Rund zehn Prozent der deutschen Bevölkerung besitzt keinen Schulabschluss und
verfügt somit in den meisten Fällen auch über keine abgeschlossene
Berufsausbildung. Diese „Bildungsarmut“ führt in den meisten Fällen zu einer
wirklichen finanziellen Armut, da ohne einen Schulabschluss eine anständige
berufliche Qualifikation kaum möglich ist. Verschiedene Studien fanden heraus, dass
vor allem Menschen mit Migrationshintergrund von dieser Bildungsarmut betroffen
sind. Dabei ist festzustellen, dass sich diese Bildungsarmut auf die nächsten
Generationen zu vererben und von der Bildungsentscheidung der Eltern abhängig zu
sein scheint.1
Da ein funktionierendes Bildungssystem einen maßgeblichen Einfluss auf die
Entwicklung und das Wachstum der gesamten Volkswirtschaft hat, sollten negative
Einflussfaktoren herausgefunden und deren Wirkung im besten Fall neutralisiert oder
abgeschwächt werden.
Diese Seminararbeit greift diese Problematik auf und untersucht, ob einerseits
wirklich eine Abhängigkeit zwischen Migrationshintergrund und schulischer Leistung,
bzw. Grad des Schulabschlusses existiert, andererseits ob es Unterschiede
zwischen Personengruppen verschiedenen Migrationshintergrundes gibt. Des
Weiteren wird versucht zu klären, ob der Grund für mögliche schulische Schlechtoder
Fehlleistungen nicht eher in anderen Faktoren, wie z.B. Familienstatus oder
dem Bildungsbewusstsein und der Erziehung zu suchen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise
2. Migrantengruppen in Deutschland
2.1 Definitionen der Begriffe Migrantenkinder und Migration
2.2 Gruppen mit Migrationshintergrund – Größe und Unterschiede
3. Bedeutung gelungener Arbeitsmarkt- und Bildungsintegration für die deutsche Volkswirtschaft
4. Schulische Leistung und Abhängigkeit von der Herkunft
4.1 Schulische Leistungen von Migrantenkindern im Vergleich zu Kindern ohne Migrationshintergrund
4.2. Leistungs-Unterschiede zwischen Personen verschiedenen Migrationshintergrundes
4.3. Gründe für die festgestellten Leistungsunterschiede zwischen Migranten und Deutschen
4.4. Gründe für die festgestellten Leistungsunterschiede zwischen den verschiedenen Migrantengruppen
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem Migrationshintergrund und dem schulischen Erfolg bzw. Bildungsgrad in Deutschland. Dabei wird analysiert, inwieweit eine direkte Abhängigkeit besteht oder ob andere Faktoren, wie der sozioökonomische Status, das familiäre Bildungsbewusstsein oder die Integration, die maßgeblichen Ursachen für beobachtbare Leistungsunterschiede darstellen.
- Analyse der verschiedenen Migrantengruppen in Deutschland und deren Integrationsstatus.
- Untersuchung der Bedeutung von Bildungsintegration für den volkswirtschaftlichen Humankapitalstock.
- Vergleich der schulischen Leistungen von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund.
- Erörterung von Gründen für Leistungsdiskrepanzen, insbesondere unter Berücksichtigung des Elternhauses und der sozialen Herkunft.
- Fallbeispiel der positiven schulischen Entwicklung vietnamesischer Migrantenkinder im Vergleich.
Auszug aus dem Buch
4.3. Gründe für die festgestellten Leistungsunterschiede zwischen Migranten und Deutschen
Wie bereits angedeutet, scheint ein elementarer Grund für die Leistungsdefizite der Migranten in einem bereits vor Schulbeginn vorhandenem Rückstand zu liegen. Unten stehende Grafik (Abbildung 1) veranschaulicht hierbei die Einflussfaktoren auf einen möglichen Bildungserfolg oder Bildungsmisserfolg.
