Crowdsourcing gilt als Geschäftsmodell der Zukunft (BrandeinsOnline 2007). Da jedoch immer mehr Unternehmen die Vorteile derartiger Geschäftsmodelle (Ogawa, Piller 2006:
66ff.) erkennen, verschärft sich die Konkurrenz der Community-Betreiber um die beschränkte, und für den Erfolg von Crowdsourcing-Geschäftsmodellen essenzielle Ressource „Mensch“ (BrandeinsOnline 2007). Daher stellt sich die Frage, was Online-Crowdsourcing-Communities ihren Teilnehmern offerieren müssen, damit diese an ihrer Community partizipieren?
Die vorliegende Diplomarbeit veranschaulicht anhand explorativer Analysen der Online-Communities Threadless, LaFraise und A-better-tomorrow, dass die gerechte Gestaltung der Geschäftsmodelle derartiger Communities die Teilnahmemotivation potenzieller User positiv beeinflusst. Fairness ist somit neben den bereits bekannten ökonomischen, hedonistischen und sozialen Motiven (Walcher, 2007: 150) ein wesentlicher Grund, um sich an Crowdsourcing-Communities zu beteiligen.
Darüber hinaus kann gezeigt werden, dass die gerechte Ausgestaltung des Geschäftsmodells auch die Loyalität der Mitglieder gegenüber ihrer Community positiv beeinflusst.
Das Gerechtigkeitsempfinden der User kann durch die Gestaltung des Entlohnungssystems, durch den Umgang mit den Verwertungsrechten der eingereichten Designs sowie durch die transparente Gestaltung des Geschäftsmodells, die aktive Einbindung der User in Entscheidungsprozesse und den respektvollen Umgangston innerhalb der Community beeinflusst werden.
Nimmt der Community-Betreiber keine Rücksicht auf diese Aspekte und das Fairnessempfinden seiner User, führt dies dazu, dass Menschen die Community verlassen und negatives Word of Mouth verbreiten. Dadurch kann ein Schneeballeffekt ausgelöst werden und mehrere Mitglieder kehren der Community den Rücken (Oh, Jeon 2007: 1098f.). Da dies die Stabilität der Community und somit deren ökonomischen Erfolg gefährdet, wird klar, dass die faire Behandlung der Community-Mitglieder essenziell für den Erfolg von Crowdsourcing-Geschäftsmodellen ist.
Inhaltsverzeichnis
Executive Summary
1. Einleitung in die Problemstellung
1.1. Zielsetzung der Arbeit
1.2. Aufbau
2. Stand der Forschung
2.1. Was ist Crowdsourcing
2.1.1. Erfolgsfaktoren von Crowdsourcing
2.1.2. Grenzen von Crowdsourcing-Geschäftsmodellen
2.2. Was ist eigentlich Fairness?
2.2.1. Fairness und deren unterschiedliche Ausprägungen
2.2.2. Distributive Fairness
2.2.3. Procedural Fairness
2.2.4. Interactional Fairness
2.3. Forschungslücke
3. Methode
3.1. Dokumentenanalyse und Sekundärliteratur
3.2. Qualitative Analyse der Interviews
3.2.1. Auswahl und Beschreibung des Interviewsamples
3.2.2. Methodenwahl und allgemeine Herangehensweise
4. Ergebnisse der qualitativen Datenanalyse
4.1. Crowdsourcing-Geschäftsmodelle im Vergleich
4.2. Das Fairnessempfinden beeinflussende Aspekte
4.2.1. Die Distributive Fairness beeinflussende Aspekte
4.2.2. Die Procedural Fairness beeinflussende Aspekte
4.2.3. Die Interactional Fairness beeinflussende Aspekte
4.3. Der Einfluss von Fairness auf die Teilnahmemotivation
4.4. Die Loyalität beeinflussende Aspekte
4.5. Verhalten bei empfundener Ungerechtigkeit
5. Diskussion
5.1. Ergebnisse und Schlussfolgerungen
5.2. Limitationen der Arbeit
5.3. Implikationen für weitere Forschung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der gerechten Ausgestaltung von Online-Design-Communities und der Teilnahmemotivation sowie der Loyalität der Mitglieder. Dabei wird analysiert, welche Aspekte des Geschäftsmodells das Fairnessempfinden der Nutzer beeinflussen und welche Auswirkungen eine empfundene Ungerechtigkeit auf das Verhalten der Community-Mitglieder hat.
- Crowdsourcing als Geschäftsmodell
- Fairnesskonzepte (Distributive, Procedural, Interactional Fairness)
- Qualitative Analyse von Online-Design-Communities (Threadless, LaFraise, A-better-tomorrow)
- Faktoren für Teilnahmemotivation und Loyalität
- Verhaltensreaktionen bei empfundener Ungerechtigkeit
Auszug aus dem Buch
2.2. Was ist eigentlich Fairness?
Mitglieder von Online-Communities investieren einen nicht unerheblichen Teil ihrer Freizeit in die Teilnahme an ihrer Community (BrandEinsOnline 2007). In den Online-Communities Threadless.com und InnoCentive.com arbeiten tausende Mitglieder für den Community-Betreiber, um trendige T-Shirts zu entwerfen beziehungsweise komplexe wissenschaftliche Problemstellungen zu lösen (Lakhani, Panetta 2007: 100ff.). Da die empfundene Fairness eines Arbeitsverhältnisses von hoher Bedeutung ist (Beugré, Baron 2001: 324f.), kann davon ausgegangen werden, dass dies ebenfalls auf virtuelle Austauschbeziehungen zutrifft. Doch was ist eigentlich Fairness?
