Schon die Fragestellung zeigt auf: der Petrarkismus ist ein System, in dem recht regelhaft sprachliche und motivische Elemente aus Petrarcas „Canzoniere“ übernommen werden, wobei durch die Imitation und Ausformung insbesondere des antithetischen Motivs eine gewisse Formelhaftigkeit entsteht. Zugleich werden der angebeteten Dame Attribute in Art eines „Schönheitskatalogs“ zugesprochen, um sie – ähnlich wie in der Minnelyrik – emporzuheben. Sie ist ein bezauberndes, aber abweisendes Wesen, das den Dichter lustvollen Schmerz über die unerfüllte Liebe artikulieren lässt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse der petrarkistischen Merkmale bei Opitz
2.1 Formale Struktur und metrische Aspekte
2.2 Metaphorik und Schönheitskatalog
3. Der Wandel zum Antipetrarkismus
3.1 Mythologische Referenzen und Parodie
3.2 Syntaktische und inhaltliche Brüche
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Einordnung des Gedichts „Sonett“ von Martin Opitz in das System des Petrarkismus, mit besonderem Fokus auf die parodistischen und antipetrarkistischen Elemente des Werkes.
- Strukturelle Analyse des Sonetts im Vergleich zum Petrarkismus
- Untersuchung der metaphorischen Verkehrungen
- Deutung mythologischer Anspielungen (Tyndaris/Helena)
- Kritik an den Konventionen der Liebeslyrik
- Abgrenzung zum klassischen Petrarkismus
Auszug aus dem Buch
Inwiefern passt Martin Opitz‘ Gedicht „Sonnet“ in das System des Petrarkismus?
Schon die Fragestellung zeigt auf: der Petrarkismus ist ein System, in dem recht regelhaft sprachliche und motivische Elemente aus Petrarcas „Canzoniere“ übernommen werden, wobei durch die Imitation und Ausformung insbesondere des antithetischen Motivs eine gewisse Formelhaftigkeit entsteht. Zugleich werden der angebeteten Dame Attribute in Art eines „Schönheitskatalogs“ zugesprochen, um sie – ähnlich wie in der Minnelyrik – emporzuheben. Sie ist ein bezauberndes, aber abweisendes Wesen, das den Dichter lustvollen Schmerz über die unerfüllte Liebe artikulieren lässt.
Gewissermaßen systematisch erscheint auch das Gedicht „Sonett“ von Opitz. Auf den ersten Blick erfüllt es genau die Merkmale des Petrarkismus: in Sonettform wird einer apostrophisch angesprochenen Dame gehuldigt, die gemäß dem Schönheitskatalog gepriesen wird, angefangen bei den Augen. Auch die Prätiosenmethaporik zur Beschreibung der Schönheit der Dame Tyndaris entspricht dem Konzept. Aber die metaphorischen Zuordnungen sind falsch angebracht, so dass beispielsweise der Rubin, dessen strahlendes Rot den Lippen entspräche, hier zur Beschreibung der Augen dient, der Türkis zur Beschreibung der Lippen, die Zähne sind goldgelb, so dass die Dame monströs und hässlich erscheint. Der Witz des Gedichtes liegt darin, dass dies durch die Entlehnung der Metaphern aus dem Bereich der idealen Schönheit geschieht und diese bei der Beschreibung nur satirisch verkehrt zugeordnet werden, anstatt das eigentlich angemessene Vokabular zu verwenden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das System des Petrarkismus und die grundlegende Fragestellung zur Einordnung des Opitz-Gedichts.
2. Analyse der petrarkistischen Merkmale bei Opitz: Untersuchung der formalen Übereinstimmungen sowie der bewussten metaphorischen Verkehrungen durch den Autor.
3. Der Wandel zum Antipetrarkismus: Analyse der parodistischen Absichten, der mythologischen Bezüge und der inhaltlichen Brüche, die eine Zuordnung zum Antipetrarkismus rechtfertigen.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse hinsichtlich der Abgrenzung von der klassischen petrarkistischen Lyrik.
Schlüsselwörter
Petrarkismus, Antipetrarkismus, Martin Opitz, Sonett, Liebeslyrik, Schönheitskatalog, Parodie, Metaphorik, Tyndaris, Mythologie, Frühe Neuzeit, Literaturanalyse, Alexandriner, Liebeswerbung, Rhetorik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob das Gedicht „Sonett“ von Martin Opitz den klassischen Regeln des Petrarkismus folgt oder ob es diese parodistisch unterwandert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die petrarkistische Formensprache, die Verwendung des Schönheitskatalogs, mythologische Referenzen und die literarische Technik der Parodie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu belegen, dass Opitz den Petrarkismus durch bewusste Fehlzuordnungen und Stilbrüche ironisiert und somit dem Antipetrarkismus zuzuordnen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die formale Aspekte wie das Versmaß mit inhaltlichen Interpretationen der Metaphorik kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die formale Struktur, die Verwendung metaphorischer Begriffe (res und verba) und die spezifische mythologische Vorbildfunktion (Tyndaris/Helena) analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Petrarkismus, Antipetrarkismus, Parodie, Schönheitskatalog und rhetorische Verkehrung charakterisiert.
Warum wirkt die Dame im Gedicht monströs?
Die Dame erscheint monströs, weil Opitz die edlen Metaphern des petrarkistischen Schönheitskatalogs (wie Rubin oder Türkis) falsch und satirisch auf die Körpermerkmale der Dame anwendet.
Welche Rolle spielt die Figur der Tyndaris?
Tyndaris fungiert als Beiname der schönen Helena. Da Helena parodiert wird, dient dieser Name dazu, die Intention des Gedichts als Antipetrarkismus zu verdeutlichen.
Warum gibt es einen Wechsel im Versmaß?
Der Wechsel beim Wort „Göttinnen“ stört den Lesefluss und dient dazu, die inhaltliche Aussage sowie den darauf folgenden thematischen Bruch stärker zu betonen.
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- Natalie Schilling (Author), 2009, Inwiefern passt Martin Opitz‘ Gedicht „Sonnet“ in das System des Petrarkismus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124502