Nebenrangige Satzglieder im Russischen


Seminararbeit, 2007

25 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Objekt
2.1 Direktes Objekt
2.2 Indirektes Objekt

3. Adverbialbestimmung
3.1 Modalbestimmung
3.2 Lokalbestimmung
3.3 Temporalbestimmung
3.4 Kausalbestimmung

4. Attribut
4.1 Kongruierendes Attribut
4.2 Nicht kongruierendes Attribut

5. Apposition

6. Schlussbetrachtungen

7. Bibliographie

1. Einleitung

Die Frage der nebenrangigen Satzglieder hat in der Geschichte der russischen Grammatik verschiedene Lösungen.

Als nebenrangige Satzglieder werden Satzglieder bezeichnet, die nicht zum Prädikativzentrum eines Satzes gehören, d. h. kein Subjekt oder Prädikat sind (Novikov 2001: 628). Sie können die hauptrangigen oder die anderen nebenrangigen Satzglieder näher bestimmen (Attribut) oder ergänzen (Objekt). Mithilfe der Adverbialbestimmungen wird der ganze Satz näher nach Ort, Zeit, Grund, Absicht, Art und Weise u. ä. bestimmt (Panzer 1995: 238).

Buslajew, der in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts diese Frage besonders gründlich ausarbeitete, stellte zwei grundlegende Methoden für die Bestimmung der nebenrangigen Satzglieder auf: nach dem syntaktischen Gebrauch (die kongruierenden Wörter sind Attribute, die Wörter, die mithilfe der Rektion verbunden werden, gehören zu den Objekten, und die anderen sind den Adverbialbestimmungen zuzurechnen) und nach der Bedeutung, die mithilfe der logischen Frage bestimmt wird (was für ein? wessen? wie viel? der wievielte? - Attribut; die Fragen der obliquen Kasus - Objekt; wo? wann? warum? u s. w. - Adverbialbestimmung).

Fortunatov ging davon aus, dass die Grammatik nur sprachliche Formen untersuchen soll. Als Kriterium für die Bestimmung der nebenrangigen Satzglieder benutzte er nur formale Merkmale: Kongruenz, Rektion und Adjunktion.

Schachmatov, der seine wissenschaftliche Tätigkeit als Fortunatovs Nachfolger anfing, später aber auf seine Prinzipien verzichtete, betrachtete nebenrangige Satzglieder in einer allgemeinen formal-grammatischen Hinsicht. Seine Klassifikation der nebenrangigen Satzglieder stellte er aufgrund ihrer Funktion im Satz zusammen. Für die Bestimmung der nebenrangigen Satzglieder benutzte er die Beziehungen, die Verhältnisse zwischen verschiedenen Satzgliedern bestimmen: attributive (Attribut), objektivische (Objekt) und die Beziehungen, die den Funktionen der Adverbien in einem Satz entsprechen (Adverbialbestimmungen) (Galkina-Fedortschuk 1957: 190-192).

Trotz vieler Meinungen und Methoden gibt es in der Lehre von nebenrangigen Satzgliedern zwei Grundrichtungen: nach ihrer Bedeutung und nach syntaktischer Verbindung mit anderen Wörtern. In den beiden Fällen bestimmt man drei Arten von nebenrangigen Satzgliedern: Attribut, Objekt und Adverbialbestimmung. Aber da die Ursachen für diese Bestimmung in den beiden Methoden unterschiedlich sind, kann dasselbe Satzglied unterschiedlich bestimmt werden. Zum Beispiel: In der Wortfügung дом отца ist das Wort отца ein Attribut, wenn es nach Bedeutung oder Funktion, die es in Bezug auf das Wort дом erfüllt, betrachtet wird. Dasselbe Wort отца kann aber auch ein Objekt sein, wenn man nur den Charakter der syntaktischen Verbindung mit dem Wort дом berücksichtigt (Rektion liegt vor).

Die oben genannten Richtungen werden in der Lehre über die nebenrangigen Satzglieder formal (Klassifikation nach Charakter syntaktischer Beziehung) und logisch (nach Bedeutung) genannt (Valgina 1978: 119).

In der gegenwärtigen Mittelschule ist logische Klassifikation verbreitet. Sie wurde von Vostokov und Gretsch gegründet, die Begriffe дополнение (Objekt) und

определение (Attribut) eingeführt haben. Satzglieder, die in den modernen Grammatiken als Adverbialbestimmungen bezeichnet werden, rechneten sie Attributen zu.

Logische Klassifikation berücksichtigt sowohl grammatische und lexikalische Bedeutungen von Wörtern, als auch syntaktische Beziehungen dieser Wörter mit ihnen untergeordneten Wörtern. Bei dieser Klassifikation werden nebenrangige Satzglieder als logisch-grammatische Einheiten betrachtet, die aufgrund ihrer grammatischen und lexikalischen Bedeutungen abgesondert werden (Valgina 1978: 120).

In dieser Arbeit wird es auf jede Art der nebenrangigen Satzglieder eingegangen: Objekt, Attribut und Adverbialbestimmung werden genau beschrieben, Definitionen und Meinungen verschiedener Autoren und einige Unterschiede zwischen Ansichten mancher Wissenschaftler werden dargestellt.

