Bildung in Deutschland und Abhängigkeit vom Migrationshintergrund


Seminararbeit, 2009

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise

2. Migrantengruppen in Deutschland
2.1 Definitionen der Begriffe Migrantenkinder und Migration
2.2 Gruppen mit Migrationshintergrund – Größe und Unterschiede

3. Bedeutung gelungener Arbeitsmarkt- und Bildungsintegration für die deutsche Volkswirtschaft

4. Schulische Leistung und Abhängigkeit von der Herkunft
4.1 Schulische Leistungen von Migrantenkindern im Vergleich zu Kindern ohne Migrationshintergrund
4.2. Leistungs-Unterschiede zwischen Personen verschiedenen Migrationshintergrundes.
4.3. Gründe für die festgestellten Leistungsunterschiede zwischen Migranten und Deutschen
4.4. Gründe für die festgestellten Leistungsunterschiede zwischen den verschiedenen Migrantengruppen

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Rund zehn Prozent der deutschen Bevölkerung besitzt keinen Schulabschluss und verfügt somit in den meisten Fällen auch über keine abgeschlossene Berufsausbildung. Diese „Bildungsarmut“ führt in den meisten Fällen zu einer wirklichen finanziellen Armut, da ohne einen Schulabschluss eine anständige berufliche Qualifikation kaum möglich ist. Verschiedene Studien fanden heraus, dass vor allem Menschen mit Migrationshintergrund von dieser Bildungsarmut betroffen sind. Dabei ist festzustellen, dass sich diese Bildungsarmut auf die nächsten Generationen zu vererben und von der Bildungsentscheidung der Eltern abhängig zu sein scheint.[1]

Da ein funktionierendes Bildungssystem einen maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung und das Wachstum der gesamten Volkswirtschaft hat, sollten negative Einflussfaktoren herausgefunden und deren Wirkung im besten Fall neutralisiert oder abgeschwächt werden.

Diese Seminararbeit greift diese Problematik auf und untersucht, ob einerseits wirklich eine Abhängigkeit zwischen Migrationshintergrund und schulischer Leistung, bzw. Grad des Schulabschlusses existiert, andererseits ob es Unterschiede zwischen Personengruppen verschiedenen Migrationshintergrundes gibt. Des Weiteren wird versucht zu klären, ob der Grund für mögliche schulische Schlecht- oder Fehlleistungen nicht eher in anderen Faktoren, wie z.B. Familienstatus oder dem Bildungsbewusstsein und der Erziehung zu suchen ist.

1.2 Vorgehensweise

Beginnend mit einer Definition des Begriffes „Migration“ in Kapitel 2 wird nachfolgend die allgemeine Darstellung von Migrantengruppen und deren Anzahl und Verteilung in der Bundesrepublik Deutschland betrachtet.

Aufgrund des begrenzten Ausmaßes dieser Arbeit wurden nur Ergebnisse der schulischen Leistungen von Migrantengruppen in Deutschland untersucht. Im Rahmen einer weitergehenden Arbeit kann eine diesbezügliche Untersuchung auf andere Länder oder sogar den außereuropäischen Raum ausgedehnt werden.

Im dritten Kapitel wird ein Bezug zur wirtschaftswissenschaftlichen Bedeutung der Thematik geschlossen und erläutert, welche Bedeutung verschiedene Fehlentwicklungen für den Humankapitalstock der Bundesrepublik Deutschland haben.

Das dritte Kapitel setzt zunächst die schulischen Leistungen der Schüler ohne Migrationshintergrund in Relation zu den Ergebnissen der Schüler mit Migrationshintergrund. Die schulischen Leistungen deutscher Schüler insgesamt sind im internationalen Vergleich seit langem in der Diskussion. Dies soll jedoch nicht Gegenstand dieser Arbeit sein.

Danach werden die Leistungen verschiedener Migrantengruppen miteinander verglichen und verschiedene Argumente diskutiert, welche Ursachen zu Diskrepanzen in den Ergebnissen führen könnten. Nachdem ein Überblick über weitere Einflussfaktoren auf die schulischen Leistungen von Migrationskindern gegeben wird und einige Erklärungsansätze für die Leistungsunterschiede verdeutlicht wurden, erläutert die Schlussbetrachtung in einer kurzen Zusammenfassung die betrachtete Thematik und gibt Denkanstöße zur weiteren Verwendung der erhaltenen Ergebnisse.

