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Das Rezipientenpassiv im Deutschen

Title: Das Rezipientenpassiv im Deutschen

Intermediate Examination Paper , 2008 , 21 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Kateryna Buzun (Author)

German Studies - Linguistics
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Lange Zeit wurde in der linguistischen Literatur das sog. Vorgangspassiv, auch werden-Passiv genannt, als die einzige passivische Konstruktion im Deutschen angesehen. Grund dafür war das Streben, viele grammatische Erscheinungen mit den Regeln der lateinischen Grammatik zu erklären. Da das Latein nur ein Passiv kennt, galt auch die Meinung, dies treffe auch für das Deutsche zu. Erst als viele kontrastive Analysen gezeigt haben, dass es Sprachen mit mehr als einem Passiv gibt (vor allem in den slawischen und skandinavischen, aber auch einigen asiatischen Sprachen), fing man an, auch in der deutschsprachigen wissenschaftlichen Literatur von verschiedenen Arten des Passivs zu reden: Zustandspassiv, bekommen-Passiv, bleiben-Passiv, haben-Passiv, gehören-Passiv. Besonders viele Diskussionen hat die Frage des Status des Razipientenpassivs hervorgerufen. Aus der geschichtlichen Sicht lässt sich zuerst das Verb kriegen als eine Komponente des Rezipientenpassivs nachweisen. Das spätere Erscheinen des Verbs erhalten in dieser Funktion kann man mit dem Verhältnis zwischen bekommen und erhalten erklären: Es ist immer durchaus möglich, erhalten durch bekommen zu ersetzen, aber nicht immer ist bekommen durch erhalten substituierbar (Mihailova 2003: 145-146). Der Grund für die Diskussion über den Status des Rezipientenpassivs in der Literatur ist, dass die Verben, mit denen diese Art des Passivs gebildet wird, relativ viel eigenständige Semantik haben: Es ist schwer, die Hilfsverben bekommen, kriegen und erhalten von den entsprechenden Vollverben zu unterscheiden (Pittner/Berman 2004: 74). Anfangs konnte man der Konstruktion bekommen/kriegen/erhalten + Partizip II nur im Zusammenhang mit sog. Verben des Gebens begegnen. In letzter Zeit treten sie jedoch immer öfter in Sätzen auf, deren Vollverb gerade das Gegenteil von geben ausdrückt (Mihailova 2003: 146). Solche Sätze werden trotzdem oft für markiert oder ungrammatisch gehalten, z.B.: [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erläuterung der Begriffe

2.1 Genus verbi

2.2 Passiv

2.3 Das Rezipientenpassiv

3. Der umstrittene Status des Rezipientenpassivs

3.1 Unterschiede zum Vorgangspassiv

3.1.1 Prädikative Beziehung

3.1.2 Semantik des Rezipientenpassivs

3.2 Argumente für den Passivstatus

3.2.1 Prädikativ- oder Passivkonstruktion?

3.2.2 Grammatikalisierung

3.2.3 Testverfahren

3.2.4 Kritik an Gegenargumenten

4. Schlussbetrachtungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den linguistischen Status des Rezipientenpassivs im Deutschen. Ziel ist es, die bestehende wissenschaftliche Kontroverse aufzuarbeiten, indem verschiedene Einstellung von Linguisten sowie die zentralen Argumente für und gegen den Passivstatus der Konstruktionen mit bekommen, kriegen und erhalten analysiert werden.

  • Grammatische Kategorisierung des Rezipientenpassivs
  • Abgrenzung zum Vorgangspassiv und zu Prädikativkonstruktionen
  • Prozess der Grammatikalisierung von Besitzverben
  • Semantische und syntaktische Analyse von Passivkonstruktionen
  • Kritische Würdigung der Gegenargumente zum Passivstatus

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Prädikativ- oder Passivkonstruktion?

Ganz anders beantwortet Wegener (1985) die Frage, ob bei bekommen/kriegen + Partizip II-Konstruktionen Prädikativ- oder Passivkonstruktionen vorliegen: Wenn es tatsächlich um Prädikativkonstruktionen geht, so müssen die Sätze dieser Art semantisch komplex sein, d. h. zwei Prädikationen, die sich in einem Satzgefüge ausdrücken lassen, enthalten, z. B.:

(20) Ich bekomme das Geld geliehen.

a) Ich bekomme das Geld, welches jedoch nur geliehen ist.

b) Ich bekomme das Geld, wobei dieses nur geliehen ist.

