Die negativen Seiten des menschlichen Aufeinandertreffens und Zusammenlebens soll diese Bachelorthesis thematisieren, genauer, negative Dynamiken, die in der Zusammenarbeit mit Kund: innen in den Jobcentern entstehen. Denn insbesondere die Mitarbeiter: innen der Dienststellen der Bundesagentur für Arbeit sind von solchen Vorfällen betroffen. Dies lässt sich anhand vieler Untersuchungen, Vorfälle, Befragungen und Zeitschriftenartikel belegen. So unter anderem geschehen in Form eines Forschungsberichtes, welcher sich insbesondere mit Gewalt und Aggressionen gegen Mitarbeiterinnen der Agentur für Arbeit und der Jobcenter von 2020 beschäftigt. Vor allem die mitunter existenzbedrohenden Problemlagen der Kund: innen sorgen für ein schwieriges und anspruchsvolles Arbeitsumfeld. Es existieren zahlreiche Wegweiser und Handlungsempfehlungen, wie mit diesen Situationen und Kund: innen am besten umzugehen ist. Die Bundesagentur für Arbeit setzt dabei auch auf ein institutionelles Bedrohungs- und Aggressionsmanagement. Doch alle Beraterinnen sind Individuen mit einem, durch die jahrelange Arbeitserfahrung, angereichertem Erfahrungsschatz in Sachen Beratung, Menschenkenntnis aber auch im Umgang mit schwierigen und eventuell aggressiven Beratungssituationen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Das Forschungsthema
1.2 Zielsetzung und Erkenntnisinteresse
1.3 Forschungsstand
1.4 Konzept und Methodik
2 Theoretischer Teil
2.1 Gewalt - eine Definition
2.1.1 Aggression und Gewalt
2.2 Aggressionen in der öffentlichen Verwaltung
2.2.1 Gewalt/Aggressionen am Arbeitsplatz (Workplace Violence)
2.3 Ursachen von Gewalt/Aggressionen
2.4 Umgang mit aggressivem Verhalten
2.4.1 Rechtliche Grundlagen Sicherheit am Arbeitsplatz
2.4.2 Deeskalation
2.4.2.1 Aggressionsfördernde Faktoren
2.4.2.2 Aggressionsvermeidende Faktoren
2.4.2.3 Generell deeskalierende Maßnahmen
2.4.3 Risiko- und Bedrohungsmanagement
2.4.3.1 Wann ist ein Bedrohungsmanagement erfolgreich?
2.4.3.2 Bedrohungsmanagement in Jobcentern
3 Methodik der qualitativen Forschung
3.1 Datenerhebung
3.2 Datenanalyse
3.3 Kurzfragebogen (Steckbriefe befragte Personen)
3.4 Reflexion Interviews/Methodik
4 Forschungsergebnisse
4.1 Erlebnisse von aggressiven Situationen
4.2 Vorbereitung auf aggressive Situationen
4.3 Eigene Reaktion auf Aggressives Verhalten
4.4 Verständnis für aggressive Kund: innen
4.5 Reaktionen des Umfeldes (Kolleg: innen & Vorgesetzte)
4.6 Handlungsweisen bei Aggressionen
4.7 Gesprächsführung ausgestalten
4.8 Eigensicherung am Arbeitsplatz
4.9 Unterstützung durch den Arbeitgeber
4.10 Wahrnehmung eines Bedrohungsmanagements
4.11 Einstellung zum Beruf durch aggressive Situationen
5 Diskussion
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den individuellen Umgang von Jobcentermitarbeitenden mit aggressivem Kundenverhalten. Ziel ist es, persönliche Strategien jenseits standardisierter Konzepte zu identifizieren, um Erkenntnisse für eine effektivere Gewaltprävention und ein besseres Verständnis der Bedürfnisse der Beschäftigten zu gewinnen.
