Wohl die meisten Menschen auf der Welt empfinden das Gefühl von Selbstbestimmung und Kontrolle über das eigene Leben als angenehm. Die Kontrolle über sich und sein Leben kann allerdings leider nicht immer gewahrt werden. Viele Menschen werden in ihrem Leben mit einschneidenden Ereignissen konfrontiert, durch die sie die Kontrolle über sich selbst verlieren und sich den gegebenen Tatsachen hingeben müssen.
Ein Beispiel dafür sind Krankheiten. Das Recht auf Gesundheit ist kein allgemeines Recht, das dem einzelnen tatsächlich zusteht, denn die Gesundheit eines Individuums kann durch viele verschiedene Faktoren beeinflusst und beeinträchtigt werden. Menschen erkranken an den verschiedensten Krankheiten und dies ist bisher auch nur gering zu kontrollieren. Vor allem die aktuelle Corona-Pandemie lässt die Menschheit schmerzlich erfahren, was es bedeutet aufgrund eines Virus einen Kontrollverlust zu erleben. Durch die Verfahren der Genom-Editierung wäre die Kontrolle von bestimmten Krankheiten oder zumindest verbesserte Therapiemaßnahmen in Zukunft eventuell möglich und Menschen könnten dadurch stärker über den Verlauf ihres Lebens bestimmen.
Somit möchte ich mich in dieser Hausarbeit mit dem ethischen Diskurs rund um dieses Thema befassen. Dazu werde ich zuerst klären, was man unter dem Verfahren der Genom-Editierung zu verstehen hat und wie und weshalb dieses durchgeführt wird. Dabei werde ich auf die Ziele und auch auf die möglichen negativen Folgen eingehen. Anschließend werde ich die rechtlichen Rahmenbedingungen dieses Verfahrens in Deutschland erläutern und danach möchte ich in die ethische Diskussion rund um das Thema der Genom-Editierung einsteigen. Dabei werde ich verschiedene Gesichtspunkte beleuchten und daraus zuletzt ein persönliches Fazit ziehen und einen Ausblick zu diesem Thema geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die medizinische Perspektive der Genom-Editierung
3. Ziele und Folgen der Genom-Editierung
3.1 Ziele und Folgen der Genom-Editierung im Kontext von embryonaler Forschung
4. Die rechtliche Perspektive der Genom-Editierung
5. Die ethische Perspektive der Genom-Editierung
5.1 Ethische Bedenken hinsichtlich der Vereinheitlichung des Genpools
5.2 Ethische Bedenken hinsichtlich der Irreversibilität
5.3 Ethische Bedenken hinsichtlich der Existenz sinnvoller Anwendungsfelder
5.4 Ethische Bedenken hinsichtlich des „Enhancement“
5.5 Ethische Bedenken hinsichtlich der Menschenwürde
5.6 Ethische Bedenken hinsichtlich der Autonomie
5.7 Ethische Bedenken hinsichtlich der Natürlichkeitsargumente
5.8 Ethische Bedenken hinsichtlich der Gerechtigkeit und des Rechts auf Gesundheit
5.9 Religionsethische Bedenken
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist eine ethische Beurteilung der Genom-Editierung mittels der CRISPR-Cas9-Methode, wobei insbesondere die medizinischen, rechtlichen und ethischen Dimensionen sowie deren Auswirkungen auf den menschlichen Lebensbeginn analysiert werden.
