Die Entwicklung der Taube zum Symboltier des Heiligen Geistes

Eine wissenschaftliche Untersuchung im Kontext von Bibelwissenschaft und christlich bildender Kunst


Hausarbeit, 2022

35 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Heilige Geist
2.1 Altes Testament
2.2 Neues Testament

3. Die Taube im Kontext der Bibel
3.1 Die Taube im Alten Testament
3.1.1 Bezeichnungen
3.1.2 Arten, Verhalten und Verwendung
3.1.3 Tauben als Attribute von Liebesgöttinnen
3.1.4 Symbolik der Taube
3.1.5 Die Taubensymbolik im Hohelied
3.2 Die Taube im Neuen Testament
3.2.1 Bezeichnung und Gebrauch
3.2.2 Die Taubensymbolik bei der Taufe Jesu

4. Der Heilige Geist und die Taube

5. Die Taube als Symboltier in der Kunst
5.1 Ikonographisches Vorgehen
5.2 Die Taube in künstlerischen Darstellungen der Dreieinigkeit - „Die Heilige Dreifaltigkeit (Der Gnadenstuhl)“ von Albrecht Dürer
5.2.1 Vorikonographische Beschreibung
5.2.2 Ikonographische Analyse
5.2.3 Ikonologische Interpretation
5.2.4 Taube und Geist im Werk
5.3 Die Taube in künstlerischen Darstellungen der Taufe Jesu
5.3.1 „Taufe Christi“ von Lucas Cranach der Jüngere
5.3.2 Vorikonographische Beschreibung
5.3.3 Ikonographische Analyse
5.3.4 Ikonologische Interpretation
5.3.5 Taube und Geist im Werk
5.4 Die Taube in künstlerischen Darstellungen des Pfingstereignisses - „Die Ausgießung des Heiligen Geistes“ von Tizian
5.4.1 Vorikonographische Beschreibung
5.4.2 Ikonographische Analyse
5.4.3 Ikonologische Analyse
5.4.4 Taube und Geist im Werk

6. Zusammenfassung

6. Abbildungsverzeichnis

7. Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Mit fast sieben Monaten ließen meine Eltern mich taufen. Wie jedes Kind, das in so jungem Alter getauft wird, musste auch ich erst mit den Jahren in Kinderkirche und Konfirmandenunterricht lernen, was das überhaupt für mich bedeutet. Ich lernte somit erst viel später, dass ich bei dieser Wassertaufe, bei der ich wohl gemerkt laut den Erzählungen meiner Eltern nicht wirklich zufrieden auftrat, den Heiligen Geist empfang und somit Jesus Christus nachfolgte. Doch der Heilige Geist blieb für mich weiterhin schwer zu verstehen. Eine Kraft, ein Wesen, das ich nicht fassen konnte, worunter ich mir oft nichts anderes vorstellen konnte, als eine weiße Taube, so wie sie auf den Buntglasfenstern meiner Taufkirche zu sehen war. Denn dieses Tier, das mir fast täglich auf den Gehwegen oder dem Marktplatz meiner Heimatstadt begegnet, ist seit jeher das Symboltier des Heiligen Geistes. Doch wann und wie wurde dieser einfache Vogel das Symbol dieser großen, einflussreichen Kraft, von der in der Bibel zahlreich zu lesen ist? Mit dieser Frage soll sich im Folgenden die hier vorliegende Hausarbeit befassen. Dabei wird sich der erste Teil der Frage nach dem Heiligen Geist und der Taube im biblischen Kontext befassen, also damit, welche Bibelbelege es gibt und inwiefern die Taube als Vogel im biblischen Israel vertreten war und gebraucht wurde. Weiterhin soll ihre Symbolik betrachtet werden, um sie mit der Kraft und dem Auftreten des Heiligen Geistes in Verbindung zu bringen.

Der zweite Teil dieser Hausarbeit soll sich der Thematik von der künstlerischen Seite her widmen, um die Entwicklung und Verbreitung des Symboltieres anhand wichtiger künstlerischer Werke zu ergründen. Methodisch wird sich dabei nach dem Dreistufenmodell des Kunsthistorikers Erwin Panofsky orientiert und die Bilder als Werke der bildenden Kunst ikonographisch und ikonologisch auf die Verarbeitung des Motivs Taube als Symbol für den Heiligen Geist untersucht. Das Ziel des geplanten Vorgehens ist es, eine verständliche Darlegung der Entwicklung der Taube zum bedeutungsträchtigen Symboltier anhand von Texten und Bildern darzulegen. Abschließen wird diese Hausarbeit mit einem klar formulierten Fazit, welches die in der Hausarbeit erzielten Ergebnisse miteinbeziehen wird, um die in dieser Einleitung gestellte Fragestellung zu beantworten.

