis für Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12432

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