- Grundlagen und Funktionsweise der CRISPR-Cas9-Methode
- Unterscheidung zwischen somatischer Gentherapie und Keimbahnintervention
- Ethische Abwägung von Chancen (Krankheitsbekämpfung) und Risiken (Off-Target-Mutationen)
- Diskussion gesellschaftsethischer Aspekte wie Menschenwürde, Autonomie und Enhancement
- Religionsethische Bewertung und rechtliche Rahmenbedingungen in Deutschland
Auszug aus dem Buch
5.4 Ethische Bedenken hinsichtlich des „Enhancement“
An dieser Stelle möchte ich zu einem anderen kritischen Thema der genetischen Veränderungen übergehen. Ein stark umstrittenes Thema rund um das Verfahren der Genom-Editierung ist das sogenannte „Enhancement“. Darunter versteht man, dass die Veränderungen als eine Verbesserung gehandhabt werden, und zwar nicht nur in medizinisch relevanten Feldern, wodurch schwerwiegende und erbliche Krankheiten beseitigt werden können. Es ist genauso möglich die Genscheren bei Genen einzusetzen, die das Aussehen oder die Intelligenz von Menschen bestimmen. So könnten durch Verfahren der Genom-Editierung bei Menschen auch das Aussehen oder die Intelligenz verbessert werden. Eltern wäre es möglich, zu bestimmen, welche Haar- und Augenfarbe ihr Kind haben wird, etc. An diesem Punkt stellt sich also die Frage, in welchen Anwendungsbereichen die Verfahren der Genom-Editierung ethisch zulässig und in welchen sie unzulässig sind.
Vage Begriffe wie „Krankheit“, „Gesundheit“ oder „Behinderung“ machen es uns nicht möglich eine Aussage darüber zu treffen, welche Gesundheitsstände schwerwiegend genug sind, um diese durch eine genetische Veränderung zu beseitigen und welche diesen Schweregrad nicht erreichen. (vgl. Centrum für Bioethik, 2018, S. 14) „Eine strenge Grenze zwischen ethisch zulässigen und unzulässigen Verwendungsweisen der Genom-Editierung aus begrifflichen Gründen [lässt sich womöglich] nicht trennscharf ziehen.“ (Centrum für Bioethik, 2018, S. 14) Für mich ist klar zu sagen, dass der Aspekt der Schönheit nicht unbedingt diesen Schweregrad erreicht. Jedoch ist bei einem Aspekt wie Intelligenzminderung die Frage, ob diese ein Individuum nicht auch stark beeinflusst und ob diese schwerwiegend genug ist, um sie zu verändern und wenn ja, ab welchem IQ bzw. ab welchem Grad der Intelligenzminderung. Die Grenzziehung zwischen ethisch zulässig und ethisch unzulässig wäre wie man sieht unter Umständen also sehr willkürlich und verschiebbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Genom-Editierung im Kontext ethischer Fragen zum menschlichen Lebensbeginn ein und definiert das Ziel der analytischen Auseinandersetzung.
2. Die medizinische Perspektive der Genom-Editierung: Dieses Kapitel erläutert das Grundprinzip der CRISPR-Cas9-Methode als effizientes Werkzeug zur gezielten Veränderung des Erbguts.
3. Ziele und Folgen der Genom-Editierung: Hier werden Einsatzgebiete in der Humanmedizin beleuchtet, wobei zwischen somatischer Gentherapie und Keimbahnintervention differenziert wird.
3.1 Ziele und Folgen der Genom-Editierung im Kontext von embryonaler Forschung: Dieser Abschnitt thematisiert spezifische Versuche an Embryonen und die daraus resultierende Debatte um die Verantwortbarkeit dieser Eingriffe.
4. Die rechtliche Perspektive der Genom-Editierung: Es wird die aktuelle Gesetzeslage in Deutschland dargestellt, insbesondere das Verbot der Embryonenverwendung gemäß Embryonenschutzgesetz.
5. Die ethische Perspektive der Genom-Editierung: In diesem zentralen Teil werden verschiedene ethische Herausforderungen wie Genpool-Veränderungen, Irreversibilität und Menschenwürde diskutiert.
5.1 Ethische Bedenken hinsichtlich der Vereinheitlichung des Genpools: Untersuchung der Gefahr, dass durch gezielte Auswahl die menschliche genetische Vielfalt abnimmt.
5.2 Ethische Bedenken hinsichtlich der Irreversibilität: Analyse der moralischen Problematik, dass genetische Eingriffe dauerhaft und nicht rückgängig zu machen sind.
