Das Konzept der „Handlungsfähigkeit im Sport“ von besagt, dass Schüler befähigt werden sollen ihren Sport aus der Vielfalt des Sports auszuwählen und diesen angemessen zu betreiben, bzw. herzustellen (vgl. KURZ in NEUMANN 1999, 134).Eine optimale Auswahl kann jedoch nur derjenige treffen, der Unterschiedliches kennengelernt hat. Den Schülern sind deshalb möglichst viele Sinngebungen nahezubringen. (vgl. NEUMANN 1999, 134).
Die von KURZ beschriebene Sinnperspektive Spannung steht für sportbezogene Inhalte und Erlebnisqualitäten, die im Besonderen dem Wagnissport zuzuordnen sind. Eine pädagogische Fokussierung auf das Wagnis treffe den Inhalt dieser Perspektive am genauesten(vgl. NEUMANN 1999, 134). Darüber hinaus werden im Wagnissport jedoch auch andere Sinnperspektiven angesprochen (Die Sinnperspektiven Leistung, Eindruck und Miteinander). Damit wird festgestellt, dass eine Wagniserziehung Schülern dazu verhelfen kann „Handlungsfähigkeit im Sport“ zu erreichen.
Für mich stellt sich nun die wesentliche Frage: Wie kann Wagnis im Sportunterricht vermittelt werden? Zunächst möchte ich in Kapitel 2. das Wagnis auf den Sport bezogen definieren und von ähnlichen Begriffen abgrenzen um das Untersuchungsziel dieser Hausarbeit zu verdeutlichen. In Abschnitt 2.1 soll weiterführend ein Ausblick auf den Reiz am Wagnis erläutert werden, der in Kapitel 3. eine Berechtigung für eine pädagogische Arbeit mit dem sportlichen Wagnis untermauern soll. In Abschnitt 3.1 wird die genauepädagogische Aufgabe einer Wagniserziehung beschrieben. Das Hauptuntersuchungsziel dieser Hausarbeit möchte ich insbesondere in Kapitel 4.darstellen, in dem ich versuche mögliche Wege einer sinnvollen Wagniserziehung im Schulunterricht erörtert zu erörtern. In Kapitel 5., dem Schlussteil sollen die wesentlichen Ergebnisse kurz zusammengefasst werden und mit meiner eigenen Sicht zum Thema Wagniserziehung im Sportunterricht abschließen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das sportliche Wagnis
2.1 Das Bedürfnis zum sportlichen Wagnis
3. Pädagogische Aspekte der Wagniserziehung
3.1 Aufgaben des Pädagogen
4. Empfehlungen für den Schulsport
4.1 „Aufsuchen“
4.2 „Aushalten“
4.3 „Auflösen“
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das pädagogische Potenzial von Wagnissituationen im Sportunterricht und stellt dar, wie durch gezielte Vermittlungsstrategien die Handlungsfähigkeit und Persönlichkeitsentwicklung von Schülern gefördert werden kann.
- Definition und Abgrenzung des sportlichen Wagnisses
- Bedeutung des Neugierverhaltens und Kompetenzerlebens
- Pädagogische Grundhaltung und Aufgaben der Lehrkraft
- Strukturmodell der Wagniserziehung: Aufsuchen, Aushalten, Auflösen
- Förderung der Selbstständigkeit und Selbsteinschätzung bei Schülern
Auszug aus dem Buch
2. Das sportliche Wagnis
Der Autor SCHLESKE setzt beim Versuch den Wagnissport zu definieren, dass sportliche Wagnis mit dem sportlichem Risiko und dem Erlebnis im Sport gleich, indem er ein einheitliches Handlungsmuster darin erkennt, dass „(...)der Sportler freiwillig eine Position der Sicherheit und/oder des festen Standortes auf der Erde aufgibt und sich Unsicherheiten, Risiken und vielleicht sogar realen Gefahren aussetzt, um dann das aktive Wiedergewinnen von Sicherheit als einen Triumph der eigenen Tüchtigkeit, Reaktionsbereitschaft und Leistungsfähigkeit auszukosten“ (SCHLESKE in GISSEL & SCHWIER 2003, 25). Um auf den pädagogisch relevanten Kern des Wagnisses aufmerksam zu machen, der sich am Entschluss, trotz bestehender Unsicherheiten und Gefährdungen zu wagen festmacht, möchte ich mich in dieser Hausarbeit jedoch auf den Autoren Neumann beziehen.
