Wo stehen die Printmedien politisch, das heisst, nehmen sie eine politisch einheitliche redaktionelle Linie ein oder lässt sich eine politisch-konsistente Linie in der Zeitungslandschaft nicht ausmachen? Diese Frage steht im Zentrum dieser Arbeit, die im Rahmen des Lizentiats am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich geschrieben wird. Medien werden in der Literatur zwar vielfach als vierte Gewalt im Staat bezeichnet (vgl. bspw. Claußen/Geißler 1996: 151), ihnen wird also ein grosser politischer Einfluss nachgesagt, trotzdem wurde die Frage nach der
politischen Ausrichtung der Medien in der Schweiz noch nicht ausreichend beantwortet.
Dies soll mit dieser Untersuchung, mindestens zum Teil, nachgeholt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie
2.1 Der Gatekeeper-Ansatz
2.2 Der News Bias-Ansatz
2.3 Instrumentelle Aktualisierung und opportune Zeugen
2.4 Zusammenfassung der Theorie
3. Stand der Forschung
3.1 Untersuchungen aus Deutschland
3.2 Politische Grundhaltung von Schweizer Medien
4. Hypothesen
5. Forschungsdesign
5.1 Forschungsgegenstand- und zeitraum
5.1.1 Forschungsgegenstand
5.1.2 Auswahlverfahren und Untersuchungszeitraum
5.2 Methoden
5.2.1 Politische Grundkonflikte in der Schweiz
5.2.2 Politische Position der Medien
5.2.3 Politische Position der Parteien
5.2.4 Ideologische Nähe zwischen den Zeitungen und den Parteien
5.3 Pretest
6. Operationalisierung
7. Auswertung der Ergebnisse
7.1 Allgemeine Auswertung
7.2 Auswertung der Hypothese I
7.3 Interpretation der Ergebnisse zu Hypothese I
7.4 Auswertung der Hypothese II
7.5 Interpretation der Ergebnisse zu Hypothese II
7.6 Auswertung der Hypothese III
7.7 Interpretation der Ergebnisse zu Hypothese III
8. Konklusion
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische Ausrichtung von fünf führenden Schweizer Qualitätszeitungen (Tages-Anzeiger, Neue Zürcher Zeitung, Mittellandzeitung, Berner Zeitung, Neue Luzerner Zeitung) mittels Inhaltsanalyse, um zu klären, ob diese eine einheitliche oder konsistente politische Linie verfolgen. Dabei wird eine dreidimensionale Verortung (Links-Rechts, Konservativ-Liberal, Ökologisch-Technokratisch) vorgenommen und der Vergleich zur ideologischen Positionierung der wichtigsten politischen Parteien gezogen.
- Politische Positionierung von Printmedien in der Schweiz
- Einsatz von Inhaltsanalysen zur Messung redaktioneller Linien
- Anwendung des "Raums der Weltanschauungen" (Hermann/Leuthold)
- Vergleich der Medienpositionen mit Parteien-Parolen
- Überprüfung der Theorien zur instrumentellen Aktualisierung und opportunen Zeugen
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Gatekeeper-Ansatz
Wie der Name des Gatekeeper-Ansatzes bereits andeutet, geht er auf den erwähnten Aufsatz von White und dessen Mr. Gates zurück (White 1950). Die Gatekeeper-Forschung versucht den Prozess der Nachrichtenauswahl genauer zu untersuchen. Dabei versteht sich diese Forschungsrichtung eher als empirisch ausgerichtet, das heisst, empirische Untersuchungen und deren Ergebnisse stehen im Zentrum, was zu einer Vernachlässigung der Theoriebildung in diesem Bereich geführt hat. Westley und MacLean jedoch haben eines der wenigen theoretischen Konstrukte, das dem Gatekeeper-Ansatz zugerechnet werden kann, formuliert und in einem Modell übersichtlich dargestellt (Abbildung 1) (Westley/MacLean 1955, zit. nach Staab 1988: 14).