2. Der Heilige Geist

Das erste thematische Kapitel dieser Hausarbeit widmet sich nun der Frage nach dem Geist und Heiligen Geist, wie er im Kontext der Bibel aufzufinden ist und mit welchen Eigenschaften und Bedeutungen er in Verbindung gebracht werden kann. Diese Untersuchung wird aufgeteilt in Altes und Neues Testament.

2.1 Altes Testament

Die Wendung „Heiliger Geist“ ist nur an zwei Stellen des hebräischen Alten Testaments belegt1. Das feminine hebräische Wort „HTl“rüah dagegen kommt 400-mal2 in der hebräischen Bibel vor und kann am ehesten als Äquivalent für den Geist gewertet werden3. Dieses Wort lässt durch seine große Bedeutungsvielfalt viel Interpretationsspielraum, auch bezüglich Gottes Geist. Die wichtigsten Übersetzungen für rüah sind Wind und Atem, jedoch gelten auch Wörter wie Geist, Sinn und Hauch als Übersetzungsmöglichkeiten. Die damit einhergehende Eigenschaft des Leichten, und Schwerelosen begegnet uns bereits im zweiten Vers der hebräischen Bibel: „ Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser“4, und setzt hierbei die Existenz von Gottes Geist bereits vor der Schöpfung als Teil oder Kraft Gottes voraus. Jedoch ist mit rüah nicht der Wind oder Atem an sich gemeint, sondern die uns im Atem oder Windstoß begegnende unsichtbare Kraft5. Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber bezeichnete dies auch als „Urbraus“6 in Hinblick auf die seit Anbeginn der Schöpfung existierende winderzeugende Kraft, welche auch im folgenden Teil der hebräischen Bibel mit zahlreichen Funktionen in Erscheinung tritt und dabei selten vom Menschen zu fassen ist. Zum einen zeigt rüah die dynamische Präsenz7 Gottes und wirkt wie sein Werkzeug, wenn er mit einem starken Wind das Wasser des Meeres zurückweichen lässt, um Mose und das Volk Israel das Schilfmeer passieren zu lassen7.

Zum anderen ist rüah eine Fähigkeit bzw. ein Teil des Menschen, denn der Geist ist das Lebenselixier, dass den Menschen atmen und leben lässt. Der Lebenshauch8 ist eine Leihgabe Gottes, welche auf 120 Jahre begrenzt ist9. Allgemein zeigen die vielen Bibelverse, die vom Geist und seinen verschiedenen Wirkungsweisen erzählen eine teils widersprüchliche Bedeutungsvielfalt des Heiligen Geistes, die ihn schwer begreifbar machen. Manchmal ist der Geist „Nichts und doch lebensnotwendig“10, wenn er den Menschen atmen und schließlich sterben lässt, wenn er seinen Körper entweicht.

2.2 Neues Testament

Der Begriff für den Geist bzw. Heiligen Geist im Neuen Testament ist das neutrale griechische Wort „rrvsopa“pneüma, welches hier die Kraft beschreibt, welche den Menschen verstehen lässt, dass er mit dem Göttlichen in Verbindung tritt11 12 13. Der Geist baut eine Brücke zu Gott und auch Paulus beschreibt schließlich den Geist als eine Art Kraft, die den Menschen wandelt1314. Im Neuen Testament steht der Heilige Geist besonders in Verbindung zu Jesus. Diese Beziehung wird vor allem in den vier Evangelien unterschiedlich ausgeschmückt. Jesus ist entweder bereits vor seiner Geburt mit dem Geist Gottes verbunden14 oder erhält den Heiligen Geist bei der Geist-Taufe, wie sie auch von Paulus betitelt wird15, welche ihn zum Messias und entscheidenden Geist-Träger vor dem Osterereignis macht16. Jesus selbst tauft mit pneüma und Feuer18, was seine Macht über den Heiligen Geist veranschaulicht. Durch die Geist-Gegenwart17 in ihm ist Jesus bevollmächtigt, die Lehre vom Reich Gottes zu predigen. Nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt schildert die Ausgießen des Heiligen Geistes im Rahmen des Pfingstereignisses die Übertragung der Mission auf die Jünger. Der Theologe Jörg Lauster beschreibt dies als „die bekannteste Geistesgeschichte des Christentums“18. Im Rahmen der Erzählung tritt das aus dem Alten Testament bekannte Bild des Sturms auf. Pneüma wird hier ersetzt mit der Bedeutung rüah's. So steht in der Apostelgeschichte Kapitel 2 Vers 2-4: „Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer, und er setzte sich auf einen jeden von ihnen“. Der hier beschriebene Geistbegriff ist zum Einen zwar wie im Alten Testament eine von außen anfallende Kraft, also ein „selbstständig handelndes Wesen“19. Doch gleichzeitig geht sie in den Menschen hinein, bleibt und wirkt in ihm.

