Die vorliegende Arbeit stellt Parsons’ Sozialisationstheorie in den Mittelpunkt ihres Interesses. Einerseits soll untersucht werden, wie Parsons den Sozialisationsprozess definiert und ausdeutet und andererseits muss gefragt werden, welche Determinanten für diesen Prozess bedeutsam sind.
Am Beginn der Arbeit soll eine kurze Biographie Parsons’ den Einstieg in seine soziologischen Überlegungen erleichtern und zudem verdeutlichen, welchen Wissenschaftsfortschritt er gegenüber den Wegbereitern des soziologischen Denkens Émile Durkheim und Max Weber geleistet hat. Anschließend erscheint es zum Verständnis von seiner Theorie der Sozialisation notwendig, einige seiner grundlegenden gesellschafstheoretische Annahmen mit zu berücksichtigen. Dann soll zunächst der Begriff ‚Sozialisation’ geklärt werden, bevor Parsons’ Sozialisationstheorie und seine Bemerkungen zur Bedeutung der Schulklasse erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kurzbiographie Talcott Parsons’
3. Parsons’ Gesellschaftstheorie: Gesellschaft als Ordnung von Handlungssystemen
4. Parsons’ Sozialisationstheorie
4.1. Der Sozialisationsbegriff
4.2. Die Schulklasse als soziales System
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Talcott Parsons’ Sozialisationstheorie und analysiert, wie der Sozialisationsprozess definiert ist und welche Determinanten dabei eine entscheidende Rolle spielen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Bedeutung der Familie und der Schulklasse als zentrale Instanzen der gesellschaftlichen Reproduktion und Integration.
- Biographische Einordnung von Talcott Parsons
- Grundlagen der Gesellschaftstheorie und das AGIL-Schema
- Theorie der Sozialisation und die Rolle der „pattern variables“
- Die Funktion der Schulklasse als Brückeninstitution
Auszug aus dem Buch
4.2. Die Schulklasse als soziales System
Parsons erläutert in seinem berühmten Aufsatz Die Schulklasse als soziales System die Funktion und Aufgabe der Schule als Brückeninstitution zwischen der Familie und dem Beschäftigungssystem in der modernen Gesellschaft; die Grundschulklasse ist hierbei von zentraler Bedeutung.
Die Aussage, dass es in der Familie andere Strukturen sozialer Beziehungen als im beruflichen Umfeld gibt, kann als Ausgangspunkt seiner Überlegungen gelten: Berufliche Rollenbeziehungen sind von universalistischen Wertmustern bestimmt und auf diese muss das heranwachsende Kind vorbereitet werden. Diese Aufgabe der Schule fasst Parsons unter dem Begriff der ‚Sozialisation’ zusammen und erläutert, dass die Schüler die „Bereitschaft und Fähigkeit zur erfolgreichen Erfüllung ihrer späteren Erwachsenenrollen“ (Parsons 1968, S.161) entwickeln sollen. Darüber hinaus nennt er eine zweite Funktion der Schule: Sie soll „diese menschlichen Ressourcen innerhalb der Rollenstruktur der Erwachsenengesellschaft […] verteilen“ (ebd., S.162), d. h. sie hat zudem die Allokationsfunktion inne.
Zunächst soll auf die Sozialisationsfunktion der Schule eingegangen werden, indem anhand der fünf Orientierungsalternativen der „pattern variables“ (siehe S.7) die Merkmale der Schulklasse erläutert werden:
Mit dem Schuleintritt beginnt für das Kind die Loslösung von den primären emotionalen Bindungen an seine Familie (vgl. ebd., S.179). In der Grundschulklasse begegnen ihm sowohl Elemente der Familie als auch des beruflichen Beschäftigungssystems. So erteilt eine Lehrkraft nahezu den ganzen Unterricht, wodurch die Kinder zu ihr eine personalisierte Beziehung aufbauen können. Parsons verwendet in diesem Zusammenhang den Begriff „Quasi-Mütterlichkeit der Lehrerin“ (ebd., S.180), der verdeutlichen soll, dass die Lehrperson ein gewisses Maß an emotionaler Hilfe zur Verfügung stellen kann. Diese individuelle Zuwendung ist allerdings aufgrund der Klassengröße nur sehr begrenzt möglich und soll außerdem durch die nun beginnende Betonung von affektiver Neutralität geprägt sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz von Talcott Parsons’ Sozialisationstheorie ein und skizziert die methodische Fragestellung nach dem Sozialisationsprozess.
2. Kurzbiographie Talcott Parsons’: Dieses Kapitel beleuchtet den akademischen Werdegang von Talcott Parsons und ordnet ihn historisch sowie wissenschaftlich ein.
3. Parsons’ Gesellschaftstheorie: Gesellschaft als Ordnung von Handlungssystemen: Hier werden die Grundlagen der Systemtheorie und das AGIL-Schema zur Analyse gesellschaftlicher Stabilität erläutert.
4. Parsons’ Sozialisationstheorie: Dieser Kernabschnitt definiert Sozialisation als Internalisierung von Normen und analysiert die Rolle von Familie und Schule.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Bedeutung von Parsons’ Theorien zusammen und reflektiert kritisch über das Modell der „Übersozialisation“.
Schlüsselwörter
Talcott Parsons, Sozialisationstheorie, Gesellschaftstheorie, AGIL-Schema, Strukturfunktionalismus, Schulklasse, Allokationsfunktion, Sozialisation, Systemtheorie, Rollenhandeln, Familiensystem, Mustervariablen, Internalisierung, Sozialisationsinstanz, Individuierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Sozialisationstheorie nach Talcott Parsons und beleuchtet, wie Individuen durch Lernprozesse in das gesellschaftliche System integriert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten gehören das AGIL-Schema, die „pattern variables“, die familiale Erziehung und die spezifische Funktion der Grundschule.
Welches Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie Parsons den Sozialisationsprozess definiert und welchen Stellenwert er der Schule als Instanz der gesellschaftlichen Selektion beimisst.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Rekonstruktion soziologischer Fachliteratur sowie der Primärwerke von Talcott Parsons.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des handlungstheoretischen Fundaments, des AGIL-Schemas sowie der detaillierten Untersuchung des Sozialisationsbegriffs und der Schulklasse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Systemstabilität, Sozialisation, Rollenerwartungen, gesellschaftliche Integration und Selektionsmechanismen.
Was versteht man unter dem Begriff „Quasi-Mütterlichkeit der Lehrerin“?
Dieser Begriff beschreibt das Phänomen, dass die Lehrkraft in der Grundschule für das Kind eine emotionale Stütze bietet, während gleichzeitig der Übergang zu Leistungsanforderungen stattfindet.
Warum wird die Schulklasse als „Brückeninstitution“ bezeichnet?
Weil sie den Übergang des Kindes von den primären Bindungen der Familie hin zu den universalistischen Leistungsanforderungen der modernen Arbeitsgesellschaft moderiert.
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- Angela Lintzen (Author), 2008, Die Sozialisationstheorie nach Talcott Parsons, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1246611