2. Migrantengruppen in Deutschland

2.1 Definitionen der Begriffe Migrantenkinder und Migration

Der in den folgenden Kapiteln benutzte Begriff Migrantenkinder meint Kinder bzw. Jugendliche, die einen Migrationshintergrund besitzen. Also Schüler, deren Vorfahren nicht deutscher Abstammung sind, bzw. nicht in Deutschland geboren wurden oder deren Vorfahren zwar deutscher Abstammung sind, deren Eltern oder Großeltern jedoch nicht in Deutschland geboren wurden.

Wird von Migrationskindern als Gesamtheit gesprochen, z.B. im Vergleich mit Kindern ohne Migrationshintergrund, so wird sich dieses Begriffes bedient. Im Einzelnen wird jedoch auch hier weiter unterschieden, beispielsweise nach Jugendlichen türkischer oder italienischer Abstammung oder Kindern von Aussiedlerfamilien aus Russland, deren Vorfahren deutscher Abstammung sind. Es wird die Definition des Migrationshintergrunds verwendet, wie sie vom Statistischen Bundesamt entwickelt wurde. Einen Migrationshintergrund haben nach dieser Definition Ausländerinnen und Ausländer, im Ausland Geborene und nach dem 1. Januar 1950 Zugewanderte, Eingebürgerte sowie Kinder, bei denen mindestens ein Elternteil in eine dieser Kategorien fällt.[2]

2.2 Gruppen mit Migrationshintergrund – Größe und Unterschiede

Um einen Vergleich zwischen der schulischen Leistung deutscher Kinder und denen mit Migrationshintergrund ziehen und untersuchen zu können, muss zunächst erklärt werden, welche verschiedenen Migrationshintergründe es gibt und was die Gründe einer Zuwanderung waren.

Die Tatsache, dass ein Jugendlicher mit Migrationshintergrund einen deutschen Pass besitzt, macht noch keine Unterschiede gegenüber einem „richtigen“ Ausländer ohne deutschen Pass aus. Nach der unter 2.1. festgelegten Definition besitzen ca. 15 Millionen Menschen und somit fast 20% der Bevölkerung in Deutschland einen Migrationshintergrund. Von 1954 bis 2006 zogen ca. 36 Millionen Menschen nach Deutschland, von diesen waren fast 80% ausländischer Herkunft. Zur gleichen Zeit verließen nur ca. 27 Millionen das Land, so dass diese Zuwanderung ausländischer Personen zu einem Nettowachstum der Bevölkerung führt, bzw. zumindest die niedrigen Geburtenzahlen der deutschen Bevölkerung ausgleichen konnte.[3]

Deutschland ist somit das größte Einwandererland Europas. Den größten Anteil der Personengruppe mit Migrationshintergrund stellt die Gruppe der Aussiedler. Diese heute in etwa 4 Millionen Menschen kommen hauptsächlich aus der ehemaligen Sowjetunion und viele von ihnen besitzen deutsche Wurzeln. Die Altersstruktur dieser Gruppe ist denen der rein deutschen Bevölkerung sehr ähnlich, jedoch kinderreicher. Das Bildungsniveau dieser Gruppe ist als hoch anzusehen.

Die in der Öffentlichkeit am stärksten wahrgenommene Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund, stellen die Türken dar. Von diesen ca. 2,8 Millionen Menschen ist bereits über die Hälfte nicht selbst zugewandert, sondern in Deutschland geboren. Da diese Gruppe überproportional viele junge Menschen enthält und dazu stärker wächst als der Rest der Bevölkerung, ist zu erwarten, dass sie in den nächsten Jahrzehnten zur größten Gruppe nach der einheimischen deutschen Bevölkerung anwachsen wird. Familien mit türkischem Migrationshintergrund sind statistisch gesehen in Deutschland am größten. Die mit Abstand häufigste Form des Zusammenlebens der Türken ist die Familie, während es beispielsweise nur sehr wenige Einelternfamilien gibt.

Nicht zuletzt aufgrund des Wegfalls der Grenzen in Europa und dem Recht auf freie Wohnortwahl umfasst die drittgrößte Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund die Menschen aus den erweiterten EU-Staaten, den EU-25. Der Großteil dieser Gruppe ist vor weniger als 8 Jahren nach Deutschland eingewandert und kommt aus den europäischen Staaten wie Polen, Niederlande, Belgien, Skandinavien usw. Die Alters- und Familienstruktur dieser ca. 2,3 Millionen umfassenden Gruppe hat sich der deutschen fast unterschiedslos angeglichen.

