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Regionale Autonomie als Folge politischer Entwicklungen in Indonesien seit 1998

Title: Regionale Autonomie als Folge politischer Entwicklungen in Indonesien seit 1998

Thesis (M.A.) , 2007 , 106 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Frank Lutz (Author)

South Asian Studies, South-Eastern Asian Studies
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Diese Arbeit beschäftigt sich mit einem wichtigen Teilphänomen der „otonomi daerah“ – der neuen „regionalen Autonomie“ – Indonesiens, nämlich mit der Neugründung von Verwaltungseinheiten, die in den Jahren seit Ende der Soeharto-Herrschaft förmlich auszuufern schien. Den Fokus meiner Analyse lege ich auf die jeweiligen Ursachen und Beweggründe für diese Prozesse.

Dabei soll ein bisher noch etwas vernachlässigter Ansatz, der über die offiziell vorherrschenden politischen, administrativen und ökonomischen Erklärungsansätze hinausgehen möchte und vor allem nach sprachlichen, kulturellen, ethnischen, religiösen und historischen Faktoren hinter der Gründung neuer administrativer Einheiten sucht, weiterverfolgt und kritisch hinterfragt werden. Anhand dreier Fallstudien, die sich mit entsprechenden Entwicklungen in den Regionen Banyumas, Tapanuli und Sulawesi Selatan (Sulsel) beschäftigen, sollen dazu die jeweiligen offiziellen Begründungsansätze der lokalen Politiker den Meinungsäußerungen aus der Bevölkerung, die sich z. B. in Internet-Foren finden, gegenübergestellt werden.

„Bhinneka Tunggal Ika“ – „Einheit in der Vielfalt“ – schon aus dem Staatsmotto Indonesiens wird einer der Grundkonflikte des größten in einer Nation zusammengefassten Inselarchipels der Erde ersichtlich: Es herrscht ein Widerspruch zwischen der natürlichen Heterogenität des Landes und seinem Anspruch, einen stabilen Einheitsstaat zu bilden. Weiterhin stellt sich die Frage nach der geeigneten Verwaltungsform für ein derartiges Land. Diese Frage wurde von den meisten der bisherigen Machthaber eindeutig beantwortet: Indonesien verfügt über eine lange zentralistische Tradition. Zwischenzeitliche Bemühungen, das Land zu dezentralisieren, wurden zumeist nur halbherzig durchgeführt und blieben im Ansatz stecken.

Der Sturz des Soeharto-Regimes im Jahre 1998 und die folgende Demokratisierung des Landes bildeten jedoch die bisher wohl größte Zäsur in der Geschichte des unabhängigen Indonesiens. Mehr als acht Jahre nach dem Sturz Soehartos scheint es, dass sich das Land von seinen autoritären Fesseln gelöst und sich ein stabiles demokratisches Regierungssystem etabliert hat. Dies machte auch eine umfangreiche Reform der Administration notwendig. Durch einen umfassenden Macht- und Finanztransfer auf die lokalen Verwaltungen sollte der heterogenen Landesnatur Rechnung getragen und gleichzeitig ein Auseinanderbrechen des indonesischen Nationalstaats verhindert werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Klärung zentraler Begriffe