Die Frage, ob ein Kind in der Schule erfolgreich ist, liegt nicht in erster Linie in seiner Herkunft begründet. Kommen die Eltern bereits aus einem sozial schwachen Umfeld, so hat dies natürlich einen Einfluss auf die Kinder, denn Eltern sind nicht zuletzt Vorbild des Kindes, in guter oder negativer Art und Weise. Ein Grund dafür, warum beispielsweise türkische Kinder besonders schlecht abschneiden kann insofern damit begründet werden, dass bereits die Eltern schlecht gebildet waren und aufgrund schlecht bezahlter Jobs in eher niedrigen sozialen Schichten angesiedelt sind. Dieser Umstand der begrenzten Ressourcen der sozialen Herkunft, gepaart mit schlechten Kenntnissen der Amtssprache führen schon zu Beginn der Schule zu einem erheblichen Handicap für das Migrationskind. Die mangelnden Sprachkenntnisse in der Grundschule, die ohne den Besuch eines deutschen Kindergartens kaum ausgeglichen werden können, führen wiederum dazu, dass das Grundschulkind in der Schule schlechter beim Unterrichtsstoff mitkommt als seine deutschsprachigen Mitschüler. Die Folgen sind schlechte Schulleistung und eine damit einhergehende schlechte Beurteilung der Lehrer.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Bildungsarmut in Deutschland ein und stellt die Forschungsfrage, ob eine Abhängigkeit zwischen Migrationshintergrund und schulischer Leistung existiert.
2. Migrantengruppen in Deutschland: Das Kapitel definiert den Begriff Migrantenkinder und gibt einen statistischen sowie strukturellen Überblick über die verschiedenen Gruppen mit Migrationshintergrund in Deutschland.
3. Bedeutung gelungener Arbeitsmarkt- und Bildungsintegration für die deutsche Volkswirtschaft: Hier wird erläutert, warum die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund aus ökonomischer Sicht und zur Sicherung des Humankapitals von entscheidender Bedeutung ist.
4. Schulische Leistung und Abhängigkeit von der Herkunft: In diesem Hauptteil werden die Leistungsunterschiede zwischen verschiedenen Gruppen detailliert untersucht und die Ursachen für schulischen Misserfolg bzw. Erfolg analysiert.
5. Schlussbetrachtung: Dieses Fazit fasst zusammen, dass nicht der Migrationshintergrund per se, sondern soziale Faktoren und die Integration für schulische Ergebnisse verantwortlich sind, und gibt Denkanstöße für bildungspolitische Maßnahmen.
Schlüsselwörter
Bildungsarmut, Migrationshintergrund, Humankapital, Schulleistung, Integration, Arbeitsmarkt, Sprachkenntnisse, soziale Herkunft, Bildungsentscheidung, Volkswirtschaft, Migrantenkinder, Bildungsdiskriminierung, Parallelgesellschaft, Leistungspotential, Familienstatus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Korrelation zwischen einem Migrationshintergrund und dem schulischen Erfolg von Kindern und Jugendlichen im deutschen Bildungssystem.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Bildungsarmut, der Humankapitalbegriff aus volkswirtschaftlicher Sicht, soziale Integrationsfaktoren sowie die verschiedenen Bildungschancen von Migrantengruppen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob der Migrationshintergrund direkt für Bildungsdefizite verantwortlich ist oder ob soziale Faktoren und das familiäre Umfeld die entscheidenden Variablen darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, dem Vergleich vorliegender Studien und einer statistischen Darstellung verschiedener Migrantengruppen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Leistungsunterschiede zwischen Migrantengruppen und deutschen Schülern sowie die Ursachen für diese Diskrepanzen, wie etwa sprachliche Hürden und Bildungseinstellungen der Eltern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bildungsarmut, Humankapital, Integration, soziale Herkunft und Bildungsentscheidung.
Warum schneiden vietnamesische Migrantenkinder laut der Untersuchung oft besser ab?
Obwohl sie ähnliche Ausgangslagen wie andere Migrantengruppen teilen, weisen vietnamesische Nachkommen oft eine höhere Bildungsmotivation und einen stärkeren, durch das Elternhaus vermittelten Leistungswillen auf.
Welche Rolle spielt der Besuch eines Kindergartens für den Bildungserfolg?
Der Besuch eines Kindergartens wird als essenziell identifiziert, um frühkindliche Sprachdefizite auszugleichen und den Schulerfolg von Kindern mit Migrationshintergrund positiv zu beeinflussen.
Wie beeinflussen "Parallelgesellschaften" den Schulerfolg?
Die Arbeit stellt fest, dass in Gebieten mit hoher Konzentration einer bestimmten Migrantengruppe das Erlernen der Landessprache weniger gefordert wird, was zu einer negativen Entwicklung der schulischen Leistungen führen kann.
Was ist der sogenannte "sekundäre Herkunftseffekt"?
Dies beschreibt den Einfluss der elterlichen Bildung auf die Bildungsentscheidungen für ihre Kinder, wodurch Kinder höher gebildeter Eltern statistisch bessere Chancen im Bildungssystem haben.
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- Daniel Steinberger (Author), 2009, Bildung in Deutschland und Abhängigkeit vom Migrationshintergrund, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124565