Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Wandel der christlich-islamischen Beziehungen zu
Lebzeiten des Propheten Mohammed (ca.570-632 n. Chr.) und der Forschung nach deren
Ursachen. Da sich die Geschichte des Islam zu Lebzeiten von
Mohammed an seinen Offenbarungen und Handlungsweisen orientiert, könnte es im Titel
auch heißen „Ursachen des Wandels der Beziehungen zwischen Mohammed und dem Christentum
zu seinen Lebzeiten“. Trotzdem sich diese Arbeit chronologisch nach den Etappen in
Mohammeds Leben ausrichtet und vor allem nach den Ursachen im Wandel seines Verhältnisses
zum Christentum sucht, legt die Handlungsweise und Gesetzgebung des Propheten
Mohammed den Grundstein für die christlich-islamischen Beziehungen allgemein. Dies sollte
auch im Titel zum Ausdruck kommen. Mit Hilfe einer chronologischen Darstellung der Entwicklung
der christlich-islamischen Kontakte in Etappen wird der Phasenverlauf von einem
friedlich-toleranten Neben- und Miteinander beider Religionsgemeinschaften hin zu dem
feindseligen Klima gezeigt, deren Ausläufer das Verhältnis auch heute noch prägen.
Um die Ursachen des Wandels ergründen zu können, kommt man nicht umhin, den Wandel
selbst zu beschreiben. Das zweite Kapitel beginnt daher in der vorislamischen Zeit und beschäftigt
sich mit der Klärung der religiösen Umgebung in die
Mohammed hinein geboren wurde und die ihn zweifellos in seinen späteren Überzeugungen
beeinflusst hat. Es beschreibt die Voraussetzungen und Bedingungen unter denen sich die
christlich-islamischen Beziehungen entwickelten.
Mit der Entwicklung von Mohammeds Geburt bis zur hira und der Auswanderung der muslimischen
Gemeinde aus Mekka nach Medina, beschreibt das dritte Kapitel den Höhepunkt
der friedlich-wohlmeinenden Beziehungen zu Christen. Danach werden die beiden letzten Etappen der schlechter werdenden christlich-islamischen Beziehungen dargestellt (Kapitel 4).
Erst ab diesem Zeitpunkt vollzog sich der Wandel dessen Ursachen diese Arbeit untersuchen
möchte. Durch die Themenwahl der islamischen Frühgeschichte ergibt sich, was die wissenschaftliche
Quellenlage betrifft, eine entscheidende Schwierigkeit. Die Überlieferung von Mohammeds
Biografie (sira) und seines Umfeldes muss mangels materieller Zeugnisse und arabischer Inschriften
trotz wissenschaftlicher Skrupel aus literarischen Quellen entnommen werden die
Jahrzehnte und Jahrhunderte nach dem historischen Geschehen von gläubigen Muslimen in
arabischer Sprache festgehalten oder überarbeitet worden sind.[...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Glaubenswelt der arabischen Polytheisten in Mekka um das sechste Jd. n. Chr. und ihre Beziehungen zum Christentum
3 Mohammeds Verhältnis zu Christen vor der hiǧra
3.1 Erste Kontakte
3.2 Zeit der Sendung
3.3 Auswanderungen nach Abessinien
4 Die hiǧra: Der Wendepunkt der muslimisch-christlichen Beziehungen
4.1 Aufwertung des Christentums durch Abwertung des Judentums
4.2 Die Verurteilung der Christen
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel der christlich-islamischen Beziehungen zu Lebzeiten des Propheten Mohammed und erforscht die historischen sowie theologischen Ursachen für den Übergang von einem anfänglich friedlich-toleranten Miteinander zu einer zunehmend feindseligen Haltung.