2.1. Dezentralisierung

2.1.1. Administrative Dezentralisierung

2.1.2. Fiskalische Dezentralisierung

2.1.3. Politische Dezentralisierung

2.1.4. Kulturelle Dezentralisierung

2.2. Regionale Autonomie

2.3. Föderalismus

3. Zur Entstehung des zentralistischen Staatsaufbaus in Indonesien

3.1. Natürliche Gegebenheiten

3.2. Vorkoloniale Königreiche und ihr Staatsaufbau

3.3. Die Etablierung des Zentralismus unter der niederländischen Kolonialherrschaft

3.4. Zentralismus und Dezentralisierung im unabhängigen Indonesien bis 1998

3.4.1. Die Formierung des indonesischen Staates und die Absage an den Föderalismus

3.4.2. Dezentralisierungsbemühungen und Rezentralisierung bis 1965

3.4.3. Die zunehmende Zentralisierung in der Soeharto-Ära

3.5. Zusammenfassung

4. Dezentralisierung und Regionale Autonomie seit 1998

4.1. Demokratisierung und erste Dezentralisierungsmaßnahmen unter Habibie

4.2. Die neuen Gesetze zur Dezentralisierung

4.2.1. Das Gesetz 22/1999 zur Regionalregierung

4.2.1.1. Bewertung

4.2.2. Das Gesetz 25/1999 über den Finanzausgleich zwischen der Zentralregierung und den Regionen

4.2.2.1. Bewertung

4.2.3. Das Gesetz 32/2004 zur regionalen Regierungsausübung

4.2.3.1. Bewertung

4.3. Die Implementation der neuen Gesetze

4.4. Zusammenfassende Bewertung der bisherigen Dezentralisierungsmaßnahmen seit 1998

5. Fallstudie 1: Dezentralisierungsprozesse am Beispiel von Banyumas

5.1. Geographische Angaben

5.2. Geschichtliche Daten

5.3. Kulturelle Besonderheiten

5.4. Der Banyumas-Dialekt und sein Status

5.5. Die Bemühungen um eine eigenständige Provinz Banyumas

5.6. Stimmen aus der Bevölkerung zur angestrebten Provinzgründung

5.7. Fazit

6. Fallstudie 2: Dezentralisierungsprozesse am Beispiel von Tapanuli

6.1. Geographische Angaben

6.2. Ethnische und religiöse Zusammensetzung

6.3. Die Bemühungen um eine eigenständige Provinz Tapanuli

6.4. Argumente der Befürworter einer Provinzgründung

6.5. Argumente der Gegner

6.6. Fazit

7. Fallstudie 3: Dezentralisierungsprozesse am Beispiel von Sulawesi Selatan

7.1 Geographische Angaben

7.2 Dezentralisierung in Sulawesi Selatan: Eine Chronologie der bisherigen Ereignisse

7.3. Mamasas langer Weg zum eigenen kabupaten

7.3.1. Der Fall ATM

7.4. Luwu: Bisherige Dezentralisierungsprozesse und geschichtlicher Überblick

7.4.1. Gewaltsame Konflikte und aktuelle Dezentralisierungsprozesse

7.4.2. Die Pläne zur Gründung einer eigenständigen Provinz Luwu Raya

7.4.3. Stimmen aus der Bevölkerung zur angestrebten Provinzgründung

7.5. Fazit

8. Schlussbetrachtung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Ursachen und Beweggründe hinter den Dezentralisierungsprozessen im Indonesien der Post-Soeharto-Ära, mit einem speziellen Fokus auf die Neugründung von Verwaltungseinheiten (pemekaran). Ziel ist es, über rein politische und ökonomische Erklärungsansätze hinauszugehen und kritisch zu hinterfragen, welche sprachlichen, kulturellen, ethnischen, religiösen und historischen Faktoren die Gründung neuer administrativer Einheiten in Indonesien vorantreiben.

  • Analyse der historischen Entwicklung des Zentralismus in Indonesien.
  • Untersuchung der Dezentralisierungsgesetze seit 1998 und deren Auswirkungen.
  • Vergleichende Fallstudien der Regionen Banyumas, Tapanuli und Sulawesi Selatan.
  • Gegenüberstellung offizieller politischer Begründungen mit der öffentlichen Wahrnehmung.
  • Bewertung des Einflusses der Neugründungen auf den nationalen Zusammenhalt und die Demokratisierung.

