Der Einzug digitaler Medien in den Sportunterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Einleitung

2 Medien im Sportunterricht – ein Überblick
2.1 Was sind Medien?
2.2 Allgemeine Funktionen und Wirkung(en) des Medieneinsatzes im Unterricht
2.3 Welche Medien werden bevorzugt im SU verwendet?

3 Einzug neuer digitaler Medien in den SU
3.1 Gezielter Medieneinsatz im Dienste der Bewegungsvorstellung
3.2 Gezielter Medieneinsatz im Dienste Bekräftigung und Korrektur
3.3 Gezielter Medieneinsatz im Dienste pädagogischer Anliegen

4 Zusammenfassung

5 Literaturverzeichnis

Vorwort

Wer kennt nicht zumindest ein (großes) Sportevent? Ob es sich nun dabei um populäre Veranstaltungen (Olympische Spiele, Fußballweltmeisterschaft, For-mel 1 u.a.), spezielle Meisterschaften oder gar einzelne Wettkämpfe in ausge-wählten Disziplinen handelt, spielt hierbei keine Rolle. Im Medienzeitalter der Wissensgesellschaft sind der Alltag mit seinen diversen Sportsendungen bzw. -sendern und darüber hinaus das sportliche Training bzw. der Sportunterricht (SU) ohne (neue) Medien heute kaum noch vorstellbar. Jedes Medium ist Kom-munikationswerkzeug, ein Arbeitsmittel im Prozess des Lehrens und Lernens. Die Intention, Lern- und Lehrprozesse im Sport mit gezieltem Medieneinsatz steuern zu wollen, wächst aus dem Interesse heraus, das Bewegungslernen und das Techniktraining hinsichtlich der Lernwirksamkeit verbessern zu wollen. Weil Medien für Schülerinnen und Schüler wichtige Lernhelfer sein können, erfordern sie im Unterricht einen professionellen Einsatz. SU heute muss sich mit der Medienentwicklung auseinandersetzen (Medienpädagogik[1] ) und (s)einen Beitrag zur Mediensozialisation leisten. Nur mit fachdidaktischer Phantasie kann der Einsatz von Medien in einer angemessenen Lernumgebung zu guten (individuellen) Ergebnissen führen.

Das Hauptseminar ‚Spezielle Themen der Sportfachdidaktik’ stellt die Ab-schlussveranstaltung in der fachwissenschaftlichen Ausbildung im Fachgebiet Sportdidaktik dar. In den Seminaren kommt es darauf an, auf der Grundlage der fachwissenschaftlichen Erkenntnisse der Sportwissenschaft zentrale didak-tische Probleme zu erkennen und zum Gegenstand der Lehrveranstaltung zu machen. Daher werde ich mich im folgenden Verlauf dieser Arbeit ausge-wählten Schwerpunkten zum Thema ‚Medien im Sportunterricht’ widmen.

1 Einleitung

Medien nehmen in der privaten und beruflichen Lebenswelt inzwischen eine zentrale Stellung ein, wobei die computerbasierten neuen Medien ein aktuell herausragendes Thema in der Öffentlichkeit und der Bildungspolitik sind. Mit neuen technischen Entwicklungen verändern sich die technologischen Quali-täten der Medienentwicklung. Die Technik der sogenannten „Neuen Medien“ er-öffnet einen völlig neuen Zugang zu Informationen, der sofort die Frage nach den erforderlichen neuen Kompetenzen (Medienkompetenz[2] ) im Umgang mit ihnen aufwirft. Durch den Einzug der digitalen Medien in den Unterricht haben sich für die Lehrerinnen und Lehrer eine Reihe von Veränderungen in der Gestaltung und Veranstaltung von Unterrichtsprozessen ergeben. Gleichwohl sind traditionelle und neue Medien auch im Informationszeitalter in einem Gesamtzusammenhang zu sehen. Schrift und Sprache als Druck- und Tonmedien, unbewegte Bilder, Fotos, Film und Fernsehen als auditive bzw. audiovisuelle Medien, elektronische Medien und Telekommunikation sind Arbeitsmittel im Unterricht, auch im SU. Welche Bedeutung dem computer-unterstützten Lernen in der Schule (hier speziell im SU) zukünftig einmal zukommen wird, kann gegenwärtig nicht abgeschätzt werden.

