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Zeitgeist und Drogen. Warum der Cannabiskonsum unter Jugendlichen seit Jahren ansteigt und was das mit der postkapitalistischen Moderne zu tun hat

Title: Zeitgeist und Drogen. Warum der Cannabiskonsum unter Jugendlichen seit Jahren ansteigt und was das mit der postkapitalistischen Moderne zu tun hat

Master's Thesis , 2022 , 161 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Olivia Mantwill (Author)

Sociology - Miscellaneous
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Was hat sich in den letzten Jahren gesellschaftlich verändert und wie gestalten sich die Zusammenhänge und Wechselwirkungen des Cannabiskonsums Jugendlicher? Es wird vermutet, dass der postmoderne Kapitalismus die Umstände und damit die Substanzfunktionen und -Gebrauchsmuster zuerst der Jugendlichen und dann gesamtgesellschaftlich verändert (hat). Diese Annahme basiert auf drei Theorien: Erstens, dem Badewannenmodell nach James Coleman (Coleman, 1986), nach dem eine Ausgangssituation auf der gesellschaftlichen Makroebene über deren Folgen und Auswirkungen auf der Mikroebene der Jugend eine Veränderung wiederum auf der Makroebene verursacht. Zweitens auf Zinbergs „DruSet und Setting“-Theorie (Zinberg, 1984) – des Leseflusses wegen hier als DSS-Theorie bezeichnet –, die die konsumierte Substanz als Drug bezeichnet, die Einstellung des Konsumenten als Set und die Umstände als Setting. Ihr zufolge wird die Wirkung einer psychotropen Substanz durch die Einstellung des Konsumenten sowie dessen Umgebung in unterschiedlicher Gewichtung bestimmt.
Und drittens auf der Annahme der Entwicklung des postmodernen Kapitalismus der letzten Jahre, mit dem diverse Unsicherheitsfaktoren und damit ein gesellschaftliches Anonmieempfinden einhergeht, das besonders die Jugend betrifft – dieses Gefühl ist letztlich auch mit dem Begriff des Zeitgeistes genannt, der im Titel der Griffigkeit halber verwendet wird. Die Anpassung der Funktion der psychotropen Substanz ist damit eine Folge der Änderung der Umgebung – wobei zugleich natürlich immer wechselseitige Prozesse eine Rolle spielen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theorien und Begriffe

2.1 Zugrundeliegende Theorien

2.2 Jugend – „Drogen“ – Konsum

3 Hintergrund: Cannabis, dessen Umstände und Funktionen

3.1 Cannabis-Grundlagen

3.2 Set und Setting

3.3 Funktionen

4 Postmoderner Kapitalismus und Anomie als Ausgangspunkt auf der Makroebene

4.1 Merkmale der Postmoderne

4.2 Ökonomischer und sozialer Abstieg

4.3 Auswirkungen auf das gesellschaftliche Erleben

5 Mikroebene der Jugend: Möglichkeiten und Restriktionen

5.1 Set – Folgen der Anomie

5.2 Setting und Drug – Folgen der Globalisierung

6 Mikroebene der Jugend: Rationale Auswahl und Nutzenmaximierung

6.1 Set und Drug – verstärkte Funktionen

6.2 Setting und Drug – jugendlicher Umgang

7 Gesellschaftliche Folgen durch Aggregation

8 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Masterarbeit untersucht, inwiefern der postmoderne Kapitalismus als gesellschaftlicher Rahmen den ansteigenden Cannabiskonsum unter Jugendlichen beeinflusst. Die Arbeit verbindet soziologische Theorien zur Makro- und Mikroebene mit dem Alltagsthema Cannabis, um zu verstehen, wie sich globale gesellschaftliche Umbrüche in individuellen Konsummustern widerspiegeln.

  • Analyse des postmodernen Kapitalismus als Quelle soziokultureller Unsicherheit und Anomie.
  • Anwendung der „Drug, Set und Setting“-Theorie auf den Cannabiskonsum Jugendlicher.
  • Erforschung der psychoregulativen und sozialregulativen Funktionen von Cannabiskonsum im Jugendalter.
  • Untersuchung der gesellschaftlichen Aggregation, die zu einer steigenden Akzeptanz von Cannabis in nachfolgenden Generationen führt.

Auszug aus dem Buch

Überforderung

Individualisierung und Spaltung können in Kombination mit eskalatorischem Wettbewerb, insgesamt unter dem Gefühl der Anomie, zum ersten Aspekt auf der Mikroebene führen: Überforderung. Das moderne Leben ist von widersprüchlichen Anforderungen geprägt, von immer mehr Möglichkeiten, Ungewissheiten und der Forderung nach Eigenverantwortung. (Koppetsch, 2011, p. 7) Die Ursache dafür könnte in einem erhöhten Maß an Verantwortungspflicht liegen: „In dem Maße, in dem die eigene Lebensgeschichte nicht mehr von Herkunft, Familie, langfristigen Bindungen und fest gefügten sozialen Strukturen bestimmt wird, sondern von einer wie auch immer gesellschaftlich organisierten und ökonomisch formierten, aber dem Einzelnen als Manifestation der eigenen freien Entscheidung zugerechneten Selbstverwirklichung, erscheint es glaubhaft, den Einzelnen auch für das Gelingen oder Scheitern seines oder ihres Lebens verantwortlich zu machen.“ (Günther, 2002, p. 118) Es heißt also, dass aus der quasi erzwungenen Wahl aus vielen Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten, eine ungemeine Verantwortung erwächst, von der aber keine Leitlinien existieren und an die Hand gegeben werden, wie mit ihr umgegangen werden und wie sie genutzt werden soll. Honneth fasst diese Umstände so zusammen, dass die Ansprüche, die Menschen an sich stellen, sich zu Forderungen umwandeln: „Mit den institutionellen Wandlungen, die den westlichen Kapitalismus in den letzten zwanzig Jahren erfasst haben, hat sich das lebenspraktisch angestrebte Ideal der Selbstverwirklichung zur Ideologie und Produktivkraft eines desregulierten Wirtschaftssystems entwickelt: […] Aus diesem Prozess einer Verkehrung von Idealen in Zwänge, von Ansprüchen in Forderungen, sind Formen eines sozialen Unbehagens und Leidens erwachsen, die in der Geschichte der westlichen Gesellschaften bislang als Massenphänomen unbekannt waren.“ (Honneth, 2002b, pp. 154–155) Diese Form der Überforderung kann auch als Folge der erzwungenen Flexibilität und der widersprüchlichen Anforderungen der Arbeitswelt nach Voswinkel und der Beschleunigung nach Rosa gesehen werden (hier in Kapitel 4): „Eines der Symptome eines herannahenden Nervenzusammenbruchs ist der Glaube, die eigene Arbeit sei von furchterregender Wichtigkeit.“ (Bertrand Russel in Schnabel, 2015, p. 227)

