Das gesamte deutsche Steuersystem ist weit entfernt von einem ganzheitlichen System. Es ist im Laufe einer langwierigen historischen Entwicklung entstanden, bei der die Interessen unterschiedlichster wirtschaftlicher und politischer Gruppierungen Niederschlag gefunden haben.
Der deutsche Sonderweg, Unternehmen erst mit einer eigenständigen und in der Handhabung komplizierten kommunalen Steuer, der Gewerbesteuer, zu belasten um anschließend in einem zweiten Schritt rechtsformabhängig die eigentliche, insbesondere für internationale Vergleiche relevante, Ertragsbesteuerung durch Körperschaft- oder Einkommensteuer vorzunehmen, führt zu mehreren Problemen. Die Unternehmen haben einen (im europäischen Vergleich) hohen Aufwand zur Berechnung ihrer Steuerlast. Dies wird noch durch die unterschiedlichen Bemessungsgrundlagen bei den Ertragsteuern, sowie vielfältiger zu beachtender Hinzurechnungs-, Abzugs- sowie Anrechnungsregelungen bei den verschiedenen Ertragsteuerarten verschlimmert. Dazu kommen umstrittene bzw. überholungsbedürftige Regelungen wie zum Beispiel der Mantelkauf, die Gesellschafter-Fremdfinanzierung oder die Regelungen zur Verlustverrechnung, die zu einer weiteren Verkomplizierung des deutschen Unternehmensteuersystems beitragen.
Die Vorschläge der Stiftung Marktwirtschaft sollen zu einer Vereinheitlichung, Vereinfachung sowie zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Unternehmenssteuersystems führen und damit langfristig auch das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigung in Deutschland ankurbeln. Inwieweit das Konzept geeignet ist, dies zu leisten, wird in dieser Hausarbeit untersucht.
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Inhaltsverzeichnis
1. PROBLEME DES AKTUELLEN UNTERNEHMENSSTEUERSYSTEMS
1.1. Überblick über Steuerarten und Steuersätze
1.2. Problemfelder
2. VORSTELLUNG DES KONZEPTS DER STIFTUNG MARKTWIRTSCHAFT
2.1. Ein modulares und umfassendes Reformkonzept
2.2. Die allgemeine und die kommunale Unternehmensteuer
2.2.1. Steuersubjekt, Steuerobjekt und Bemessungsgrundlage
2.2.2. Steuerliche Gewinnermittlung
2.2.3. Gewinnausschüttung
2.2.4. Kleinunternehmerregelung
2.2.5. Verlustverrechnung
2.2.6. Weitere Regelungen
2.3. Vergleichendes Rechenbeispiel
3. BEWERTUNG DES KONZEPTS DER STIFTUNG MARKTWIRTSCHAFT
3.1. Bestimmung der Anforderungen an ein Reformkonzept
3.2. Lösungsmächtigkeit und Problemfelder des Konzepts
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das von der Stiftung Marktwirtschaft entwickelte Reformkonzept zur Unternehmensbesteuerung, um zu bewerten, inwieweit dieses geeignet ist, das deutsche Unternehmenssteuersystem zu vereinfachen, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und die Steuerbasis langfristig zu sichern.
- Analyse der Mängel des aktuellen Unternehmenssteuersystems
- Vorstellung des modularen Reformkonzepts der Stiftung Marktwirtschaft
- Diskussion der steuerlichen Neuregelungen (Gewinnermittlung, Ausschüttung, Verlustverrechnung)
- Vergleichende Untersuchung der Steuerbelastung
- Bewertung der Umsetzbarkeit und Lösungsmächtigkeit des Konzepts
Auszug aus dem Buch
1.2. Problemfelder
Der deutsche Sonderweg, Unternehmen erst mit einer eigenständigen und in der Handhabung komplizierten kommunalen Steuer, der Gewerbesteuer, zu belasten um anschließend in einem zweiten Schritt rechtsformabhängig die eigentliche, insbesondere für internationale Vergleiche relevante, Ertragsbesteuerung durch Körperschaft- oder Einkommensteuer vorzunehmen, führt zu mehreren Problemen. Die Unternehmen haben einen (im europäischen Vergleich) hohen Aufwand zur Berechnung ihrer Steuerlast. Dies wird noch durch die unterschiedlichen Bemessungsgrundlagen bei den Ertragsteuern, sowie vielfältiger zu beachtender Hinzurechnungs-, Abzugs- sowie Anrechnungsregelungen bei den verschiedenen Ertragsteuerarten verschlimmert. Dazu kommen umstrittene bzw. überholungsbedürftige Regelungen wie zum Beispiel der Mantelkauf, die Gesellschafter-Fremdfinanzierung oder die Regelungen zur Verlustverrechnung, die zu einer weiteren Verkomplizierung des deutschen Unternehmensteuersystems beitragen.
