Die Grundlagen für den I. Weltkrieg wurden im eigentlichen Sinne durch verschiedene politische Veränderungen schon im Europa des 19. Jahrhunderts gelegt, die alle miteinander in Verbindung stehen. Ein Faktor entwickelte sich so entweder als Grund oder Ursache des anderen.
Der osmanische Staat trat neben den Deutschen in den I. Weltkrieg ein, nachdem die deut-schen Kriegsschiffe Goeben und Breslau am 29. Oktober 1914 mit Wissen von Enver Pascha im Schwarzen Meer einliefen und russische Häfen bombardierten.
In den beiden der Schwarzmeerschlacht folgenden Tagen verlangten die Staaten der Entente den Abzug der Deutschen. Der osmanische Staat dagegen lehnte diese Forderung ab, worauf der Krieg ausbrach. Nach diesem Vorfall ergriffen die Russen am 1. November an der kauka-sischen Grenze die Offensive. England dagegen erklärte am 5. November 1914 dem osmani-schen Staat den Krieg und erklärte zugleich, Zypern annektiert zu haben. Dieser Tag, an dem die Entente dem Osmanischen Reich den Krieg erklärte, war auch zugleich der Tag, wo Boden- und Grenzprobleme ihren Anfang nahmen.
Der im späteren Verlauf durch das letzte osmanische Abgeordneten-Parlament erklärte Nationalpakt (Misak-i Milliye) basierte eben auf den an diesem Tag noch im Territorium des os-manischen Staates liegenden Grenzen. Auch bei den Friedensgesprächen von Lausanne griff die türkische Delegation in Bezug auf die Boden- und Grenzprobleme als Basis immer wieder auf dieses Datum und auf den Nationalpakt zurück. Da dieser „Pakt“ die Grenzen und Ziele der anzuwendenden Außenpolitik des „neuen türkischen Staates“ festlegt, stellte er die Infrastruktur für die abzuschließenden Abkommen und der Grenzdefinition dar.
In diesem Kontext werden im ersten Teil dieser Arbeit die Gründe des Ersten Weltkrieges und die Lage des osmanischen Staates analysiert. Im zweiten Teil wird die Situation des osmani-schen Staates an verschiedenen Fronten während der Kriegsjahre behandelt und im dritten Teil in groben Zügen auf die Resultate des Krieges sowie die geschlossenen Verträge eingegangen.
Gliederung
EINFÜHRUNG
ERSTER TEIL: DIE ALGEMEINE LAGE VOR DEM ERSTEN WELTKRIEG
1 Militärischer und wirtschaftlicher Aufbau in Europa – Machtpositionen vor dem Weltkrieg
2 Militärischer und wirtschaftlicher Aufbau des Osmanischen Reiches vor dem Weltkrieg
3.1 Die Inselprobleme
3.2 Arabische Unabhängigkeitsbewegung
ZWEITER TEIL: FRONTEN UND DIE LAGE DES OSMANISCHEN REICHES IM ERSTEN WELTKRIEG
1 Gründe, die das Osmanische Reich zum Krieg führten
2 Die Fronten während des Krieges
2.1 Dardanellen-Front
2.2 Kaukasus-Front
2.3 Irakische Front
2.4 Fronten im Jemen, in Palästina und Syrien
2.5 Iranische Front
2.6 Europäische Fronten mit Beteiligung osmanischer Soldaten
2.6.1 Rumänische Front
2.6.2 Galizische Front
DRITTER TEIL: KRIEGSENDE
1 Ende des Krieges und neu errichtetes internationales System
2 Die Abkommen von Moudros und Lausanne
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Ursachen und den Verlauf des Ersten Weltkriegs aus der spezifischen Perspektive des Osmanischen Reiches. Ziel der Arbeit ist es, die politisch-militärische Ausgangslage, die strategische Situation an den verschiedenen Fronten sowie die letztendliche Auflösung des Reiches und die völkerrechtliche Neugestaltung im Rahmen der Abkommen von Moudros und Lausanne historisch aufzuarbeiten.
- Analyse der militärischen und wirtschaftlichen Ausgangslage vor 1914.
- Untersuchung der Beweggründe für den Eintritt des Osmanischen Reiches in den Ersten Weltkrieg.
- Detaillierte Darstellung der Kampfhandlungen an den verschiedenen Fronten (Dardanellen, Kaukasus, Irak u.a.).
- Bewertung der Auswirkungen des Waffenstillstands von Moudros und des Friedensvertrages von Lausanne auf die Souveränität des türkischen Staates.
