Strukturwandel von Familie und Ehe


Hausarbeit, 2002

26 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entwicklung hin zur modernen Familie
2.1. Definition von Ehe und Familie
2.2. Die Entstehung der modernen Kleinfamilie

3. Die Pluralisierung der Ehe und Familienformen
3.1. Nichteheliche Lebensgemeinschaften
3.2. Pluralisierung familialer Haushalte

4. Deinstitutionalisierung – Wandel des Leitbildes
der bürgerlichen Familie

5. Sozio-demographische Grunddaten
5.1. Bevölkerungsentwicklung
5.2. Entwicklung von Heiratsalter und Ver- heiratenquote sowie der Ehescheidungen

6. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Seit Mitte der 60er Jahre ist in der Bundesrepublik Deutschland eine starke Veränderung innerhalb der klassischen tradierten Familien- und Eheform zu beobachten. Es fand und findet auch noch heute ein Entwicklungsprozess statt, den die Sozialwissenschaftler als sozialen Wandel bezeichnen. Er bezeichnet die qualitative und quantitative Veränderungen der Struktur einer Gesellschaft. Als sozialer Wandel gelten sowohl grundlegende Veränderungen der gesamten Sozialstruktur als auch Veränderungen innerhalb einer bestehenden Struktur oder in Teilbereichen.[1]

So wird zunächst beschrieben, wie sich der Typ der Familie, den wir heute noch als Normaltyp und Standard ansehen, entwickelt hat. Anschließend wird ein Überblick über die neu entwickelten Arten von Familienformen und Haushaltstrukturen gegeben, die sich im Laufe der Zeit ergeben haben. Im vierten Abschnitt wird erörtert, dass Auswirkungen der Ausbreitung neuer Lebensformen auch zu einer Deinstitutionalisierung[2], einer Zersetzung der herkömmlichen Rechte und Pflichten des bürgerlichen Familientypus führen.

Anschließend werden Veränderungen anhand der wichtigsten demographischen Daten (Heiratshäufigkeit, Geburten, Ehescheidungen) aufgezeigt und der Frage nachgegangen.

Zuletzt soll in der Schlussbetrachtung ein Ausblick auf die bevorstehende Entwicklung und eine Einschätzung der Bundesregierung zu diesem Komplex gegeben werden.

2. Die Entwicklung hin zur modernen Familie

2.1. Definition von Ehe und Familie

Um über den Strukturwandel von Familie und Ehe Sprechen zu können, scheint es zunächst sinnvoll, überhaupt zu klären, was wir unter Familie und Ehe verstehen.

Eine Möglichkeit der Definition der Ehe ist, sie als die „im deutschen Recht [...] durch die Rechtsordnung anerkannte Verbindung eines Mannes und einer Frau zu dauernder Lebendgemeinschaft“[3] zu sehen. In der aktuellen Gesetzgebung wird die Ehe vorrangig durch den Artikel 6 des Grundgesetzes und die §§ 1353 ff. des BGB geschützt bzw. geregelt.

Ursprünglicher Zweck der Ehe war das Zeugen und die Geburt von Kindern bei gleichzeitiger Regelung aller damit zusammenhängender Rechte und Pflichten.

Bei der Familie sind zwei Bedeutungen zu unterscheiden. Im engeren Sinne bedeutet Familie die „soziale Gruppe, die in der heutigen Industriegesellschaft in der Regel aus den Eltern und ihren (unselbstständigen) Kindern besteht (Kern-Familie oder Klein-Familie). [...] Neben der Regelung der Geschlechtsbeziehung ist heute die primäre Sozialisation der Kinder die wichtigste soziale Funktion der modernen Familie.“[4]

Im weiteren Sinne ist die Familie identisch mit der Verwandtschaft im engeren Sinn, das heißt, dass nicht nur Vater, Mutter und Kinder zur Familie gehören, sondern auch die Eltern und Geschwister der Eltern sowie die Ehepartner und deren gemeinsame Kinder (also die Enkel) der Kinder. Dies ergibt ein kompliziertes System der unterschiedlichsten Verwandtschaftsgrade.

Die Ehe und die Familie bilden in nahezu allen Gesellschaften die Grundlage für das menschliche Zusammenleben, natürlich geprägt durch jeweils regional-spezifische Einflüsse.

2.2. Die Entstehung der modernen Kleinfamilie

Oft ist in der Presse und den Medien zu erfahren, dass die Familie in der Krise steckt. Will man eine derartige Situation beobachten, setzt dies ja voraus, dass es zunächst ein allgemeingültiges Ideal gibt, respektive gegeben hat, welches nun Auflösungstendenzen zeigt. Die heutige Situation scheint den meisten aber wahrscheinlich nur deshalb so kritisch, da sie vor dem Hintergrund einer „historisch einmaligen Situation“[5] zu sehen ist. „Nie zuvor war eine Form von Familie in Deutschland so dominant wie Ende der 50er/Anfang der 60er Jahre dieses Jahrhunderts“[6]

Die moderne Kleinfamilie – die selbstständige Haushaltsgemeinschaft eines verheirateten Paares mit seinen unmündigen Kindern – war zur unhinterfragten Selbstverständlichkeit geworden.[7]