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung

„Bhinneka Tunggal Ika“ - „Einheit in der Vielfalt“ – schon aus dem Staatsmotto Indonesiens wird einer der Grundkonflikte des größten in einer Nation zusammengefassten Inselarchipels der Erde ersichtlich: Es herrscht ein Widerspruch zwischen der natürlichen Heterogenität des Landes, das aus rund 13.000 Inseln besteht, die von 300 verschiedenen Ethnien bewohnt werden, und seinem Anspruch, einen stabilen Einheitsstaat zu bilden. Weiterhin stellt sich die Frage nach der geeigneten Verwaltungsform für ein derartiges Land. Diese Frage wurde von den meisten der bisherigen Machthaber in einer eindeutigen Weise beantwortet: Indonesien verfügt über eine lange zentralistische Tradition, die mit den präkolonialen Königreichen auf dem Gebiet des heutigen Indonesiens begann, sich mit der Verwaltungsstruktur des niederländischen Kolonialreiches „Niederländisch-Indien“ fortsetzte und im unabhängigen Indonesien unter der autoritären Herrschaft der ersten beiden Präsidenten Soekarno und Soeharto ihren vorläufigen Höhepunkt fand.

Der Sturz des Soeharto-Regimes im Jahre 1998 und die folgende Demokratisierung des Landes bildeten jedoch die bisher wohl größte Zäsur in der Geschichte des unabhängigen Indonesiens. Mehr als acht Jahre nach dem Sturz Soehartos scheint es, dass sich das Land von seinen autoritären Fesseln gelöst und sich ein stabiles demokratisches Regierungssystem etabliert hat. Zahlreiche Minderheiten, die jahrzehntelang unterdrückt worden waren, konnten sich endlich frei artikulieren und ihre Rechte einfordern. Dies machte auch eine umfangreiche Reform der Administration notwendig, die zuerst in zwei Dezentralisierungsgesetzen zum Ausdruck kam, die 1999 verabschiedet wurden und 2001 in Kraft traten. Durch einen umfassenden Macht- und Finanztransfer auf die lokalen Verwaltungen sollte der heterogenen Landesnatur Rechnung getragen und gleichzeitig ein Auseinanderbrechen des indonesischen Nationalstaats verhindert werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den zentralen Konflikt zwischen der natürlichen Heterogenität Indonesiens und dem historischen Anspruch auf einen zentralistischen Einheitsstaat, der durch den Sturz des Soeharto-Regimes und die nachfolgenden Dezentralisierungsreformen in eine neue Phase trat.

2. Klärung zentraler Begriffe: Dieses Kapitel definiert die theoretischen Grundlagen der Arbeit, indem es administrative, fiskalische, politische und kulturelle Formen der Dezentralisierung sowie die Begriffe regionale Autonomie und Föderalismus erläutert.

3. Zur Entstehung des zentralistischen Staatsaufbaus in Indonesien: Es wird die historische Entwicklung nachgezeichnet, in der sich von präkolonialen Königreichen über die niederländische Kolonialherrschaft bis hin zur Ära Soeharto ein stark zentralistisches Herrschaftssystem festigte.

4. Dezentralisierung und Regionale Autonomie seit 1998: Dieses Kapitel analysiert die Dezentralisierungsgesetze der Post-Soeharto-Ära, insbesondere die Gesetze 22/1999, 25/1999 und 32/2004, und bewertet deren Erfolg im Hinblick auf politische und fiskalische Autonomie sowie deren Implementierung.

5. Fallstudie 1: Dezentralisierungsprozesse am Beispiel von Banyumas: Die Fallstudie untersucht die Bemühungen um eine Provinzneugründung in Banyumas und zeigt die besondere Bedeutung kultureller Faktoren und regionaler Dialekte für die lokale Identitätsbildung auf.

6. Fallstudie 2: Dezentralisierungsprozesse am Beispiel von Tapanuli: Dieses Kapitel analysiert die komplexen Bestrebungen zur Gründung einer Provinz Tapanuli, in denen ökonomische Argumente auf ethnische und religiöse Spannungen innerhalb der heterogenen Batak-Bevölkerung treffen.

7. Fallstudie 3: Dezentralisierungsprozesse am Beispiel von Sulawesi Selatan: Diese Studie untersucht die Konfliktdynamiken in Mamasa und Luwu, wo Dezentralisierungsprozesse teilweise zu gewaltsamen Auseinandersetzungen führten, die oft fälschlicherweise als rein ethnisch-religiöse Konflikte interpretiert wurden.