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Beschreibt die Relevanz des Cannabiskonsums als gesellschaftlich allgegenwärtiges Phänomen und führt in die Fragestellung ein.

2 Theorien und Begriffe: Setzt das theoretische Fundament mittels der Coleman-Badewanne, der DSS-Theorie und der Anomietheorie.

3 Hintergrund: Cannabis, dessen Umstände und Funktionen: Beleuchtet die Substanz Cannabis, deren Wirkung, Konsumformen und die gesellschaftliche Verbreitung in Deutschland.

4 Postmoderner Kapitalismus und Anomie als Ausgangspunkt auf der Makroebene: Analysiert globale Trends wie Globalisierung und Beschleunigung als Ausgangspunkt gesellschaftlicher Anomie.

5 Mikroebene der Jugend: Möglichkeiten und Restriktionen: Beschreibt, wie sich makrostrukturelle Unsicherheit als spezifisches „Set“ (Überforderung, Sinnverlust) in der Jugend manifestiert.

6 Mikroebene der Jugend: Rationale Auswahl und Nutzenmaximierung: Untersucht, wie Jugendliche durch Konsum und Rituale aktiv reagieren, um neuro-enhancement oder Entspannung zu erreichen.

7 Gesellschaftliche Folgen durch Aggregation: Zeigt auf, wie sich individueller Konsum über Generationen hinweg zu einer gesamtgesellschaftlichen Akzeptanz von Cannabis aggregiert.

8 Fazit: Führt die Erkenntnisse zusammen und diskutiert Implikationen für die Drogenpolitik und präventive Ansätze.

Schlüsselwörter

Postmoderner Kapitalismus, Cannabiskonsum, Anomie, Jugendsoziologie, Coleman-Badewanne, DSS-Theorie, Globalisierung, Neuro-Enhancement, Entfremdung, Sinnverlust, Soziale Ungleichheit, Suchtforschung, Individualisierung, Resonanzkrise, Konsumkompetenz

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die soziologischen Hintergründe für den Anstieg des Cannabiskonsums unter Jugendlichen in Deutschland, eingebettet in die Strukturen des postmodernen Kapitalismus.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Gesellschaftsanalyse der Postmoderne, der Lebensphase Jugend als „Träger“ gesellschaftlicher Transformation und der soziologischen Einordnung von Cannabiskonsum als funktionales Handeln.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu ergründen, wie Effekte des postmodernen Kapitalismus die sozialen Funktionen und Entwicklungen des Cannabiskonsums im Jugendalter beeinflussen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine rein literaturbasierte soziologische Masterarbeit, die verschiedene soziologische Theorien (vor allem Coleman-Badewanne und Zinbergs DSS-Theorie) mit zeitgenössischen Analysen zum Kapitalismus verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Makroebene (Kapitalismus, Anomie), der Mikroebene der Jugend (Set/Setting, Wahrnehmung/Restriktionen) und die Prozesse der Aggregation, die zu einer gesellschaftlichen Normalisierung führen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind postmoderner Kapitalismus, Anomie, Individualisierung, Entfremdung, Substanzkonsum, Jugendphase, neuro-enhancement und Resonanz.

Warum verwendet die Autorin auch populärwissenschaftliche Quellen?

Angesichts der Aktualität des Themas und der sensiblen sozioökonomischen Zusammenhänge greift die Arbeit auf fundierte, aber nicht rein akademische Werke zurück, um gesellschaftliche Trends zeitnah zu analysieren, sofern diese wissenschaftlich haltbar sind.

Welche besondere Rolle spielt die „Coleman-Badewanne“?

Sie dient als gedankliches und strukturelles Gerüst, um den Bogen von den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auf der Makroebene über die individuellen Lebenswelten der Jugend zur aggregierten gesellschaftlichen Wirkung zu spannen.

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Details

Title
Zeitgeist und Drogen. Warum der Cannabiskonsum unter Jugendlichen seit Jahren ansteigt und was das mit der postkapitalistischen Moderne zu tun hat
College
University of Bamberg
Grade
1,0
Author
Olivia Mantwill (Author)
Publication Year
2022
Pages
161
Catalog Number
V1243721
ISBN (PDF)
9783346673138
ISBN (Book)
9783346673145
Language
German
Tags
zeitgeist drogen cannabiskonsum jugendlichen jahren moderne effekte kapitalismus funktionen entwicklungen jugendalter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Olivia Mantwill (Author), 2022, Zeitgeist und Drogen. Warum der Cannabiskonsum unter Jugendlichen seit Jahren ansteigt und was das mit der postkapitalistischen Moderne zu tun hat, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1243721
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