Es stellt sich die Frage, auf welche Weise sich dieses Ideal entwickelt hat. Ausgangspunkt für diese Entwicklung ist – wie für viele Prozesse des sozialen Wandels – in der Industrialisierung und Verstädterung des 19. Jahrhunderts zu finden. Zuvor lebte man in einer Gesellschaft, in der die Struktur und Funktion der Familie eng mit der Produktionsweise verknüpft war, also die Familie primär Produktionsstätte war. Man lebte in der Familienform des „ganzen Hauses“[8] und erfüllte die wichtigsten gesellschaftlichen Funktionen (Produktion, Konsumtion, Sozialisation, Alters- und Gesundheitsvorsorge) selbst. Zentrales Merkmal des „ganzen Hauses“ war die Einheit von Produktion und „Familienleben“. Dem „Hausvater“ unterstanden alle Angehörige des Haushalts (auch Nichtverwandte und Angestellte) und gefühlsarme Beziehungen sowohl gegenüber den Geschlechtspartner als auch den Kindern überwogen, da die wirtschaftlichen Aspekte (Arbeitskraft der Kinder und Frau, Mitgift der Frau) im Vordergrund standen.

In der Neuzeit (vor allem im 19. Jahrhundert) entwickelte sich dann ein Gesellschaftstypus mit eigenständigen gesellschaftlichen Teilbereichen.[9] Diese ‑ oben angedeuteten ‑ Teilbereiche übernahmen – zunächst im gebildeten und wohlhabenden Bürgertum ‑ immer mehr Funktionen, die vorher der Familie zustanden.

Zu diesem Funktionsverlust kann man vor allem folgende Tatbestände zählen:

- Verlust der Einheit von Wohnung und Arbeitsplatz.
- Verlust der Selbstversorgung.
- Verlust der Altenfürsorge.
- Verlust der Fürsorge- und Pflegeleistungen.
- Verlust der Erziehungs- und Ausbildungsfunktionen.
- Verlust an familienzentrierter Geselligkeit[10].

Der Industrialisierungs- und Verstädterungsprozess wirkte sich besonders durch die Trennung von Wohnbereich und Arbeitsplatz auf den Strukturwandel der Familie in der Moderne aus, da dies als die wesentliche Voraussetzung dafür gilt, dass die isolierte Kernfamilie entstehen konnte.[11] Der Begriff der isolierten Kernfamilie stammt von Talcott Parsons, wobei „isoliert“ darauf bezogen ist, dass es zunehmend nur noch der Kern aus Eltern und Kind(ern) ist, der einen Haushalt bildet.

Durch die Auslagerung der oben genannten Funktionen von der Familie in die Gesellschaft, entstand eine Art Vakuum, da die vormals stark wirtschaftlich geprägten Anforderungen an die Familie nachließen. Dieses Vakuum wurde gefüllt, indem sich emotional-intime Beziehungen stärker als zuvor ausbildeten.

Es prägten sich Charaktereigenschaften eines Leitbildes heraus, die die bürgerliche Familie wesentlich von den vorhergehenden Familienformen unterscheiden:

- Intensivierung und Intimisierung der Ehebeziehung; Liebe als Grundlage der Ehe- und Familiengründung.
- Ausgrenzung der Kindheit als eines eigenständigen Erziehungs- und Verhaltensbereich.
- Abschottung der Familie als privater Bereich gegenüber der Berufswelt, der politischen und weiteren Öffentlichkeit[12].

Mit dem Aufstieg des Bürgertums (etwa seit 1830)[13] wurde die emotional-intime Seite überhöht und mit dem Ideal der „romantischen Liebe“ zum Leitbild erklärt. Das romantische Liebesideal wurde als Beziehungsnorm wirksam und die Liebesheirat zum kulturellen Leitbild des Bürgertums – jedoch sollte es zunächst Leitbild und Ideal bleiben, da die wirtschaftliche Lage eher dagegen sprach und die „Vernunft-Ehe“ Alltag blieb.

[...]


[1] Vgl. Meyers Lexikonredaktion [Hrsg.] 2001, Bd. 21, S.95

[2] Vgl. Peuckert 1999, S. 19

[3] Vgl. Meyers Lexikonredaktion [Hrsg.] 2001, Bd. 5, S.271

[4] Vgl. Meyers Lexikonredaktion [Hrsg.] 2001, Bd. 6, S.263

[5] Vgl. Peuckert 1999, S. 20

[6] Vgl. Peuckert 1999, S. 20

[7] Vgl. Peuckert 1999, S. 20

[8] Vgl. Brunner 1978

[9] Vgl. Peuckert 1999, S. 21

[10] Vgl. Schäfers 1998, S. 129

[11] Vgl. Schäfers 1998, S. 129

[12] Vgl. Rosenbaum 1982, S.251

[13] Vgl. Peuckert 1999, S. 22

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Strukturwandel von Familie und Ehe
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Professur für Organisationssoziologie)
Veranstaltung
Einführung in die Organisationssoziologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
26
Katalognummer
V12455
ISBN (eBook)
9783638183390
Dateigröße
1237 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ehe, Familie, sozialer Wandel, Wandel
Arbeit zitieren
Marc Behring (Autor), 2002, Strukturwandel von Familie und Ehe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12455

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