Integrativ-systemische Methoden in der Psychoonkologie

Unterscheidung von Ziel und Auftrag am Beispiel einer Werteklärung nach einem Mammakarzinom


Facharbeit (Schule), 2022

23 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Vorwort

1 Einleitung

2 Krebs
2.1 Mammakarzinom, Klassifikationen

3 Psychische Inflexibilität
3.1 Mangelnde Werteklarheit

4 Ziele und Aufträge, Aufträge und Werte
4.1 Werteverschiebung nach einer lebensbedrohlichen Erkrankung
4.2 systemische Werteklärung

6 Zusammenfassung

7 Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Sechs störungsrelevante Prozesse von psychischer Inflexibilität (nach Hayes, Strosahl & Wilson, 1999; aus: ACT in der Psychoonkologie; Alder, 2020)

Vorwort

„Im Jahr 2010 starben rund sechshunderttausend Amerikaner und mehr als 7 Millionen Menschen weltweit an Krebs. In den Vereinigten Staaten erkrankte jede dritte Frau und jeder zweite Mann an Krebs. Ein Viertel aller Todesfälle in den USA und etwa fünfzehn Prozent aller Todesfälle weltweit gehen auf Krebs zurück. In einigen Ländern ist Krebs bereits die häufigste Todesursache und steht damit noch vor den Herzerkrankungen. Krebs ist die Krankheit, vor der wir uns am meisten fürchten“ (Mukherjee, 2010).

Jahrhundertelang war Krebs eine der Krankheiten, vor denen die meisten Menschen sehr viel Angst hatten. Niemand konnte sich erklären, was Krebs ist, wie es zustande kommt oder wie man eine Krebserkrankung verhindern oder heilen könnte. Erst im Laufe des medizinischen Fortschritts und mit vermehrten Erkenntnissen konnte man sich erklären, was Krebs ist, wie er entsteht und wie man einige Krebsarten bereits jetzt sehr gut behandeln kann. Krebs braucht heute nicht mehr zwingend ein Todesurteil zu sein. In vielen von uns ist jedoch die gedankliche Fusion „Krebs gleicht Tod“ immer noch fester Bestandteil der Sichtweise auf Krebs (Alder, 2020). Zur Bewältigung einer Krebserkrankung gelangt immer häufiger Psychoonkologie zum Einsatz. Man hat erkannt, dass nicht nur Betroffene mit kurzfristig zum Tod führenden Krebserkrankungen von psychologischer Unterstützung profitieren, sondern auch Betroffene mit guten Prognosen für ihr Überleben.

1 Einleitung

Psychoonkologie wird immer mehr integraler Bestandteil einer Krebstherapie (Psychoonkologie, 2022). Psychoonkologie versteht sich als ressourcenorientiertes supportives Zusatzangebot zu einer Tumortherapie (Weis et al., 2007). Zusätzlich zur physiologischen Behandlung wird also im Bedarfsfall der Mitbehandlung der Psyche zunehmend Wert beigemessen (Krebs und Psyche, 2022). Bisher ist Psychoonkologie im Wesentlichen verhaltenstherapeutisch strukturiert (Alder, 2020).

Systemische Psychoonkologie ist noch nicht sehr verbreitet. Gedanken aus der bewährten verhaltenstherapeutischen Psychoonkologie und hier besonders aus der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) helfen, den Ansatz systemischer Methoden in der Psychoonkologie zu versuchen.

Im Rahmen der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (Hayes, 2012; Hayes, Strosahl und Wilson, 1999) wird das Modell Sechs störungsrelevante Prozesse von psychischer Inflexibilität von Hayes et al. (1999; Hayes, 2012) angeführt. Psychische Inflexibilität kann eine erfolgreiche Bewältigung einer Krebserkrankung behindern, obwohl beispielsweise die Prognose nicht wieder an dieser Krebsart zu erkranken sehr gut ist (Alder, 2020; Hayes et al., 1999).

Hervorgehoben werden in dieser Hausarbeit aus dem Modell Sechs störungsrelevante Prozesse von psychischer Inflexibilität (Hayes et al., 1999) der Prozess Kognitive Fusion („Krebs gleich Tod“) sowie der Prozess mangelnde Werteklarheit. Bevor jemand einen Wert formulieren kann, muss geklärt werden, was dieser Wert sein könnte.

Werte sind (nach Alder, 2020): „verbal konstruiert, gewünschte Lebensrichtungen, nach denen man sich immer wieder orientieren kann. Werte drücken aus, was uns wirklich wichtig ist und wie wir als Mensch sein wollen und uns verhalten möchten. Werte sind nicht falsch oder richtig, sondern persönlich und individuell und oftmals nicht begründbar, sie sind jederzeit verfügbar und ohne Endpunkt, beschrieben durch Verben und Adverbien und nicht über Nomen“.

