Seit 1984 sind die Sachwalterschaftsverfahren kontinuierlich gestiegen. Dies bedeutet, dass immer mehr Menschen Rechtsschutz benötigen. Durch diese Zunahme ist die Sachwalterschaft unter Druck geraten und die Befürchtungen, dass die Qualität in der Betreuung abnimmt, sind berechtigt.
Gründe für die Zunahme der Sachwalterschaften sind u.a. die Zunahme der Zielgruppen und fehlende soziale Ressourcen.
Da es sich bei den KlientInnen in der Sachwalterschaft um unfreiwillige KlientInnen handelt, ist es häufig schwierig für den/die SachwalterIn, eine zufriedenstellende Zusammenarbeit zu erreichen.
Einerseits brauchen psychisch kranke Menschen häufig einen Sachwalter, da sie auf Grund der Krankheit nicht fähig sind, ihren Lebensalltag selbstständig zu gestalten. Andererseits bedeutet eine Sachwalterschaft für die betroffenen Personen Einschränkung, Abhängigkeit, aber auch Kontrolle und Stigmatisierung.
Das Ziel der Arbeit ist es, aufzuzeigen, was es braucht, damit betroffene Personen die Sachwalterschaft als nützlich erleben, bzw. was fehlt oder schief läuft, wenn die Sachwalterschaft (nur) als Einschränkung erlebt wird.
Mit Hilfe von narrativen Interviews mit betroffenen Personen wurden die aktuelle Situation, die Bedürfnisse, die Anforderungen an eine/n SachwalterIn, aber auch die Kritik an den/die SachwalterIn erhoben und in der Folge ausgewertet und interpretiert.
Ein wesentliches Ergebnis der Forschung ist, dass die Sachwalterschaft Beziehungsarbeit sein muss, damit sie funktioniert und als positiv erlebt wird.
Die Häufigkeit der Kontakte und das Engagement des/der SachwalterIn sind ausschlaggebend für eine gute Zusammenarbeit mit den betroffenen Personen.
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG
II. ZUGRUNDELIEGENDE FORSCHUNGSFRAGE DIESER ARBEIT
III. MOTIVATION UND ERKLÄRUNG DES FORSCHUNGSANLASSES
IV. INHALTLICHER AUFBAU DER ARBEIT
V. AUSGANGSSITUATION
VI. MÖGLICHE GRÜNDE FÜR DEN EXPANSIVEN ANSTIEG
VI.1. Zunahme an Rechtsgeschäften
VI.2. Fehlende soziale Ressourcen
VI.3. Veränderung des Wohlfahrtssystems
VI.4. Zunahme der Zielgruppe
VII. VORRAUSSETZUNGEN FÜR EINE SACHWALTERSCHAFT
VIII. SACHWALTERSCHAFTSVERFAHREN (AUßSTRG IDF. AB 1.1.2005)
IX. PSYCHISCHE ERKRANKUNGEN
IX.1. Häufigkeit von psychischen Erkrankungen
IX.2. Allgemeines
X. PSYCHISCHE KRANKHEITEN, DIE HÄUFIG ZU EINER SACHWALTERSCHAFT FÜHREN
X.1. Depression
X.2. Manie
X.3. Borderline Störung
X.4. Schizophrenie
X.5. Vermüllungssyndrom
XI. EMPIRISCHER TEIL
XI.1. Kontext der forschungsleitenden Frage
XI.2. Forschungsleitende Frage
XI.3. Methode zur Datenerhebung
XI.4. Zielgruppe
XI.5. Durchführung der Interviews
XI.6. Auswertung des Datenmaterials
XI.7. Kategorienbildung
XI.8. Formulierung von 9 Kategorien
XI.9. Auswertung und Interpretation der Interviews
XI.9.a Unterschied in der Betreuung auf Grund des/der SachwalterIn
XI.9.b Kontakt zum/r SachwalterIn
XI.9.c Beziehung zum/zur SachwalterIn
XI.9.d Wertschätzende Haltung und Respekt
XI.9.e Macht bzw. Machtmissbrauch
XI.9.f Transparenz und Information
XI.9.g Anerkennung bzw. Förderung der Selbstbestimmung
XI.9.h Einschränkung der Freiheitsrechte
XI.9.i Engagement des/der SachwalterIn
Ausblick
Resümee
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, die Sachwalterschaft aus der Perspektive psychisch erkrankter Menschen zu untersuchen, um zu verstehen, welche Faktoren dazu beitragen, dass Betroffene diese als nützlich empfinden oder in welchen Fällen sie diese lediglich als Einschränkung erleben. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Bedingungen für eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Sachwaltern und Klienten.