Bestimmte Ereignisse (x1, x2…) werden durch den Gatekeeper (C) zum Rezipienten (B) übertragen. Wobei diese Ereignisse über einen weiteren Kommunikator (A) bereits schon vorselektiert werden können. Dabei könnte man beim Kommunikator A zum Beispiel an eine Nachrichtenagentur oder eine Public Relation-Abteilung einer Firma denken. „Der Informationstransfer wird somit als zwei- bzw. dreistufig definiert (x, x’, x’’), wobei zwischen einem Umweltobjekt oder Ereignis und dem Kommunikator (A) bzw. dem Gatekeeper (C) mehrere Kommunikationskanäle bestehen können (x3m, x3c)“ (Staab 1988: 13 f.). Die an diesem Kommunikationsprozess beteiligten Personen oder Institutionen sind darüber hinaus durch verschiedene Feedback-Möglichkeiten (fCA, fBA, fBC) miteinander verbunden. Von zentralem Interesse für die Gatekeeper-Forschung ist, wie der Gatekeeper C aus den verschiedenen Ereignissen x diejenigen auswählt, die er zu Nachrichten x’’ weiterverarbeitet. Dabei können zwei grundsätzlich verschiedene Einflussfaktoren auf diese Selektion unterschieden werden. Dies sind zum einen die individuellen Prädispositionen des Gatekeepers selbst, wie seine persönliche Einstellung zu Themen oder seine Interessenslage. Zum zweiten sind dies aber auch institutionelle Faktoren wie der Zeitdruck, Platzmangel oder die Einstellung des Verlegers.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt die Forschungsfrage nach der politischen Ausrichtung der Schweizer Printmedien und definiert den Rahmen der Untersuchung.
2. Theorie: Diskutiert die theoretische Verankerung in der Nachrichtenforschung, insbesondere den Gatekeeper-Ansatz, den News Bias-Ansatz sowie die instrumentelle Aktualisierung.
3. Stand der Forschung: Gibt einen Überblick über bisherige Studien zur politischen Ausrichtung von Medien in Deutschland und der Schweiz.
4. Hypothesen: Leitet auf Basis der Theorie und des Forschungsstandes drei zentrale Hypothesen zur politischen Differenzierung und Manifestation in den Medien ab.
5. Forschungsdesign: Erläutert die Auswahl der fünf Zeitungen sowie das methodische Vorgehen bei der Datenerhebung und dem Pretest.
6. Operationalisierung: Definiert die Variablen und Kategorien zur empirischen Umsetzung der Hypothesen.
7. Auswertung der Ergebnisse: Präsentiert die empirischen Daten und deren Interpretation bezüglich der aufgestellten Hypothesen.
8. Konklusion: Fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und diskutiert die Anwendbarkeit der Theorien auf den Schweizer Medienkontext.
Schlüsselwörter
Politische Ausrichtung, Schweizer Qualitätszeitungen, Inhaltsanalyse, Nachrichtenforschung, Gatekeeper-Ansatz, News Bias, Instrumentelle Aktualisierung, Politische Parteien, Medienberichterstattung, Links-Rechts-Schema, Konservativ-Liberal, Ökologisch-Technokratisch, Kommunikator-Forschung, Medieneinfluss, Schweizer Politik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob führende Schweizer Tageszeitungen eine einheitliche oder spezifische politische Ausrichtung haben und ob sich diese in ihrer Berichterstattung manifestiert.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder sind die politische Kommunikator-Forschung, die Medieninhaltsanalyse und der Vergleich der Medieninhalte mit politischen Parteipositionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Tageszeitungen in einem dreidimensionalen "Raum der Weltanschauungen" zu verorten und ihre ideologische Nähe zu den Schweizer Parteien zu bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative Inhaltsanalyse von fünf Tageszeitungen über zwei dreimonatige Zeiträume hinweg angewandt, kombiniert mit einer Analyse der Abstimmungsparolen der Parteien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen (Gatekeeper, News Bias), der Stand der Forschung, das Forschungsdesign sowie die detaillierte Auswertung der empirischen Daten zu den drei aufgestellten Hypothesen diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Politische Ausrichtung, Inhaltsanalyse, Medien-Bias, politische Parteien und die drei Konfliktdimensionen Links-Rechts, Konservativ-Liberal und Ökologisch-Technokratisch.
Warum wurde der "Raum der Weltanschauungen" für die Analyse gewählt?
Da eine rein eindimensionale Links-Rechts-Skala laut Literatur für die komplexe politische Landschaft der Schweiz (basierend auf Hermann/Leuthold) als unzureichend angesehen wird.
Was ergab der Vergleich zwischen Kommentaren und Nachrichtenartikeln?
Die Untersuchung zeigt, dass die Zeitungen in den Kommentaren deutlicher Stellung beziehen, während der Nachrichtenteil im Vergleich dazu eher ausgewogen berichtet.
Welche Rolle spielen "opportune Zeugen" in dieser Untersuchung?
Das Konzept wird genutzt, um zu prüfen, ob Zeitungen politische Positionen indirekt durch die Auswahl ihrer Interviewpartner und Zitatquellen (sogenannte opportune Zeugen) transportieren.
Wie unterscheidet sich das Ergebnis dieser Studie vom deutschen Forschungsstand?
Die Studie zeigt Ähnlichkeiten in der ideologischen Nähe zur Grünen Partei auf, betont aber auch spezifische Schweizer Eigenheiten in der medialen Berichterstattung.
- Quote paper
- lic. phil. Jan Vontobel (Author), 2005, Die politische Position von Schweizer Qualitätszeitungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124440