1. Thema und Ziele der Stunde
Die Schüler und Schülerinnen der Klasse 5 durften nach der historisch-kritischen
Erarbeitung der beiden biblischen Schöpfungsberichte aus dem Buch Genesis ein
ökologisches Thema auswählen, das sie wirklich betrifft. In dieser Stunde sollen sich die
Achsen Lebenswirklichkeit, Naturwissenschaft und Theologie schneiden, damit die
Schüler/innen erkennen, dass die christliche Hermeneutik ökologische Themen nicht
ausschließt und heute auf die Naturwissenschaften Bezug nimmt. Das von den
Schüler/innen am 13.06.03 gewählte Thema ist „Ozon“. Obwohl ein Großteil der Stunde
von der Darstellung der chemischen Besonderheit des Ozons und der anschaulichen
Illustration der Ozonproblematik eingenommen wird, ist dies doch kein
Sachkundeunterricht: Am Beispiel des brisanten ökologischen Themas „Ozon“ sollen die
Schüler/innen den Auftrag „dominium terrae“ aus Gen 1,28 bewerten: Herrschaft bedeutet
auch Verantwortung.
Daher heißt das Thema der Stunde: „Das ‚dominium terrae’ (Gen 1,28) am Beispiel des
Ozon – zu viel unten und zu wenig oben!“
Grobziel:
Die Schüler/innen sollen aus ihren gewonnenen Erkenntnissen über die Ursachen der
Ozonproblematik heraus den „Herrschaftsauftrag“ der Bibel zeitgemäß interpretieren.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Thema und Ziele der Stunde
2. Unterrichtsvoraussetzungen
2.1. Schulorganisatorische Voraussetzungen
2.2. Beschreibung der Lerngruppe
2.3. Entwicklungspsychologische Voraussetzungen
3. Einbettung der Stunde in den Zusammenhang der Unterrichtseinheit
4. Sachanalyse
4.1. Exegetische Betrachtung des „dominium terrae“ aus Gen 1,28
4.2. Systematische Überlegungen
4.2.1. Kirchengeschichtliches zum Schöpfungsbegriff
4.2.2 Systematisch-theologische Brennpunkte zum Thema „Schöpfung“
4.2.3. Systematische Betrachtung des „dominium terrae“ aus Gen 1,28
4.3. Fachwissenschaftliche Zusammenfassung der Ozonproblematik
4.3.1. Was ist „Ozon“?
4.3.2. Was ist die „Ozonschicht“?
4.3.3. Die Ursachen und Wirkzusammenhänge der Ozonproblematik
4.3.3.1. Das „Ozonloch“ - Zerstörung des Ozons in der Stratosphäre
4.3.3.2. Der „Sommersmog“ - die Bildung von Ozon in unserer Troposphäre
4.3.3.3. Aussichten, bzw. was wird getan – was können wir tun?
5. Didaktisch-methodische Überlegungen
5.1. Didaktische Überlegungen
5.1.1. Vorgaben des Rahmenplans
5.1.2 Religionspädagogische Grundüberlegungen zur Unterrichtseinheit
5.1.3 Warum gerade dieser Unterrichtsinhalt für diese Schüler/innen?
5.2 Methodische Überlegungen
6. Verlaufsplanung
7. Anlagen
7.2. Arbeitsbogen
7.3 Anschlag für die Magnettafel
7.4. Auflistung der gehaltenen Stunden in der Unterrichtseinheit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, Schülern einer 5. Klasse im Rahmen des Religionsunterrichts eine Brücke zwischen der naturwissenschaftlichen Perspektive auf die Ozonproblematik und der theologischen Reflexion des biblischen Herrschaftsauftrags (Gen 1,28) zu schlagen. Die Forschungsfrage untersucht dabei, wie der Herrschaftsauftrag in der heutigen ökologischen Krise zeitgemäß interpretiert werden kann, um Verantwortung statt Ausbeutung zu fördern.
- Verbindung von Lebenswirklichkeit, Naturwissenschaft und Theologie
- Analyse der Ozonproblematik (Ozonloch und Sommersmog)
- Historisch-kritische Auseinandersetzung mit Gen 1,28
- Entwicklung eines verantwortungsvollen Schöpfungsverständnisses
- Förderung der Urteilskompetenz im Bereich Ökologie
Auszug aus dem Buch
4.1. Exegetische Betrachtung des „dominium terrae“ aus Gen 1,28
Innerhalb des priesterschriftlichen Schöpfungsberichts steht der sogenannte „Herrschaftsauftrag“ im Zusammenhang des Schöpfungsgeschehens des sechsten Tages. Hierin teilen sich Landtiere und Menschen einen Lebensraum und sind somit eng miteinander verbunden. Mögliche Konflikte werden dadurch ausgeschlossen, dass von diesen beiden Arten nur der Mensch (wie vorher Vögel und Fische) den Wachstumssegen erhält, die Nahrungszuweisung strikt Natur- und Kulturpflanzen trennt und dem Menschen zusätzlich der sogenannte „Herrschaftsauftrag“ zuteil wird. Die Sonderstellung des Menschen wird auch dadurch hervor gehoben, dass die geschaffenen Landtiere auf Grund des göttlichen Befehls aus der Erde hervorgehen und er sie „machte“ (Gen 1,24-25), während die Menschen „nicht aus den Tiefen der Erde hervor kommen, sondern auf Grund eines in der ganzen Schöpfungserzählung der Priesterschrift einmaligen Selbstentschlusses Gottes (V. 26) ohne vorgegebenen Stoff und ohne Mitwirkung der Erde völlig frei erschaffen werden, wofür das dreimalige in V. 27 charakteristisch ist.“ Zugleich ist hier von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen die Rede. Doch was besagt das? Das Motiv der Gottesebenbildlichkeit des Menschen findet sich außer in der Priesterschrift nur indirekt in Psalm 8;5ff. Wenn Verfassungen die Unantastbarkeit der Menschenwürde für alle schützen, können sie sich auf die Gottebenbildlichkeit des Menschen (Gen 1,27) berufen. Diese schließt Ausbeutung und Herrschaft von Menschen über Menschen aus.