Ca.1,8% der Bevölkerung in Deutschland besteht aus Einwanderern und Familien aus Südeuropa. Sie kamen in den 50er Jahren zusammen mit den türkischen Gastarbeitern aus ihren Heimatländern Italien, Spanien, Portugal, Griechenland. Diese vorwiegend männlichen Zuwanderer waren eher weniger gebildet, hatten aber einen entscheidenden Einfluss am damaligen Wirtschaftswachstum Deutschlands. Im Gegensatz zu den türkischen Immigranten blieben wesentlich weniger von ihnen in Deutschland, sondern kehrten in den 70er Jahren mit Beginn des Wirtschaftsbooms in ihren Heimatländern zurück. Die durchschnittliche Familie mit südeuropäischen Wurzeln in Deutschland ist kleiner als die türkische Familie.

Die fünftgrößte Gruppe kommt aus dem ehemaligen Jugoslawien. Die Einwanderer und ihre Nachkommen aus dem ehemaligen Kriegsgebiet machen ca. 1,4% der Gesamtbevölkerung aus. Ein Teil dieser Gruppe kam in den 60er und 70er Jahren als Gastarbeiter. Die Einwanderer der zweiten Welle kamen aufgrund Bürgerkriegen in ihrem Heimatland als Flüchtlinge nach Deutschland. Die Familienzusammensetzung dieser Gruppe zeigt sich traditionsbewusst. Der Anteil an Großfamilien ist groß, während die Quote der Singlehaushalte mit 26% relativ niedrig ausfällt.[4]

Die Aufteilung der sechstgrößten Gruppe, Personen mit fernöstlichem Migrationshintergrund, ist so vielfältig wie der asiatische Kontinent von dem sie stammt. Die mit ca. 730 000 Menschen größte Teilgruppe stammt mit einem Gesamtanteil von 19% aus Vietnam. Viele von ihnen kamen zur der Zeit, als die ehemalige DDR noch umfangreiche Kooperationsabkommen mit den kommunistischen Nordvietnamesen unterhielt. Die zweitgrößte Gruppe aus dem fernen Osten stammt aus Afghanistan. Ein Großteil der Menschen dieser Gruppe wanderte zur Inanspruchnahme von Asyl nach Deutschland ein.

Eine siebente Gruppe mit Migrationshintergrund umfasst Einwanderer aus dem Nahen Osten. Diese ca. 540000 Menschen kamen vorwiegend seit den 80er Jahren aus Ländern wie dem Iran, Irak, Syrien, Israel und Libanon nach Deutschland. Oftmals handelt es sich hierbei um Flüchtlinge, die teilweise aus politischen Gründen eine Rückreise in ihr Heimatland ausschlossen. In vielen Fällen brechen diese Menschen aufgrund der politisch angespannten Situation mit Ihrem Heimatland und sind bereit und dankbar die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen, um entschlossen ein neues Leben zu beginnen.

Nur knapp 0,6 der Einwohner Deutschlands mit einem Migrationshintergrund stammen aus Afrika. Ungefähr ein Viertel dieser Personengruppe stammt aus Marokko. Die Gruppe weist ein sehr junges Medianalter auf und ist aufgrund ihres Kinderreichtums im Wachstum.[5]

[...]


[1] Vgl. Becker,Lauterbach 2008 „Bildung als Privileg – Ursachen, Mechanismen, Prozesse und Wirkungen“ S.4 f.

[2] Vgl. „Migration und Bevölkerung“- 10/2008 „Definition: Migrationshintergrund“, HWWI

[3] Vgl. Statistisches Bundesamt (2007): Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Wanderungen 2006. Fachserie 1, Reihe 1.2. Wiesbaden.

[4] Vgl. Woellert; 2009 „Ungenutzte Potentiale-Zur Lage der Integration in Deutschland“; Berlin Institut S. 18 ff.

[5] Vgl. Woellert; 2009 „Ungenutzte Potentiale-Zur Lage der Integration in Deutschland“; Berlin Institut S. 18 ff.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Bildung in Deutschland und Abhängigkeit vom Migrationshintergrund
Hochschule
Universität Hamburg  (Volkswirtschaftslehre)
Veranstaltung
Humankapital-Seminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V124565
ISBN (eBook)
9783640297702
ISBN (Buch)
9783640303069
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildung Migration, Bildung Migrationshintergrund, Türken Bildung, Vietnamesen Bildung, Bildung Deutschland, Bildung Ausländer, Schule Ausländer
Arbeit zitieren
Daniel Steinberger (Autor), 2009, Bildung in Deutschland und Abhängigkeit vom Migrationshintergrund, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124565

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