Dabei zeigt die Prädikation (in 20a) die Relation X bekommt Y und die zweite Prädikation (in 20b) – Y ist (un-)verändert/irgendwie.

Wie man in (20) sehen kann, gelten diese doppelte Prädikation enthaltende Paraphrasen für manche fragliche Konstruktionen. Dies geschieht aber nur dann, wenn das Verb, aus dem Partizip gebildet ist, das semantische Merkmal Besitzveränderung im positiven Sinne hat. Falls aber das Verb etwas anderes bezeichnet (z. B. Besitzveränderung im negativen Sinne – nehmen, Nicht-Besitzwechsel – lassen, Zustandsveränderung – waschen, Korrespondenzrelation – vorsetzen, korrespondierendes Verhalten – antworten), kann man nicht mehr über die Prädikation X bekommt Y sprechen, da bekommen in diesen Fällen keine semantische Bedeutung trägt, vgl.:

(21) Ich bekomme das Blut abgenommen (ich bekomme gerade kein Blut).

Wegener macht auch darauf aufmerksam, dass die Paraphrase von Haider in 12a) nur eine Lesart des Satzes Wir kriegen die Gläser gewaschen darstellt, und zwar: Wir kriegen gewaschene Gläser.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Rezipientenpassivs ein und erläutert, warum diese Konstruktion lange Zeit nicht als Passivform anerkannt wurde.

2. Erläuterung der Begriffe: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen wie Genus verbi und das Vorgangspassiv dargelegt, um das Verständnis für das Rezipientenpassiv zu ermöglichen.

3. Der umstrittene Status des Rezipientenpassivs: Dieses Hauptkapitel analysiert die linguistische Kontroverse, vergleicht das Rezipientenpassiv mit dem Vorgangspassiv und diskutiert Argumente für und gegen seinen Passivstatus.

4. Schlussbetrachtungen: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass das Rezipientenpassiv heute von der Mehrheit der Linguisten als eine unabhängige und gleichberechtigte Passivkonstruktion betrachtet wird.

Schlüsselwörter

Rezipientenpassiv, Vorgangspassiv, Passivdiathese, Grammatikalisierung, Hilfsverb, Partizip II, Syntax, Semantik, Dativ, Akkusativ, Sprachgeschichte, linguistische Kontroverse, Prädikativkonstruktion, Transitivität, Besitzverb

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der linguistischen Einordnung des sogenannten Rezipientenpassivs (auch bekommen-Passiv genannt) im Deutschen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Das Hauptaugenmerk liegt auf der Abgrenzung zu anderen Passivformen, der syntaktischen Struktur und der semantischen Funktion der Hilfsverben bekommen, kriegen und erhalten.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, den wissenschaftlichen Diskurs um den Status des Rezipientenpassivs darzustellen und die Argumente der verschiedenen Linguisten zu beleuchten.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch-linguistische Arbeit, die auf einer umfassenden Analyse existierender Fachliteratur und kontrastiven Analysen basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsklärung, eine detaillierte Untersuchung der Unterschiede zum Vorgangspassiv sowie eine kritische Darstellung der Argumente für und gegen den Passivstatus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Rezipientenpassiv, Grammatikalisierung, Passivdiathese, Dativ, Akkusativ und die verschiedenen Hilfsverben, die zur Bildung dieser Konstruktionen genutzt werden.

Warum ist das Rezipientenpassiv in der Linguistik umstritten?

Der Streit entzündet sich an der Frage, ob es sich um eine echte Passivkonstruktion handelt oder um eine Prädikativkonstruktion, da die Hilfsverben auch als Vollverben auftreten.

Wie trägt die Grammatikalisierung zum Verständnis bei?

Der Grammatikalisierungsprozess erklärt, wie sich Verben mit der Bedeutung "in den Besitz gelangen" zu funktionalen Hilfsverben entwickeln, die eine grammatische Funktion in Passivsätzen übernehmen.

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Details

Title
Das Rezipientenpassiv im Deutschen
College
University of Heidelberg
Grade
2,0
Author
Kateryna Buzun (Author)
Publication Year
2008
Pages
21
Catalog Number
V124498
ISBN (eBook)
9783640297337
ISBN (Book)
9783640302741
Language
German
Tags
Rezipientenpassiv Deutschen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kateryna Buzun (Author), 2008, Das Rezipientenpassiv im Deutschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124498
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