- Analyse negativer Dynamiken in der Zusammenarbeit mit Kunden
- Erforschung individueller Deeskalations- und Bewältigungsstrategien
- Evaluation des institutionalisierten Bedrohungsmanagements durch die Beschäftigten
- Untersuchung der professionellen Haltung und Arbeitsmotivation bei Konfrontation mit Aggression
Auszug aus dem Buch
2.4.3 Risiko- und Bedrohungsmanagement
Die Geschichte des Bedrohungsmanagements findet ihren Anfang in den USA in den 1980er- und 1990er- Jahren. Es wurde damals Attentate und versuchte Attentate auf Personen des öffentlichen Lebens unter dem Stichwort der schweren, zielgerichteten Gewalt untersucht. Diese Gewalt beschreibt den Endpunkt von Gedanken und Handlungen einer Person und stellt in äußerst subjektiver Sicht eine Lösung für einen Missstand oder eine Krise dar. Von außen kann dieser Weg bis zu diesem Endpunkt anhand von Warnsignalen erkannt werden und somit öffnet sich Grundsätzlich die Möglichkeit, im Rahmen eines Bedrohungsmanagements, präventiv zu intervenieren.
Ein Bedrohungsmanagement kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Aktivierungsschwelle niedrig angesetzt wird, sodass mögliche Bedrohungen frühzeitig, und eben bevor die Schwelle der Straftat überschritten wird, erkannt werden können. Da Fallkonstellationen überaus dynamisch ablaufen, sich also ein Risiko binnen weniger Tage oder Wochen entwickeln kann, ist es zwangsläufig notwendig eine enge und interdisziplinäre Zusammenarbeit, bspw. mit der Polizei, zu forcieren. Vor allem in der öffentlichen Verwaltung und somit auch in den Jobcentern, ist die Kernaufgabe des Bedrohungsmanagements nicht mehr allein die Verhinderung von schwersten Gewalttaten, sondern auch den Umgang mit einem breiteren Spektrum bedrohlicher Verhaltensweisen, die zu schweren Belastungen bei den Betroffenen führen.
Bei der Implementierung eines Risiko- und Bedrohungsmanagements sind einige Dinge zu beachten. In einem ersten Schritt ist es wichtig einen Fokus auf die Aufklärung zu legen, dabei sollte es in erster Linie um die Sensibilisierung der Mitarbeiter: innen gehen. Jede Bedrohungssituation ist anders, genauso wie jede Gefährdung, daher ist einer der wichtigsten Bausteine den Blick der Mitarbeiter auf Warnanzeichen zu schulen. In einem nächsten Schritt müssen Maßnahmen entwickelt werden, die von jedem Beschäftigen übernommen werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Problematik von Gewalt und Aggression gegenüber Jobcentermitarbeitenden und definiert die Forschungsfrage, die sich auf den individuellen Umgang mit diesen schwierigen Situationen konzentriert.
2 Theoretischer Teil: Dieses Kapitel definiert gewaltbezogene Begrifflichkeiten, analysiert Aggressionen in der öffentlichen Verwaltung und erläutert etablierte Konzepte des Risiko- und Bedrohungsmanagements sowie rechtliche Grundlagen der Sicherheit am Arbeitsplatz.
3 Methodik der qualitativen Forschung: Hier werden das Forschungsdesign, die Datenerhebung mittels leitfadengestützter Interviews sowie der Prozess der Datenanalyse nach Kuckartz beschrieben, um eine reliablere wissenschaftliche Basis zu schaffen.
4 Forschungsergebnisse: Das Kapitel präsentiert die empirischen Befunde zu den Erlebnissen der Mitarbeitenden mit Aggressionen, ihren persönlichen Bewältigungsstrategien, ihrer Wahrnehmung des Arbeitgeberschutzes und ihrer beruflichen Einstellung.
5 Diskussion: Die Diskussion interpretiert die Ergebnisse, stellt Paradoxien und Auffälligkeiten dar – wie etwa die Diskrepanz zwischen Richtlinien und gelebter Praxis – und setzt diese in den Kontext der Forschungsfrage.