2. Objekt

Das Objekt als Satzglied stellt eine sehr komplizierte syntaktische Kategorie dar. Es kann im Satz als gebundenes oder seltener als freies Ergänzungsglied des Prädikats auftreten, auf den sich im Prädikat genannte Prozess richtet (Gabka 1976: 198). Aber das ist nicht die einzige Funktion eines Objekts im Satz: In manchen Fällen bauen die Objekte ihre syntaktische Beziehungen nicht nur mit einem bestimmten Satzglied (normalerweise mit einem Verb, das als Prädikat auftritt) auf, sondern mit dem ganzen Prädikativzentrum. In einigen Fällen erweitern sie das Prädikativzentrum, wobei mehr Information vorhanden ist:

У Аверкия , всегда боявшегося пожаров, заколотилось сердце.

Для матери ты всегда будешь ребёнком.

Для любителя он неплохо владеет пером.

In anderen Fällen können die Objekte selbst am Aufbau des Prädikativzentrums teilnehmen (in der Regel sind das Sätze mit einem eingliedrigen Prädikativzentrum):

Ребёнку около двух лет.

Каждому случается ошибаться.

У родителей много хлопот (Valgina 1978: 131-132).

Jedoch ist Bezeichnung eines grammatischen Gegenstandes, auf den sich der im Prädikat genannte Prozess richtet, die wichtigste Funktion eines Objekts. Die Beziehungen zwischen Prädikat und Objekt können außerordentlich mannigfaltig sein, da im Prädikat verschiedenartige Prozesse, Tätigkeiten u s. w. ausgedrückt sein können, z. B.:

Бабушка открыла окно.

Север вреден для меня.

Мальчик похож на отца (Gabka 1976: 198).

Als Objekte treten gewöhnlich Substantive (mit oder ohne Präpositionen) in obliquen Kasus auf, aber auch Wörter, die in Bedeutung der Substantive gebraucht werden,

z.B.:

Ваня свил себе из верёвки настоящий пастушеский кнут.

Умные люди решили другое.

Все молчат, и только Володька что-то бормочет.

Als Objekt kann jede Wortart, die statt Substantiv erscheint, auftreten, z. B.:

Он не обращал никакого внимания на её "но" (Konjunktion).

Возвращаю письмо Горленко вместе с большим спасибо (Interjektion).

Infinitiv kann auch als Objekt gebraucht werden, z.B.:

Она подала Валько умыться (Valgina 1978: 130-132).

Die Form eines Objektes wird von der übergeordneten Wortform bestimmt. Es kann in der ersten Linie vom Verb und vom Adjektiv, aber auch von Adverbien oder Zustandswörtern abhängen.

Als die gebräuchlichste Form in der russischen Sprache kann die Abhängigkeit des Objekts vom finiten Verb bezeichnet werden, z. B.:

Утренняя заря украсила небо.

Необычное нравится людям.

Ein Objekt kann außerdem von einem prädikativ gebrauchten Partizip abhängen, z.B.:

Записка составлена нами.

Ты дан мне в спутники.

Objekte treten auch zusammen mit den attributiv gebrauchten Partizipien, mit Adverbialpartizipien und Infinitiven auf, z. B.:

Обновили разбитое камнем стекло.

Давши слово, крепись.

Командир приказал приготовиться к обороне.

Objekte können auch von einem prädikativ gebrauchten Adjektiv abhängen. Dies tritt normalerweise in der Kurzform auf, z. B.:

Тоска по родине знакома каждому путешественнику.

Движения их были сходны с движениями пловцов.

In Verbindung mit der synthetischen Komparativform können Objekte auch gebraucht werden, z.B.:

Потолки светлее стен.

Дерево выше дома.

Objekte können auch von attributivischen Adjektiven abhängen, z. B.:

Я вновь посетил дорогие сердцу места.

In einigen Fällen können Objekte auch mit Adverbien und Zustandswörtern verbunden sein, wobei diese auch im Komparativ stehen können, z. B.:

Вдалеке от камней вспыхнуло пламя.

Вы знаете это лучше меня (Gabka 1976: 198-199).

Nach ihrer Bedeutung und ihrer grammatischen Form werden zwei Arten von Objekten unterschieden: das direkte und das indirekte Objekt.

2.1 Direktes Objekt

Den direkten Objekten sind die von einem Verb abhängigen Objekte zuzurechnen, die meistens in der Form des reinen Akkusativs auftreten und einen Gegenstand bezeichnen, auf den die durch das Verb ausgedrückte Tätigkeit unmittelbar gerichtet ist, z. B.:

Она любит тихие, солнечные поляны.

Врач осмотрел больного.

Unter bestimmten Bedingungen können auch reine Genitive an die Stelle des reinen Akkusativs treten: Das sind der partitive Genitiv und Genitiv der Verneinung. Sie werden auch als direkte Objekte angesehen.

Wenn die Tätigkeit nur einen Teil des Gegenstandes erfasst, wird der partitive Genitiv verwendet, wobei eine unbestimmte Mengenangabe vorliegt, z. B.:

Купила мать слив.

Отец привёз дров.

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Nebenrangige Satzglieder im Russischen
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Slavisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar: Syntax des Russischen
Note
2,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V124494
ISBN (eBook)
9783640297306
ISBN (Buch)
9783640302710
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nebenrangige, Satzglieder, Russischen, Proseminar, Syntax, Russischen
Arbeit zitieren
Kateryna Buzun (Autor), 2007, Nebenrangige Satzglieder im Russischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124494

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