Viele Eltern verlassen sich bei der Aufklärung ihrer Kinder auf den Sexualkundeunterricht an den Schulen. Ob dieser jedoch in ausreichendem Maße auf die sich verändernden Bedürfnisse von Jugendlichen eingeht und ob der Biologieunterricht im festen Klassenverband mit Schülern beiderlei Geschlechts den richtigen Rahmen für ein derart wichtiges Unterfangen bilden, darf angezweifelt werden. Das Projekt "Was tut sich da in meinem Körper?" soll dazu einen alternativen Entwurf darstellen.
Es handelt sich hierbei um einen sexualpädagogischen Workshop für Mädchen, der Wissen und Kompetenzen fördern, Sexualität als Themenkomplex enttabuisieren und den Mädchen eine Sprache geben soll, um auch schwierige oder schambehaftete Dinge in diesem Zusammenhang anzusprechen. Des Weiteren soll er den Mädchen ein grundlegend positives Körpergefühl vermitteln und den Adressatinnen helfen, ihren Körper liebevoll anzunehmen. Im Zuge dessen kann der Workshop auch für Grenzüberschreitungen sensibilisieren und sexuellen Übergriffen vorbeugen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Projektidee und Zielsetzung
3 Zielgruppe
4 Überlegungen im Vorfeld
5 Theorie-Praxis-Transfer: Ausgewählte Handlungsleitende Konzepte
5.1 Hans Thiersch: Lebensweltorientierte Soziale Arbeit
5.2 Empowerment
6 Zur praktischen Durchführung des Projekts
7 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Projektarbeit entwickelt ein Konzept für einen sexualpädagogischen Empowerment-Workshop, der Mädchen im Alter von 10 bis 13 Jahren dabei unterstützen soll, Wissen über körperliche Veränderungen in der Pubertät zu erlangen, ein positives Körpergefühl zu entwickeln und ihre sexuelle Selbstbestimmung zu stärken.
- Sexualpädagogik als Handlungsfeld der Sozialen Arbeit
- Empowerment als Leitkonzept zur Identitätsfindung
- Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch
- Prävention von sexuellen Übergriffen und Grenzverletzungen
- Methoden der sexualpädagogischen Gruppenarbeit mit Mädchen
Auszug aus dem Buch
5.1 Hans Thiersch: Lebensweltorientierte Soziale Arbeit
Das Konzept der lebensweltorientierten Jugendhilfe begreift die „Pluralisierung von Lebenslagen“ sowie die „Individualisierung von Lebensverhältnissen“ als ihre Ausgangspunkte. Die heutige Lebenswelt ist geprägt von einer Vielzahl und Varietät von Lebensverhältnissen, die sich längst nicht mehr vertikal und überschaubar, beispielsweise anhand von Einkommens- und Bildungsunterschieden, abbilden lassen. Die jeweiligen Lebensstrukturen Heranwachsender sind abhängig von einer schier kaum zu überblickenden Fülle an Parametern, wie etwa von Geschlecht, Religionszugehörigkeit, Migrationshintergrund der Familie oder schlichtweg von dem Unterschied, ob das Wohnumfeld eher städtisch und ländlich geprägt ist.
Fasst man zusätzlich noch die stets zunehmende Individualisierung von Lebensentwürfen und Lebensführung in der Gegenwartsgesellschaft – z.B. in Hinblick auf unterschiedliche Formen familiären Zusammenlebens, die Gestaltung der beruflichen Laufbahn oder die Mobilität der Menschen – ins Auge, wird deutlich, wie hochdifferenziert und äußert komplex dieses Rahmenkonstrukt gesellschaftlichen Zusammenlebens daherkommt.
Insbesondere Heranwachsende dürften im Kontext dieser hochkomplizierten, für sie neuen und ihnen noch weitgehend fremden Alltagswelt von Verunsicherung und Orientierungslosigkeit bedroht und betroffen sein, da sie sich in dreierlei Hinsicht in einem neuen Lebensabschnitt zurechtfinden müssen: mit einem sich im Zuge der Pubertät verändernden Körper, mit den psychischen Entwicklungsschritten, die damit einhergehen und die dadurch notwendig werden und letztlich auch mit der Ausbildung und Formung einer (sozialen) Identität.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Notwendigkeit sexueller Bildung für Jugendliche als Beitrag zur Entwicklung einer verantwortungsvollen Identität und als Schutz vor Grenzverletzungen innerhalb der professionellen Sozialen Arbeit.