8. Schlussbetrachtung und Ausblick: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse der Fallstudien zusammen und diskutiert die zukünftigen Aussichten für den indonesischen Staat angesichts der komplexen Wechselwirkungen zwischen Dezentralisierung, regionaler Identität und nationaler Einheit.

Schlüsselwörter

Indonesien, Dezentralisierung, Regionale Autonomie, Otonomi Daerah, Pemekaran, Zentralismus, Soeharto, Demokratisierung, Banyumas, Tapanuli, Sulawesi Selatan, ethnische Identität, lokale Verwaltung, politische Reformen, nationale Einheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht die Dezentralisierungsprozesse im Indonesien nach 1998, insbesondere das Phänomen der Neugründung administrativer Einheiten (Pemekaran), und analysiert deren Ursachen jenseits offizieller ökonomischer Begründungen.

Welche thematischen Schwerpunkte werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese des indonesischen Zentralismus, einer detaillierten Analyse der Dezentralisierungsgesetze (1999/2004) sowie drei regionalen Fallstudien (Banyumas, Tapanuli, Sulawesi Selatan).

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, welche sprachlichen, kulturellen, ethnischen und historischen Faktoren hinter dem Streben nach regionaler Autonomie stehen und ob diese Prozesse zur demokratischen Festigung oder zur nationalen Desintegration beitragen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit verwendet eine Kombination aus Literaturanalyse zur theoretischen Rahmung und einer vergleichenden Fallstudienanalyse, bei der lokale Politikerstimmen mit Internet-Diskursen der Bevölkerung gegenübergestellt werden.

Welche zentralen Bereiche deckt der Hauptteil ab?

Der Hauptteil behandelt theoretische Grundlagen, die historische Entwicklung des indonesischen Staatsaufbaus, eine Bewertung der spezifischen Gesetzeswerke zur Dezentralisierung und die detaillierte Untersuchung der drei Fallstudien.

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?

Typische Charakteristika sind Otonomi Daerah, Pemekaran, administrative vs. politische Dezentralisierung, kulturelle Identitätsbildung und die Analyse von regionalen Konfliktdynamiken.

Welche Rolle spielt der regionale Dialekt im Fall Banyumas?

Der regionale Dialekt (Banyumasan) fungiert als zentrales Identitätsmerkmal, das die Region von der javanischen, höfisch geprägten Kultur abgrenzt und als Argument für eine kulturelle Dezentralisierung angeführt wird.

Warum führen Dezentralisierungsprozesse in Tapanuli zu ethnischen Spannungen?

Die Debatte wird von der Sorge dominiert, dass eine neue Provinz von der Toba-Batak-Mehrheit dominiert werden könnte, was bei Minderheiten wie den Pakpak und Niassern zu Widerständen und dem Ruf nach eigenen Identitätsräumen führt.

Wie bewertet der Autor die Zukunft des indonesischen Staates?

Der Autor äußert sich vorsichtig optimistisch: Trotz Risiken einer chaotischen Dezentralisierung sieht er eine Chance für einen stabilen, dezentral verwalteten Staat, sofern die nationale Einheit durch einen inklusiven Prozess gewahrt bleibt.

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Details

Title
Regionale Autonomie als Folge politischer Entwicklungen in Indonesien seit 1998
College
University of Frankfurt (Main)
Grade
1,3
Author
Frank Lutz (Author)
Publication Year
2007
Pages
106
Catalog Number
V124394
ISBN (eBook)
9783640332618
ISBN (Book)
9783640332601
Language
German
Tags
Regionale Autonomie Folge Entwicklungen Indonesien Dezentralisierung Demokratie Ursachen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Frank Lutz (Author), 2007, Regionale Autonomie als Folge politischer Entwicklungen in Indonesien seit 1998, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124394
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