3. Die Taube im Kontext der Bibel

Im Folgenden beschäftigen sich die Kapitel mit der Frage nach der Taube sowohl als Tier als auch Symbol oder Attribut im Kontext der Bibel und biblischen Zeit. Dabei werden einerseits die verschiedenen Bezeichnungen und Verwendungszwecke der Taube beleuchtet, um nachvollziehen zu können, welchen Stellenwert und Nutzen sie in damaligen Zeiten bekleidete und in welchen Zusammenhang sie zu den Menschen stand. Darauffolgend sollen die verschiedenen Symboliken der Taube nachvollzogen werden. Unterstützt wird dies durch die für das Tier Taube wesentlichen Bibelpassagen und deren Auslegung in Hinblick auf Symbolik und Metaphorik. Ziel dieser Ausführungen soll es sein, ein Verständnis für die theoretische Darstellung der Taube als Symboltier und besonders als Symboltier des Heiligen Geistes zu entwicklen.

3.1 Die Taube im Alten Testament

3.1.1 Bezeichnungen

Im Hebräischen gibt es verschiedene Bezeichnungen fur die Taube als Tier, welche dabei entweder unterschiedliche Arten20 oder Alter der Tiere angeben. Zunächst gehört die Taube als Vogel verständlicherweise zu den geflügelten Tieren21, was sich aus dem Hebräischen „MU/n’TIJ/“ übersetzen lässt22. Das hebräische Wort „TÖT’“jonâh23 dagegen, welches auch als Eigenname überliefert ist24, wird wortwörtlich mit Taube übersetzt und meint hier die grau-blaue, wild lebende Felsentaube, die in schwer zugänglichen Felsnischen nistet. Von jener stammt auch die uns heute bekannte Haustaube ab25. Des Weiteren kennt das Alte Testament den hebräischen Begriff tör26, welcher die weiße Turteltaube meint, wie sie bei Jer 8,7 erwähnt wird. Die Ursprünglichkeit des Wortes Turteltaube aus dem hebräischen tdr wird in der heutigen Zeit allerdings infrage gestellt27. Auch das hebräische Wort „blU“30 gozâl steht in Zusammenhang mit der Taube, da es das Jungtier eines Vogels meint und somit kontextual auch als junge Taube übersetzt werden kann. Einmalig ist zudem im Alten Testament das hebräische Wort „HÜT’“jemimah belegt welches mit Taube übersetzt wird und hier der Name der ältesten Tochter Hiobs ist.

3.1.2 Arten, Verhalten und Verwendung

Im biblischen Israel waren zahlreiche Taubenarten bekannt. Die am häufigsten auftretende Art war die Felsentaube, dicht gefolgt von der Türkentaube, wohingegen die Turteltaube nur im Sommer als Zugvogel nach Israel kam28, was auch durch einen Bibelvers zu belegen ist29. Auch die zahlreichen Verhaltensweisen der Tauben werden in der Bibel aufgegriffen so berichtet Jer 48,28 wie Felsentauben in Felswänden und Nischen nisten. Dass Tauben zudem wehrlos, arglos und leichtgläubig und somit leicht zu fangen sind, beschreibt Hosea 7,11 mit einem Vergleich Ephraim's als „törichte Taube, die sich leicht fangen lässt“. Tauben können zudem sehr schnell fliegen30, wobei der Wind an ihren Flügeln dabei ein pfeifendes Geräusch erzeugt31. Und auch das Gurren der Tauben wird in der Bibel erwähnt, da es angeblich an Klagegesänge erinnert32. Tauben hatten für die damalige Gesellschaft Israels eine große wirtschaftliche Bedeutung und wurden vielfältig verwendet. Aus diesem Grund zählt sie seit dem 6 Jh. v. Chr. als eine der domestizierten Tierarten Palästinas33 in der Spätbronze- und Eisenzeit34. Die domestizierten Vögel wurden in der hellenistischen Zeit in riesigen unter und oberirdischen Taubenschlägen auch sogenannten Columbarien gehalten. Als Haustier wurden sie entweder als Nahrungsquelle gezüchtet oder ihr Kot, welcher reich an organischen Salzen ist, zum Brotbacken verwendet35.