Medien sind bereits seit Beginn des 18. Jahrhunderts bekannt. Die Lehrbücher der Philanthropen, die mit Abbildungen und Zeichnungen versehen waren, können als die ersten einfachen Medien[3] der damaligen Leibesübungen ange-sehen werden. Trotz des vielleicht eher verstaubten Images werden statische Bilder auch heute noch in vielfältiger Art und Weise im SU verwendet.

Im Regelfall stand jedoch die Demonstration von Bewegungen und Übungen durch den Lehrer oder geeignete Schüler im Mittelpunkt. Hier möchte ich nur kurz auf das Schulturnen des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts ver-weisen, welches sich in der Funktion des Vorturners in Schule und Turnverein ein weiteres adäquates „Hilfsmittel“ bereitgestellt hatte.

„Seit der Mitte dieses Jahrhunderts hat eine starke technologische Entwicklung nun auch die unterrichtliche Verwendung von Medien beeinflusst. Neue Kom-munikationstechniken der Ton- und Bildspeicherung erreichten zunächst den außerschulischen Raum mit den Massenmedien Hörfunk und Fernsehen und beeinflussten dann auch das Bildungsgeschehen (Schulfunk, Schulfernsehen). Es wird jetzt gebräuchlich von technischen Medien[4] zu sprechen“ (Kirsch, 1984, S. 16).

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit möchte ich der Frage nachgehen, inwieweit neue digitale Medien einem/einer SportlehrerIn bei der Planung und Gestaltung von Unterrichtseinheiten nützlich sein können – welche Vor- oder auch Nach-teile bieten sie ihrem Nutzer?

Antworten auf die Fragen: Was sind überhaupt Medien? Welche Funktion sollen sie im SU erfüllen? Welche Art von Medien gibt es (Klassifikation) – speziell für den SU? soll das folgende Kapitel geben.

Das 3. Kapitel soll sich speziell mit den (neuen) digitalen Medien – für den SU – befassen. An entsprechender Stelle werde ich versuchen auf den gezielten Medieneinsatz im Dienste der Verbesserung der Bewegungsvorstellung, der Bekräftigung und Korrektur und pädagogischer Anliegen einzugehen, um Hin-weise oder Anregungen für eine innovative bzw. kreative Unterstützung des motorischen Lernprozesses zu geben.

2 Medien im Sportunterricht – ein Überblick

2.1 Was sind Medien?

Der Begriff Medium meint in der Umgangssprache ein Mittel oder einen Mittler zur Übertragung und Verbreitung von Information(en) durch Schrift, Sprache, Bild und/oder Musik; darüber hinaus lassen sich darunter bestimmte technische Kommunikationskanäle wie Druck, Film, Hörfunk, Fernsehen, Tonband, elek-tronische Medien u.v.m. zusammenfassen. In der Schule wird er für sehr unter-schiedliche Sachverhalte verwendet, z.B. für Tafel, Landkarte, Fernsehen, Arbeitsblatt, Videokamera, Schulbuch, Computersimulation, Beamer etc. Hierbei empfiehlt es sich zwischen den Massenmedien[5], die sich im Rahmen einer asymmetrischen Kommunikationssituation an ein anonymes Publikum richten, und den Individualmedien (Unterrichtsmedien), die eine indirekte Kom-munikation zwischen zwei bzw. mehreren Personen ermöglichen, zu unter-scheiden. Mit traditionellen Unterrichtsmedien bezeichnet man u.a. Tafel, Schulbuch, Arbeitsblatt, vielleicht auch schon das Fernsehen, unter den Begriff ‚neue Medien’ fallen alle computerbasierten Informationsträger.