- Chronologische Analyse der Phasen in Mohammeds Leben
- Religiöse Umgebung der vorislamischen Zeit (ǧāhilliyya)
- Rolle der christlichen Kontakte vor und nach der hiǧra
- Politischer und theologischer Kontext der Abgrenzung vom Christentum
- Interpretation der koranischen Aussagen zu den "Schriftbesitzern"
Auszug aus dem Buch
3.3 Auswanderungen nach Abessinien
Die Mekkaner lehnten Mohammeds Sendung so entschieden ab, wie er sie unbeugsam weiter vertrat. Da Mohammeds Sendung ihr ganzes Gesellschaftssystem ins wanken brachten fürchteten sie ihn und seine Bewegung, verspotteten ihn und versuchten seine Rezitationen und Gebete zu unterbinden. Mit der Zunahme der Repressionen gegen die Muslime, die sich verstärkt gegen die Schutzlosen wie Sklaven und Arme richteten, sandte Mohammed die von der Verfolgung und den Erniedrigungen am stärksten Betroffenen ins christliche Abessinien (Äthiopien). Er würdigte deren Negus durch die Worte:
„Denn dort herrscht ein König, bei dem niemandem Unrecht geschieht. Es ist ein freundliches Land. Bleibt dort, bis Gott eure Not zum besseren wendet!“
Die Betroffenen wanderten in zwei Gruppen aus. Nachdem die erste Gruppe ausgewandert war, potenzierten sich die Misshandlungen durch die Qurayš. Da Mohammed nun berechtigte Befürchtungen haben musste, dass sich einige Anhänger seines Glaubens von ihm abwenden würden, um den Verfolgungen zu entgehen, wurde die Auswanderung einer zweiten Gruppe nach Abessinien notwendig. Mit dieser soll sich etwa um 615 n. Chr. ein Großteil der Anhänger Mohammeds in Sicherheit befunden haben. Gemäß Ibn Ishāq beschreiben die muslimischen Auswanderer ihr Ankunftserlebnis und ihre Aufnahme wie folgt:
„Wir haben im Land unsres Gottes die Helfer gefunden, die uns aus Schande und Schmach und Erniedrigung heben. So bleibet nicht länger mehr dort, wo euch Schmach und Verachtung im Leben wie auch im Tode für immer umgeben!“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der christlich-islamischen Beziehungen zu Lebzeiten Mohammeds ein und erläutert die methodische sowie quellenkritische Herangehensweise.
2 Glaubenswelt der arabischen Polytheisten in Mekka um das sechste Jd. n. Chr. und ihre Beziehungen zum Christentum: Das Kapitel beschreibt das religiöse Umfeld Mekkas vor der Sendung Mohammeds und beleuchtet die monotheistischen Einflüsse, insbesondere durch das Christentum.
3 Mohammeds Verhältnis zu Christen vor der hiǧra: Hier wird der Höhepunkt der friedlichen Beziehungen zwischen Mohammed und den Christen in der mekkanischen Periode analysiert.
4 Die hiǧra: Der Wendepunkt der muslimisch-christlichen Beziehungen: Dieses Kapitel thematisiert die radikale Änderung im Verhältnis nach der Auswanderung nach Medina, geprägt durch politische Konflikte und theologische Neuausrichtung.
5 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst den Wandel in den drei identifizierten Hauptphasen zusammen und führt die Ablehnung als wechselseitigen Prozess zwischen den Religionen aus.
Schlüsselwörter
Mohammed, Christentum, Islam, hiǧra, Mekka, Medina, Religionsgeschichte, Koran, Schriftbesitzer, Abessinien, Polytheismus, Monotheismus, ǧāhilliyya, Offenbarung, interreligiöser Dialog.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die zeitliche und inhaltliche Entwicklung des Verhältnisses von Mohammed zum Christentum während seiner Lebenszeit.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der vorislamischen Umgebung, der mekkanischen Phase des wohlwollenden Austauschs und der späteren Abgrenzung nach der Auswanderung (hiǧra).
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Ursachen für den Wandel von einer anfänglichen Offenheit Mohammeds gegenüber Christen hin zu einer deutlichen Distanzierung und Konfrontation zu ergründen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine chronologische Analyse der Lebensetappen Mohammeds in Kombination mit einer kritischen Auswertung literarischer Quellen und koranischer Offenbarungen.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil analysiert die drei Phasen des Wandels, beginnend bei den ersten Kontakten, über die Auswanderung nach Abessinien bis hin zur politischen Neuordnung in Medina.
Welche Keywords charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie interreligiöse Beziehungen, Religionsstifter, Monotheismus, Koranexegese und die historische Entwicklung des Islams im 7. Jahrhundert gekennzeichnet.
Warum spielt die Auswanderung nach Abessinien eine so zentrale Rolle?
Die Auswanderung zeigt das hohe Vertrauen Mohammeds in das christliche Umfeld Abessiniens als sicheren Zufluchtsort für seine ersten Anhänger in einer Zeit der Verfolgung.
Wie erklärt die Autorin den Bruch mit den Christen in der medinensischen Phase?
Der Bruch wird primär als Folge politischer Notwendigkeiten, der Konsolidierung des islamischen Staates und einer theologischen Abgrenzung von konkurrierenden monotheistischen Religionen gedeutet.
Welche Bedeutung haben die sogenannten "Schriftbesitzer" in diesem Kontext?
Der Begriff "ahl al-kitāb" markiert die theoretische Verbundenheit der Religionen, deren Bedeutung jedoch mit dem Erstarken des islamischen Selbstbewusstseins im Koran zunehmend durch Vorwürfe der Schriftverfälschung relativiert wurde.
- Quote paper
- Katharina Fülle (Author), 2008, Ursachen des Wandels der christlich-islamischen Beziehungen zu Lebzeiten des Propheten Mohammed, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124539