- Analyse der Gründe für den Anstieg an Sachwalterschaftsverfahren
- Einfluss verschiedener psychischer Erkrankungen (z.B. Depression, Manie, Schizophrenie) auf die Sachwalterschaft
- Qualitative Erhebung der Bedürfnisse und Erfahrungen von Klienten mittels narrativer Interviews
- Bedeutung der Beziehungsarbeit und Rollenklärung im Kontext der Pflichtklientschaft
- Untersuchung von Machtaspekten, Transparenz und Wertschätzung in der Betreuung
Auszug aus dem Buch
X.1. Depression
Die Depression zählt neben der Manie laut dem Internationalen Klassifizierungssystem „ICD 10“ zu den affektiven Störungen. Bei diesen Störungen stehen Veränderungen des Fühlens im Vordergrund.
Definition nach dem ICD 10: Depressive Episode - F32 „Bei den typischen leichten (F32.0), mittelgradigen (F32.1) oder schweren (F32.2 und F32.3) Episoden leidet der betroffene Patient unter einer gedrückten Stimmung und einer Verminderung von Antrieb und Aktivität. Die Fähigkeit zu Freude, das Interesse und die Konzentration sind vermindert. Ausgeprägte Müdigkeit kann nach jeder kleinsten Anstrengung auftreten. Der Schlaf ist meist gestört, der Appetit vermindert. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind fast immer beeinträchtigt. Sogar bei der leichten Form kommen Schuldgefühle oder Gedanken über eigene Wertlosigkeit vor. Die gedrückte Stimmung verändert sich von Tag zu Tag wenig, reagiert nicht auf Lebensumstände und kann von sogenannten "somatischen" Symptomen begleitet werden, wie Interessenverlust oder Verlust der Freude, Früherwachen, Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung, Agitiertheit, Appetitverlust, Gewichtsverlust und Libidoverlust. Abhängig von Anzahl und Schwere der Symptome ist eine depressive Episode als leicht, mittelgradig oder schwer zu bezeichnen.“
Durch diese Symptomatik verändert sich das Verhalten zum Umfeld, ebenso die Beziehung zu anderen Menschen. Mücke (2003 : 32) meint, „Wenn eine/r ein Symptom entwickelt oder unter bestimmten Problemen leidet, dann hat das immer Auswirkungen auf die Beziehungsgestaltung, ob man das nun intendiert/will oder nicht“
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITUNG: Darstellung der Problematik von Sachwalterschaften und deren öffentlicher Wahrnehmung anhand von Medienberichten.
II. ZUGRUNDELIEGENDE FORSCHUNGSFRAGE DIESER ARBEIT: Formulierung der zentralen Forschungsfrage, die nach den Bedingungen für eine als nützlich erlebte Sachwalterschaft fragt.
III. MOTIVATION UND ERKLÄRUNG DES FORSCHUNGSANLASSES: Reflexion über die beruflichen Beobachtungen der Autorin und die Relevanz des Handlungsfeldes.
IV. INHALTLICHER AUFBAU DER ARBEIT: Überblick über den Aufbau, von der Darstellung der Missstände bis hin zur qualitativen empirischen Forschung.