Wirtschaftlich betrachtet ist Fairness ein nicht zu vernachlässigender Aspekt, da die empfundene Gerechtigkeit im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses die Einstellung gegenüber dem Arbeitsplatz und dem Arbeitgeber nachhaltig beeinflusst. In weiterer Folge hat die Einstellung gegenüber dem Arbeitsverhältnis selbstverständlich Auswirkungen auf das menschliche Verhalten. Ein potenzieller Arbeitnehmer würde beispielsweise nicht in ein Unternehmen eintreten, welches ein stark negatives Image bezüglich der gerechten Behandlung der Mitarbeiter besitzt. Deshalb achten Unternehmen sehr wohl darauf, dass Entscheidungen von ihren Mitarbeitern als gerecht erachtet werden. (Beugré, Baron 2001: 324f.) Prinzipiell hat jede Entscheidung ökonomische und sozio-emotionale Konsequenzen. Deshalb betrachten Menschen Beschlüsse, Anordnungen et cetera genau und hinterfragen, ob sie diese als gerecht beurteilen (Colquitt 2001: 386).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung in die Problemstellung: Dieses Kapitel führt in das Themenfeld Crowdsourcing ein, erläutert die Relevanz der Untersuchung für Online-Communities und definiert die Forschungsfrage sowie den Aufbau der Arbeit.
2. Stand der Forschung: Hier werden die theoretischen Grundlagen zu Crowdsourcing, Online-Communities und Fairness-Konstrukten (Distributive, Procedural und Interactional Fairness) detailliert dargelegt.
3. Methode: Dieses Kapitel beschreibt den methodischen Ansatz, basierend auf der Grounded Theory, inklusive der Dokumentenanalyse und des qualitativen Vorgehens bei Experten- und User-Interviews.
4. Ergebnisse der qualitativen Datenanalyse: Der Hauptteil präsentiert die empirischen Ergebnisse, ordnet diese in die Fairness-Dimensionen ein und analysiert deren Einfluss auf Teilnahmemotivation, Loyalität und Nutzerverhalten.
5. Diskussion: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert Limitationen des Forschungsdesigns und gibt Implikationen für zukünftige wissenschaftliche Untersuchungen.
Schlüsselwörter
Crowdsourcing, Online-Communities, Fairness, Distributive Fairness, Procedural Fairness, Interactional Fairness, Teilnahmemotivation, Loyalität, User-Innovation, Geschäftsmodelle, Qualitative Forschung, Grounded Theory, Designwettbewerbe, Nutzerschaft, Arbeitsverhältnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Online-Communities gestaltet sein müssen, damit sie von ihren Nutzern als fair empfunden werden und wie sich dies auf deren Beteiligung auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf Crowdsourcing-Geschäftsmodellen, den theoretischen Aspekten der wahrgenommenen Gerechtigkeit und der Analyse der Motivationsfaktoren von Community-Mitgliedern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, welche Rolle eine gerecht ausgestaltete Austauschbeziehung zwischen Betreiber und Nutzer für die Teilnahmemotivation in derartigen Geschäftsmodellen spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einem explorativen Forschungsansatz unter Verwendung der Grounded Theory, gestützt durch Dokumentenanalysen und qualitative Experten- sowie Nutzerinterviews.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die analysierten Geschäftsmodelle der drei Fallbeispiele (Threadless, LaFraise, A-better-tomorrow) verglichen und die identifizierten Fairness-Dimensionen auf ihre Auswirkungen auf Motivation und Loyalität untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Crowdsourcing, Online-Communities, verschiedene Fairness-Konstrukte, Teilnahmemotivation und Loyalitätsverhältnisse.
Warum ist das "Herdenverhalten" für Community-Betreiber ein Risiko?
Wenn wichtige Multiplikatoren oder Experten innerhalb einer Community unzufrieden sind und die Plattform verlassen, kann dies einen Schneeballeffekt auslösen, der zum raschen Verlust zahlreicher weiterer Mitglieder führt.
Wie reagieren Designer, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen?
Neben dem einfachen Verlassen der Community können sie zu inaktiven Beobachtern werden oder durch negatives Word-of-Mouth (z.B. Kritik in Blogs) den Ruf der Community nachhaltig schädigen.
Ist monetäre Entlohnung der wichtigste Faktor für Designer?
Obwohl sie eine große Rolle spielt, zeigen die Analysen, dass auch Faktoren wie Aufmerksamkeit, Anerkennung, Feedback und das Gefühl, ernst genommen zu werden, für die wahrgenommene Fairness und die langfristige Motivation entscheidend sind.
- Quote paper
- Stefan Hauer (Author), 2008, Wie fair sind Online-Communities für ihre User?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124506