6 Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse über den individuellen Umgang mit Aggressionen zusammen und weist auf kommunikative Defizite zwischen Führung und Personal hin, um Ansätze für die weitere Forschung zu bieten.
Schlüsselwörter
Gewaltprävention, Jobcenter, Bedrohungsmanagement, Aggression, Arbeitsplatzsicherheit, Qualitative Sozialforschung, Deeskalation, Mitarbeiterwohlbefinden, Konfliktmanagement, Kundenservice, Arbeitsbelastung, Kommunikation, Sicherheitsmanagement, Gefährdungsbeurteilung, individuelle Bewältigungsstrategien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelor-Thesis thematisiert die negativen Dynamiken und aggressiven Situationen, denen Mitarbeitende in Jobcentern in der Interaktion mit Kund: innen ausgesetzt sind, und untersucht, wie diese individuell damit umgehen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?
Zu den Kernbereichen zählen die Definition von Gewalt und Aggression im Behördenkontext, bestehende institutionelle Schutzkonzepte, persönliche Präventionsstrategien und die psychischen Belastungen durch das Arbeitsumfeld.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, welche individuellen Strategien und Verhaltensweisen Mitarbeitende abseits des institutionalisierten Gewaltmanagements entwickelt haben, um sich in schwierigen Beratungssituationen zu schützen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Forschungsmethode, konkret wurden leitfadengestützte Interviews mit fünf Mitarbeitenden aus unterschiedlichen Jobcentern durchgeführt und nach der inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz ausgewertet.
Welche Inhalte bilden den Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Begriffe und Managementkonzepte sowie den empirischen Teil, in dem die Ergebnisse der Interviews zu den Themen Eigensicherung, Deeskalation und der Unterstützung durch den Arbeitgeber analysiert werden.
Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter für diese Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind Gewaltprävention, Bedrohungsmanagement, Aggression am Arbeitsplatz, Arbeitsplatzsicherheit und individuelle Bewältigungsstrategien.
Warum nutzen Mitarbeitende vorhandene Sicherheitsangebote wie das AMOK-System oft selten?
Die Interviews zeigen, dass die Sicherheitssysteme als wenig präsent oder im Alltag als nicht unmittelbar notwendig wahrgenommen werden. Zudem besteht eine Unsicherheit in der Bedienung, und einige Mitarbeitende befürchten, dass ein zu starker Fokus auf Sicherheitsvorkehrungen das Vertrauensverhältnis zum Kunden belasten könnte.
Welches Kommunikationsdefizit wurde zwischen Mitarbeitenden und Vorgesetzten festgestellt?
Es wurde deutlich, dass sich die Mitarbeitenden trotz Belastungen kaum an ihre Vorgesetzten wenden und im Gegenzug die Reaktionen der Führungsebene oft als kühl oder rein dienstwegorientiert wahrgenommen werden, anstatt die gewünschte psychologische Unterstützung oder aktive Aufarbeitung zu bieten.
Warum halten sich Mitarbeitende nicht strikt an Arbeitsschutzvorgaben für die Bürogestaltung?
Die Mitarbeitenden begründen dies mit der Schaffung einer angenehmeren Arbeitsatmosphäre. Sie halten strikte Raumvorgaben (wie das Aufstellen von Schreibtischen für Fluchtwege) für die klientenorientierte Beratung oft nicht praktikabel oder sogar abweisend.
Wie hat sich die Einstellung der Mitarbeitenden zum Beruf durch aggressive Erlebnisse verändert?
Überraschenderweise hat sich die Einstellung nicht verschlechtert. Die Mehrheit berichtet, dass die Bewältigung schwieriger Situationen sogar ihre berufliche Motivation gesteigert hat, da sie sich in ihrer Kompetenz bestätigt fühlt, den Kund: innen trotz aller Widerstände helfen zu können.
- Arbeit zitieren
- Christian Lehniger (Autor:in), 2022, Umgang des Jobcenterpersonals mit aggressivem Kundenverhalten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1245438