Doch geht es hier weniger um das Selbstverständnis des Menschen, als um Gottes Verhältnis zu den Menschen. Claus Westermann betont dazu, dass es sich nicht um eine Wesensbestimmung handeln kann, weil dies nicht dem hebräischen Denken entspräche. Es ginge viel mehr um eine Entsprechung von Gott und Menschheit im Sinne des korrelierenden Gegenübers. Diese gegenseitige Beziehung geht mit der Segenszusage einher, die den Wunsch nach Glück, Erfolg, Fruchtbarkeit und Vermehrung der Güter verheißt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Thema und Ziele der Stunde: Die Einleitung definiert das Ziel, den Herrschaftsauftrag vor dem Hintergrund der Ozonproblematik fachübergreifend zu bewerten.
2. Unterrichtsvoraussetzungen: Dieses Kapitel beleuchtet die schulischen Rahmenbedingungen, die Zusammensetzung der Lerngruppe sowie deren Entwicklungsstand.
3. Einbettung der Stunde in den Zusammenhang der Unterrichtseinheit: Hier wird der Prozess der Schüler von der Mythenbetrachtung hin zur kritischen Auseinandersetzung mit Schöpfungstexten beschrieben.
4. Sachanalyse: Es erfolgt eine detaillierte exegetische Betrachtung des biblischen Textes, systematische Überlegungen zum Schöpfungsbegriff sowie eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Ozonproblematik.
5. Didaktisch-methodische Überlegungen: Die Autorin legt dar, warum und wie dieser spezifische Inhalt durch anschauliche Modelle wie das „Drei-Brillen-Modell“ vermittelt werden soll.
6. Verlaufsplanung: Eine tabellarische Übersicht über den geplanten Unterrichtsverlauf, die Lehrerinteraktionen und die erwarteten Schülerreaktionen.
7. Anlagen: Das Verzeichnis enthält verwendete Literatur, den Arbeitsbogen sowie eine Auflistung der Unterrichtsstunden.
Schlüsselwörter
Religionspädagogik, Schöpfung, Evolution, Gen 1,28, dominium terrae, Ozon, Ozonloch, Sommersmog, Schöpfungsethik, Umwelterziehung, Religionsunterricht, biblische Hermeneutik, Verantwortung, Ökologie, Sachkunde
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit stellt einen detaillierten Entwurf für eine Religionsunterrichtsstunde in der 5. Klasse dar, die sich mit dem biblischen Herrschaftsauftrag im Kontext moderner ökologischer Probleme auseinandersetzt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Verbindung zwischen biblischer Schöpfungstheologie und naturwissenschaftlichem Verständnis sowie die gezielte Behandlung der Ozonproblematik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den Schülern zu vermitteln, dass christliche Hermeneutik keine ökologische Verantwortung ausschließt, sondern einen „Herrschaftsauftrag“ als verantwortungsvolles Bebauen und Bewahren der Welt interpretieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Methode stützt sich auf fächerübergreifendes Lernen, anschauliche Demonstration von chemischen Prozessen und das „Brillen-Modell“, um verschiedene Sichtweisen (biblisch, naturwissenschaftlich, ökologisch) zu trennen und zu verknüpfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine exegetische Analyse von Gen 1,28, eine systematische Schöpfungstheologie sowie eine fachwissenschaftliche Zusammenfassung der Ursachen und Folgen der Ozonproblematik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Schöpfungsethik, dominium terrae, Ozonloch, Sommersmog, Umwelterziehung und ökologische Theologie.
Wie werden die chemischen Vorgänge der Ozonbildung den Kindern erklärt?
Die Autorin nutzt ein anschauliches Modell mit Schülern, die Sauerstoffmoleküle darstellen, um die unbeständige Natur von Ozon und die Zerstörung durch Umwelteinflüsse begreifbar zu machen.
Welche Rolle spielt das „Drei-Brillen-Modell“?
Es dient dazu, den Schülern zu verdeutlichen, dass man dieselbe Welt durch verschiedene Perspektiven – die historisch-mythische, die naturwissenschaftliche und die moderne religionspädagogische – betrachten kann, ohne in Widersprüche zu geraten.
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- Regine Seidel (Author), 2003, Stundenentwurf zum Thema: Das „dominium terrae“ (Gen 1,28) am Beispiel des Ozon – zu viel unten und zu wenig oben!, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124574