Auszug aus dem Buch
Die Lage der osmanischen Streitkräfte
Landstreitkräfte: „11 221 Offiziere, 294 029 Unteroffiziere und einfache Soldaten, 43 872 Zugtiere, 2310 Kanonen mit diversen Durchmessern und Ausführungen, 256 Maschinengewehre.“
Seestreitkräfte: „Die Tonnage der Seestreitkräfte erhöhte sich auf 100 279, nachdem die beiden deutschen Panzerschiffe Goeben (Yavuz) und Breslau (Midilli) zu den Seestreitkräften einbezogen wurden. Die Flotte wurde vorwiegend aus alten Schiffen gebildet und hatte keine hohe Kriegsfähigkeit.“
Luftstreitkräfte: „Obwohl die Luftstreitkräfte den Entwicklungen auf dem Weltmarkt folgten, konnten zu ihrer Weiterentwicklung keine ausreichende Zeit und Mittel beschafft werden.“ Daneben wurde im Balkankrieg eine bestimmte Anzahl von Kriegsflugzeugen verloren. Als die Mobilisierung erklärt wurde, hatten die Luftstreitkräfte nur vier aktive Kriegsflugzeuge. Damals wurden diese Flugzeuge aus dem Ausland eingeführt. Da aber der osmanische Staat mit den Ländern, aus denen er Flugzeuge einführte, im Krieg war, gab es damals einen einzigen Staat, nämlich Deutschland, aus welchem Flugzeuge eingeführt werden konnten. „Aus diesem Grunde konnten sich die Luftstreitkräfte 1916 nur mit Unterstützung Deutschlands verstärken und danach eine effektive Funktion übernehmen.“ (90 Flugzeuge, 81 Piloten, 58 Beobachter)
Wie den obigen Angaben zu entnehmen ist, wies die osmanische Armee in vielen Bereichen große Mängel auf, als der I. Weltkrieg ausbrach. Die Schlagkräftigkeit der Armee war abhängig von deutscher Unterstützung. Doch es war immer unbekannt, ob und inwieweit diese Unterstützungen während eines langen und auf seine Art und Weise ungedachten Krieges gewährt würden.
Zusammenfassung der Kapitel
EINFÜHRUNG: Die Einleitung erläutert die Grundlagen des Kriegseintritts des Osmanischen Reiches sowie den zentralen Stellenwert des Nationalpakts für die spätere Grenzdefinition.
ERSTER TEIL: DIE ALGEMEINE LAGE VOR DEM ERSTEN WELTKRIEG: Dieser Abschnitt analysiert das europäische Machtgefüge und die prekäre wirtschaftliche sowie militärische Situation des Osmanischen Reiches vor 1914, einschließlich interner Herausforderungen wie der Inselproblematik und arabischer Separatismusbestrebungen.
ZWEITER TEIL: FRONTEN UND DIE LAGE DES OSMANISCHEN REICHES IM ERSTEN WELTKRIEG: Hier werden die Gründe für die Kriegsteilnahme sowie die Kämpfe an den verschiedenen Kriegsschauplätzen wie den Dardanellen, dem Kaukasus, dem Irak und europäischen Fronten detailliert betrachtet.
DRITTER TEIL: KRIEGSENDE: Das abschließende Kapitel behandelt den Zusammenbruch der Fronten, den Waffenstillstand von Moudros und die friedensvertraglichen Regelungen von Lausanne als Gründungsdokument des modernen türkischen Staates.
Schlüsselwörter
Erster Weltkrieg, Osmanisches Reich, Dardanellen-Front, Waffenstillstand von Moudros, Friedensvertrag von Lausanne, Nationalpakt, Enver Pascha, Mustafa Kemal Atatürk, Mobilisierung, Modernisierung, Orientierung nach Westen, Türkische Befreiungskrieg, Grenzprobleme, geopolitische Lage, Souveränität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg, von der politischen Ausgangslage bis hin zum Zusammenbruch und der Gründung der türkischen Republik.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die militärische und wirtschaftliche Vorbereitung auf den Krieg, die operative Kriegsführung an diversen Fronten sowie die diplomatische Aufarbeitung im Friedensprozess.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die historische Aufarbeitung der Art und Weise des osmanischen Kriegsbeitritts und der daraus resultierenden Folgen für die territoriale Integrität und Unabhängigkeit.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Quellenanalyse unter Einbeziehung von Fachliteratur und Dokumenten zur diplomatischen und militärischen Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Kriegsgründe sowie die detaillierte Darstellung der militärischen Situation an verschiedenen Fronten, darunter die Kaukasus-, Irak- und Dardanellen-Front.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind Osmanisches Reich, Erster Weltkrieg, Waffenstillstand von Moudros, Friedensvertrag von Lausanne und die geopolitische Bedeutung der Region.
Welche Rolle spielte die deutsche Unterstützung für das Osmanische Reich?
Die Arbeit verdeutlicht, dass die Schlagkräftigkeit der osmanischen Armee stark von deutscher Unterstützung, sowohl bei der Waffenlieferung als auch bei der Ausbildung und strategischen Planung, abhing.
Warum war der Waffenstillstand von Moudros von so großer Bedeutung?
Er bedeutete faktisch eine bedingungslose Kapitulation und ermöglichte den Siegermächten der Entente die Besetzung strategisch wichtiger Punkte im gesamten Osmanischen Reich.
Wie bewertet der Autor den Friedensvertrag von Lausanne?
Der Autor sieht in Lausanne den erfolgreichen Abschluss des türkischen Befreiungskrieges und die völkerrechtliche Anerkennung des modernen, unabhängigen türkischen Staates.
Welche Bedeutung hatten die "Inselprobleme" im Vorfeld des Krieges?
Sie stellten ein wesentliches Spannungsfeld zwischen dem Osmanischen Reich und Griechenland dar und beeinträchtigten die regionale Sicherheit massiv.
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- Aktuna Orkun (Author), 2009, Das Osmanische Reich und der Erste Weltkrieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124475