Doch viel wichtiger ist ihre Bedeutung als einziges geflügeltes Opfertier36, womöglich da die Taube alle notwendigen Attribute ihrer Gattung besitzt und somit nach jüdischer Praxis ein reines Tier ist37. Meist wurden jedoch nur männliche Tauben geopfert, da die weiblichen fur die Nachzucht benötigt wurden38. Vor allem war die Taube Reinigungs-39 und Sündopfer40 der Armen. Nach der Regelung durften also in besonderen Armutsfallen anstelle von Vieh eine bestimmte Anzahl von Haus- oder Turteltauben geopfert werden41.

3.1.3 Tauben als Attribute von Liebesgöttinnen

Die Taube ist bereits seit dem 3. Jt. v. Chr. im alten Orient ein Begleittier oder auch Attribut von verschiedenen Liebesgöttinnen wie zum Beispiel der Liebesgöttin Ischtar oder Astarte. Die Verbindung von Taube und Göttin war zu damaliger Zeit sowohl auf Münzen als auch in altorientalischer Bildkunst belegt42. Dies zeigt auch ein altsyrisches Rollensiegel, welches um 1750 v. Chr. entstanden ist43. Darauf tritt die Taube als Botin der Liebesgöttin in Erscheinung. Hintergrund dieser Verbindung ist womöglich das auffällige Verhalten der Taube bei der Paarung, da das damit einhergehende Schnäbeln an Küssen erinnert.

3.1.4 Symbolik der Taube

Vor allem können der Taube drei wesentliche Symboliken zugeordnet werden. Zum Einen ist die Opfersymbolik, welche aus der wichtigen Funktion der Taube für die Opferung resultiert, von Bedeutung. Obwohl sie den Tod der Tiere bedeutet, wertet jene Symbolik die Taube als Tier auf, da nur bestimmte Tiere, die als rein gelten geopfert werden dürfen und die Taube als einziges geflügeltes Tier teurere Opfergaben ersetzen kann.

Die zweite wichtige Symbolik ist die Botensymbolik. In der Sintfluterzählung ist es die weiße Taube, die von Noah ausgesandt wird, welche die Frohe Botschaft von der Versöhnung mit Gott überbringt. Somit ist auch diese Symbolik positiv konnotiert.

Die wohl wichtigste Symbolik ist jedoch die Liebessymbolik, die ihrer Beziehung zu Liebesgöttinnen als Attribut entspringt und in einem engen Zusammenhang mit der Botensymbolik steht. Dies zeigt die Analyse des Hoheliedes im folgenden Kapitel.

3.1.5 Die Taubensymbolik im Hohelied

Die Liebeslieder des Hoheliedes besingen die Einmaligkeit des Liebesverhältnisses44 und bedienen sich dabei häufig der Liebessymbolik der Tauben. Zum Beispiel um die Einzigartigkeit der Geliebten zu beschreiben45. Die Symbolik beruht auf der Taube als Attributtier der Liebesgöttinnen, denn wie sie auf Münzen häufig als Liebesbotin der Göttin dargestellt wird, tritt sie auch hier in dieser Funktion auf, wenn die „taubengleichen“46 Blicke der Geliebten47 zu Liebesboten werden und dem Geliebten ihre Liebe übermitteln. Diese hier verdeutlichte Botensymbolik ist nicht mit der Funktion einer Brieftaube zu verwechseln, da die Taube eine Botschaft dort hin bringt, wo sie erscheint. Diese Botschaft ist durch die Zugehörigkeit zu Liebesgöttinnen als Botschaft der Liebe oder Zärtlichkeit zu verstehen48. Die Geliebte wird zudem direkt mit einer in Felsklüften lebenden wilden Taube, die unerreichbar und selten sichtbar erscheint, gleichgesetzt49. Mit jonâh sind hier die grau-blauen Felsentauben gemeint53. Durch die Anrede „meine Taube“ im Hohelied Kapitel 2 Vers 14 verleiht der Geliebte der Geliebten einen göttinnengleichen Status und macht sie durch den Gebrauch der Taubensymbolik zu etwas besonders Wertvollem, wodurch die Taube in ihrer Symbolik durch das Hohelied im Alten Testament bekräftigt und gefestigt wird.

