Oi!Warning - Ein Skinhead-Film im öffentlichen Diskurs


Seminararbeit, 2002
13 Seiten, Note: Sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Pressereaktionen

III. Die Reaktion der Filmbewertungsstelle

IV. Die Reaktionen der Skinheads

V. Schluss

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Der Film Oi!Warning der Brüder Dominik und Benjamin Reding wurde kontrovers diskutiert, was für einen Film nicht überraschend ist, der sich mit einer der ungeliebtesten Subkulturen Deutschlands beschäftigt. Dennoch ist die Kontroverse um diesen Skinhead-Film ungewöhnlich. Die Presse beurteilt den Film in seltener Einmütigkeit als gelungenes Debüt, stürmischer Widerspruch erfolgt dagegen von der Filmbewertungsstelle und von den Skinheads selbst.

Die vorliegende Arbeit wird sich mit den Urteilen dieser Gruppen auseinander setzen. Im ersten Teil werden die Pressereaktionen beobachtet und der Versuch unternommen, Grundtendenzen der Artikel herauszuarbeiten. Teil 2 wird sich kurz mit der Filmbewertungsstelle befassen. Der dritte Teil wird die grundlegenden Vorwürfe der Skinheads benennen, und im folgenden den Versuch unternehmen, von ihnen aus Rückschlüsse auf diese Subkultur zu unternehmen.

Der abschließende Teil der Arbeit soll die Beobachtungen summieren und die Frage stellen, ob der Film und die Reaktionen darauf eine Veränderung in der öffentlichen Wahrnehmung der Subkultur Skinhead bewirken können.

II. Pressereaktionen

Selbstverständlich können an dieser Stelle keine repräsentativen Angaben zu den Pressereaktionen gemacht werden. Zu diesem Zwecke wäre eine weit umfangreichere Materialsichtung nötig. Die vorliegenden Ausführungen beschränken sich auf die im Literaturverzeichnis angegebenen Zeitungen und Artikel.

Wie bereits eingangs erwähnt, findet Oi!Warning grundsätzlich positive Resonanz. Gerügt werden zum Teil die Kameraarbeit sowie Teile der Handlung, jedoch werden diese vom nächsten Kritiker gelobt; hier setzt sich die gewohnte Meinungsvielfalt der Kritiker durch. Oliver Fuchs spricht in der Süddeutschen Zeitung über die Kamera, die eine Weile brauche, `...bis sie ihren Rhythmus findet. Am Anfang rumort es, die Bilder haben es eilig, ständig will jemand noch schnell irgendwo hinA[1], der Filmdienst bezeichnet die Bilder als `hervorragend fotografiertA[2]. Derartige Meinungsverschiedenheiten bleiben jedoch Randerscheinungen, der Grundtenor ist positiv. Besonders auffällig erscheint, dass fast jeder Autor einen Absatz darauf verwendet, die pauschale Verurteilung der Skinheadkultur als rechtsextrem zurecht zu rücken. Gustav Seibt äußert sich in seinem Diskurs zu Punks und Skins, der fast die Hälfte seines Artikels zu Oi!Warning einnimmt, noch vorsichtig:

`Dass Skins heute vor allem als rechtsradikale Schläger und feige Ausländerjäger auftreten, hat weniger Notwendigkeit, als die von ihnen adoptierten martialischen Insignien glauben machen.[...] Man müsste einmal zu erfahren suchen, wie viele von ihnen wirklich `rechts´ sind.A[3]

Am deutlichsten formuliert die Kritikerin der Berliner Zeitung, Anke Westphal, die Tatsachen: `Skins, so denken jedoch viele, sind prinzipiell Rechte - ein Irrtum.A[4] Später, nach einer Aufzählung verschiedener Untergruppierungen der Skinheads, fügt sie hinzu: `Sehr unübersichtlich, diese Skin-Szene, was mitverantwortlich dafür sein mag, dass das Thema der Einfachheit halber prinzipiell unter Ideologieverdacht gestellt wird.A[5]

