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Gut oder böse? Die Mutterfiguren in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm

Funktionsanalyse der Märchen "Von dem Machandelboom" und "Sechs Schwäne"

Title: Gut oder böse? Die Mutterfiguren in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm

Term Paper , 2021 , 29 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Andrea Boennen (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Gut oder böse? Schön oder hässlich? Eindimensionale Zuschreibungen und extreme Kontraste kennzeichnen die Figuren in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Dies gilt auch für die unterschiedlichen Mutterfiguren. Wie werden Stiefmütter, Schwiegermütter und leibliche Mütter charakterisiert? Welche Funktion haben sie für das Märchen?

Auf den ersten Blick erscheinen die Stiefmütter in den Märchen, wie wir sie heute kennen, als böse. Sie trachten ihren Stiefkindern oftmals sogar nach dem Leben. Zugleich treiben sie durch ihre bösen Taten die Handlung voran und erfahren zum Teil drastische Strafen. Leibliche Mütter werden als gut charakterisiert. Dieser Gegensatz spiegelt das Frauen- und Mutterbild des 19. Jahrhunderts, das zu Beginn kurz skizziert wird. Die bösen Stiefmütter bleiben im Gedächtnis. Die guten Mütter verblassen in unserer Wahrnehmung und scheinen für den Fortgang des Märchens kaum eine Rolle zu spielen.

Die Funktionen der Mutterfiguren in den beiden Märchen "Von dem Machandelboom" und "Die sechs Schwäne" werden in Anlehnung an die Funktionsanalyse von Vladimir Propp und deren Weiterentwicklung durch Michael Neumann herausgearbeitet. Es stellt sich dabei die Frage, ob sie in ihrer Charakteristik und Funktion vielfältiger und ambivalenter sind, als dies zunächst vermuten lässt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die bürgerliche Familie – Veränderung des Familienbildes und die Rolle der Mutter zu Lebzeiten der Brüder Grimm

3. Wie aus bösen Müttern Stiefmütter wurden – Bearbeitungen der Mutterfiguren von der Urfassung bis zur Ausgabe letzter Hand

4. Die Mutterfiguren in KHM 47 – Von dem Machandelboom

4.1. Eine erste Einordnung des Märchens

4.2. Charakterisierung und Funktion der einzelnen Mutterfiguren

4.2.1. Die leibliche Mutter des Helden

4.2.2. Die Stiefmutter des Helden

4.3. Belohnung und Bestrafung

5. Die Mutterfiguren in KHM 49 – Die sechs Schwäne

5.1. Eine erste Einordnung des Märchens

5.2. Charakterisierung und Funktion der einzelnen Mutterfiguren

5.2.1. Die Hexe als leibliche Mutter

5.2.2. Die Stiefmutter der Heldin und ihrer sechs Brüder

5.2.3. Die Schwiegermutter der Heldin

5.2.4. Die Heldin wird Mutter

5.3. Belohnung und Bestrafung

6. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Charakterisierung und die erzähltechnischen Funktionen verschiedener Mutterfiguren (leibliche Mutter, Stiefmutter, Schwiegermutter) in ausgewählten Märchen der Brüder Grimm, insbesondere KHM 47 und KHM 49, vor dem Hintergrund des bürgerlichen Frauenbildes des 19. Jahrhunderts.

  • Analyse des Mutterbildes zur Zeit der Brüder Grimm
  • Untersuchung von Textänderungen durch Wilhelm Grimm (Urfassung vs. Ausgabe letzter Hand)
  • Anwendung der Funktionsanalyse nach Propp zur Untersuchung der Handlungsrollen
  • Überprüfung der These von der "guten Mutter" vs. der "bösen Anti-Mutter"
  • Vergleich der Mutterfiguren in den Märchen "Von dem Machandelboom" und "Die sechs Schwäne"

Auszug aus dem Buch

4.2.1. Die leibliche Mutter des Helden

"Dat is nu all lang heer, wol twe dusend Johr, do wöör dar en ryk Mann, de hadd ene schöne frame34 Frau, un se hadden sik beyde sehr leef, hadden awerst keene Kinner, se wünschden sik awerst sehr welche, un de Frau bedd`d so veel dorüm Dag un Nacht, man se kregen keen un kregen keen."35

Gleich zu Beginn wird der Kinderwunsch des Ehepaares und insbesondere der Frau beschrieben, der so stark ist, dass sie Tag und Nacht betet. Die Ehe erscheint schon lange kinderlos. Der Kinderwunsch ist ein „konstantes Märchenmotiv.“36 Auch in anderen Märchen bildet er den Auftakt, wie wir in KHM 53 gesehen haben. Weitere Beispiele sind KHM 12, 37, 50, 76, 144.

Die Ehefrau wird als gute Figur eingeführt. Sie ist schön, fromm, bzw. tüchtig und hat ihren Mann sehr lieb. Ihre Frömmigkeit wird durch ihre – zunächst nicht erhörten - Gebete zusätzlich hervorgehoben. Ihre äußere Erscheinung und der ihr zugeschriebene Charakter stimmen überein. All ihre Gedanken kreisen darum, ein Kind zu bekommen. Es geht direkt weiter:

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit entfaltet die Fragestellung nach der Funktion von Mutterfiguren in Grimm-Märchen und postuliert die These einer starken Dichotomie zwischen "guten" leiblichen Müttern und "bösen" Stief- oder Schwiegermüttern.