„Die Bezeichnung „Erlebnissport“ halte ich nicht zuletzt wegen der mit dem Sport verbundenen heterogenen Vielfalt potenzieller Erlebnisse für unscharf. (...)Die Bezeichnung „Risikosport“ ist ebenfalls ungenau, wenn und insoweit der Risikobegriff eine besondere Nähe zu technisch-mathematischen Wahrscheinlichkeitsberechnungen im Schadensfalle aufweist“ (NEUMANN in GISSEL & SCHWIER 2003, 25). Beim sportlichen Wagnis geht es nämlich nicht unbedingt um spektakuläre Formen des Sports. Bei Balancierübungen im Schulsport z.B. muss auch die Entscheidung getroffen werden, die lauten könnte: „Jetzt versuche ich es, ich traue mich und wage es.“ Darüber hinaus hat das Wagnis im Unterschied zum Risiko einen stärkeren Bezug zur Person. „(...)das Wagnis steht im Sport also für eine individuelle und freiwillige Entscheidung, sich in eine offene und unsichere Ausgangslage zu begeben, die eine leibliche Gefährdungskomponente enthält“ (NEUMANN in GISSEL & SCHWIER 2003, 25). Potenziell stellen sich dann begleitend ein gesteigertes Spannungserleben und Angstempfindungen ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Konzept der Handlungsfähigkeit im Sport ein und begründet die Relevanz der Wagniserziehung als Mittel zur ganzheitlichen Förderung von Schülern.
2. Das sportliche Wagnis: Das Kapitel definiert den Begriff des sportlichen Wagnisses, grenzt ihn von Risikosport und Erlebnissport ab und beleuchtet die psychologischen Grundlagen.
2.1 Das Bedürfnis zum sportlichen Wagnis: Hier wird das menschliche Neugierverhalten sowie das Streben nach Kompetenzerleben und Reizsuche als zentraler Antrieb für Wagnisse erläutert.
3. Pädagogische Aspekte der Wagniserziehung: Dieser Teil erörtert die Ziele der Wagnisvermittlung, wie die Stärkung der Selbstwirksamkeit und die konstruktive Verarbeitung von Misserfolgen.
3.1 Aufgaben des Pädagogen: Hier wird die Rolle der Lehrkraft als unterstützender Berater beschrieben, der Sicherheit strukturiert, ohne den Schülern die Eigenverantwortung durch zu frühe Hilfestellungen zu nehmen.
4. Empfehlungen für den Schulsport: Dieses Kapitel stellt praktische Wege vor, um das Konzept des Wagnisses in den Schulalltag zu integrieren.
4.1 „Aufsuchen“: Dieser Abschnitt thematisiert das bewusste Aufsuchen wagnisreicher Räume, sei es in der Natur oder durch geschickte Bewegungslandschaften in der Halle.
4.2 „Aushalten“: Fokus auf die notwendige sportmotorische und psychische Kompetenz, um Angst zu überwinden und Unsicherheiten aktiv zu bewältigen.
4.3 „Auflösen“: Beschreibung der Nachbereitungsphase durch Reflexionsgespräche, in denen Erlebtes verarbeitet und pädagogisch eingeordnet wird.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einer kritischen Reflexion über die Umsetzung der Wagniserziehung in der Schulpraxis.
Schlüsselwörter
Wagniserziehung, Sportunterricht, Handlungsfähigkeit, Risiko, Spannungserleben, Selbstwirksamkeit, Wagnissport, Pädagogik, Angstbewältigung, Kompetenzerleben, Bewegungslandschaften, Identitätsfindung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Begründung und praktischen Umsetzung einer Wagniserziehung im schulischen Sportunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition des Wagnisbegriffs, den pädagogischen Anforderungen an die Lehrkraft und der Strukturierung von Wagnissituationen in drei Phasen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Schüler durch Wagnisse in ihrer Handlungsfähigkeit, ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Fähigkeit zur realistischen Selbsteinschätzung gestärkt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-pädagogische Hausarbeit, die auf sportwissenschaftlicher Literatur und didaktischen Modellen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des sportlichen Wagnisses, die pädagogische Zielsetzung und das konkrete Modell des "Aufsuchens, Aushaltens und Auflösens".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Wagniserziehung, Handlungsfähigkeit, Selbstwirksamkeit, Angstbewältigung und die spezifische pädagogische Strukturierung von Wagnissen.
Wie unterscheidet der Autor sportliches Wagnis von Risikosport?
Das Wagnis zeichnet sich durch eine freiwillige, persönliche Entscheidung aus, während Risikosport oft technokratisch mit mathematischen Wahrscheinlichkeiten gleichgesetzt wird.
Warum spielt die Zurückhaltung des Lehrers eine so große Rolle?
Eine zu aktive Hilfe würde den Schüler um das Erfolgserlebnis der eigenen Bewältigung bringen und die pädagogische Intention der Selbstüberwindung zunichtemachen.
Welche Bedeutung hat die Reflexionsphase ("Auflösen")?
Das Auflösen dient dazu, die im Wagnis gewonnenen Eindrücke, Ängste und Erfahrungen in ein verbales Gespräch zu überführen, um Lernprozesse nachhaltig zu festigen.
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- Timo Mentzel (Author), 2006, Wagniserziehung im Sportunterricht. Wie kann Wagnis vermittelt werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124608