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Das Fegefeuer

Relevanz für den heutigen (katholischen) Glauben

Title: Das Fegefeuer

Seminar Paper , 2004 , 12 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Regine Seidel (Author)

Didactics - Theology, Religion Pedagogy
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Bei dem Begriff Fegefeuer dachte ich zunächst an Ablasshandel, üble Kirchendruckmittel und mittelalterlichen Katholizismus. Doch diese Assoziationen erschienen mir zu voreingenommen und einseitig. Also versuchte ich, möglichst vorurteilsfrei darüber nachzudenken, welchen Grund es geben konnte, dass sich Menschen eine Vorstellung wie die vom Fegefeuer erschufen.
Etwas psychologischer gedacht, kam mir die Angst vor der Endgültigkeit des Todes in den Sinn. In unserer heutigen Gesellschaft besteht ein starker Drang zur persönlichen Autonomie, der durch den Tod ein jähes Ende gesetzt wird. Dieser Umstand ist wohl auch ein Grund für die gegenwärtige Tabuisierung des Todes. Im Tode sind wir machtlos, und auch unreligiöse Menschen stehen am Ende ihres Lebens vor dem Problem, nichts mehr ändern oder nachholen zu können. In dieser Endgültigkeit liegt für mich die Verknüpfung zwischen den christlichen Vorstellungen vom Fegefeuer und meiner Gegenwart.
Daher lautet meine zu beantwortende Frage: Wie konnte sich eine für mich heute so abwegige Vorstellung eines Fegefeuers entwickeln und welche Relevanz hat sie heute noch für den (katholischen) Glauben?
In dieser Kurzarbeit möchte ich zuerst kurz den Begriff Fegefeuer definieren und nach biblischen Belegen für seine Existenz suchen. Anschließend möchte ich darlegen, woher die Vorstellung vom Fegefeuer stammt und wie sie sich im Laufe der Dogmengeschichte entwickelt hat. Im Anschluss daran möchte ich ergründen, ob und wie die gegenwärtige katholische Theologie auf die Vorstellung des Fegefeuers Bezug nimmt. Abschließend werde ich die Ansichten der neueren katholischen Theologie aufgreifen, um diese mit meiner lutherisch und hoffnungstheologisch geprägten Auffassung von den letzten Dingen zu vergleichen. Aus diesem Vergleich heraus mag sich die Antwort auf die Frage ergeben, welche Relevanz der Glaube an das Fegefeuer heute noch haben kann.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

2. Definition des Begriffs „Fegefeuer“

3. Biblische Grundlagen des Fegefeuerglaubens?

4. Woher stammt der Glaube an das Fegefeuer?

4.1. Dogmengeschichtliche Entwicklung des Fegefeuers

4.2. Zusammenfassung und Resumée

5. Die katholische Fegefeuerlehre der Gegenwart

6. Persönliches Fazit – Würdigung und Kritik der Fegefeuerlehre

7. Literatur

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die Arbeit verfolgt das Ziel, die historische Entwicklung und die heutige Bedeutung der katholischen Lehre vom Fegefeuer kritisch zu beleuchten. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie eine aus heutiger Sicht oft abwegig erscheinende Vorstellung entstehen konnte und welche Relevanz sie noch für den christlichen Glauben besitzt, wobei die Autorin eine vergleichende Perspektive zwischen katholischer Dogmatik und einer lutherisch geprägten Hoffnungstheologie einnimmt.

  • Historische Herleitung des Fegefeuerglaubens und dogmengeschichtliche Entwicklung
  • Biblische Grundlagen und deren historisch-kritische Einordnung
  • Gegenüberstellung von Leistungsdenken und dem Konzept der Rechtfertigung aus Gnade
  • Wandel der katholischen Fegefeuerlehre hin zu personalen Kategorien
  • Die seelsorgerliche Relevanz und der Aspekt der Solidarität unter den Gläubigen

Auszug aus dem Buch

4.1. Dogmengeschichtliche Entwicklung des Fegefeuers

Das Fegefeuer beruht religionswissenschaftlich auf uralten Motiven (Feuer, Finsternis, Marter, Prüfung), und besonders die ägyptischen Jenseitsvorstellungen haben maßgeblich die Vorstellung einer Hölle und eines Totengerichts geprägt. Jedoch möchte ich dies hier nur erwähnen, um zu betonen, dass die Eschatologie des Christentums „von früheren Religionen und Zivilisationen eine Geographie des Jenseits ererbt“ und mit der jesuanischen Predigt vom letzten Gericht verbunden hat. Bis zur Abschwächung der Parusieerwartung der urchristlichen Gemeinde, der Trennung von den jüdischen Gemeinden und dem Aufbruch zur Heidenmission wurde dieses letzte Gericht recht bald erwartet, und so ergab sich die Notwendigkeit zum Nachdenken über einen Zwischenzustand erst zur Zeit der christlichen Apologeten.