5.3 Ethische Bedenken hinsichtlich der Existenz sinnvoller Anwendungsfelder: Diskussion darüber, ob Genom-Editierung gegenüber bestehenden Verfahren wie der PID einen echten Mehrwert bietet.
5.4 Ethische Bedenken hinsichtlich des „Enhancement“: Problematisierung der Grenze zwischen therapeutischem Nutzen und einer rein optimierenden genetischen Gestaltung.
5.5 Ethische Bedenken hinsichtlich der Menschenwürde: Reflexion über die Selektionsgefahr und die Instrumentalisierung des Menschen durch genetische Eingriffe.
5.6 Ethische Bedenken hinsichtlich der Autonomie: Prüfung der Frage, inwieweit das künftige Individuum in die Entscheidung über seine eigene genetische Ausstattung einwilligen kann.
5.7 Ethische Bedenken hinsichtlich der Natürlichkeitsargumente: Beleuchtung des Konflikts zwischen technischer Machbarkeit und der Schützenwürdigkeit natürlicher Entstehungsprozesse.
5.8 Ethische Bedenken hinsichtlich der Gerechtigkeit und des Rechts auf Gesundheit: Analyse der ethischen Relevanz einer gerechten Ressourcenverteilung und des Zugangs zum medizinischen Fortschritt.
5.9 Religionsethische Bedenken: Betrachtung der Genom-Editierung aus der christlichen Perspektive des Menschen als Abbild Gottes.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die ethischen Dilemmata zusammen und plädiert für eine intensivere öffentliche Debatte sowie eine weitere Erforschung der Technologie.
Schlüsselwörter
Genom-Editierung, CRISPR, CRISPR-Cas9, Keimbahnintervention, Ethik, Menschenwürde, Enhancement, Gentherapie, Embryonenschutzgesetz, Genpool, Autonomie, Forschung, Gentechnik, Medizin, Verantwortung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit den ethischen, rechtlichen und medizinischen Aspekten der Genom-Editierung durch die CRISPR-Cas9-Methode, wobei der Fokus auf den Implikationen für den menschlichen Lebensbeginn liegt.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Hausarbeit?
Zentrale Themen sind die Funktion der Genschere, die Unterscheidung von somatischer Gentherapie und Keimbahneingriffen sowie ethische Grundsatzfragen zur Menschenwürde und natürlichen Identität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine fundierte ethische Beurteilung des Verfahrens zu liefern und aufzuzeigen, warum eine vorsichtige Abwägung zwischen therapeutischem Potenzial und existenziellen Risiken notwendig ist.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Es handelt sich um eine analytisch-diskursive Hausarbeit auf Basis einer Literaturrecherche und der ethischen Reflexion existierender Diskussionspapiere zum Thema Humanmedizin und Genetik.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Der Hauptteil analysiert detailliert ethische Bedenken, darunter die Problematik des Enhancements, die Gefahr der Vereinheitlichung des Genpools und die rechtliche Situation in Deutschland.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation?
Wichtige Begriffe sind CRISPR, Keimbahntherapie, Ethik, Menschenwürde, Gentherapie und der gesellschaftliche Diskurs über technologische Verantwortung.
Wie bewertet die Autorin die deutsche Rechtslage?
Die Autorin ist kritisch gegenüber dem strikten Verbot im Embryonenschutzgesetz, da Deutschland so von der notwendigen Forschung und Weiterentwicklung zur Einschätzung der Risiken ausgeschlossen bleibe.
Welche persönliche Haltung nimmt die Autorin zum Schluss ein?
Sie vertritt die Auffassung, dass das Potenzial der Technologie zur Linderung von Leid enorm ist, fordert jedoch eine transparente öffentliche Debatte, bevor die Anwendung für die breite Menschheit zugänglich gemacht wird.
- Quote paper
- Hannah Hübner (Author), 2020, Eine ethische Beurteilung der Genomeditierung durch CRISPR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1244300