In dieser Arbeit wird die Ästhetik bzw. die Medienästhetik des audiovisuellen Werks der Band „Cabaret Voltaire“ im Kontext ihrer soziokulturellen Dimension untersucht. Der Begriff „Ästhetik“ wird phänomenologisch im Sinne von Informations- und Rezeptionsästhetik verwendet, weil es sich bei dem zu analysierenden Forschungsgegenstand um eine Erscheinung der Postmoderne, nämlich musikalische „Medien-Kunst“ bzw. Pop-Musik handelt. Die von Cabaret Voltaire zur Erzeugung des Mediums Musik verwendeten technischen Medien werden entsprechend als ästhetische Phänomene erfasst und einzelmedienübergreifend untersucht.
Das Ziel dieser Arbeit ist, durch die Analyse der besonderen (medien-)ästhetischen Merkmale dieser Band und ihres musikalischen Werks herauszufinden, wie diese (Medien-)Ästhetik als soziales und künstlerisches „Produkt“ ihrer Zeit, i.e. die Phase der 3. Industriellen Revolution3 bzw. des Elektronikzeitalters, wahrgenommen wurde.
Folgende Frage soll beantwortet werden: ist die audiovisuelle Medienästhetik des musikalischen Werks von Cabaret Voltaire ein Ausdruck kritischer Reflexion der kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklungen ihrer Zeit, und womöglich auch im heutigen digitalen Zeitalter noch relevant, oder – mit Shakespeare gesprochen – „Viel Lärm Um Nichts“?
Die Elektronik-Band „Cabaret Voltaire“ aus der nordenglischen Industriestadt Sheffield war von 1975 bis 1993 aktiv und wird aufgrund ihres experimentellen musikalischen Stils, der sich unter Einsatz von Kommunikationselektronik-Geräten entwickelte, als „Industrial Band“ bezeichnet. Cabaret Voltaire gelten als einflussreichste Mitbegründer des Genres der „Indusrial Music“ in Nordengland, das sich in den späten 70er Jahren in Sheffield und London entwickelte. Der Name der Band bezieht sich auf den gleichnamigen Gründungsort der Dada-Bewegung in Zürich und markiert damit eine enge Verbindung zur Avantgarde-Kunst des frühen 20. Jahrhunderts, deren Ästhetik und Philosophie das musikalische bzw. multimediale Werk Cabaret Voltaires deutlich prägte.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. „DADA MEETS INDUSTRIAL“: ZUR ÄSTHETIK DER ELEKTRONIK-BAND CABARET VOLTAIRE
2.1 „INDUSTRIAL MUSIC FOR INDUSTRIAL PEOPLE“ – BEGRIFFSERKLÄRUNGEN UND KONTEXTUELLE ANALYSE DER „FIRST WAVE“ 1973 – 1981.
2.2 INTERMEDIALITÄTEN IM WERK VON CABARET VOLTAIRE DURCH EINFLÜSSE AUS AVANTGARDE-KUNST, LITERATUR DER POSTMODERNE UND MUSIQUE CONCRÈTE: DADAISMUS, WILLIAM S. BURROUGHS UND JOHN CAGE.
2.3 PRODUKTION UND REZEPTION: DIE MEDIEN-ÄSTHETIK IM AUDIOVISUELLEN WERK DER „NOISE-ART-TERRORISTS“ CABARET VOLTAIRE
3. SCHLUSSTEIL: ZUSAMMENFASSUNG, KOMMENTIERUNG, AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die audiovisuelle Medienästhetik der Band Cabaret Voltaire unter Berücksichtigung soziokultureller Kontexte. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern das Werk eine kritische Reflexion der gesellschaftlichen Entwicklungen ihrer Zeit darstellt und welche medienästhetische Relevanz diese Ansätze, geprägt durch Dadaismus und Industrial Music, heute besitzen.
- Medienästhetik der Industrial Music
- Einfluss von Avantgarde-Kunst und Dadaismus
- Technologische Produktion und Rezeption von Noise-Musik
- Soziokultureller Kontext der britischen Industriegesellschaft
- Analyse des Werks „Nag Nag Nag“ als Fallbeispiel
Auszug aus dem Buch
2. „Dada meets Industrial“: zur Ästhetik der Elektronik-Band Cabaret Voltaire.
Stephen Mallinder (*1955), Richard H. Kirk (*1956) und Chris Watson (*1952), drei junge Männer aus der britischen Arbeiterklasse, aufgewachsen in der nordenglischen Industriestadt Sheffield, kannten sich vom „Abhängen“ in den Straßen der Stadt. Sie waren gelangweilt, kunst-, musik- und technikinteressiert und begangen, zusammen auf dem Dachboden in Chris Watsons Haus musikalische Experimente und bald auch experimentelle Musik zu machen. Frühe Resultate waren Tape-Loops (Tonband-Schleifen), die sie vom Rücksitz eines Lieferwagens spielten, während sie durch die Straßen Sheffields fuhren.
