Jährlich verlieren Unternehmen viel Geld, weil Arbeitnehmer als krank gemeldet nicht zur Arbeit erscheinen, oder weil sie im kranken Zustand ihrer Arbeit nachgehen. Dabei stellt sich für Unternehmen und die gesamte Öffentlichkeit, die ja von den Steuergeldern der Unternehmen profitiert, die Frage: "Was lässt Arbeitnehmer krank werden?" und "Warum gehen kranke Arbeitnehmer zur Arbeit?".
Daraus ergab sich vor allem in letzter Zeit in den Medien ein Diskurs über die Gesundheit von Arbeitnehmern.
Anführende Themen sind "Burnout", "Mobbing" und "Depression", die lange Zeit ein Tabu in der Gesellschaft waren und häufig noch sind. Dass ein Großteil der Gesellschaft davon direkt in Form von gesundheitlichen Einschnitten oder indirekt in Form von Profit und Steuergeldverlusten bei Unternehmen betroffen ist, steht in den Medien oft zur Debatte.
Lange Zeit galt in der Wirtschaft nur, dass die Verfügbarkeit von Technik und Boden den Profit der Unternehmen beeinflussen.
Klassische Arbeitnehmer und Ihre Gesundheit hatten im Prinzip keine Bedeutung auf Unternehmensergebnisse. Häufig wurde sogar die Zerstörung der Gesundheit der Arbeitnehmer billigend in Kauf genommen, da so mehr Profit erwirtschaftet wurde und wortwörtlich gearbeitet wurde, bis man umfällt. Mit der Zeit, und vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit Ihren arbeitsrechtlichen Neuerungen, kam von wissenschaftlicher Seite die Überzeugung, dass auch Human- und Sozialkapital die Wirtschaft maßgeblich beeinflussen (siehe: Coleman, Putnam, oder Bourdieu).
Das Sozialkapital spielt dabei eine übergeordnete Rolle, denn das Sozialkapital beeinflusst nach übereinstimmender Meinung der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften das Humankapital stärker als bisher angenommen.
In dieser Hausarbeit untersuche ich den Einfluss von Sozialkapital auf Unternehmensergebnisse und die Korrelation der Größen Sozialkapital und Unternehmensergebnis zueinander. Ich werde hierbei untersuchen, ob es belegbar ist, dass mehr Sozialkapital zu mehr Humankapital führt und wie mehr Sozial- und Humankapital die Fehlzeiten der Arbeitnehmer sowie den Unternehmenserfolg beeinflussen. Schlussendlich werde ich ein kleines Fazit ziehen und versuchen einen kritischen Blick auf den Begriff Sozialkapital und seine Auswirkungen in Unternehmen zu werfen.
Inhaltsverzeichnis
1.EINLEITUNG
2.SOZIALKAPITAL IN UNTERNEHMEN
2.1.DEFINITION VON SOZIALKAPITAL
2.1.1.SOZIALKAPITAL NACH BOURDIEU
2.1.2.SOZIALKAPITAL NACH COLEMAN
2.1.3.SOZIALKAPITAL NACH PUTNAM
2.2.FORMEN VON SOZIALKAPITAL IN UNTERNEHMEN
2.2.1.KULTUR UND GESUNDHEIT IM UNTERNEHMEN
2.2.2.FÜHRUNG UND GESUNDHEIT IN UNTERNEHMEN
2.2.3.KLIMA UND GESUNDHEIT IN UNTERNEHMEN
3.SOZIALES KAPITAL UND DIE GESUNDHEIT VON ARBEITNEHMERN
3.1.BEISPIEL FRANCE TÉLÉCOM
3.2.FAZIT
4.KRITIK UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Sozialkapital auf Unternehmensergebnisse sowie die Korrelation zwischen Sozialkapital und der Gesundheit von Arbeitnehmern, um aufzuzeigen, wie soziale Strukturen im Betrieb Fehlzeiten und Unternehmenserfolg maßgeblich beeinflussen können.
- Definition und soziologische Grundlagen des Sozialkapitals (Bourdieu, Coleman, Putnam)
- Die Bedeutung von Unternehmenskultur, Führung und Betriebsklima für das Sozialkapital
- Der negative Einfluss von Präsentismus im Vergleich zum Absentismus auf den Unternehmenserfolg
- Analyse von Fallbeispielen zu den Folgen mangelnden Sozialkapitals in Organisationen
- Kritische Reflexion potenzieller negativer Auswirkungen von Sozialkapital sowie Ausblick
Auszug aus dem Buch
3.1.Beispiel France Télécom
Ein unrühmliches Beispiel dafür wie sehr fehlendes Sozialkapital einem Unternehmen schaden kann, ist die Selbstmordserie bei France Télécom zwischen 2008 und 2010. 18 Mitarbeiter haben Suizid begangen und 13 haben es versucht. Gewerkschaften sprechen von bis zu 60 Suiziden.