2.2 Allgemeine Funktionen und Wirkung(en) des Medieneinsatzes im Unterricht

Im Unterricht aller Fächer erfüllen die Medien eine Vielzahl von Funktionen. In ihrer didaktischen Funktion sind (einfache) Medien für den Lehrenden ein Hilfsmittel, die seinen Unterricht ergänzen und unterstützen. Grundlegend die-nen sie wohl der Unterrichtsführung bzw. Steuerung des Lernprozesses. Sie können den Unterricht versachlichen, den Blick vom Lehrenden auf die Sache lenken und mit ihnen soll ein gewünschtes Lernergebnis erreichbar sein. Im Einzelnen dienen sie der Veranschaulichung (didaktische Visualisierung[6] ) sportlicher Bewegungen oder auch als Bereicherung für den SU. Die Veran-schaulichung greift nicht nur auf die Sprache zurück, sondern auch auf andere Sinneskanäle, denn Anschaulichkeit und Abstraktionsgrad bedingen einander, so dass Unterrichtsmedien vielfach nach dem Gesichtspunkt der Förderung der Motivation (Interesse wecken, Emotionen freisetzen etc.) ausgewählt werden. Aus eigener Erfahrung kann ich bereits sagen, dass zu einem gelungenen Trainings- bzw. Unterrichtseinstieg ein motivierendes Medium gehört. Die ein-zelnen Unterrichtsphasen ermöglichen eine abwechslungsreiche Gestaltung durch die Auswahl verschiedener Medien, wodurch die Wirksamkeit des Unter-richts und die Lernintensität erhöht werden könnten. Unterrichtsmedien dienen auch dazu, die Eigenaktivität der SchülerInnen zu erhöhen, so dass soziale Beziehungen in den Lerngruppen gestiftet, das selbständige Erarbeiten eines Problemfeldes gefördert und die Selbststeuerung und Selbstorganisation des Lernprozesses ermöglicht werden. Allen voran das Multimedia-Angebot kann unterschiedliche Seh- und Lerngewohnheiten der SchülerInnen berücksichti-gen – sprich, alle Sinneskanäle und somit unterschiedliche Lerntypen anspre-chen (vgl. Weißeno, 2001, S. 23-24).

Daraus ableitbar ist, dass Medien eine prozess-steuernde und -verstärkende Wirkung (Enrichment[7] -Funktion) auf den Unterricht besitzen können. Wenn es der Lehrende schafft, die Aufmerksamkeit der Schüler auf das Medium zu len-ken, welches in einer Unterrichtseinheit zum Erreichen eines bestimmten Zieles beitragen soll, hat er evtl. mehr Freiheiten beim Lösen individueller Probleme, um so eine lernfördernde Wirkung zu erzielen. Heute müssen sich Sport-lehrerInnen Fragen stellen, wie z.B. Medien didaktisch strukturiert, inhaltlich gegliedert und technisch beschaffen sein müssen, damit sie zur Individuali-sierung von Lernprozessen beitragen können.

Für die sportdidaktische Verortung der Medien wie auch für die unterrichtliche Praxis sind vier Dimensionen bedeutsam; der Bezug der Medien zu den Zielen, den Inhalten, den Schülerinnen und Schülern sowie der Institution Schule. Eine solche Unterteilung in vier Dimensionen ermöglicht es, die Bedeutung der Entscheidung über Medienfragen besser fokussieren zu können.

2.3 Welche Medien werden bevorzugt im SU verwendet?

„Im Kern geht es im SU um die Veranschaulichung gestellter Aufgaben. Im Vormachen von Bewegungen durch Lehrer und Schüler stand und steht ein entsprechendes Verfahren zur Verfügung. Der Zugang zu einer neuen Be-wegung oder sportlichen Technik kann aber durchaus auch mit Hilfe eines Bildes (Foto, Realfilm, Umrisszeichnung u.a.) erfolgen; er muss sich sogar in dieser Weise abspielen, wenn ein reales Bewegungsvorbild nicht zur Verfügung steht“ (Kirsch, 1984, S. 21). Wenn wir Medien im SU als Hilfen in Erziehungs- und Bildungsprozessen einsetzen oder diese selbst zum Gegenstand des Pro-zesses machen wollen, müssen wir uns mit mediendidaktischen bzw. -erzie-herischen Fragestellungen[8] auseinandersetzen.