Diese Aktion erinnerte an den Schriftsteller Ken Kesey, der mit seinen Anhängern, den „Merry Pranksters“, unter dem Einfluss von LSD in den 60er Jahren mit dem Bus durch die USA reiste und dabei psyschedelische Musik über Lautsprecher spielte. Dies wirkte wie eine spielerische Ironisierung der Verbreitung von Werbung oder Propaganda in der Art einer Performance – im Fall von Cabaret Voltaire war die „Botschaft“ quasi codefreier Lärm. 1973 beschlossen sie, eine Band zu gründen, die sie nach dem Züricher Künstlertreffpunkt der Dadaisten „Cabaret Voltaire“ nannten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Elektronik-Band Cabaret Voltaire, Definition des Untersuchungsgegenstands und Darlegung der zentralen Forschungsfrage.
2. „DADA MEETS INDUSTRIAL“: ZUR ÄSTHETIK DER ELEKTRONIK-BAND CABARET VOLTAIRE: Detaillierte Untersuchung der ästhetischen Grundlagen der Band sowie ihrer Entstehung im Kontext der Industriestadt Sheffield.
2.1 „INDUSTRIAL MUSIC FOR INDUSTRIAL PEOPLE“ – BEGRIFFSERKLÄRUNGEN UND KONTEXTUELLE ANALYSE DER „FIRST WAVE“ 1973 – 1981.: Analyse der soziokulturellen und historischen Bedingungen in Großbritannien, die zur Entstehung der Industrial Music führten.
2.2 INTERMEDIALITÄTEN IM WERK VON CABARET VOLTAIRE DURCH EINFLÜSSE AUS AVANTGARDE-KUNST, LITERATUR DER POSTMODERNE UND MUSIQUE CONCRÈTE: DADAISMUS, WILLIAM S. BURROUGHS UND JOHN CAGE.: Betrachtung der künstlerischen und literarischen Einflüsse auf die Band, insbesondere Dadaismus, Cut-up-Technik und experimentelle Musique concrète.
2.3 PRODUKTION UND REZEPTION: DIE MEDIEN-ÄSTHETIK IM AUDIOVISUELLEN WERK DER „NOISE-ART-TERRORISTS“ CABARET VOLTAIRE: Untersuchung der Produktionsweisen elektronischer Klänge und deren Wahrnehmung durch den Rezipienten anhand des Praxisbeispiels „Nag Nag Nag“.
3. SCHLUSSTEIL: ZUSAMMENFASSUNG, KOMMENTIERUNG, AUSBLICK: Synoptische Zusammenführung der Analyseergebnisse und Beantwortung der Forschungsfrage im Hinblick auf die heutige Relevanz.
Schlüsselwörter
Cabaret Voltaire, Industrial Music, Dadaismus, Medienästhetik, Sheffield, Noise, Cut-up-Technik, Post-Punk, Elektronische Musik, Avantgarde, Soziokultureller Kontext, Rezeption, Industrielle Revolution, Klangkultur, Subversivität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der audiovisuellen Medienästhetik der Elektronik-Band Cabaret Voltaire und deren Bedeutung als künstlerische Reflexion einer industriell geprägten Gesellschaft im Umbruch.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen der Einfluss von Dadaismus und Avantgarde auf die Musik, die Rolle der Industriestadt Sheffield sowie die medientechnologische Entwicklung der 1970er und 1980er Jahre.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, inwiefern die (Medien-)Ästhetik der Band als soziales und künstlerisches Produkt ihrer Zeit fungiert und ob sie auch im heutigen digitalen Zeitalter noch kritische Relevanz besitzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine medienästhetische Analyse durchgeführt, die historische, soziale und kulturwissenschaftliche Quellen und Kontexte miteinander verknüpft und durch eine Werkanalyse ergänzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die soziokulturelle Kontextualisierung der Industrial Music, die Aufarbeitung künstlerischer Einflüsse sowie die Untersuchung von Produktion und Rezeption am Beispiel konkreter audiovisueller Werke.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Industrial Music, Dadaismus, Noise, Medienästhetik, Cut-up-Technik und Subversion charakterisieren.
Welche Bedeutung hat das Stück „Nag Nag Nag“ für die Analyse?
Es dient als zentrales Fallbeispiel, an dem die Band ihre Prinzipien der audiovisuellen Verzerrung, der Cut-up-Technik und der bewussten „Nicht-Botschaft“ verdeutlicht.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des „Kontrollverlusts“ im Werk Cabaret Voltaires?
Die Autorin sieht darin einen paradoxen subversiven Akt, bei dem die Band mittels der gleichen technologischen Kontrollwerkzeuge, die die Gesellschaft manipulieren, eine Form von „geistiger Befreiung“ für den Rezipienten zu forcieren versucht.
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- Tatjana Nicholson (Author), 2018, "Dada meets Industrial". Zur Ästhetik der Elektronik-Band Cabaret Voltaire, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1245827