Der Schwarze Tod im 14. Jahrhundert in England. Wendepunkt für die Wirtschaft und Gesellschaft Englands?


Hausarbeit, 2022

8 Seiten, Note: 2,7

Anonym


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Die englische Gesellschaft nach der Pest

3 Fazit

1 Einleitung

Der „Schwarze Tod“, die große Pest von 1347/51, zählt zu den größten Katastrophen des Mittelalters. Im Verlauf von etwa vier Jahren verlor Europa rund ein Drittel seiner Gesamtbevölkerung. Sowohl verhältnismäßig als auch absolut gilt sie daher wahrscheinlich als die größte Einzelkrise der öffentlichen Gesundheit in der aufgezeichneten europäischen Geschichte. Es war auch kein vorübergehender Schock, denn die Pest blieb für die nächsten dreihundert Jahre ein wiederkehrendes Merkmal des europäischen Lebens, obwohl sich die Sterblichkeitsrate der ersten Pestwelle nie wiederholte. Die Beschreibung der Krankheit war in den 1348/49 Jahren sehr genau in Chroniken, Annalen und sonstigen Aufzeichnungen zu finden, welche sich mit den Ausbrüchen in verschiedenen Städten und Regionen befassen. Die Verbreitung der Pest erfolgte über das damalige Verkehrs- und Kommunikationssystem, also die Schifffahrtswege und über die weit ins Landesinnere führende Handelsstraßen1. Zeitgenössische Autoren können als verlässliche Quellen gelten, wenn es um konkrete Auswirkungen der Pest geht, jedoch gibt es große Widersprüche zwischen einzelnen Quellen über die Sterblichkeitsrate, was auf die Unkenntnis zurückgeführt werden kann oder auf erhebliche regionale Unterschiede2.

1315 und 1317 gab es in England zahlreiche Hungerepidemien. Ernten wurden durch Unwetter vernichtet, Getreidepreise stiegen an, der Kälteeinbruch verhinderte die Salzgewinnung, was zu einer Behinderung der Fleischkonservierung führte und zum Mangel an Speisesalz. Im September des Jahres 1317 erreichte die Pest letztendlich auch London, die damals größte Stadt Englands, womöglich durch die Straßen von Bristol und Southampton, vor allem aber durch den Schiffsverkehr. Die ohnehin große Überbevölkerung und der Zuzug in die Stadt durch Obdachlose, welche durch Hunger in die Stadt getrieben wurden, haben einen Teil für die Ausbreitung der Seuche beigetragen3. Die mangelnde Hygiene, welche schon vor der Pest in London herrschte, hat die Ausbreitung verstärkt. Effektive Maßnahmen waren dadurch in der kurzen Zeit zwischen Ausbruch und Höhepunkt der Pest nicht durchzusetzen, da keine Arbeitskräfte zugegen waren, um Dreck und Schutt zu beseitigen, denn viele waren mit der Beseitigung der Leichen beschäftigt4.

Der sogenannte schwarze Tod hinterließ tiefe Spuren in der englischen Gesellschaft, sowohl in der Demografie des Landes als auch im Wirtschaftlichen. Doch kann hier tatsächlich von einem Wendepunkt für die Wirtschaft und Gesellschaft Englands gesprochen werden, welche nur durch den sogenannten schwarzen Tod herbeigeführt wurde? Wie tiefgreifend waren die Folgen der Pest für das Land wirklich? Im Folgenden wird dies erörtert, wobei erst auf die demografischen Auswirkungen und letztendlich auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pest für England eingegangen wird. Erst dann kann ein Fazit für die tatsächliche Bedeutung der Seuche für das Land und die Gesellschaft geschlossen werden.

2 Die englische Gesellschaft nach der Pest

2.1 Demografische Auswirkungen

Die demografischen Veränderungen in England durch die Pest können heutzutage durch verschiedene Quellen rekonstruiert werden. Hierzu gehören Steuerlisten, Besitzverzeichnisse, Schuldenbücher und Gerichtsakten mit Zuteilungsurkunden. So kann z.B. ausgesagt werden, dass zur Stadt Bristol im Jahr 1348 zwischen 10000 und 20000 Einwohner zählten und sie somit zu einer von Englands größten Städte machte. Durch die Pest starb ein Drittel der Bevölkerung, unter den Klerikern jeder zweite. Chronisten wie Geoffrey the Baker bestätigten dies5. Die Kleriker waren am meisten von der Pest betroffen, da sie durch die Absolution im ständigen Kontakt mit den Sterbenden standen. In der Diözese Bath soll die Hälfte des Klerus umgekommen sein, ähnliche Zahlen sollen überall im Land geherrscht haben6. Die englischen Oberpächter der Krone gehörten mit nur einer Todesrate von 27 Prozent zu den niedrigsten aller sozialen Gruppen. Nur Bischöfe mit einer Sterblichkeitsrate von 18 Prozent scheinen glimpflicher davongekommen zu sein7. Im Gegensatz dazu erging es den Äbten weitaus schlechter, wahrscheinlich weil sie in eng verbundenen klösterlichen Gemeinschaften lebten und wirkten. Ihre Sterblichkeitsrate von 42 Prozent gehörte zu der Gruppe mit den meisten Todesfällen8. Selbst die große Benediktinerabtei von St. Prior wurde nicht verschont. Qualitativ hochwertige, aus Stein gebaute Unterkünfte, gute sanitäre Einrichtungen und regelmäßige und gesunde Ernährung zählten offensichtlich nicht mehr, nachdem die Überträger der Infektion in gemeinsamen Schlafsälen und Refektorien waren.

[...]


1 vgl. Bulst, Neithard: Der Schwarze Tod. Demographische, wirtschafts- und kulturgeschichtliche Aspekte der Pestkatastrophe von 1347- 1352. Bilanz neueren Forschung, in: Saeculum. Jahrbuch für Universalgeschichte 30, Bielefeld 1979, S. 49

2 vgl. ebd. S., 52

3 vgl. Bergdolt, Klaus: Der Schwarze Tod in Europa, München 1994, S. 90

4 vgl. ebd. S. 91

5 vgl. Bergdolt, Klaus: Der Schwarze Tod in Europa, München 1994, S. 88

6 vgl. ebd. S. 89

7 vgl. Campbell, Bruce: The Great Transition. Climate, Disease ans Society in the Late- Medieval World, Cambridge 2016, S. 308

8 vgl. Campbell, Bruce: The Great Transition. Climate, Disease ans Society in the Late- Medieval World, Cambridge 2016, S. 308

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Der Schwarze Tod im 14. Jahrhundert in England. Wendepunkt für die Wirtschaft und Gesellschaft Englands?
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,7
Jahr
2022
Seiten
8
Katalognummer
V1244851
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schwarze, jahrhundert, england, wendepunkt, wirtschaft, gesellschaft, englands
Arbeit zitieren
Anonym, 2022, Der Schwarze Tod im 14. Jahrhundert in England. Wendepunkt für die Wirtschaft und Gesellschaft Englands?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1244851

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