Erst dann kann ein Auftrag vom Klienten so formuliert werden, dass er größtmögliche Optionen bei der Auswahl der Schritte hat, die dem formulierten Wert nahekommen. Beispielsweise muss nicht schwer geklettert werden, damit man Freunde beim Klettern treffen kann. Wenn die körperlichen Veränderungen nach einer Krebserkrankung mit anschließender medikamentöser Therapie es nicht zulassen, den vormaligen körperlichen Leistungsstand zu erreichen, kann aufgrund des formulierten Wertes „Freunde treffen“ abgeleitet werden, einfach nur dabei zu sein. Vielleicht ergibt sich in der Werteklärung noch mehr. Beispielsweise könnte ein weiterer Wert sein, sich im Rahmen der neuen Möglichkeiten bewegen zu wollen, um für eine bestmögliche Gesundheit zu sorgen. Dann entfällt der selbst auferlegte Druck, an die Leistungsfähigkeit vor der Erkrankung anknüpfen zu wollen.

Es wird ein Fallbeispiel vorgestellt, in dem eine Werteklärung im Rahmen des Modells Sechs störungsrelevante Prozesse von psychischer Inflexibilität (Hayes et al., 1999) mithilfe der systemischen Methoden Auftragsklärung, Auftragskarussell (Schlippe und Schweitzer, 2013), eine abgeleitete Form des Tetralemma (nach Schlippe und Schweitzer, 2013) und Wippe versucht wird.

Im Fallbeispiel handelte es sich um eine 45-jährige Frau, die vor zwei Jahren an einem Mammakarzinom erkrankte. Der Brustkrebstumor wurde frühzeitig erkannt und entfernt. Eine sechswöchige Bestrahlung und anschließende antihormonelle Therapie folgten. Die Frau legte sich selbe den Druck auf, dass sie ohne größere Schwierigkeiten in ihr altes Leben zurückkehren und dann bekannte Leistungen abrufen wolle, denn der Krebs sei frühzeitig erkannt worden. Die Tumormarker seien prognostisch sehr günstig. Die Überlebenschancen lägen bei 90%. Die Antihormontherapie biete während der geplanten Einnahme über fünf Jahre Schutz vor Rezidiven. Dennoch falle es der Frau schwer, einfach so in ihr früheres Leben zurückzukehren. Von ihrer Umwelt sei ihr teils Verständnis und teils Unverständnis verbunden mit der Erwartungshaltung „den Krebs doch jetzt mal zu vergessen und sich dem normalen Leben wieder wie gewohnt zuzuwenden“ entgegengebracht worden. Sie kam in die Beratung, um Unterstützung zu bekommen bei ihrem im Rahmen der Auftragsklärung selbst formulierten Ziel „die alte körperliche und kognitive Leistungsfähigkeit im Klettern wiederherstellen und alles wieder so wie vor der Erkrankung zu machen“. Es koste sie viel Kraft, an diesem Ziel zu arbeiten. Sie suche hierbei Unterstützung.

2 Krebs

Krebs ist eine Genkrankheit. Verändern sich bestimmte Abschnitte der Erbsubstanz und werden diese nicht repariert und verfälscht bei der Zellteilung weitergegeben, entstehen Krebszellen. Krebs ist deshalb so gefährlich, weil Krebszellen sich selber zur Teilung stimulieren oder durch Hormone zur Teilung angeregt werden, wachstumshemmende Signale aus der Zellumgebung nicht vorhanden sind oder ignoriert werden und durch das Krebszellwachstum gesundes Gewebe verdrängt oder in seiner Funktionsfähigkeit eingeschränkt wird. Dabei spielt das Alter eines Menschen eine Rolle. Der Reparaturmechanismus ist bei älteren Menschen zunehmend weniger gut ausgeprägt als bei jüngeren.

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Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Integrativ-systemische Methoden in der Psychoonkologie
Untertitel
Unterscheidung von Ziel und Auftrag am Beispiel einer Werteklärung nach einem Mammakarzinom
Veranstaltung
Aufbaukurs „Systemische Beratung und Coaching“
Autor
Jahr
2022
Seiten
23
Katalognummer
V1243473
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychologie, Psychoonkologie, integrativ, systemisch, Therapie, Heilpraktiker für Psychotherapie, ACT, Akzeptanz- und Commitment-Therapie, Brustkrebs, Mammakarzinom
Arbeit zitieren
B.Sc. Psychologie Bàra Wiebke Grollius (Autor:in), 2022, Integrativ-systemische Methoden in der Psychoonkologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1243473

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