2. Die bürgerliche Familie – Veränderung des Familienbildes und die Rolle der Mutter zu Lebzeiten der Brüder Grimm: Dieses Kapitel verortet das Märchenbild in seiner zeitgenössischen Realität und idealisierten Vorstellung von der treusorgenden Hausfrau und Mutter.

3. Wie aus bösen Müttern Stiefmütter wurden – Bearbeitungen der Mutterfiguren von der Urfassung bis zur Ausgabe letzter Hand: Hier wird anhand von Textvergleichen aufgezeigt, wie Wilhelm Grimm durch redaktionelle Eingriffe das Bild der leiblichen Mutter von negativen Attributen bereinigte und diese Eigenschaften verstärkt auf Stiefmütter projizierte.

4. Die Mutterfiguren in KHM 47 – Von dem Machandelboom: Diese Einzelanalyse untersucht die hochspezifischen Funktionen der leiblichen Mutter als Schenkerin und der Stiefmutter als Gegenspielerin in diesem Heimkehrmärchen.

5. Die Mutterfiguren in KHM 49 – Die sechs Schwäne: Das Kapitel analysiert die komplexere Struktur dieses Hochzeitsmärchens, in dem die heldische Protagonistin selbst zur Mutter wird und mit einer intriganten Schwiegermutter konfrontiert ist.

6. Fazit und Ausblick: Die Arbeit resümiert, dass die Typisierung in "gut" und "böse" zwar das Märchengeschehen prägt, bei genauerer Analyse jedoch ambivalente Strukturen und eine hohe Relevanz dieser Figuren für den Handlungsverlauf als Impulsgeberinnen erkennbar werden.

Schlüsselwörter

Märchenanalyse, Brüder Grimm, Mutterfiguren, Stiefmutter, Familienbild, Kinder- und Hausmärchen, Funktionsanalyse, Vladimir Propp, Frauenbild, Romantik, Biedermeier, literarische Analyse, Symbolik, Heimkehrmärchen, Hochzeitsmärchen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Bedeutung, Charakterisierung und Funktion von Mutterfiguren in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm unter Berücksichtigung literarischer Fassungsunterschiede.

Welche zentralen Mutterfiguren stehen im Fokus?

Primär werden leibliche Mütter, Stiefmütter und Schwiegermütter in ihrem jeweiligen Kontext als positive Identifikationsfiguren oder böse Gegenspielerinnen beleuchtet.

Was ist das primäre Forschungsziel?

Das Ziel ist es zu ergründen, ob sich die Mutterfiguren tatsächlich in das starre Muster von "gut" (leiblich) und "böse" (Stief-/Schwiegermutter) einordnen lassen oder ob eine vielschichtigere Funktion vorliegt.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse in Anlehnung an die Funktionsanalyse von Vladimir Propp, ergänzt durch neuere Ansätze von Michael Neumann.

Welche Aspekte werden im Hauptteil vertieft betrachtet?

Der Hauptteil widmet sich dem zeithistorischen Familienbild, der redaktionellen Bearbeitung der Texte durch Wilhelm Grimm sowie detaillierten Einzelanalysen der Märchen "Von dem Machandelboom" und "Die sechs Schwäne".

Welche Rolle spielt die Zeitgeschichte für die Analyse?

Das bürgerliche Frauen- und Familienbild des 19. Jahrhunderts dient als Kontext, um die Idealisierung der leiblichen Mutterrolle sowie die Stigmatisierung der Stiefmutter besser zu verstehen.

Inwieweit verändert Wilhelm Grimm die Mutterrollen in den verschiedenen Fassungen?

Er ersetzt in mehreren Märchen die leibliche Mutter durch eine Stiefmutter, um ein "reineres" Mütterideal zu bewahren und böse Taten ausschließlich den "Anti-Müttern" zuzuschreiben.

Welche besondere Funktion übernimmt die Mutter in "Von dem Machandelboom"?

Sie fungiert nicht nur als Mutter, sondern auch als über den Tod hinaus wirkende Schenkerin und jenseitige Helferin für ihren Sohn.

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Details

Title
Gut oder böse? Die Mutterfiguren in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
Subtitle
Funktionsanalyse der Märchen "Von dem Machandelboom" und "Sechs Schwäne"
College
University of Hagen  (Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft)
Course
Literaturwissenschaftliche Textanalyse
Grade
1,3
Author
Andrea Boennen (Author)
Publication Year
2021
Pages
29
Catalog Number
V1244338
ISBN (PDF)
9783346668974
ISBN (Book)
9783346668981
Language
German
Tags
Grimm Stiefmütter Morphologie des Märchens Hochzeitsmärchen Propp Heimkehrmärchen Philipp Otto Runge
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andrea Boennen (Author), 2021, Gut oder böse? Die Mutterfiguren in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1244338
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