2 Projektidee und Zielsetzung: Das Kapitel kritisiert die unzureichende Qualität der schulischen Sexualerziehung und stellt das Projekt als ergänzenden, Empowerment-orientierten Workshop für Mädchen vor.
3 Zielgruppe: Die Zielgruppe umfasst Mädchen zwischen 10 und 13 Jahren aus einem bestehenden Gruppenangebot, um ihnen einen geschlechtshomogenen und geschützten Raum für pubertätsbezogene Themen zu bieten.
4 Überlegungen im Vorfeld: Die Autorin reflektiert die Notwendigkeit fachlicher Unterstützung durch spezialisierte Fachkräfte und die Sicherung geeigneter Rahmenbedingungen für die sensible Themenbearbeitung.
5 Theorie-Praxis-Transfer: Ausgewählte Handlungsleitende Konzepte: Dieser Abschnitt verknüpft die Prinzipien der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit nach Hans Thiersch und das Konzept des Empowerment mit dem angestrebten Projekt.
5.1 Hans Thiersch: Lebensweltorientierte Soziale Arbeit: Es wird erläutert, wie soziale Hilfe an der Komplexität der modernen Lebenswelt ansetzen muss, um Jugendlichen bei der Identitätsbildung in der Pubertät zu unterstützen.
5.2 Empowerment: Empowerment wird hier als Ansatz definiert, um Mädchen in ihrer Autonomie zu stärken und sowohl individuelle als auch soziale Ressourcen innerhalb der Gruppe für eine gelingende Lebensbewältigung zu aktivieren.
6 Zur praktischen Durchführung des Projekts: Hier werden konkrete methodische Schritte beschrieben, von der Kennenlernphase über inhaltliche Inputs zur Pubertät bis hin zur Evaluation und Feedbackschleifen des Workshops.
7 Ausblick: Aufgrund aktueller Kontaktbeschränkungen bleibt das Projekt in der Planungsphase; es wird die Möglichkeit erörtert, das Angebot auszuweiten und auch Eltern sowie weitere Identitäten einzubeziehen.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Sexualpädagogik, Empowerment, Lebensweltorientierung, Pubertät, Mädchenarbeit, Sexuelle Selbstbestimmung, Prävention, Identitätsbildung, Gruppenarbeit, sexuelle Aufklärung, Körpergefühl, Partizipation, Integration, Jugendhilfe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit konzipiert einen sexualpädagogischen Workshop für Mädchen, um ihnen Unterstützung im Kontext der Pubertät und der sexuellen Identitätsentwicklung anzubieten.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Werk?
Die zentralen Themen sind Sexualerziehung, Empowerment, die Bewältigung pubertärer Veränderungen sowie die Anwendung theoretischer Konzepte der Sozialen Arbeit in der Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Projektarbeit?
Das Hauptziel ist die Förderung eines positiven Körpergefühls und die Stärkung der sexuellen Selbstbestimmung von Mädchen im Alter von 10 bis 13 Jahren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch das Konzept der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit und der Empowerment-Theorie, gepaart mit einer praxisorientierten Workshop-Planung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung (Thiersch, Empowerment) und die detaillierte methodische Ausgestaltung des Mädchen-Workshops inklusive Vorüberlegungen zur Durchführung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind Soziale Arbeit, Sexualpädagogik, Empowerment, Pubertät, Mädchenarbeit und sexuelle Selbstbestimmung.
Warum ist eine externe sexualpädagogische Fachkraft in das Projekt involviert?
Die Autorin betont, dass für einen sensiblen Themenbereich wie sexuelle Aufklärung eine fundierte Ausbildung notwendig ist, um die Zielgruppe nicht zu überfordern.
Wie soll mit der unterschiedlichen Atmosphäre in der Gruppe während des Workshops umgegangen werden?
Die Autorin schlägt flexible Methoden vor, wie z.B. das anonyme Einreichen von Fragen, falls die Atmosphäre eine offene Kommunikation des Themas Pubertät erschwert.
Welche Rolle spielt das Stimmungsbarometer am Ende des Workshops?
Es dient dazu, sicherzustellen, dass kein Mädchen mit ungeklärten Gefühlen oder negativen Eindrücken den Workshop verlässt und ermöglicht bei Bedarf eine Intervention durch die Fachkräfte.
- Arbeit zitieren
- Franziska Gansmeier (Autor:in), 2021, Was tut sich da in meinem Körper? Entwicklung eines Empowerment-Workshops für Mädchen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1244318