Die im europäischen und internationalen Vergleich überdurchschnittlich hohe nominelle und zudem nicht rechtsformneutrale Steuerlast für in Deutschland tätige Unternehmen trägt ebenfalls zu einer Verschlechterung der Attraktivität des Standorts Deutschland für Unternehmen bei. Europaweit bzw. international tätige Konzerne werden weiterhin mit einem veralteten Organschaftsrecht und der international unüblichen Notwendigkeit eines Gewinnabführungsvertrags konfrontiert.
Mit dem Steuersenkungsgesetz aus dem Jahr 2000 und der damit verbundenen Systemumstellung auf das Halbeinkünfteverfahren wurde bereits eine Absenkung des Körperschaftsteuersatzes (auf jetzt 25%) erreicht und somit die Standortbedingungen für Kapitalgesellschaften in Deutschland verbessert. Jedoch reicht diese Absenkung langfristig nicht aus, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands als attraktiver Unternehmensstandort zu gewährleisten. Die derzeitige Situation führt sogar dazu, dass eigentlich in Deutschland erwirtschaftete Gewinne von internationalen Konzernen geschickt ins Ausland transferiert werden, um der vergleichsweise hohen Steuerbelastung zu entgehen. Deutschland verliert mit dem aktuellen System seine Steuerbasis.
Zusammenfassung der Kapitel
1. PROBLEME DES AKTUELLEN UNTERNEHMENSSTEUERSYSTEMS: Darstellung der komplexen Struktur des deutschen Steuersystems sowie der Identifikation zentraler Problemfelder wie hoher Verwaltungsaufwand und Wettbewerbsnachteile.
2. VORSTELLUNG DES KONZEPTS DER STIFTUNG MARKTWIRTSCHAFT: Detaillierte Erläuterung des dreimoduligen Reformkonzepts, einschließlich der neuen Unternehmenssteuer, Gewinnermittlung nach IAS/IFRS und Ansätzen zur Verlustverrechnung.
3. BEWERTUNG DES KONZEPTS DER STIFTUNG MARKTWIRTSCHAFT: Kritische Würdigung der Lösungsvorschläge hinsichtlich ihrer Realisierbarkeit, Rechtsformneutralität und der angestrebten Vereinfachung des Steuersystems.
Schlüsselwörter
Unternehmenssteuerreform, Stiftung Marktwirtschaft, Steuerrecht, Gewerbesteuer, Körperschaftsteuer, Einkommensteuer, Gewinnermittlung, Rechtsformneutralität, IAS/IFRS, Verlustverrechnung, Steuervereinfachung, Standortwettbewerb, Finanzierungsneutralität, Teilhaber, Wettbewerbsfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Reformkonzept der Stiftung Marktwirtschaft zur Umgestaltung des deutschen Unternehmenssteuersystems und prüft dessen Eignung als Lösung für aktuelle steuerliche Herausforderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Mängel des bestehenden Steuersystems, die Module des Reformvorschlags sowie die Auswirkungen der geplanten steuerlichen Neuregelungen auf Unternehmen verschiedener Rechtsformen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu beurteilen, ob das Konzept der Stiftung Marktwirtschaft dazu beitragen kann, die Komplexität des Steuersystems zu reduzieren, die Transparenz zu erhöhen und den Wirtschaftsstandort Deutschland international wettbewerbsfähiger zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewendet?
Die Autorin oder der Autor verwendet eine deskriptive und analytische Vorgehensweise, gestützt auf eine Auswertung aktueller Fachliteratur sowie ein vergleichendes Rechenbeispiel zur steuerlichen Belastung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den spezifischen Regelungen des Konzepts, wie der neuen Struktur der Unternehmenssteuer, der steuerlichen Gewinnermittlung nach internationalen Standards und neuen Ansätzen zur Gruppenbesteuerung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Unternehmenssteuerreform, Rechtsformneutralität, Gewinnermittlung und Standortwettbewerb charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die neue Unternehmenssteuer der Stiftung von der bisherigen Regelung?
Das Konzept schlägt eine einheitliche Unternehmenssteuer vor, die sowohl die Gewerbesteuer als auch die Ertragsbesteuerung integriert und eine einheitliche Bemessungsgrundlage für alle Unternehmenstypen anstrebt.
Welche Bedenken werden hinsichtlich der Umsetzbarkeit des Konzepts geäußert?
Es bestehen Zweifel an der kurzfristigen Aufkommensneutralität der Steuerreform sowie Bedenken bezüglich der praktischen Handhabbarkeit komplexer Detailregelungen für Kleinunternehmen.
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- Dipl.-Kfm. Thomas Zabel (Author), 2007, Unternehmenssteuerreform – das Konzept der Stiftung Marktwirtschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124326