Die nachfolgende Analyse widmet sich der Thematisierung und Inszenierung von Weiblichkeitskonzeptionen in William Shakespeares "Twelfth Night". In der Gegenüberstellung der Figuren Olivia und der Viola werden zwei unterschiedliche Weiblichkeitsmodelle dargestellt. Diese Darstellung wird durch Verwendung bestimmter Zeichensysteme und vor allem durch die doppeldeutige Inszenierung Violas bestimmt. Ich werde zunächst Olivia und ihre Weiblichkeit untersuchen. Anschließend werde ich Viola bzw. Cesario in ihrer Weiblichkeitsdarstellung betrachten. In einer abschließenden Schlussbetrachtung werde ich die beiden Frauen vergleichen und daraus meine Schlüsse bezüglich meiner These ziehen.
Gliederung
1. Einleitung
2. Die dramatische Inszenierung und Thematisierung von Weiblichkeit in Twelfth Night
2. 1 Ein einfaches Modell von Weiblichkeit? Eine Analyse der Figur Olivia
2.2 Viola- eine komplex inszenierte Figur? Eine Analyse der Figur der Viola
3. Schlussbetrachtung: Ein Vergleich zweier konträrer Entwürfe von Weiblichkeit
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die Darstellung und Inszenierung weiblicher Identitätsentwürfe in William Shakespeares Komödie "Twelfth Night". Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der Figuren Olivia und Viola, deren unterschiedliche Ansätze zur Konstruktion von Weiblichkeit und Geschlechterrollen im Kontext elisabethanischer Konventionen und sozialer Normen beleuchtet werden.
- Konstruktion von Weiblichkeit durch kulturelle Zeichensysteme
- Analyse der Rolle von Olivia als revolutionärer Gegenentwurf
- Untersuchung von Violas Identitätskonstruktion mittels Crossdressing
- Reflexion des Spannungsfeldes zwischen Gender und Sex
- Vergleich zweier konträrer Weiblichkeitskonzepte in der Renaissance
Auszug aus dem Buch
2. 1 Ein einfaches Modell von Weiblichkeit? Eine Analyse der Figur Olivia
Vor allem in Shakespeares Komödien sind Frauenrollen quantitativ stark vertreten, die meist den romantischen Handlungsstrang vorantreiben und ihre Liebe offensichtlich darlegen. So auch in Twelfth Night. Zwei Frauenfiguren dominieren den Handlungsverlauf. Viola/Cesario steht als Protagonistin im Mittelpunkt der Komödie. Aufgrund deren Inszenierung kann der Rezipient den Eindruck erhalten, dass Olivia nur eine Nebenrolle in der Komödie übernimmt. Bei genauerer Lektüre wird jedoch deutlich, dass die Figur dennoch komplex inszeniert wird. Man kann erkennen, dass Olivia eine Entwicklung durchlebt, die durchaus kontrovers diskutiert werden kann. Wie aus der Einleitung bereits hervorgeht, wird die Inszenierung der Figuren durch die gängigen Theater- aber auch Gesellschaftskonventionen bestimmt. Olivia kann in der Komödie aus zwei Perspektiven betrachtet werden, die nun ausführlicher analysiert werden sollen.
Zum einen wird Olivia als typische Frau dargestellt, die vollständig dem elisabethanischen Schönheits- und Verhaltenskatalog gerecht wird. Die Gräfin wird über gängige Zeichensysteme inszeniert. Sowohl ihre Wortwahl als auch das Verhalten bedienen gesellschaftliche Zeichensysteme. Als die in Illyrien lebende Gräfin gehört sie dem Adel an und ist somit eine gesellschaftlich hochgestellte Dame, die vom Grafen Orsino heftig begehrt und verehrt wird. Für ihn stellt sie das Ideal einer Frau dar, die es zu erobern bzw. zu begehren gilt:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert grundlegende Begriffe wie Sex und Gender und ordnet das Thema in den Kontext des elisabethanischen Zeitalters sowie Shakespeares Werk ein.
2. Die dramatische Inszenierung und Thematisierung von Weiblichkeit in Twelfth Night: Dieses Kapitel analysiert detailliert die beiden Hauptfiguren Olivia und Viola und deren jeweils spezifische Inszenierung als Frauen.
2. 1 Ein einfaches Modell von Weiblichkeit? Eine Analyse der Figur Olivia: Diese Sektion untersucht Olivias Entwicklung von der konventionellen, trauernden Gräfin hin zu einer selbstbewussten, autonom handelnden Frau.
2.2 Viola- eine komplex inszenierte Figur? Eine Analyse der Figur der Viola: Hier wird Violas Identitätskonstruktion als Cesario beleuchtet und die Spannung zwischen ihrer biologischen Identität und ihrer männlichen Verkleidung diskutiert.
3. Schlussbetrachtung: Ein Vergleich zweier konträrer Entwürfe von Weiblichkeit: Das Fazit führt die Analysen zusammen und kontrastiert die revolutionäre Rolle Olivias mit der im Rahmen verbleibenden Identitätsfindung Violas.
Schlüsselwörter
Weiblichkeit, Shakespeare, Twelfth Night, Gender, Sex, Identität, Inszenierung, Crossdressing, elisabethanisches Zeitalter, soziale Konventionen, Viola, Olivia, Zeichensysteme, Rollenbilder, Transformation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Thematisierung und dramatischen Inszenierung von Weiblichkeitskonzepten in William Shakespeares Komödie "Twelfth Night".
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die soziale Konstruktion von Geschlechtsidentität, die Verwendung von Zeichensystemen wie Kleidung und Sprache sowie der Bruch mit traditionellen Rollenvorgaben der Renaissance.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass in "Twelfth Night" zwei unterschiedliche, komplexe Modelle von Weiblichkeit durch die Figuren Olivia und Viola präsentiert werden, die bestehende Geschlechternormen hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?
Die Arbeit nutzt eine textnahe Analyse unter Einbeziehung literaturwissenschaftlicher Theorien zu Gender-Studies und diskursanalytischen Ansätzen, um die Figurenkonzeptionen im historischen Kontext zu deuten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert, wie Olivia und Viola als Frauenfiguren inszeniert werden, wobei insbesondere die Doppelidentität von Viola/Cesario und Olivias Transformation von einer passiven zu einer aktiv handelnden Figur im Vordergrund stehen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gender, Sex, Crossdressing, Identitätskonstruktion, elisabethanische Konventionen und das performative Potenzial des Theaters.
Wie unterscheidet sich die Rolle von Olivia von der der Viola?
Während Viola durch ihre Verkleidung als Mann eine hybride Identität annimmt, aber letztlich im konventionellen Rahmen einer Frau verbleibt, agiert Olivia durch ihre soziale Unabhängigkeit als revolutionärere Figur, die aktiv ihre eigenen Entscheidungen trifft.
Welche Bedeutung kommt der Kleidung in der Analyse zu?
Kleidung fungiert als zentrales Zeichensystem, das sowohl für die gesellschaftliche Einordnung als auch für die Inszenierung neuer Geschlechtsrollen durch die Figuren maßgeblich ist.
- Quote paper
- Franziska Wandtke (Author), 2006, Thematisierung und Inszenierung von Weiblichkeit am Beispiel der Figuren Olivia und Viola in William Shakespeares "Twelfth Night", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124375