Grundsätzlich kann ich aus eigenen Beobachtungen und Erfahrungen zusam-menfassen, dass im SU vornehmlich statisch-visuelle (z.B. Fotos, Reihenbilder, Strichmännchen, Transparente, Arbeitskarten, Schullehrbücher), dynamisch-visuelle (Lehrfilm, Transparentstreifen, Video u.a.), auditive (Tonbänder, Schallplatten usw.) und audiovisuelle Medien (Computeranimationen, Präsenta-tionen mit sprachlicher Unterstützung, Fernsehen etc.) ihre Verwendung finden. Bei näherer Betrachtung wird man aber schnell bemerken, dass allen voran die audiovisuellen Medien selten im SU eingesetzt werden. Das mag zum einen daran liegen, dass mit statisch-visuellen Medien Bewegungsabläufe auf einen Blick in ihrer Gesamtheit vom Lernenden erfasst werden können. Dazu kom-men die weniger aufwendigen Präsentationsmöglichkeiten und die zeitlich nicht beschränkte Dauer und Wiederholung der Betrachtung durch die SchülerInnen. Aber Unterrichtsmedien nur nach diesen Kriterien auszuwählen würde voraus-sichtlich nicht zu dem selbst gesetzten Ziel führen.

[...]


[1] „Medienpädagogik ist das Gebiet der Pädagogik, in dem die pädagogische Bedeutung von Unterrichtsmedien untersucht wird. Medienpädagogik befasst sich insbesondere mit der Planung, Herstellung und Verwendung von Unterrichtmedien in Erziehungs- und Bildungspro-zessen. Dabei können die Medien als Hilfen in Erziehungs- und Bildungsprozessen dienen oder in diesen Prozessen selbst Gegenstand von Analysen oder Betrachtungen sein“ (Kirsch, 1984, S. 18).

[2] Medienkompetenz als Bestandteil von kommunikativen Kompetenzen umfasst die „ Medien-kritik, indem man fähig ist, sich analytisch, ethisch, reflexiv auf Medien zu beziehen, die Medien-kunde als Wissen über Medien im Sinne der Informiertheit über das Mediensystem wie auch als instrumentell-qualifikatorische Tätigkeit, die Geräte bedienen zu können, die Mediennutzung rezeptiv anwendend und interaktiv anbietend [und die] innovative und kreative Medienge-staltung “ (Weißeno, 2001, S.29).

[3] „Einfache Medien sind alle Medien, die nicht von zentralen Stellen in festgelegter didaktischer Zielsetzung produziert werden“ (Kirsch, 1984, S. 15).

[4] Unter technischen Medien werden die audio-visuellen Medien verstanden, die zu ihrer Prä-sentation (technischer) Apparaturen und Geräten bedürfen“ (Kirsch, 1984, S.16).

[5] „Massenmedien sind die Massenkommunikationsmittel Presse, Funk und Fernsehen, Zei-tungen, Zeitschriften, Bücher […]. Sie sind in der Lage, aktuelle Informationen an ein großes, nicht genau bekanntes, breit gestreutes Publikum relativ gleichzeitig zu übermitteln. Sie dienen der Unterrichtung, Unterhaltung, Belebung und Werbung (Synonym: öffentliche Medien)“ (Kirsch, 1984, S. 47).

[6] „Didaktische Visualisierung ist zweck- und lernzielbezogene Vereinfachung in Lernprozessen, indem von der abbildbaren Realität von Objekten abstrahiert, d.h. schematisch und symbolisch codiert wird“ (Kirsch, 1984, S. 21).

[7] „Enrichment (engl. Bereicherung, Anreicherung), Fachterminus für eine mehr beiläufige, viel-fach didaktisch nicht zwingende Verwendung von Medien im Unterricht“ (Kirsch, 1984, S. 16).

[8] „Mediendidaktik beschäftigt sich mit didaktischen Fragestellungen des Einsatzes von Medien in Schule und Unterricht wie auch mit Medien als Unterrichtsgegenstand.“ (Röthig, 2003, S. 359).

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Einzug digitaler Medien in den Sportunterricht
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für Sportwissenschaft)
Veranstaltung
Spezielle Themen der Sportfachdidaktik
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V124351
ISBN (eBook)
9783668713550
ISBN (Buch)
9783668713567
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einzug, medien, sportunterricht
Arbeit zitieren
André Lach (Autor:in), 2008, Der Einzug digitaler Medien in den Sportunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124351

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