Diese begannen ab dem zweiten Jahrhundert in Auseinandersetzung mit ihrer heidnischen Umwelt „darüber nachzudenken, was mit den Seelen zwischen dem individuellen Tod und dem jüngsten Gericht geschieht“ und übernahmen dabei aus der griechischen Vorstellung das dualistische Modell von Himmel und Hölle (Elysium und Hades). Dies setzte gleichsam auch das „Nachdenken über die Konstitution des Menschen (‚Leib’ und ‚Seele’)“ im Zusammenhang mit der gelehrten leiblichen Auferstehung voraus. Zu dieser Zeit gab es jedoch bereits die Praxis, Fürbitten, Totenmessen und Eucharistiefeiern für die Verstorbenen zu halten, wie die Schilderungen des Tertullianus († um 220) beweisen. Diese immer weiter ausgedehnte und von den Kirchenvätern konstituierte liturgische Praxis ist meines Erachtens eine wichtige Grundlage für die Entwicklung der Lehre vom Fegefeuer.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Fragestellung: Die Autorin legt ihre persönliche Motivation sowie die Forschungsfrage dar, die das Verhältnis zwischen der Fegefeuerlehre und heutiger Glaubenspraxis untersucht.

2. Definition des Begriffs „Fegefeuer“: Es erfolgt eine begriffliche Klärung des Purgatoriums als Läuterungszustand nach dem Tod und dessen Verbindung zum Ablasshandel.

3. Biblische Grundlagen des Fegefeuerglaubens?: Dieses Kapitel analysiert, dass es keine expliziten biblischen Belege für das Fegefeuer gibt, auch wenn Traditionen diverse Schriftstellen für die Lehre heranzogen.

4. Woher stammt der Glaube an das Fegefeuer?: Hier wird die religionsgeschichtliche und dogmatische Entwicklung von den frühchristlichen Apologeten über Augustinus bis zur Scholastik detailliert nachgezeichnet.

5. Die katholische Fegefeuerlehre der Gegenwart: Eine Betrachtung moderner theologischer Deutungen, die das Fegefeuer nicht mehr als Ort, sondern als persönlichen Läuterungsprozess begreifen.

6. Persönliches Fazit – Würdigung und Kritik der Fegefeuerlehre: Die Autorin reflektiert die Lehre aus ihrer eigenen lutherischen Perspektive und würdigt den Aspekt der Solidarität zwischen Lebenden und Toten.

7. Literatur: Verzeichnis der verwendeten theologischen Standardwerke und Quellen.

Schlüsselwörter

Fegefeuer, Purgatorium, Dogmengeschichte, Eschatologie, Rechtfertigungslehre, Gnade, Zwischenzustand, Läuterung, katholische Theologie, Seelenheil, Ablass, Totengedenken, interkonfessionelle Perspektive, Solidarität, Auferstehung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Lehre vom Fegefeuer, ihrer historischen Entstehung sowie ihrer Bedeutung in der heutigen katholischen und evangelischen Theologie.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit deckt die historische Entwicklung des Fegefeuerglaubens, die exegetische Analyse biblischer Grundlagen sowie eine kritische Auseinandersetzung mit dem Leistungsdenken in religiösen Vorstellungen ab.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es zu ergründen, warum sich das Fegefeuer als Vorstellung entwickeln konnte und welche heutige Relevanz dieser Glaube für das (katholische) Glaubensverständnis hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine dogmengeschichtliche und historisch-kritische Herangehensweise sowie einen interkonfessionellen Vergleich zwischen der katholischen Lehre und der lutherischen Rechtfertigungstheologie.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine dogmengeschichtliche Analyse, die Definition der Begriffe, eine Untersuchung der modernen katholischen Deutung sowie eine kritische Würdigung der Fegefeuerlehre.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Zu den zentralen Begriffen gehören Fegefeuer, Läuterung, Gnade, Rechtfertigung, Eschatologie und die historische Dogmenentwicklung.

Wie unterscheidet die moderne katholische Theologie das Fegefeuer vom mittelalterlichen Verständnis?

Die moderne Theologie verlässt die räumliche Vorstellung eines „Ortes“ der Bestrafung und definiert das Fegefeuer als einen personalen Läuterungsprozess und ein Vollendungsleiden in der Begegnung mit Gott.

Welche Rolle spielt die lutherische Perspektive für das Fazit der Autorin?

Die Autorin betrachtet den Tod aus der Perspektive der Rechtfertigung allein aus Gnade, was ihr hilft, Leistungsdruck zu entgehen, während sie gleichzeitig die katholische Idee der Solidarität über den Tod hinaus als wertvollen seelsorgerlichen Aspekt anerkennt.

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Details

Title
Das Fegefeuer
Subtitle
Relevanz für den heutigen (katholischen) Glauben
College
Protestant University of Applied Sciences Berlin  (Religionspädagogik)
Course
Dogmatik
Grade
1,0
Author
Regine Seidel (Author)
Publication Year
2004
Pages
12
Catalog Number
V124573
ISBN (eBook)
9783640297757
ISBN (Book)
9783640303113
Language
German
Tags
Fegefeuer Dogmatik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Regine Seidel (Author), 2004, Das Fegefeuer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124573
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