3.2 Die Taube im Neuen Testament

3.2.1 Bezeichnung und Gebrauch

Im Neuen Testament findet sich das griechische Wort „KEpiorspa“50 peristera als Übersetzung für Taube. Auch hier wird sie am häufigsten im Zusammenhang mit der Opferung im Jerusalemer Tempel erwähnt51, was ihren bestehenden Gebrauch als Opfertier bezeugt. Jedoch hat ihre Rolle als reines Tier im Neuen Testament keine Bedeutung mehr, da die Unterscheidung von reinen und unreinen Tieren hier aufgehoben wird52. Doch auch wenn die Bedeutung gegenüber dem Alten Testament nachließ, bestand der Opferkult des Jerusalemer Tempels im Spätjudentum weiter53 und es gab weiterhin einen großen Bedarf an Tauben für die Opferdarbringung54. Tauben waren weiterhin ein lukratives Geschäft für Tempelhändler um an armen Leuten zu verdienen, die sich nur Tauben leisten konnten. Auch Maria machte von jenem Recht bei der Darstellung Jesu im Tempel Gebrauch55. Die Evangelien bestätigen zudem, dass Jesus auf dem Tempelmarkt neben Geldwechslern mit Taubenverkäufem, auf Griechisch „TicoXowTsg rag KspioTspao“, zu tun hatte56 57.

3.2.2 Die Taubensymbolik bei der Taufe Jesu

Die Taufe Jesu ist neben der Erwähnung der Taube als Opfertier fast die einzige58 Darstellung, welche die Boten- und Liebessymbolik aufgreift. Die Symbolik geht auf das in den vorherigen Kapiteln beschriebene Hohelied zurück und verbindet somit durch die Taube das Alte mit dem Neuen Testament. Alle vier Evangelien berichten wie das pneüma entweder wie eine Taube59 oder in der leiblichen Gestalt einer Taube bei der Taufe im Jordan auf Jesus herabschwebt und auf ihm bleibt60. Hier ist die Botensymbolik der Taube zu platzieren, in der Funktion des Heiligen Geistes Jesus seine Bestimmung als Messias zu übermitteln und zu verleihen. Doch zusätzlich vereint der Taufbericht die Liebessymbolik mit der Botensymbolik da in dem Moment, wo der Geist wie eine oder als Taube herabschwebt, die himmlische Stimme Gottes zu Jesus spricht und ihm mit den Worten bei Matthäus Kapitel 3 Vers 17: „Die ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“, seine väterliche Liebe erklärt.

[...]


1 Siehe Psalm 51,13; siehe Jesaja 63,10f.; vgl. Gerth, Art. Heiliger Geist, 2015.

2 Vgl. Schüngel-Straumann, Art. Geist, 2009.

3 Vgl. Schmidt/Berger, 1984, 170.

4 Siehe Gen 1,2.

5 Vgl. Blank, 1984, 35.

6 Vgl. Blank, 1984, 35.

7 Siehe 2. Mose 14,21.

8 Vgl. Oeming/ Dünn, 2000, 564.

9 Siehe Gen 6,3: „Da sprach der Herr: Mein Geist soll nicht immerdar im Menschen walten, denn auch der Mensch ist Fleisch. Ich will ihm als Lebenszeit geben hundertzwanzig Jahre.“.