Dabei hatte die Führungsebene des Unternehmens aufgrund von Konkurrenzdruck privater Unternehmen (France Télécom war damals staatlich) angeordnet 22.000 von 102.000 Stellen zu streichen. Das Problem war nur, dass 2/3 der Angestellten verbeamtet waren.
Die Führungsebene setzte daher auf psychologische Methoden, sprich Mobbing oder Drohung, um seine Angestellten loszuwerden (Prenzel, 2020). Dabei wurde überhaupt nicht auf die Gesundheit der Mitarbeiter geachtet, was im folgenden Zitat vom damaligen CEO Didier Lombard deutlich wird: „Ich werde die Rauswürfe durchziehen. Auf die eine oder die andere Art, sei es durchs Fenster oder durch die Tür.“
Zusammenfassung der Kapitel
1.EINLEITUNG: Die Einleitung thematisiert die wirtschaftlichen Folgen von krankheitsbedingten Fehlzeiten und führt Sozialkapital als zentralen Faktor zur Beeinflussung der Mitarbeitergesundheit und des Unternehmenserfolgs ein.
2.SOZIALKAPITAL IN UNTERNEHMEN: Dieses Kapitel definiert Sozialkapital anhand soziologischer Theorien und erläutert dessen Ausprägung in Betrieben durch die drei Säulen Kultur, Führung und Klima.
3.SOZIALES KAPITAL UND DIE GESUNDHEIT VON ARBEITNEHMERN: Hier werden die Auswirkungen mangelnden Sozialkapitals detailliert, insbesondere die Problematik des Präsentismus, und anhand des Negativbeispiels France Télécom illustriert.
4.KRITIK UND AUSBLICK: Der abschließende Teil reflektiert die Rolle des Sozialkapitals als wissenschaftliche Methode und beleuchtet kritisch, warum ein Zuviel an Sozialkapital auch negative Folgen wie Gruppenegoismus haben kann.
Schlüsselwörter
Sozialkapital, Unternehmenserfolg, Mitarbeitergesundheit, Präsentismus, Absentismus, Humankapital, Unternehmenskultur, Führung, Betriebsklima, Mobbing, soziale Netzwerke, Vertrauen, Bielefelder Unternehmensmodell, Arbeitspsychologie, Organisationsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die soziologische Sichtweise auf Sozialkapital in Unternehmen und dessen signifikante Auswirkungen auf die Gesundheit der Angestellten sowie den wirtschaftlichen Gesamterfolg.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Sozialkapital nach bekannten Soziologen, die Einflüsse von Führung und Unternehmenskultur sowie die Folgen eines Mangels an sozialem Zusammenhalt im Betrieb.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Korrelation zwischen einem hohen Sozialkapital und einer verbesserten Mitarbeitergesundheit sowie der Vermeidung von kostspieligen Phänomenen wie Präsentismus nachzuweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung genutzt?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse und nutzt das bekannte "Bielefelder Unternehmensmodell" als Rahmen für die Untersuchung der verschiedenen Sozialkapital-Aspekte.
Was wird im umfangreichen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Formen von Sozialkapital, beleuchtet die Rolle von Führung und Klima und diskutiert die Konsequenzen von Präsentismus anhand von Fallbeispielen.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit treffend?
Begriffe wie Sozialkapital, Unternehmenskultur, Gesundheit, Präsentismus und Humankapital stehen im Zentrum der inhaltlichen Auseinandersetzung.
Warum wird das "Bielefelder Unternehmensmodell" so stark hervorgehoben?
Das Modell wird genutzt, um den Zusammenhang zwischen Führung, Kultur, Klima und den harten Kennzahlen wie Betriebsergebnis und Gesundheit systematisch darzustellen.
Was lässt sich aus dem Fallbeispiel France Télécom ableiten?
Das Beispiel zeigt drastisch, dass der bewusste Abbau von Sozialkapital durch psychokulturelle Methoden wie Mobbing und Angst zu einer zerstörerischen Abwärtsspirale im Unternehmen führen kann.
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- Anonym (Author), 2020, Wie wirkt sich Sozialkapital auf die Gesundheit von Arbeitnehmern und auf den Unternehmenserfolg aus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1244818