V. AUSGANGSSITUATION: Analyse des kontinuierlichen Anstiegs der Sachwalterschaftsverfahren seit 1984.
VI. MÖGLICHE GRÜNDE FÜR DEN EXPANSIVEN ANSTIEG: Untersuchung von Faktoren wie Rechtskomplexität, fehlenden sozialen Ressourcen und Zielgruppenwachstum.
VII. VORRAUSSETZUNGEN FÜR EINE SACHWALTERSCHAFT: Erläuterung der rechtlichen Grundlagen laut ABGB § 273.
VIII. SACHWALTERSCHAFTSVERFAHREN (AUßSTRG IDF. AB 1.1.2005): Beschreibung des formalen Ablaufs der Bestellung eines Sachwalters.
IX. PSYCHISCHE ERKRANKUNGEN: Darstellung der Verbreitung psychischer Störungen und deren Relevanz für den Betreuungsprozess.
X. PSYCHISCHE KRANKHEITEN, DIE HÄUFIG ZU EINER SACHWALTERSCHAFT FÜHREN: Detaillierte Betrachtung spezifischer Krankheitsbilder wie Depression, Manie, Borderline, Schizophrenie und Vermüllungssyndrom.
XI. EMPIRISCHER TEIL: Präsentation der qualitativen Forschungsergebnisse aus narrativen Interviews mit fünf betroffenen Personen.
Schlüsselwörter
Sachwalterschaft, psychische Erkrankung, Sozialarbeit, Betreuung, Klienten, Beziehungsarbeit, Selbstbestimmung, Empowerment, Pflichtklientschaft, Machtmissbrauch, Lebensqualität, Inklusion, psychosoziale Hilfe, Rechtsfürsorge, Qualitätsmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Sachwalterschaft aus der Perspektive psychisch erkrankter Menschen, um zu analysieren, wie die Betreuung gestaltet sein muss, damit sie von den Klienten als hilfreich und nicht lediglich als Einschränkung empfunden wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Rahmenbedingungen der Sachwalterschaft, die Auswirkungen verschiedener psychischer Erkrankungen auf den Alltag, die Bedeutung einer professionellen Beziehungsgestaltung sowie die Spannung zwischen notwendigem Schutz und dem Wunsch nach Autonomie.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, welche Anforderungen betroffene Personen an ihre Sachwalter stellen und woran es mangelt, wenn die Sachwalterschaft als Stigmatisierung oder Einengung wahrgenommen wird.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Autorin verwendete die qualitative Forschungsmethode des narrativen Interviews, um persönliche Erfahrungsberichte von fünf Betroffenen einzuholen und diese mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring auszuwerten.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil über die rechtlichen und psychiatrischen Grundlagen der Sachwalterschaft sowie einen empirischen Teil, der die Auswertung der Interviews in Kategorien wie Macht, Transparenz, Beziehungsqualität und Selbstbestimmung unterteilt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind Sachwalterschaft, psychische Erkrankung, Beziehungsarbeit, Selbstbestimmung, Pflichtklientschaft und Empowerment.
Wie wirkt sich das Vermüllungssyndrom auf die Betreuung aus?
Bei Vorliegen eines Vermüllungssyndroms ergeben sich spezifische Herausforderungen wie die drohende Delogierung, mangelnde Krankheitseinsicht des Klienten und die notwendige, aber oft schwierige Intervention des Sachwalters im privaten Wohnraum.
Welche Rolle spielt die Rollenklärung für den Sachwalter?
Die Rollenklärung ist essenziell, da die Arbeit im Zwangskontext stattfindet. Sie dient dazu, Transparenz zu schaffen und dem Klienten zu vermitteln, wofür der Sachwalter agiert, um das Vertrauensverhältnis trotz der asymmetrischen Machtposition zu stärken.
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- Mag.(FH) Elke Billensteiner (Author), 2007, Sachwalterschaft aus der Sicht psychisch kranker Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124615