Das mag zutreffen, insbesondere aber auch für die Medien selbst, die ja durch undifferenzierte Berichterstattung in hohem Maße dafür verantwortlich dafür sind, dass die Bezeichnung Skinhead synonym mit Neonazi verwendet wird. Man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass die Journalisten durch den Film Oi!Warning und dem darin eine Hauptrolle spielenden `unpolitischenA (gemeint ist in der Szene damit vor allem, nach außen hin keine politische Richtung zu vertreten, politische Themen werden in der Gruppe nicht thematisiert) Skinhead Koma zu Recherchen animiert wurden. Um dann der Tatsache gewahr zu werden, dass die überwiegende Mehrheit der Skinheads mit Rechtsradikalismus nichts zu tun haben will. Somit gelangen die Kritiker und Feuilletonisten zu der Erkenntnis, dass es sich bei Oi!Warning nicht um einen Film über Rechtsextremismus handelt. Wäre das von vornherein klar gewesen, der Film hätte wohl weniger Aufmerksamkeit geschenkt bekommen.Nicht gemerkt hat das offensichtlich die Wochenschrift `FocusA. In der Ausgabe vom 27.11 2000, in der sich der Autor des betreffenden Artikels weniger mit dem Film direkt als mit den Problemen der Publikumsdiskussionen im Osten befasst, erscheint der Beitrag unter dem Stichwort `RechtsradikalismusA, und eine Bildunterschrift verkündet, die Regisseure wollten `... mit ihrem Film gegen den Rechtsradikalismus angehenA[6]. Dieser Artikel gehört neben einigen anderen zur zweiten Phase der Berichterstattung über den Film. Der erste Teil betrieb Filmkritik, der zweite behandelt die gescheiterte Diskussionstour durch ostdeutsche Kinos. Hierbei fällt auf, dass im Gegensatz zu den Filmkritiken wieder nicht zwischen Neonazis und unpolitischen Skinheads unterschieden wird.

III. Die Reaktion der Filmbewertungsstelle

Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden (im folgenden FBW genannt) verweigerte Oi!Warning ein Prädikat. Da mir der vollständige Wortlaut der Begründung nicht bekannt ist und ich mich auf Zeitungszitate stütze, haben folgende Ausführungen eher spekulativen Charakter.

Der `SpiegelA zitiert die Klagen der FBW, `...der Film gehe `in vielen Szenen einfach zu weit´, seine `pädagogische Wirkung sei sehr zweifelhaft´.A[7] Zudem bemängelte man in Wiesbaden handwerkliches Unvermögen. Nicht nur vor dem Hintergrund, dass ebendiese handwerklichen Fähigkeiten mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde, erscheinen die Urteile der FBW zweifelhaft. Worin genau geht der Film zu weit? Vermutlich stoßen sich die Komiteemitglieder an der Darstellung der Erwachsenen, doch wer in diesem Film kommt schon besonders gut weg? Jede Figur wird überspitzt dargestellt. Die `pädagogischeA Wirkung wird ebenfalls ins Feld geführt. Hier wird es interessant. Zwar erklärt die FBW auf ihrer Internetseite, das Kino diene `nicht in erster Linie der allgemeinen Erziehung und Volksbildung, sondern der Unterhaltung und somit der Zerstreuung, dem Vergnügen und dem ZeitvertreibA[8], dennoch operiert sie von einer didaktischen Warte aus. Sicherlich könnte man untersuchen, welchen Film diese Institution als pädagogisch wertvoll einstuft, der zweifelhafter ist als Oi!Warning. Solch ein Vorgehen würde vielleicht die These stützen, dass Pädagogen grundsätzlich empfindlich sind, was die Darstellung von LehrerInnen und Vorbildfiguren angeht. Beide werden in dem Film mit Zügen versehen, die wenig schmeichelhaft sind. Prof. Hans-Heino Ewers von der Universität Frankfurt vermutete in seiner Vorlesung zur Einführung in die Kinder- und Jugendliteratur, dass Peter Härtling deshalb so viel als Schullektüre verwendet werde, weil in seinen Büchern immer positive Lehrerfiguren auftauchen. Im Gegensatz dazu werde Christine Nöstlinger äußerst selten in der Schule gelesen, weil sie in der Lehrerdarstellung eher die Wahrnehmung der Schüler verdeutlicht, die die negativen Eigenschaften der Erzieher stärker berücksichtigt.

Dies sei als Vermutung in den Raum gestellt, woraus die Ablehnung der FBW dem Film Oi!Warning gegenüber resultiert. Um differenziertere Urteile zu fällen, ist natürlich eine ausführlichere Auseinandersetzung mit der Arbeit der FBW vonnöten.

[...]


[1] Oliver Fuchs, in: Süddeutsche Zeitung, Sa. 21.10.2000

[2] Filmdienst Nr. 21, 10.10.2000

[3] Die Zeit, Nr. 43, 19.10.2000

[4] Berliner Zeitung, Mi. 18.10.2000

[5] Ebd.

[6] Hans-Henning Krumrey, in: Focus, Mo., 27.11. 2000

[7] Susanne Weingarten, in: Der Spiegel, Mo., 02.10. 2000

[8] Homepage der Filmbewertungsstelle: www.f-b-w.org

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Oi!Warning - Ein Skinhead-Film im öffentlichen Diskurs
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Filmwissenschaft)
Veranstaltung
PS Neues deutsches Kino
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
13
Katalognummer
V12447
ISBN (eBook)
9783638183314
ISBN (Buch)
9783638886253
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Warning, Skinhead-Film, Diskurs, Neues, Kino
Arbeit zitieren
Magister Artium René Filippek (Autor), 2002, Oi!Warning - Ein Skinhead-Film im öffentlichen Diskurs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12447

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