10 Vgl. Oeming/ Dünn/ Vinzent, 2000, 564.

11 Vgl. Oeming/ Dünn/ Vinzent, 2000, 565.

12 Vgl. Lauster, 2021, 39.

13 Siehe Röm 8,11: „Wenn aber der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat in euch wohnt, so wird er ...“.

14 Siehe Mt 1,18.

15 Vgl. Bayreuther/Bietenhard Bnd. 2, 1977, 1207.

16 Vgl. Schmidt/ Berger, 1984,179.

17 Vgl. Blank, 1984,41.

18 Vgl. Lauster, 2021, 51.

19 Vgl. Bayreuther/ Bietenhard Bnd. 2, 1977, 484.

20 In Israel und Palästina gab es verschiedene Taubenarten v.a. „Felsen-, Hohl-, Ringel- und Turteltauben“, vgl. Schroer, 2010, 76.

21 Vgl. Riede, 2002,217.

22 Vgl. Gesenius, 2013, 937f..

23 Vgl. Gesenius, 2013,454.

24 Siehe Jona Buch im Alten Testament.

25 Vgl. Riede, Art. Taube, 2010.

26 Vgl. Gesenius, 2013,1431.

27 Vgl. Schroer, 2010, 76.

28 Vgl. Schouten van der Velden, 1992,136.

29 Bei Jer 8,7 steht geschrieben: „.. .Turteltaube, Kranich und Schwalbe halten die Zeit ein in der sie wiederkommen sollen;..

30 Es wurden bereits Geschwindigkeiten von bis zu 185 km/h gemessen, vgl. Schouten van der Velden, 1992, 55.

31 Vgl. Schouten van der Velden, 1992,136.

32 Siehe Jes 38,14.

33 Peter Riede betont in „Im Spiegel der Tiere“ die wichtige Rolle der Tierzucht in Palästina, vgl. Riede, 2002, 221.

34 Vgl. Janowski, 2019, 235.

35 Die wirtschaftliche Bedeutung von Taubenmist belegt 2. Kön 6,25; durch die durch die Belagerung Samaria's entstehende Nahrungsmittelknappheit kostet Taubenmist mehr. —> vgl. Riede, Art. Taube, 2010.

36 Gemeint ist hier die Felsentaube, welche zum Zwecke der Opferung in Columbarien

37gezüchtet wurde, vgl. Schouten van der Velden, 1992,136.

38 Vgl. Riede, 2002,226.

39 Siehe Lev 14,21-32.

40 Siehe Lev 5,7-10.

41 Vgl. Janofski, 2019, 300.

42 Vgl. Riede, Art. Taube, 2010.

43 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 1,26.

44 Vgl. Wolff, 2010,246.

45 Siehe Hhld 6,9: “Aber eine ist meine Taube, meine Reine; die Einzige ist sie für ihre Mutter,...“.

46 Vgl. Riede, Art. Taube, 2010.

47 Siehe Hhld 4,1.

48 Vgl. Keel, 1984, 58.

49 Vgl. Riede, Art. Taube, 2010.

50 Vgl. Gemoll, 1965, 600.

51 Siehe Mt 21,12.

52 Vgl. Riede, 2002,243.

53 Erst nach der Tempelzerstörung 70 n.Chr. nahm der Kult ab. Dies verdeutlicht u. a. die Qumrangemeinde, welche sich schließlich ganz vom Tempelkult entfernte, vgl. Bayreuther/ Bietenhard, 1977, 995-996.

54 Vgl. Âdna, 1999,130.

55 Siehe Lk 2,14.

56 Siehe Mt 21,12: „...und stieß die Tische der Geldwechsler um und die Stände der Taubenhändler..

57öi Vgl. Âdna, 1999,130.

58 Jesu predigt in Mt 10,16 „Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben“. Hierbei wird der reine und gute Charakter der Tauben hervorgehoben. Diese Eigenschaften lasse ich durch geringe Relevanz für diese Hausarbeit unbeachtet.

59 Siehe Mt 3,16: „... und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren..

60 Siehe Joh 1,32.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung der Taube zum Symboltier des Heiligen Geistes
Untertitel
Eine wissenschaftliche Untersuchung im Kontext von Bibelwissenschaft und christlich bildender Kunst
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
1,3
Autor
Jahr
2022
Seiten
35
Katalognummer
V1245564
ISBN (Buch)
9783346675156
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklung, taube, symboltier, heiligen, geistes, eine, untersuchung, kontext, bibelwissenschaft, kunst
Arbeit zitieren
Lea Krüger (Autor:in), 2022, Die Entwicklung der Taube zum Symboltier des Heiligen Geistes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1245564

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